Der Ver­dachts­man­gel bei Fut­ter­mit­tel in der Lebens­mit­tel­ket­te

Eine Qua­li­täts­min­de­rung von Lebens­mit­teln kann allein dar­in lie­gen, dass der Ver­dacht feh­len­der Eig­nung den Wei­ter­ver­kauf hin­dert. Nichts ande­res gilt bei der Lie­fe­rung eines in der Lebens­mit­tel­ket­te ver­wen­de­ten Fut­ter­mit­tels, wenn auf Grund des Ver­dachts mit­tel­bar die Ver­mark­tung des pro­du­zier­ten Lebens­mit­tels behin­dert wird. Es macht kei­nen Unter­schied, ob der Ver­dacht unmit­tel­bar zur Unver­käuf­lich­keit des Fut­ters oder ledig­lich mit­tel­bar zur Unver­käuf­lich­keit der mit dem Fut­ter pro­du­zier­ten Lebens­mit­tel führt.

Der Ver­dachts­man­gel bei Fut­ter­mit­tel in der Lebens­mit­tel­ket­te

Mit die­ser Begrün­dung hat das Ober­lan­des­ge­richt Olden­burg in dem hier vor­lie­gen­den Fall einen Fut­ter­mit­tel­her­stel­ler wegen des Ver­dachts einer Dioxin­be­las­tung im Fut­ter­mit­tel zur Zah­lung von Scha­dens­er­satz an einen Land­wirt ver­ur­teilt und damit die Ent­schei­dung des Land­ge­richts Olden­burg mit der der Fut­ter­mit­tel­her­stel­ler nicht ein­ver­stan­den war, bestä­tigt. Bei einer im Jahr 2010 im Betrieb des Her­stel­lers durch­ge­führ­ten Unter­su­chung wur­de fest­ge­stellt, dass das dor­ti­ge Misch­fut­ter mit Dioxin in einer über dem Grenz­wert lie­gen­den Kon­zen­tra­ti­on belas­tet war. Ursäch­lich hier­für waren Fet­te, die der Her­stel­ler von einer Fir­ma aus Schles­wig-Hol­stein bezo­gen hat­te. Nach wei­te­ren Unter­su­chun­gen wur­den im Betrieb des Land­wirts aus dem Land­kreis Clop­pen­burg zwei Hüh­ner­stäl­le gesperrt. Den durch die Ent­sor­gung der pro­du­zier­ten Eier ent­stan­de­nen Scha­den hat­te der Fut­ter­mit­tel­her­stel­ler dem Land­wirt ersetzt. Dar­über hin­aus hat der Land­wirt Umsatz­ein­bu­ßen von mehr als 43.000 € gel­tend gemacht, die der Fut­ter­mit­tel­her­stel­ler nicht zah­len woll­te.

In sei­ner Ent­schei­dung hat das Ober­lan­des­ge­richt Olden­burg deut­lich gemacht, dass grund­sätz­lich Ansprü­che wegen eines Man­gels nur gel­tend gemacht wer­den kön­nen, wenn der Man­gel selbst in der Sache, hier also im Fut­ter fest­ge­stellt wird. Das war nicht der Fall, denn das an den Land­wirt gelie­fer­te Fut­ter war teil­wei­se bereits ver­füt­tert wor­den und konn­te des­halb nicht mehr unter­sucht wer­den.

Das Ober­lan­des­ge­richt Olden­burg hat für die­sen Fall die Recht­spre­chung zum Ver­dachts­man­gel bei Lebens­mit­teln auf Fut­ter­mit­tel in der Lebens­mit­tel­ket­te aus­ge­wei­tet. Eine Qua­li­täts­min­de­rung von Lebens­mit­teln kann allein dar­in lie­gen, dass der Ver­dacht feh­len­der Eig­nung den Wei­ter­ver­kauf hin­dert. Nichts ande­res gel­te aus Sicht des Ober­lan­des­ge­richts bei der Lie­fe­rung eines in der Lebens­mit­tel­ket­te ver­wen­de­ten Fut­ter­mit­tels, wenn auf Grund des Ver­dachts mit­tel­bar die Ver­mark­tung des pro­du­zier­ten Lebens­mit­tels behin­dert wer­de. Zur Eig­nung eines in der Lebens­mit­tel­ket­te ver­wen­de­ten Fut­ter­mit­tels zum gewöhn­li­chen Gebrauch gehö­re auch, dass die­ses ver­wen­det wer­den kann, ohne die Wei­ter­ver­äu­ße­rung des pro­du­zier­ten Lebens­mit­tels zu behin­dern. Es mache kei­nen Unter­schied, ob der Ver­dacht unmit­tel­bar zur Unver­käuf­lich­keit des Fut­ters oder – wie hier ledig­lich mit­tel­bar – zur Unver­käuf­lich­keit der mit dem Fut­ter pro­du­zier­ten Lebens­mit­tel führt.

Der Fut­ter­mit­tel­her­stel­ler haf­tet dar­über hin­aus ohne eige­nes Ver­schul­den. Nach dem Lebensmittel‑, Bedarfs­ge­gen­stän­de- und Fut­ter­mit­tel­ge­setz­buch (LFBG) über­neh­me der Ver­käu­fer eine Garan­tie für die Qua­li­tät der Fut­ter­mit­tel, wenn er bei Abga­be der­sel­ben kei­ne Anga­ben zur Beschaf­fen­heit des Fut­ters mache.

Ober­lan­des­ge­richt Olden­burg, Urteil vom 18. Juni 2013 – 12 U 26/​13