Der wett­be­werbs­recht­li­che Unter­las­sungs­an­spruch – und die Fusi­on des Klä­gers

Aus­nahms­wei­se kann ein wett­be­werbs­recht­li­cher Unter­las­sungs­an­spruch von einem Unter­neh­men auf ein ande­res im Wege der Ein­zel­rechts­über­tra­gung oder der Aus­glie­de­rung im Sin­ne von § 123 Abs. 3 UmwG über­tra­gen wer­den, wenn das auf­neh­men­de Unter­neh­men im Wett­be­werb die Stel­lung des über­tra­gen­den Rechts­trä­gers in vol­lem Umfang über­nom­men hat. Erfolgt dies wäh­rend eines vom über­tra­gen­den Rechts­trä­ger begon­ne­nen Aktiv­pro­zes­ses, tritt der über­tra­gen­de Rechts­trä­ger in gesetz­li­cher Pro­zess­stand­schaft für den auf­neh­men­den Rechts­trä­ger auf. Er muss den Antrag auf Leis­tung an den über­neh­men­den oder neu­en Rechts­trä­ger umstel­len.

Der wett­be­werbs­recht­li­che Unter­las­sungs­an­spruch – und die Fusi­on des Klä­gers

Die Pro­zess­füh­rungs­be­fug­nis ist als Pro­zess­vor­aus­set­zung in jeder Lage des Ver­fah­rens, also auch in der Revi­si­ons­in­stanz, von Amts wegen zu prü­fen. Ein Klä­ger ist pro­zess­füh­rungs­be­fugt, wenn er berech­tigt ist, über das behaup­te­te (strei­ti­ge) Recht einen Pro­zess als Par­tei im eige­nen Namen zu füh­ren 1.

Die Rechts­hän­gig­keit schließt das Recht der einen oder der ande­ren Par­tei nicht aus, die in Streit befan­ge­ne Sache zu ver­äu­ßern oder den gel­tend gemach­ten Anspruch abzu­tre­ten (§ 265 Abs. 1 ZPO). Die Ver­äu­ße­rung oder Abtre­tung hat auf den Pro­zess kei­nen Ein­fluss (§ 265 Abs. 2 Satz 1 ZPO).

Bei der in § 123 Abs. 3 UmwG gere­gel­ten Aus­glie­de­rung han­delt es sich um eine beson­de­re Über­tra­gungs­art, die es gestat­tet, statt der Ein­zel­über­tra­gung ver­schie­de­ner Ver­mö­gens­ge­gen­stän­de eine allein durch den Par­tei­wil­len zusam­men­ge­fass­te Sum­me von Ver­mö­gens­ge­gen­stän­den ein­schließ­lich der Ver­bind­lich­kei­ten in einem Akt zu über­tra­gen 2. Neben der in § 123 Abs. 3 UmwG vor­ge­se­he­nen Aus­glie­de­rung ist auch eine Aus­glie­de­rung durch Ein­zel­rechts­nach­fol­ge mög­lich 3.

Im Streit­fall muss nicht fest­ge­stellt wer­den, ob die Kla­ge­for­de­rung durch Aus­glie­de­rung im Sin­ne von § 123 Abs. 3 UmwG oder durch Abtre­tung im Rah­men einer Ein­zel­rechts­über­tra­gung auf den auf­neh­men­den Rechts­trä­ger über­ge­gan­gen ist. Die Vor­schrift des § 265 Abs. 1 ZPO wäre im zwei­ten Fall direkt, im ers­ten Fall ana­log anwend­bar. Dies führt dazu, dass ein bereits von dem über­tra­gen­den Rechts­trä­ger begon­ne­ner Aktiv­pro­zess, bei dem die Kla­ge­for­de­rung zu dem Ver­mö­gen gehört, das auf den auf­neh­men­den Rechts­trä­ger über­geht, ohne Unter­bre­chung fort­ge­setzt wird. Dabei tritt der über­tra­gen­de Rechts­trä­ger in gesetz­li­cher Pro­zess­stand­schaft für den auf­neh­men­den Rechts­trä­ger gemäß § 265 Abs. 2 Satz 1 ZPO auf 4.

Der Über­gang der Kla­ge­for­de­rung auf den über­neh­men­den (neu­en) Rechts­trä­ger hat zur Fol­ge, dass der Kla­ge­an­trag ange­passt und auf Leis­tung an den über­neh­men­den oder neu­en Rechts­trä­ger umge­stellt wer­den muss 5.

