Der Sinn einer Pres­se­ver­öf­fent­li­chung

Bei der Deu­tung des Sin­nes einer in einer Pres­se­ver­öf­fent­li­chung ent­hal­te­nen Äuße­rung ist die Äuße­rung stets in dem Zusam­men­hang zu beur­tei­len, in dem sie gefal­len ist. Sie darf nicht aus dem sie betref­fen­den Kon­text her­aus­ge­löst einer rein iso­lier­ten Betrach­tung zuge­führt wer­den.

Der Sinn einer Pres­se­ver­öf­fent­li­chung

Zu den Schutz­gü­tern des all­ge­mei­nen Per­sön­lich­keits­rechts zählt die sozia­le Aner­ken­nung des Ein­zel­nen. Es umfasst den Schutz des Ein­zel­nen vor Äuße­run­gen, die geeig­net sind, sich abträg­lich auf sein Bild in der Öffent­lich­keit aus­zu­wir­ken [1]. Ob eine Äuße­rung eine sol­che Eig­nung besitzt, hängt davon ab, wel­cher Aus­sa­ge­ge­halt ihr zukommt. Bei der mit­hin not­wen­di­gen Sinn­deu­tung, die in vol­lem Umfang der Nach­prü­fung durch das Revi­si­ons­ge­richt unter­liegt [2], ist zu beach­ten, dass die Äuße­rung stets in dem Zusam­men­hang zu beur­tei­len ist, in dem sie gefal­len ist. Sie darf nicht aus dem sie betref­fen­den Kon­text her­aus­ge­löst einer rein iso­lier­ten Betrach­tung zuge­führt wer­den [3].

Danach ist die im vor­lie­gen­den; vom Bun­des­ge­richts­hof ent­schie­de­nen Rechts­streit ange­grif­fe­ne Bericht­erstat­tung nicht geeig­net, sich abträg­lich auf das Bild der Klä­ge­rin in der Öffent­lich­keit aus­zu­wir­ken. Zwar mag es zutref­fen, dass der von der Klä­ge­rin bean­stan­de­te Satz iso­liert betrach­tet den Ein­druck ver­mit­telt, die Klä­ge­rin habe sich wider­sprüch­lich ver­hal­ten, indem sie die Ver­öf­fent­li­chung eines von ihr ursprüng­lich für gut befun­de­nen Bei­trags plötz­lich aus nicht wei­ter nach­voll­zieh­ba­ren Moti­ven ver­hin­dert habe, was auf die – gera­de in der beruf­li­chen Posi­ti­on der Klä­ge­rin – nega­ti­ven Cha­rak­ter­ei­gen­schaf­ten der Unzu­ver­läs­sig­keit und der Wan­kel­mü­tig­keit hin­deu­ten könn­te. Im Gesamt­zu­sam­men­hang des Arti­kels tritt die­ser Aus­sa­ge­ge­halt aber völ­lig in den Hin­ter­grund. Aus der maß­geb­li­chen Sicht des Durch­schnitts­emp­fän­gers [4] ist Gegen­stand des Arti­kels die – zunächst neu­tra­le – Dar­stel­lung eines Streits über die Auto­ri­sie­rung des von der Klä­ge­rin gege­be­nen Inter­views. Hier­zu wer­den dem Leser die unter­schied­li­chen Posi­tio­nen der Klä­ge­rin einer­seits und der Autoren des Buches „Die vier­te Gewalt“ ande­rer­seits mit­ge­teilt. Dar­an anknüp­fend wird dar­auf hin­ge­wie­sen, dass sich die Klä­ge­rin mit ihrem Ver­hal­ten in Wider­spruch zu einer von „ihrer“ Zei­tung betrie­be­nen „Kam­pa­gne gegen den Auto­ri­sie­rungs­wahn bei Pres­se­inter­views“ setzt. Hier­in liegt der eigent­li­che im Arti­kel gegen­über der Klä­ge­rin erho­be­ne Vor­wurf. Er knüpft allei­ne dar­an an, dass die Klä­ge­rin durch die Ver­wei­ge­rung der Auto­ri­sie­rung eines von ihr gege­be­nen Inter­views des­sen Ver­öf­fent­li­chung ver­hin­dert hat, sie sich also, wenn es um sie per­sön­lich geht, in einer Wei­se ver­hält, die gera­de von „ihrer“ Zei­tung im Rah­men einer „Kam­pa­gne“ kri­ti­siert wur­de. Die­ser Vor­wurf ist aber völ­lig unab­hän­gig von der Fra­ge, in wel­cher zeit­li­chen Rei­hen­fol­ge sie einer­seits die Auto­ri­sie­rung ver­wei­gert und ande­rer­seits die Tran­skrip­ti­on gelobt hat.

Da der streit­ge­gen­ständ­li­chen Äuße­rung ein die Klä­ge­rin her­ab­wür­di­gen­der Aus­sa­ge­ge­halt nicht ent­nom­men wer­den kann, schei­det auch ein Anspruch aus § 823 Abs. 2 BGB i.V.m. § 186 StGB aus.

Bun­des­ge­richts­hof, Urteil vom 27. Mai 2014 – VI ZR 153/​13

  1. BGH, Urteil vom 25.10.2011 – VI ZR 332/​09, VersR 2012, 66 Rn. 21 mwN; BGH, Beschluss vom 16.10.2013 – XII ZB 176/​12, NJW 2014, 61 Rn. 28[]
  2. vgl. nur BGH, Urtei­le vom 03.02.2009 – VI ZR 36/​07, VersR 2009, 555 Rn. 12; vom 11.03.2008 – VI ZR 189/​06, VersR 2008, 695 Rn. 11; vom 22.11.2005 – VI ZR 204/​04, VersR 2006, 382 Rn. 14; jeweils mwN[]
  3. vgl. BGH, Urtei­le vom 22.09.2009 – VI ZR 19/​08, VersR 2009, 1545 Rn. 11; vom 11.03.2008 – VI ZR 7/​07, VersR 2008, 793 Rn.20; vom 28.06.1994 – VI ZR 252/​93, VersR 1994, 1120, 1121; BVerfG, NJW 2013, 217 Rn.20 jeweils mwN[]
  4. vgl. BGH, Urteil vom 15.11.1994 – VI ZR 56/​94, BGHZ 128, 1, 6 mwN[]