Die Betriebs­prä­mi­en­re­ge­lung bei der Hof­über­nah­me

Im Fal­le einer Betriebs­über­nah­me im Wege der vor­weg­ge­nom­me­nen Erb­fol­ge im Sin­ne von Art. 33 Abs. 1 Buchst. b VO (EG) Nr. 1782/​2003 bedurf­te es kei­nes geson­der­ten Über­tra­gungs­an­trags, um die Betriebs­prä­mi­en­re­ge­lung wie der vor­he­ri­ge Betriebs­in­ha­ber in Anspruch neh­men zu kön­nen.

Die Betriebs­prä­mi­en­re­ge­lung bei der Hof­über­nah­me

Ein Betriebs­in­ha­ber war jen­seits sei­ner all­ge­mei­nen Mit­wir­kungs­pflicht weder nach Art. 12 Abs. 1 VO (EG) Nr. 796/​2004 noch nach § 14 InVe­KoS-Ver­ord­nung ver­pflich­tet, frist­ge­recht mit sei­nem Antrag Anga­ben zur Betriebs­über­nah­me durch vor­weg­ge­nom­me­ne Erb­fol­ge zu machen und Nach­wei­se hier­zu vor­zu­le­gen, um Zah­lungs­an­sprü­che mit OGS-Geneh­mi­gun­gen gel­tend machen zu kön­nen 1.

Eben­so wenig war ein Betriebs­in­ha­ber ver­pflich­tet, frist­ge­recht mit sei­nem Antrag Nach­wei­se über den OGS-Anbau vor­zu­le­gen, wenn und soweit er oder der vor­he­ri­ge Betriebs­in­ha­ber in den Flä­chen- und Nut­zungs­nach­wei­sen des Refe­renz­jah­res Flä­chen mit dem Anbau von Obst, Gemü­se oder Spei­se­kar­tof­feln (OGS-Anbau) aus­ge­wie­sen hat.

Da der Hof­über­neh­mer un hier vom Bun­des­ver­wal­tungs­ge­richt ent­schie­de­nen Streit­fall die Zuwei­sung der OGS-Geneh­mi­gun­gen frist­ge­recht bean­tragt hat­te, bedurf­te es kei­ner Erör­te­rung, ob der Hof­über­neh­mer neben der von ihm bean­trag­ten Fest­set­zung von Zah­lungs­an­sprü­chen über­haupt uni­ons­recht­lich ver­pflich­tet war, einen Antrag auf OGS-Geneh­mi­gun­gen zu stel­len, oder ob sich die­se Ver­pflich­tung zumin­dest aus § 14 der Ver­ord­nung über die Durch­füh­rung von Stüt­zungs­re­ge­lun­gen und gemein­sa­men Regeln für Direkt­zah­lun­gen nach der Ver­ord­nung (EG) Nr. 1782/​2003 im Rah­men des Inte­grier­ten Ver­wal­tungs- und Kon­troll­sys­tems (lnVe­KoSV) vom 03.12 2004 2 ergab. Zu Recht ist das Ober­ver­wal­tungs­ge­richt jeden­falls davon aus­ge­gan­gen, dass der Hof­über­neh­mer ent­ge­gen Nr. II. 4.5 des Antrags­for­mu­lars kei­nen (zusätz­li­chen) Über­las­sungs­an­trag stel­len muss­te, weil er im Wege einer vor­weg­ge­nom­me­nen Erb­fol­ge den Betrieb sei­ner Eltern über­nom­men hat und damit als neu­er Betriebs­in­ha­ber Betriebs­in­ha­bern gleich­ge­stellt ist, die bereits im Bezugs­zeit­raum von 2000 – 2002 Direkt­zah­lun­gen erhal­ten haben.

