Deut­sche Bahn und der Nah­ver­kehr

Der Ver­ga­be­se­nat des Ober­lan­des­ge­richts Düs­sel­dorf hält den im Novem­ber 2009 zwi­schen dem Ver­kehrs­ver­bund Rhein-Ruhr AöR (VRR) und der DB Regio NRW GmbH (DB Regio) geschlos­se­nen Ver­gleichs­ver­trag zum Betrieb der Nah­ver­kehrs­li­ni­en im Rhein-Ruhr­ge­biet für ver­ga­be­rechts­wid­rig.

Deut­sche Bahn und der Nah­ver­kehr

Die DB Regio hat­te am 12.7.2004 einen Ver­trag mit dem VRR geschlos­sen, mit dem die DB Regio die Nah­ver­kehrs­li­ni­en im Rhein-Ruhr­ge­biet bis Dezem­ber 2018 betrei­ben soll­te. Nach­dem es zwi­schen bei­den Unter­neh­men zu Strei­tig­kei­ten gekom­men war, der VRR teil­wei­se For­de­run­gen nicht begli­chen und den Ver­trag gekün­digt hat­te, ver­ur­teil­te das Ver­wal­tungs­ge­richt Gel­sen­kir­chen den VRR im Dezem­ber 2008 zur Zah­lung. Dar­auf­hin hat­ten der VRR und die DB Regio Ver­gleichs­ver­hand­lun­gen auf­ge­nom­men. Am 24.11.2009 schlos­sen sie dann einen Ver­gleichs­ver­trag, mit dem die DB Regio die S‑Bahn-Lini­en bis Dezem­ber 2023 betrei­ben soll­te. Außer­dem wur­den wei­te­re Ände­run­gen vor­ge­nom­men (z. B. hin­sicht­lich Lini­en­füh­rung, Zug­län­ge). Die Abel­lio Rail NRW GmbH hat sich hier­ge­gen gewandt und gel­tend gemacht, der Ver­trag von Novem­ber 2009 sei ver­ga­be­rechts­wid­rig. Die Ver­ga­be­kam­mer bei der Bezirks­re­gie­rung Müns­ter ist dem gefolgt und hat den Ver­gleichs­ver­trag ins­ge­samt für unwirk­sam erklärt 1.

Auch der Ver­ga­be­se­nat des Ober­lan­des­ge­richts Düs­sel­dorf hält den im Novem­ber 2009 geschlos­se­nen Ver­trag für ver­ga­be­rechts­wid­rig. Die Bahn­leis­tun­gen hät­ten nicht frei­hän­dig an die DB Regio ver­ge­ben wer­den dür­fen, son­dern hät­ten aus­ge­schrie­ben wer­den müs­sen. Es hand­le sich um aus­schrei­bungs­pflich­ti­ge Dienst­leis­tun­gen. So sei­en Ände­rungs­ver­trä­ge dann als Neu­ver­ga­be anzu­se­hen, wenn sich der Ver­trags­in­halt, hier die Lauf­zeit des Ver­tra­ges, wesent­lich ände­re. § 15 Absatz 2 All­ge­mei­nes Eisen­bahn­ge­setz, der eine Aus­schrei­bung in das Ermes­sen der zustän­di­gen Behör­de stel­le, sei nicht vor­ran­gig und schlie­ße die Anwend­bar­keit ver­ga­be­recht­li­cher Vor­schrif­ten nicht aus.

Da das Ober­lan­des­ge­richt Düs­sel­dorf von einer Ent­schei­dung des Bran­den­bur­gi­schen Ober­lan­des­ge­richts abwei­chen will, das eine Aus­schrei­bungs­pflicht wegen § 15 Absatz 2 All­ge­mei­nes Eisen­bahn­ge­setz in der­ar­ti­gen Fäl­len ver­neint hat­te 2, hat der Düs­sel­dor­fer Ver­ga­be­se­nat die Sache nun dem Bun­des­ge­richts­hof zur Ent­schei­dung vor­ge­legt.

Ober­lan­des­ge­richt Düs­sel­dorf, Beschluss vom 21. Juli 2010 – VII-Verg 19/​10)

  1. Bezirks­re­gie­rung Müns­ter, Beschluss vom 18.03.2010 – VK 1/​10[]
  2. Bran­den­bur­gi­sches OLG, Beschluss vom 02.09.2003 – Verg W 3/​03 und Verg W 5/​03[]