Die ärzt­li­che Ver­rech­nungs­stel­le in der Insol­venz des Arz­tes

Vor­aus­ver­fü­gun­gen des Schuld­ners über Ansprü­che, die sich gegen eine ärzt­li­che Abrech­nungs­stel­le rich­ten, sind für die Zeit nach Ver­fah­rens­er­öff­nung auch nach Ein­füh­rung des § 35 Abs. 2 InsO unwirk­sam, sofern der Ver­wal­ter die Arzt­pra­xis fort­führt [1].

Die ärzt­li­che Ver­rech­nungs­stel­le in der Insol­venz des Arz­tes

Zweck des § 35 Abs. 2 InsO ist es, dem Insol­venz­ver­wal­ter die Mög­lich­keit zu eröff­nen, eine für die Mas­se ver­lust­brin­gen­de Betriebs­fort­füh­rung an den Schuld­ner frei­zu­ge­ben [2]. Ist die Tätig­keit ertrag­reich, soll er sie mit der Mas­se fort­füh­ren kön­nen. Den Schutz von Zes­sio­na­ren, denen über eine Vor­aus­ab­tre­tung For­de­run­gen des Schuld­ners aus der Zeit nach Ver­fah­rens­er­öff­nung abge­tre­ten sind, bezweckt die Rege­lung nicht.

Einen Zusam­men­hang zwi­schen der Rege­lung des § 35 Abs. 2 InsO und der der §§ 91, 114 Abs. 1 InsO gibt es nicht. Die gegen­tei­li­ge Sicht hät­te zur Fol­ge, dass sich der Ver­wal­ter ohne Rück­sicht auf den wirt­schaft­li­chen Erfolg der Tätig­keit des Schuld­ners für eine Frei­ga­be ent­schei­den müss­te, weil er ande­ren­falls die Fort­füh­rung finan­zie­ren müss­te, ohne – jeden­falls für die Dau­er von zwei Jah­ren – die Gegen­leis­tung zur Mas­se zie­hen zu kön­nen.

Die Ent­schei­dung BGHZ 167, 363 ist in Recht­spre­chung und Schrift­tum auf brei­te Zustim­mung gesto­ßen [3]. Soweit es an dem Urteil ver­ein­zel­te Kri­tik gege­ben hat [4], sieht der Bun­des­ge­richts­hof auch in sei­ner neu­er­li­chen Ent­schie­dung kei­nen Anlass, sich mit der Rechts­fra­ge erneut zu befas­sen. Der Grund­ge­dan­ke der Ent­schei­dung, dass die Erträ­ge einer auf Kos­ten der Mas­se durch­ge­führ­ten Betriebs­fort­füh­rung nicht einem ein­zel­nen Zes­sio­nar zuflie­ßen dür­fen, gilt unge­ach­tet des Hin­wei­ses auf mög­li­che Schwie­rig­kei­ten der Ange­hö­ri­gen frei­er Beru­fe, Betriebs­mit­tel­kre­di­te zu erlan­gen. Die Aner­ken­nung des Abson­de­rungs­rechts nach Ver­fah­rens­er­öff­nung wür­de nur dazu füh­ren, dass die Fort­füh­rung der Pra­xis sofort been­det wer­den müss­te [5].

Bun­des­ge­richts­hof, Beschluss vom 18. Febru­ar 2010 – IX ZR 61/​09

  1. Bestä­ti­gung von BGHZ 167, 363[]
  2. BT-Drs. 16/​3227, S. 17[]
  3. vgl. OLG Düs­sel­dorf, ZVI 2008, 429; LG Mos­bach, ZIn­sO 2009, 198, 200; Bräu­er InvO 2006, 413, 416; Ries ZVI 2007, 398, 399; Run­kel ZVI 2007, 45, 51; HK-InsO/­Linck, 5. Aufl. § 114 Rn. 3; Hmb­Komm-InsO/Ah­rendt, 3. Aufl. § 114 Rn. 3; Moll in Kübler/​Prütting/​Bork, § 114 Rn. 19 f[]
  4. Münch­Komm-InsO/­Lö­wi­sch/­Cas­pers, 2. Aufl. § 114 Rn. 4[]
  5. vgl. Bräu­er aaO S. 416[]