Grund­la­ge dafür, dass der Hof­über­neh­mer die Betriebs­prä­mi­en­re­ge­lung in Anspruch neh­men kann, ist Art. 33 Abs. 1 Buchst. b der Ver­ord­nung (EG) Nr. 1782/​2003 des Rates vom 29.09.2003 mit gemein­sa­men Regeln für Direkt­zah­lun­gen im Rah­men der Gemein­sa­men Agrar­po­li­tik und mit bestimm­ten Stüt­zungs­re­ge­lun­gen für Inha­ber land­wirt­schaft­li­cher Betrie­be 3 in der Fas­sung der Ver­ord­nung (EG) Nr. 118/​2005 der Kom­mis­si­on vom 26.01.2005 4 – im Fol­gen­den: VO (EG) Nr. 1782/​2003 – in Ver­bin­dung mit Art. 13 Abs. 1 der Ver­ord­nung (EG) Nr. 795/​2004 der Kom­mis­si­on vom 21.04.2004 mit Durch­füh­rungs­be­stim­mun­gen zur Betriebs­prä­mi­en­re­ge­lung 5 in der Fas­sung der Ver­ord­nung (EG) Nr. 394/​2005 der Kom­mis­si­on vom 08.03.2005 6 – im Fol­gen­den: VO (EG) Nr. 795/​2004 -. Nach Art. 33 Abs. 1 Buchst. b VO (EG) Nr. 1782/​2003 kön­nen Betriebs­in­ha­ber, die einen Betrieb im Wege der vor­weg­ge­nom­me­nen Erb­fol­ge von einem betriebs­prä­mi­en­be­rech­tig­ten Betriebs­in­ha­ber im Sin­ne von Art. 33 Abs. 1 Buchst. a VO (EG) Nr. 1782/​2003 über­nom­men haben, die Betriebs­prä­mi­en­re­ge­lung genau­so in Anspruch neh­men wie der vor­he­ri­ge Betriebs­in­ha­ber. Der Uni­ons­ge­setz­ge­ber betont, dass die Fort­füh­rung eines land­wirt­schaft­li­chen Betriebs inner­halb der Fami­lie rei­bungs­los ermög­licht wer­den soll 7. Ent­spre­chend sieht Art. 13 VO (EG) Nr. 795/​2004 vor, dass der neue Betriebs­in­ha­ber in eige­nem Namen Zah­lungs­an­sprü­che für den über­nom­me­nen Betrieb bean­tragt und dass die Zah­lungs­an­sprü­che auf der Grund­la­ge des Refe­renz­be­trags und der Hekt­ar­zahl der über­nom­me­nen Pro­duk­ti­ons­ein­hei­ten bestimmt wer­den. Dem hat der Hof­über­neh­mer genügt, denn er hat die Fest­set­zung von Zah­lungs­an­sprü­chen mit OGS-Geneh­mi­gun­gen für den mit der unver­än­der­ten Regis­trier­num­mer gekenn­zeich­ne­ten Betrieb in eige­nem Namen bean­tragt. Für ein dar­über hin­aus­ge­hen­des, zusätz­li­ches Antrags­er­for­der­nis wegen vor­weg­ge­nom­me­ner Erb­fol­ge (Über­las­sungs­an­trag) fin­det sich hin­ge­gen weder im Uni­ons­recht noch in ergän­zen­den natio­na­len Bestim­mun­gen, nament­lich § 14 InVe­KoSV, eine Grund­la­ge.

Das Inte­grier­te Ver­wal­tungs- und Kon­troll­sys­tem (im Fol­gen­den: Inte­grier­tes Sys­tem), Art. 12 Abs. 4 VO (EG) Nr. 795/​2004 und Art. 12 Abs. 1 der Ver­ord­nung (EG) Nr. 796/​2004 8 sind kei­ne trag­fä­hi­ge Grund­la­ge, von dem Hof­über­neh­mer inner­halb der Antrags­frist Nach­wei­se für die Betriebs­über­nah­me zu ver­lan­gen.

