Der Was­ser­an­schluss und die Bezugs­pflicht

Aus § 3 AVB­Was­serV ergibt sich die grund­sätz­li­che Ver­pflich­tung des Anschluss­neh­mers, sei­nen gesam­ten Was­ser­be­darf im ver­ein­bar­ten Umfang bei dem Was­ser­ver­sor­gungs­un­ter­neh­men zu decken. Kann das Was­ser­ver­sor­gungs­un­ter­neh­men gemäß § 11 Abs. 1 Nr. 2 Alt. 1 AVB­Was­serV ver­lan­gen, dass der Anschluss­neh­mer auf eige­ne Kos­ten nach sei­ner Wahl an der Grund­stücks­gren­ze einen geeig­ne­ten Was­ser­zäh­ler­schacht oder Was­ser­zäh­ler­schrank anbringt, so hat der Anschluss­neh­mer sei­ne Kun­den­an­la­ge an die neue Über­ga­be­stel­le anzu­pas­sen, um wei­ter­hin sei­nen Bezugs­pflich­ten nach­zu­kom­men.

Der Was­ser­an­schluss und die Bezugs­pflicht

Der Was­ser­ver­sor­ger hat gegen den Anschluss­neh­mer aus dem Was­ser­ver­sor­gungs­ver­trag in Ver­bin­dung mit § 3 Abs. 1 Satz 2, § 12 Abs. 1 Satz 1 und § 11 Abs. 1 Nr. 2 AVB­Was­serV einen Anspruch dar­auf, dass er sei­ne Kun­den­an­la­ge an die geän­der­te Was­ser­haus­an­schluss­lei­tung anpasst, indem er die in sei­nen bis­he­ri­gen Haus­an­schluss mün­den­de Was­ser­lei­tung an den Was­ser­zäh­ler­schacht an der Grund­stücks­gren­ze ver­legt und anschließt. Dadurch dass der Was­ser­zäh­ler­schacht die neue Über­ga­be­stel­le des Was­sers dar­stellt, ist der Anschluss­neh­mer für den Bereich ab dem Was­ser­zäh­ler­schacht ver­ant­wort­lich und auf­grund der von § 3 Abs. 1 AVB­Was­serV vor­ge­schrie­be­nen Bedarfs­de­ckung ver­pflich­tet, die Kun­den­an­la­ge an die­se Über­ga­be­stel­le anzu­pas­sen.

Der Anschluss­neh­mer hat das Set­zen eines Was­ser­zäh­ler­schachts an der Grund­stücks­gren­ze zu dul­den. Der Anschluss­neh­mer ist für den Bereich ab dem Was­ser­zäh­ler­schacht ver­ant­wort­lich und damit für die Lei­tun­gen, die von die­sem Schacht in sein Haus mün­den sol­len.

Die Ver­ant­wor­tungs­be­rei­che zwi­schen dem Was­ser­ver­sor­gungs­un­ter­neh­men und dem Kun­den wer­den durch die Über­ga­be­stel­le abge­grenzt – die Stel­le, an der das Was­ser und die Gefahr für das Lei­tungs­gut auf den Kun­den über­ge­hen und die Über­eig­nung nach § 929 BGB statt­fin­det 1. Die­se Über­ga­be­stel­le ist in der Regel die Haupt­ab­sperr­vor­rich­tung 2, hier jedoch der Was­ser­zäh­ler­schacht 3.

Im vor­lie­gen­den Fall sind die Vor­aus­set­zun­gen des § 11 Abs. 1 Nr. 2 Alt. 1 AVB­Was­serV sowie des § 12 Abs. 1 Nr. 2 der Ergän­zen­den Bestim­mun­gen des Was­ser­ver­sor­gers gege­ben. Nach die­sen Vor­schrif­ten kann das Was­ser­ver­sor­gungs­un­ter­neh­men ver­lan­gen, dass der Anschluss­neh­mer auf eige­ne Kos­ten nach sei­ner Wahl an der Grund­stücks­gren­ze einen geeig­ne­ten Was­ser­zäh­ler­schacht oder Was­ser­zäh­ler­schrank anbringt, wenn die Ver­sor­gung des Gebäu­des mit Anschluss­lei­tun­gen erfolgt, die unver­hält­nis­mä­ßig lang sind. Durch die Anbrin­gung des Was­ser­zäh­ler­schachts wird die Über­ga­be­stel­le vor­ver­legt. Es geht dar­um, das Was­ser­ver­sor­gungs­un­ter­neh­men im Inter­es­se der Gesamt­heit der Anschluss­neh­mer nicht mit über­durch­schnitt­li­chen Auf­wen­dun­gen für Unter­hal­tung, Erneue­rung und Able­sung zu belas­ten und es vor den Nach­tei­len zu schüt­zen, die dadurch ent­ste­hen, dass unge­mes­se­nes Was­ser in einer auf frem­dem Grund ver­leg­ten, beson­ders lan­gen Lei­tung fließt 4. Der Kun­de ist daher hin­sicht­lich der hin­ter dem Was­ser­zäh­ler­schacht lie­gen­den Lei­tung unter­hal­tungs- und erneue­rungs­pflich­tig 5. Sie gehört zu der Kun­den­an­la­ge, für deren ord­nungs­ge­mä­ße Errich­tung, Erwei­te­rung, Ände­rung und Unter­hal­tung gemäß § 12 Abs. 1 Satz 1 AVB­Was­serV der Kun­de ver­ant­wort­lich ist.

