Der Streit ums ver­trag­lich ver­ein­bar­te Archi­tek­ten­ho­no­rar – und das Grund­ur­teil

Zum Grund des Anspruchs kann auch eine ver­trag­li­che Preis­ab­re­de gehö­ren, wenn die­se für die Art der Berech­nung der ver­ein­bar­ten Ver­gü­tung maß­geb­lich ist und der Archi­tekt gel­tend macht, ihm ste­he im Fal­le ihrer Unwirk­sam­keit ein über das ver­ein­bar­te Hono­rar hin­aus­ge­hen­der Hono­rar­an­spruch zu.

Der Streit ums ver­trag­lich ver­ein­bar­te Archi­tek­ten­ho­no­rar – und das Grund­ur­teil

Ein Grund­ur­teil kann nach § 304 Abs. 1 ZPO erge­hen, wenn ein Anspruch nach Grund und Betrag strei­tig ist und es nach dem Sach- und Streit­stand zumin­dest wahr­schein­lich ist, dass der Anspruch in irgend­ei­ner Höhe besteht. Zum Grund des Anspruchs gehö­ren alle anspruchs­be­grün­den­den Tat­sa­chen 1. Hier­zu zählt eine ver­trag­li­che Preis­ab­re­de, wenn die­se für die Art der Berech­nung der ver­ein­bar­ten Ver­gü­tung maß­geb­lich ist und der Archi­tekt gel­tend macht, ihm ste­he im Fal­le ihrer Unwirk­sam­keit ein über das ver­ein­bar­te Hono­rar hin­aus­ge­hen­der Hono­rar­an­spruch zu. Denn in die­sem Fall steht nicht allein die Berech­nung der Anspruchs­hö­he im Streit, wie die Revi­si­on meint, son­dern die Fra­ge, ob der gel­tend gemach­te Anspruch dem Archi­tekt über­haupt zuste­hen kann. Wel­che anspruchs­be­grün­den­den Tat­sa­chen zum Grund des Anspruchs gehö­ren, ist nicht allein im Hin­blick auf den zugrun­de lie­gen­den mate­ri­ell­recht­li­chen Anspruch, son­dern in Bezug auf den jewei­li­gen mit der Kla­ge gel­tend gemach­ten Anspruch zu beur­tei­len. For­dert der Archi­tekt mit der Kla­ge ein zusätz­li­ches Hono­rar, wel­ches sich aus der Dif­fe­renz zwi­schen dem nach dem öffent­li­chen Preis­recht der HOAI zu bestim­men­den Hono­rar und dem von den Par­tei­en ver­trag­lich ver­ein­bar­ten Hono­rar ergibt, kann ein Grund­ur­teil über den Grund des Anspruchs erge­hen, wenn fest­steht, dass sich die Berech­nung des Hono­rars nicht nach der ver­trag­li­chen Ver­ein­ba­rung der Par­tei­en, son­dern nach den all­ge­mei­nen Hono­rar­preis­vor­schrif­ten rich­tet, und eine hohe Wahr­schein­lich­keit dafür besteht, dass dem Archi­tekt ein zusätz­li­ches Hono­rar in irgend­ei­ner Höhe zusteht.

Die­se Vor­aus­set­zun­gen lie­gen im hier ent­schie­de­nen vom Bun­des­ge­richts­hof ent­schie­de­nen Rechts­streit vor: Der Archi­tekt for­dert mit der Kla­ge von dem Auf­trag­ge­ber ein über das zwi­schen der Schuld­ne­rin und dem Auf­trag­ge­ber ver­ein­bar­te Hono­rar hin­aus­ge­hen­des Hono­rar, das sich nach Abzug der vom Auf­trag­ge­ber geleis­te­ten Zah­lun­gen bei einer Hono­rar­be­rech­nung gemäß § 6 Abs. 1 HOAI auf der Grund­la­ge anre­chen­ba­rer Kos­ten nach der Kos­ten­be­rech­nung erge­ben wür­de. Die Fra­ge, ob die Schuld­ne­rin das Hono­rar auf der Grund­la­ge der getrof­fe­nen Hono­rar­ver­ein­ba­rung gemäß § 6 Abs. 2 HOAI zu berech­nen hat, die­se Ver­ein­ba­rung mit­hin wirk­sam ist, betrifft danach den Grund des Anspruchs. Es besteht zudem eine hohe Wahr­schein­lich­keit dafür, dass dem Archi­tekt bei einer Hono­rar­be­rech­nung gemäß § 6 Abs. 1 HOAI ein höhe­res Hono­rar als im Ver­trag ver­ein­bart zustün­de. Der Archi­tekt hat vor­ge­tra­gen, dass sich die anre­chen­ba­ren Kos­ten nach der Kos­ten­be­rech­nung auf 802.360 € belau­fen. Ein auf die­ser Grund­la­ge ermit­tel­tes Hono­rar läge damit jeden­falls über dem ver­ein­bar­ten Hono­rar, weil die nach der Kos­ten­be­rech­nung zugrun­de zu legen­den anre­chen­ba­ren Kos­ten die von den Par­tei­en ver­ein­bar­ten anre­chen­ba­ren Kos­ten über­stei­gen. Da zwi­schen den Par­tei­en strei­tig ist, ob die von der Schuld­ne­rin erstell­te Kos­ten­be­rech­nung die anre­chen­ba­ren Kos­ten zutref­fend aus­weist, konn­te über den Grund des Anspruchs gemäß § 304 Abs. 1 ZPO vor­ab durch Grund­ur­teil ent­schie­den wer­den.

Bun­des­ge­richts­hof, Urteil vom 24. April 2014 – VII ZR 164/​13

  1. vgl. BGH, Urteil vom 08.12 2011 – VII ZR 12/​09, ZfBR 2012, 237, 238; Urteil vom 07.03.2005 – II ZR 144/​03, NZBau 2005, 396, 397 m.w.N.[]