Aus Art. 12 Abs. 4 VO (EG) Nr. 795/​2004 die Oblie­gen­heit zu fol­gern, im Antrag die Anspruchs­vor­aus­set­zun­gen der OGS-Geneh­mi­gun­gen dar­zu­le­gen und nach­zu­wei­sen, ist nicht trag­fä­hig. Die Vor­schrift sieht vor, dass die end­gül­ti­ge Fest­set­zung der Zah­lungs­an­sprü­che auf Basis des Antrags auf Teil­nah­me an der Betriebs­prä­mi­en­re­ge­lung gemäß Art. 34 Abs. 3 VO (EG) Nr. 1782/​2003 erfolgt. Ihr lässt sich nur ent­neh­men, dass ein gemäß Art. 34 Abs. 3 VO (EG) Nr. 1782/​2003 frist­ge­rech­ter Antrag erfor­der­lich und die­ser – in Abgren­zung gegen­über einer vor­läu­fi­gen Fest­set­zung – für die end­gül­ti­ge Fest­set­zung der Zah­lungs­an­sprü­che maß­geb­lich ist. Dazu, was im Ein­zel­nen in die­sem Antrag sei­tens des Betriebs­in­ha­bers dar­zu­le­gen und nach­zu­wei­sen ist, ver­hält sich die Rege­lung nicht. Art. 34 Abs. 1 VO (EG) Nr. 1782/​2003 macht hin­ge­gen im Ansatz deut­lich, dass es Sache der Behör­de ist, die für Zah­lungs­an­sprü­che maß­geb­li­chen Daten selbst zu ermit­teln. Denn nach die­ser Vor­schrift sind die Behör­den gegen­über den in Art. 33 Abs. 1 Buchst. a VO (EG) Nr. 1782/​2003 genann­ten Betriebs­in­ha­bern ver­pflich­tet, bereits im Antrags­for­mu­lar zu den Zah­lungs­an­sprü­chen Anga­ben zu machen. Für die Betriebs­in­ha­ber, die einen Betrieb im Wege der vor­weg­ge­nom­me­nen Erb­fol­ge über­nom­men haben, besagt dann auch Art. 13 Abs. 1 Unter­abs. 2 VO (EG) Nr. 795/​2004 ledig­lich, dass die Zah­lungs­an­sprü­che auf Basis des Refe­renz­be­trags und der Hekt­ar­zahl der über­nom­me­nen Pro­duk­ti­ons­ein­hei­ten fest­ge­stellt wer­den.

Auch Art. 12 Abs. 1 VO (EG) Nr. 796/​2004 und dem Inte­grier­ten Sys­tem lässt sich die ange­nom­me­ne Nach­weis­pflicht nicht ent­neh­men. Die Vor­schrift bringt in ihrem ers­ten Halb­satz mit der For­mu­lie­rung, dass der Sam­me­lan­trag alle zur Fest­stel­lung der Bei­hil­fe­fä­hig­keit erfor­der­li­chen Infor­ma­tio­nen ent­hal­ten müs­se, zunächst den in der Recht­spre­chung des Euro­päi­schen Gerichts­hofs all­ge­mein für das Inte­grier­te Sys­tem for­mu­lier­ten Grund­satz zum Aus­druck, dass die vom Betriebs­in­ha­ber bei­zu­brin­gen­den Infor­ma­tio­nen von vorn­her­ein voll­stän­dig und rich­tig sein müs­sen 9. Er gilt auch für die hier umstrit­te­nen OGS-Geneh­mi­gun­gen, was Art. 17 VO (EG) Nr. 1782/​2003 bestä­tigt, indem er all­ge­mein anord­net, dass das Inte­grier­te Sys­tem für die Betriebs­prä­mi­en­re­ge­lung gilt. Der Grund­satz beant­wor­tet jedoch noch nicht, wel­che kon­kre­ten Infor­ma­tio­nen für die begehr­ten OGS-Geneh­mi­gun­gen frist­ge­recht bei­zu­brin­gen waren. Dar­über hin­aus ist kein Raum für eine unmit­tel­ba­re oder ana­lo­ge Anwen­dung von Art. 12 Abs. 1 VO (EG) Nr. 796/​2004; der Vor­schrift lie­ße sich im Übri­gen auch im Wege der Ana­lo­gie nicht ent­neh­men, dass der Hof­über­neh­mer ver­pflich­tet gewe­sen wäre, sei­nem Antrag Nach­wei­se zu der Betriebs­über­nah­me im Wege der vor­weg­ge­nom­me­nen Erb­fol­ge bei­zu­fü­gen.

