Der Vor­na­me des Show­mas­ter-Kin­des

Ist es zuläs­sig, den Vor­na­men und das Alter des Kin­des eines „pro­mi­nen­ten“ Vaters zu ver­öf­fent­li­chen? Der Bun­des­ge­richts­hof bejah­te dies jetzt in einem Fall:

Der Vor­na­me des Show­mas­ter-Kin­des

Kon­kret ging es um die Adop­tiv­toch­ter des TV-Show­mas­ters Gün­ther J. und sei­ner Ehe­frau Thea S.-J., sie trägt den Namen S. Anläss­lich der Ver­lei­hung der Gol­de­nen Kame­ra an Gün­ther J. ver­öf­fent­lich­te die Beklag­te in der von ihr ver­leg­ten Zeit­schrift „Viel Spaß“ einen Bei­trag über die Ehe der Eltern. Über die Tätig­keit von Thea S‑J. wird u.a. berich­tet wie folgt:

„Sie küm­mert sich im hei­mi­schen Pots­dam um die vier Kin­der, die bei­den leib­li­chen Töch­ter Sven­ja (21) und Kris­tin (18) sowie die adop­tier­ten Mäd­chen Kat­ja (14) und Mascha (10).“

Die Adop­tiv­toch­ter Mascha S. ver­lang­te dar­auf­hin von der Beklag­ten, die Ver­öf­fent­li­chung, sie sei ein Kind von Gün­ther J., zu unter­las­sen

Die Kla­ge hat­te zunächst Erfolg, sowohl das Land­ge­richt Ham­burg [1] wie auch auf die Beru­fung des beklag­ten Ver­la­ges das Han­sea­ti­sche Ober­lan­des­ge­richt Ham­burg [2] gaben der Adop­tiv­toch­ter Recht. Anders nun der Bun­des­ge­richts­hof, der auf die Revi­si­on des beklag­ten Ver­la­ges hin die Ham­bur­ger Urtei­le auf­hob und die Kla­ge abwies:

Die Klä­ge­rin sei zwar durch die ange­grif­fe­ne Ver­öf­fent­li­chung in dem durch Art. 2 Abs. 1, Art. 1 Abs. 1 GG, Art. 8 Abs. 1 EMRK gewähr­leis­te­ten Recht auf infor­ma­tio­nel­le Selbst­be­stim­mung betrof­fen, ent­schied der Bun­des­ge­richts­hof, jedoch müs­se sie die Beein­träch­ti­gung hin­neh­men.

Aller­dings ver­pflich­te das Gebot der Rück­sicht­nah­me auf die Per­sön­lich­keit eines betrof­fe­nen Kin­des die Pres­se zu beson­de­rer Sorg­falt bei der Abwä­gung, ob dem Infor­ma­ti­ons­in­ter­es­se nicht ohne Namens­nen­nung genügt wer­den kön­ne. Durch in den Jah­ren 2006 bis 2008 erschie­ne­ne Pres­se­be­rich­te über die im Jahr 2000 erfolg­te Adop­ti­on sei­en aber Vor­na­me, Alter und Abstam­mung der Klä­ge­rin bereits einer brei­ten Öffent­lich­keit bekannt gewor­den. Die Daten sei­en wei­ter­hin in der Öffent­lich­keit prä­sent und im Inter­net zugäng­lich. Das Gewicht des Ein­griffs in die Rechts­po­si­ti­on der Klä­ge­rin durch die Wei­ter­ver­brei­tung sei dadurch gegen­über einem Erst­ein­griff maß­geb­lich ver­rin­gert. Als Ergeb­nis der gebo­te­nen Abwä­gung zwi­schen den Rech­ten der Klä­ge­rin und dem zuguns­ten der Beklag­ten strei­ten­den Recht auf Mei­nungs- und Medi­en­frei­heit müs­se unter den gege­be­nen Umstän­den das Per­sön­lich­keits­recht der Klä­ge­rin zurück­ste­hen.

Bun­des­ge­richts­hof, Urteil vom 5. Novem­ber 2013 – VI ZR 304/​12

  1. LG Ham­burg, Urteil vom 13.01.2012 – 324 O 454/​11[]
  2. OLG Ham­burg, Urteil vom 24.04.2012 – 7 U 5/​12[]