Da der Was­ser­ver­sor­ger einen Anspruch auf Ver­le­gung der bis­he­ri­gen Über­ga­be­stel­le hat, ist der Anschluss­neh­mer ver­pflich­tet, die Kun­den­an­la­ge an die neue Über­ga­be­stel­le anzu­pas­sen, um wei­ter­hin sei­nen Bezugs­pflich­ten nach­zu­kom­men.

Die Vor­schrift des § 3 AVB­Was­serV regelt den Ver­trags­in­halt in Bezug auf Umfang und Zweck der Was­ser­ver­sor­gung 6. Gemäß § 3 Abs. 1 Satz 1 AVB­Was­serV hat das Was­ser­ver­sor­gungs­un­ter­neh­men dem Kun­den im Rah­men des wirt­schaft­lich Zumut­ba­ren die Mög­lich­keit ein­zu­räu­men, den Bezug auf den von ihm gewünsch­ten Ver­brauchs­zweck oder auf einen Teil­be­darf zu beschrän­ken. Der Kun­de ist nach § 3 Abs. 1 Satz 2 AVB­Was­serV ver­pflich­tet, sei­nen Was­ser­be­darf im ver­ein­bar­ten Umfan­ge aus dem Ver­tei­lungs­netz des Was­ser­ver­sor­gungs­un­ter­neh­mens zu decken.

Obwohl nach dem Wort­laut der Rege­lung des § 3 Abs. 1 Satz 1 AVB­Was­serV die Mög­lich­keit zur Beschrän­kung des Bedarfs im Vor­der­grund steht, setzt sie die gene­rel­le Deckung des gesam­ten Bedarfs eines Kun­den durch das Was­ser­ver­sor­gungs­un­ter­neh­men vor­aus 7. Somit besteht auch die grund­sätz­li­che Ver­pflich­tung des Anschluss­neh­mers, sei­nen gesam­ten Was­ser­be­darf beim Ver­sor­gungs­un­ter­neh­men zu decken 8.

Von die­ser Absatz­mög­lich­keit gehen die wirt­schaft­li­chen Kal­ku­la­ti­ons­grund­la­gen der Was­ser­ver­sor­gungs­un­ter­neh­men aus 9. Vor dem Hin­ter­grund der Inves­ti­tio­nen soll der Ver­sor­ger vor einer Fehl­kal­ku­la­ti­on auf­grund gerin­ge­rer oder gar kei­ner Abnah­me­men­gen geschützt wer­den 10. Die Rege­lung des § 3 Abs. 1 AVB­Was­serV bezweckt einen Aus­gleich zwi­schen dem Inter­es­se der All­ge­mein­heit an einer mög­lichst siche­ren, kos­ten­güns­ti­gen und zu weit­ge­hend glei­chen Bedin­gun­gen erfol­gen­den Was­ser­ver­sor­gung einer­seits und den Indi­vi­dual­in­ter­es­sen der ein­zel­nen Ver­brau­cher an einer Berück­sich­ti­gung ihrer beson­de­ren Bedürf­nis­se und Wün­sche ande­rer­seits 11.

Der Anschluss­neh­mer ist daher wei­ter­hin ver­pflich­tet, sei­nen Bedarf an Trink­was­ser gemäß dem Was­ser­lie­fe­rungs­ver­trag aus dem Ver­tei­lungs­netz des Was­ser­ver­sor­gers zu decken. Er macht auch nicht gel­tend, dass er an dem Ver­trag nicht mehr fest­hal­ten und kein Was­ser mehr bezie­hen möch­te. Viel­mehr geht es ihm dar­um, mit dem Was­ser wei­ter­hin über die bis­he­ri­gen Lei­tun­gen und damit an der bis­he­ri­gen Über­ga­be­stel­le ver­sorgt zu wer­den. Da aber der Was­ser­ver­sor­ger zu Recht eine Ver­le­gung der Über­ga­be­stel­le ver­langt, hat der Anschluss­neh­mer sei­ne Kun­den­an­la­ge so zu ändern, dass er in der Lage ist, das Was­ser an die­ser neu­en Stel­le zu bezie­hen.

Bun­des­ge­richts­hof, Urteil vom 6. Febru­ar 2013 – VIII ZR 354/​11

  1. BGH, Urteil vom 23.11.2011 – VIII ZR 23/​11, NJW-RR 2012, 351 Rn. 32 mwN[]
  2. Morell, AVB­Was­serV, Stand Novem­ber 2010, § 10 Absatz 1 Anm. a[]
  3. vgl. BGH, Urteil vom 23.11.2011 – VIII ZR 23/​11, aaO Rn. 33[]
  4. BGH, Urteil vom 23.11.2011 – VIII ZR 23/​11, aaO mwN[]
  5. Ludwig/​Odenthal, AVB­Was­serV, 1981, § 11 Anm. 1[]
  6. Amt­li­che Begrün­dung zu § 3 AVB­Was­serV, abge­druckt in Ludwig/​Odenthal, aaO S. 35[]
  7. Hermann/​Recknagel, Kom­men­tar zu den All­ge­mei­nen Ver­sor­gungs­be­din­gun­gen, 1984, § 3 AVB­Was­serV Rn. 1[]
  8. Hermann/​Recknagel, aaO Rn. 2; Ludwig/​Odenthal, aaO, § 3 Anm. 1; Wein­reich, CuR 2008, 100; zum wesent­lich inhalts­glei­chen § 3 AVB­Fern­wär­meV Danner/​Theobald/​Wollschläger, Ener­gie­recht, Stand Novem­ber 2010, § 3 AVB­Fern­wär­meV Rn. 5 f.[]
  9. Hermann/​Recknagel, aaO Rn. 2[]
  10. Wein­reich, aaO[]
  11. BVerwG, NVwZ 1986, 754 ff.[]