Mit dem Begriff "Sam­me­lan­trag" erfasst Art. 12 Abs. 1 VO (EG) Nr. 796/​2004 nur Anträ­ge auf Direkt­zah­lun­gen (Art. 2 Nr. 11 VO, EG Nr. 796/​2004). Dazu gehört der "Sam­me­lan­trag Agrar­för­de­rung und Agrar-Umwelt­maß­nah­men 2005", wie ihn der Hof­über­neh­mer mit Blick auf die Bewil­li­gung der Betriebs­prä­mie gestellt hat (vgl. Art. 1 Anhang I VO, EG Nr. 1782/​2003). Davon zu unter­schei­den sind jedoch der Antrag auf Fest­set­zung von Zah­lungs­an­sprü­chen und die auf die­se Ansprü­che bezo­ge­nen OGS-Geneh­mi­gun­gen. Die Zah­lungs­an­sprü­che sind zwar Grund­la­ge für die Bewil­li­gung von Betriebs­prä­mi­en, gegen­über die­ser aber recht­lich eigen­stän­dig gere­gelt 10. Eine unmit­tel­ba­re Anwen­dung von Art. 12 Abs. 1 VO (EG) Nr. 796/​2004 schei­det daher aus.

Eine ana­lo­ge Anwen­dung die­ser Vor­schrift zur Prä­zi­sie­rung des­sen, was hier die für einen voll­stän­di­gen Antrag "erfor­der­li­chen Infor­ma­tio­nen" sind, kommt eben­falls nicht in Betracht, weil das Ver­fah­ren zur Fest­set­zung der Zah­lungs­an­sprü­che und OGS-Geneh­mi­gun­gen nicht glei­cher­ma­ßen von einem qua­li­fi­zier­ten Bei­brin­gungs­grund­satz geprägt ist wie das Bewil­li­gungs­ver­fah­ren der Betriebs­prä­mi­en. So sieht Art. 12 Abs. 1 VO (EG) Nr. 795/​2004 – zur Erleich­te­rung der Durch­füh­rung der Betriebs­prä­mi­en­re­ge­lung 11 – vor, dass die Mit­glied­staa­ten ab 2004 die für die Betriebs­prä­mie nach Art. 33 VO (EG) Nr. 1782/​2003 in Betracht kom­men­den Betriebs­in­ha­ber "ermit­teln" kön­nen. Art. 34 Abs. 1 VO (EG) Nr. 1782/​2003 regelt, dass die Behör­de gegen­über den in Art. 33 Abs. 1 Buchst. a VO (EG) Nr. 1782/​2003 genann­ten Betriebs­in­ha­bern bereits im Antrags­for­mu­lar Anga­ben zu den Zah­lungs­an­sprü­chen macht, es also Sache der Behör­de ist, die hier­für maß­geb­li­chen, sich aus den Bei­hil­fe­un­ter­la­gen der Ver­gan­gen­heit erge­ben­den Daten aus ihren Akten und Daten­ban­ken zu erhe­ben. Par­al­lel hier­zu sieht Art. 60 Abs. 5 VO (EG) Nr. 1782/​2003 für OGS-Geneh­mi­gun­gen aus­drück­lich vor, dass die Mit­glied­staa­ten bei der Bestim­mung der indi­vi­du­el­len Ober­gren­ze die Daten des Betriebs­in­ha­bers – soweit vor­han­den – oder sons­ti­ge Anga­ben des Betriebs­in­ha­bers ver­wen­den, die sie als hin­rei­chen­den Beleg anse­hen. Der Uni­ons­ge­setz­ge­ber setzt hier mit­hin nur sub­si­di­är auf Anga­ben und Nach­wei­se, die ein Betriebs­in­ha­ber im Antrags­ver­fah­ren macht.