Einer direk­ten oder ana­lo­gen Anwen­dung von § 265 ZPO steht im hier vom Bun­des­ge­richts­hof ent­schie­de­nen Streit­fall nicht ent­ge­gen, dass es sich bei wett­be­werbs­recht­li­chen Unter­las­sungs­an­sprü­chen um höchst­per­sön­li­che Ansprü­che han­delt, die nach § 399 Fall 1 BGB grund­sätz­lich nicht abge­tre­ten wer­den kön­nen.

Nach § 399 BGB kann eine For­de­rung nicht abge­tre­ten wer­den, wenn die Leis­tung an einen ande­ren als den ursprüng­li­chen Gläu­bi­ger nicht ohne Ver­än­de­rung ihres Inhalts erfol­gen kann oder die Abtre­tung durch Ver­ein­ba­rung mit dem Schuld­ner aus­ge­schlos­sen ist. Bei wett­be­werbs­recht­li­chen Unter­las­sungs­an­sprü­chen kommt weder eine Abtre­tung an Drit­te noch an Mit­be­wer­ber oder an Ver­bän­de in Betracht, weil sie zu einer der gesetz­li­chen Rege­lung des § 8 Abs. 3 UWG zuwi­der­lau­fen­den Ver­meh­rung der Ver­fol­gungs­be­rech­tig­ten füh­ren wür­de 6.

Im Streit­fall besteht aller­dings die Beson­der­heit, dass die in Rede ste­hen­den Ansprü­che nicht an irgend­ei­nen Drit­ten abge­tre­ten oder im Wege einer Aus­glie­de­rung nach § 123 Abs. 3 UmwG über­tra­gen wor­den sind, son­dern an ein Unter­neh­men, das im Wett­be­werb die Stel­lung des Klä­gers in vol­lem Umfang über­nom­men hat. In die­sem Son­der­fall kommt es durch die Abtre­tung nicht zu einer Abspal­tung des Anspruchs von der Mit­be­wer­ber­stel­lung und einer Ver­meh­rung der Anspruchs­be­rech­tig­ten, so dass die Leis­tung an das auf­neh­men­de Unter­neh­men ohne eine Ver­än­de­rung ihres Inhalts im Sin­ne von § 399 Fall 1 BGB erfol­gen kann 7.

Bun­des­ge­richts­hof, Urteil vom 6. Juni 2019 – I ZR 67/​18

  1. BGH, Urteil vom 21.04.2016 – I ZR 43/​14, GRUR 2016, 1048 Rn.20 = WRP 2016, 1114 An Evening with Mar­le­ne Diet­rich[]
  2. BGH, Urteil vom 06.12 2000 XII ZR 219/​98, NJW 2001, 1217, 1218 11][]
  3. vgl. hier­zu Hört­nagl in Schmitt/​Hörtnagl/​Stratz, UmwG, UmwStG, 8. Aufl., § 123 UmwG Rn. 24[]
  4. OLG Ham­burg, NJOZ 2011, 1597, 1598 f. 61]; Leo­nard in Semler/​Stengel, UmwG, 4. Aufl., § 131 Rn. 10; Stö­ber, NZG 2006, 574, 576[]
  5. BGH, Urteil vom 20.11.1996 XII ZR 70/​95, NJW 1997, 735, 736 15]; Stö­ber, NZG 2006, 574, 576[]
  6. BGH, Urteil vom 03.05.2007 – I ZR 19/​05, GRUR 2007, 978 Rn. 33 = WRP 2007, 1334 Rechts­be­ra­tung durch Haft­pflicht­ver­si­che­rer; vgl. zur feh­len­den Abtret­bar­keit namens, mar­kenund urhe­ber­recht­li­cher Unter­las­sungs­an­sprü­che BGH, Urteil vom 23.09.1993 – I ZR 251/​90, BGHZ 119, 237, 241 26] Uni­ver­si­tätsem­blem; Urteil vom 22.02.2001 – I ZR 194/​98, GRUR 2001, 1158, 1160 42] = WRP 2001, 1160, 1163 Dorf MÜNSTERLAND; Urteil vom 05.07.2001 – I ZR 311/​98, BGHZ 148, 221, 225 24] SPIEGELCDROM[]
  7. Köhler/​Feddersen in Köhler/​Bornkamm/​Feddersen, UWG, 37. Aufl., § 8 Rn.03.20; Großkomm.UWG/Paal, 2. Aufl., § 8 Rn.199; Büscher in Fezer/​Büscher/​Obergfell, UWG, 3. Aufl., § 8 Rn. 114[]