Der Steu­er­be­ra­ter und sein insol­venz­rei­fer Man­dant

Tritt der Steu­er­be­ra­ter bei einem rein steu­er­recht­li­chen Man­dat in kon­kre­te Erör­te­run­gen über eine etwai­ge Insol­venz­rei­fe der von ihm bera­te­nen Gesell­schaft ein, ohne die Fra­ge nach dem Insol­venz­grund zu beant­wor­ten, hat er das Ver­tre­tungs­or­gan dar­auf hin­zu­wei­sen, dass eine ver­bind­li­che Klä­rung nur erreicht wer­den kann, indem ihm oder einem fach­lich geeig­ne­ten Drit­ten ein ent­spre­chen­der Prüf­auf­trag erteilt wird.

Der Steu­er­be­ra­ter und sein insol­venz­rei­fer Man­dant

Der Steu­er­be­ra­ter unter­liegt bei einem aus­drück­li­chen Auf­trag zur Prü­fung der Insol­venz­rei­fe eines Unter­neh­mens einer ver­trag­li­chen Haf­tung für etwai­ge Fehl­leis­tun­gen 1. Dies gilt auch dann, wenn der ver­trag­lich ledig­lich mit der Erstel­lung der Steu­er­bi­lanz betrau­te Steu­er­be­ra­ter wei­ter­ge­hend erklärt, dass eine insol­venz­recht­li­che Über­schul­dung nicht vor­lie­ge 2. Der ledig­lich mit der all­ge­mei­nen steu­er­li­chen Bera­tung einer GmbH beauf­trag­te Bera­ter ist hin­ge­gen nicht ver­pflich­tet, die Gesell­schaft bei einer Unter­de­ckung in der Han­dels­bi­lanz auf die Pflicht ihres Geschäfts­füh­rers unge­fragt hin­zu­wei­sen, eine Über­prü­fung, ob Insol­venz­rei­fe bestehe, in Auf­trag zu geben oder selbst vor­zu­neh­men 3. Die­ser Grund­satz gilt unein­ge­schränkt, wenn der Bera­ter aus­schließ­lich mit den steu­er­li­chen Ange­le­gen­hei­ten der Gesell­schaft befasst ist.

Den Steu­er­be­ra­ter tref­fen jedoch wei­ter­ge­hen­de ver­trag­li­che Hin­weis­pflich­ten, wenn er – wie hier – bei einem rein steu­er­recht­li­chen Man­dat mit dem Ver­tre­tungs­or­gan in kon­kre­te Erör­te­run­gen über eine etwai­ge Insol­venz­rei­fe der von ihm bera­te­nen Gesell­schaft ein­tritt. Inso­weit gilt nichts ande­res als in sons­ti­gen Fäl­len, in denen der Bera­ter außer­halb des bestehen­den Man­dats­ver­hält­nis­ses für die Ent­schlie­ßung des Man­dan­ten erkenn­bar erheb­li­che Erklä­run­gen abgibt, die sich als unzu­tref­fend erwei­sen.

In einer sol­chen Gestal­tung wird dem Bera­ter nicht ange­son­nen, schon bei einem "äuße­ren Anlass" oder "äuße­ren Ver­dacht" einer Insol­venz den Man­dan­ten auf die Not­wen­dig­keit einer Prü­fung hin­zu­wei­sen 4. Viel­mehr wird der steu­er­li­che Bera­ter in einem Bera­tungs­ge­spräch von dem Man­dan­ten unmit­tel­bar mit der kon­kre­ten Fra­ge einer Insol­venz­rei­fe des Unter­neh­mens kon­fron­tiert. In einem sol­chen Fall muss der Bera­ter schon mit Rück­sicht auf die viel­fäl­ti­gen damit ver­bun­de­nen recht­li­chen Fol­gen dem Man­dan­ten einen Weg auf­zei­gen, der ihm die Fest­stel­lung ermög­licht, ob eine Insol­venz vor­liegt oder nicht. Dies kann gesche­hen, indem der steu­er­li­che Bera­ter auf der Grund­la­ge eines ihm dann erteil­ten beson­de­ren Auf­trags selbst eine ver­bind­li­che gut­acht­li­che Stel­lung­nah­me abgibt. Sieht sich der steu­er­li­che Bera­ter hier­zu – sei es wegen feh­len­der Fach­kun­de oder mit Rück­sicht auf eine kom­ple­xe Tat­sa­chen­grund­la­ge – nicht in der Lage, muss er den Man­dan­ten dar­auf hin­wei­sen, zum Zwe­cke der erbe­te­nen Klä­rung einem geeig­ne­ten Drit­ten einen Prüf­auf­trag zu ertei­len 5.

Im Rah­men des rein steu­er­li­chen Man­dats ist der Steu­er­be­ra­ter nicht ver­pflich­tet, unge­fragt eine ver­bind­li­che Stel­lung­nah­me zur Fra­ge der Insol­venz­rei­fe der Gesell­schaft abzu­ge­ben. Jedoch ist er gehal­ten, der Man­dan­tin eine Klä­rung die­ser Fra­ge – sei es durch den Rat einer geson­der­ten eige­nen Beauf­tra­gung oder der eines Drit­ten – zu ermög­li­chen. Die­ser Ver­pflich­tung ent­spricht der Steu­er­be­ra­ter nicht, indem er es trotz fest­ge­stell­ter Nach­fra­ge nach der Über­schul­dung der Gesell­schaft bei unver­bind­li­chen Dis­kus­sio­nen über ihre wirt­schaft­li­che Lage beließ.

Bun­des­ge­richts­hof, Beschluss vom 6. Febru­ar 2014 – IX ZR 53/​13

  1. BGH, Urteil vom 07.03.2013 – IX ZR 64/​12, WM 2013, 802 Rn. 15; vom 06.06.2013 – IX ZR 204/​12, WM 2013, 1323 Rn. 12[]
  2. BGH, Urteil vom 06.06.2013, aaO Rn. 13[]
  3. BGH, Urteil vom 07.03.2013, aaO[]
  4. vgl. BGH, Urteil vom 07.03.2013, aaO Rn. 17, 19[]
  5. vgl. BGH, Urteil vom 19.05.2009 – IX ZR 43/​08, WM 2009, 1376 Rn. 10 f[]