Die Aus­strah­lung von Fern­seh­pan­nen

Sol­len "TV-Flops" bei kon­kur­rie­ren­den Sen­dern aus­ge­strahlt wer­den, sind die­se kos­ten­pflich­tig.

Die Aus­strah­lung von Fern­seh­pan­nen

So hat das Ober­lan­des­ge­richt Köln in dem hier vor­lie­gen­den Fall einer vom NDR pro­du­zier­ten Sen­de­rei­he mit Pan­nen aus ande­ren Fern­seh­sen­dun­gen ent­schie­den und gleich­zei­tig die erst­in­stanz­li­che Ent­schei­dung des Land­ge­richts Köln 1 hin­sicht­lich der Lizenz­pflicht der Sequen­zen bestä­tigt. In der Sen­de­rei­he wur­den Aus­schnit­te von Fern­seh­bei­trä­gen diver­ser Sen­der gezeigt, in denen als lus­tig emp­fun­de­ne Pan­nen (Mode­ra­to­rin hat etwas zwi­schen den Zäh­nen, gäh­nen­de Mode­ra­to­rin, Pan­nen mit Tie­ren, etc.) gesche­hen waren. Dar­un­ter waren auch Sen­dun­gen der RTL-Grup­pe. Die­se ver­klag­te dar­auf­hin den pro­du­zie­ren­den Sen­der NDR und ande­re öffent­lich-recht­li­che Sen­der, die das For­mat eben­falls aus­ge­strahlt hat­ten, u.a. auf Bezah­lung einer Lizenz­ge­bühr für die gesen­de­ten Sequen­zen. Die Beklag­ten hat­ten dage­gen argu­men­tiert, die Schnip­sel sei­en im Rah­men einer Par­odie gesen­det wor­den und daher kos­ten­frei. Jeden­falls han­de­le es sich um ein kos­ten­frei zuläs­si­ges Zitat im Sin­ne des Urhe­ber­rechts.

In sei­ner Urteils­be­grün­dung hat das Ober­lan­des­ge­richt Köln dar­auf hin­ge­wie­sen, dass die Nut­zung der Sequen­zen nach Maß­ga­be der vom Bun­des­ge­richts­hof in der Ent­schei­dung zu "TV Total" ent­wi­ckel­ten Grund­sät­ze bezahlt wer­den müs­se. Ins­be­son­de­re sei­en die Sequen­zen nicht im Rah­men einer Par­odie aus­ge­strahlt wor­den. Die wesent­li­chen Merk­ma­le der Par­odie bestün­den näm­lich dar­in, an ein bestehen­des Werk zu erin­nern, gleich­zei­tig aber ihm gegen­über wahr­nehm­ba­re Unter­schie­de auf­zu­wei­sen und einen Aus­druck von Humor oder eine Ver­spot­tung dar­zu­stel­len. In der Sen­dung "Top Flops" sei­en aber kei­ne wahr­nehm­ba­ren Unter­schie­de zwi­schen der Par­odie und dem par­odier­ten Werk zu erken­nen gewe­sen. Viel­mehr hät­ten die Mode­ra­to­ren die ein­zel­nen Bei­trä­ge ledig­lich ange­kün­digt, ohne sich beson­ders mit die­sen aus­ein­an­der zu set­zen. Sinn und Zweck der Sen­dung sei die Belus­ti­gung der Zuschau­er durch die Pan­nen, ohne dass hier­für die Anmo­de­ra­ti­on von Bedeu­tung sei.

Es lie­ge auch kein kos­ten­frei­es Zitat vor. Zweck der Zitat­frei­heit sei es, die geis­ti­ge Aus­ein­an­der­set­zung mit frem­den Wer­ken zu erleich­tern. Die Zitat­frei­heit gestat­te aber nicht, ein frem­des Werk oder ein urhe­ber­recht­lich geschütz­tes Leis­tungs­er­geb­nis nur um sei­ner selbst wil­len zur Kennt­nis der All­ge­mein­heit zu brin­gen. Der Zitie­ren­de müs­se eine inne­re Ver­bin­dung zwi­schen dem frem­den Werk und den eige­nen Gedan­ken her­stel­len. An einer sol­chen inne­ren Ver­bin­dung feh­le es regel­mä­ßig, wenn sich das zitie­ren­de Werk nicht näher mit dem ein­ge­füg­ten frem­den Werk aus­ein­an­der­set­ze, son­dern es nur zur Illus­tra­ti­on ver­wen­de. So lie­ge der Fall hier. Bei "Top Flops" feh­le es an einer Aus­ein­an­der­set­zung im vor­ste­hen­den Sin­ne. Viel­mehr wür­den die Sequen­zen um ihrer selbst wil­len dar­ge­stellt.

Ober­lan­des­ge­richt Köln, Urteil vom 20. April 2018 – 6 U 116/​17

  1. Land­ge­richt Köln, Urteil vom 29.06.2017 – 14 O 411/​14[]