Selbst wenn man einer Ana­lo­gie näher tre­ten woll­te, lie­ße sich damit die ange­nom­me­ne Nach­weis­pflicht nicht begrün­den.

Die in Art. 12 Abs. 1 Halbs. 2 VO (EG) Nr. 796/​2004 aus­drück­lich als erfor­der­lich benann­ten Infor­ma­tio­nen sind bereits ganz über­wie­gend für die Fest­set­zung von Zah­lungs­an­sprü­chen ohne Bedeu­tung und mit Blick auf die hier in Rede ste­hen­den Nach­wei­se auch nicht ein­schlä­gig. Dar­über hin­aus ist zu beach­ten, dass der uni­ons­recht­li­che Grund­satz der Rechts­si­cher­heit ver­langt, dass die Rechts­be­trof­fe­nen jeden­falls bei sorg­fäl­ti­ger Prü­fung in der Lage sein müs­sen, den Umfang der ihnen auf­er­leg­ten Ver­pflich­tun­gen genau zu erken­nen 12. Das gilt auch und ins­be­son­de­re für frist­ge­bun­de­ne Anga­ben und Nach­wei­se, deren Säum­nis nicht unbe­deu­ten­de wirt­schaft­li­che Fol­gen hat. Zur Auf­er­le­gung einer sol­chen Ver­pflich­tung genügt allein der Begriff der "erfor­der­li­chen Infor­ma­tio­nen" ohne eine wei­te­re kon­kre­ti­sie­ren­de Vor­schrift nicht. Art. 12 Abs. 1 Halbs. 1 VO (EG) Nr. 796/​2004 ist für sich gese­hen zu unbe­stimmt; er ver­weist ledig­lich auf die all­ge­mei­ne Bestim­mung des Art. 22 Abs. 1 VO (EG) Nr. 1782/​2003 zurück, nach der ein Antrag mit den Anga­ben ein­zu­rei­chen ist, die in die­ser Ver­ord­nung oder von dem betref­fen­den Mit­glied­staat vor­ge­se­hen sind. Erst recht gilt dies für bei­zu­fü­gen­de Nach­wei­se. Zwar spricht nach Erwä­gungs­grund 16 VO (EG) Nr. 796/​2004 in Ver­bin­dung mit Art. 13 VO (EG) Nr. 796/​2004 man­ches dafür, dass mit "Infor­ma­tio­nen", die ein Antrag "ent­hal­ten" muss, auch Nach­wei­se erfasst sein kön­nen, die die­sem "bei­zu­fü­gen" sind. Art. 12 Abs. 1 VO (EG) Nr. 796/​2004 selbst ent­hält jedoch kei­ner­lei Anhalts­punk­te, wel­che Infor­ma­tio­nen durch Nach­wei­se zu bele­gen sind. Dem ent­spricht die Rege­lungs­tech­nik des Uni­ons­ge­setz­ge­bers, der an ver­schie­de­nen Stel­len die Bei­fü­gung kon­kret bezeich­ne­ter Nach­wei­se vor­schreibt 13.

Der Hof­über­neh­mer war auch nicht nach § 14 Abs. 1 InVe­KoSV ver­pflich­tet, sei­nem Antrag frist­ge­recht einen Nach­weis über die vor­weg­ge­nom­me­ne Erb­fol­ge bei­zu­fü­gen.

Zur Bestim­mung der indi­vi­du­el­len Ober­gren­ze von OGS-Geneh­mi­gun­gen sieht Art. 60 Abs. 5 VO (EG) Nr. 1782/​2003 vor, dass die Mit­glied­staa­ten die indi­vi­du­el­len Daten des Betriebs­in­ha­bers – soweit vor­han­den – oder sons­ti­ge Anga­ben des Betriebs­in­ha­bers ver­wen­den, die sie als hin­rei­chen­den Beleg anse­hen. Hier­an knüpft § 14 Abs. 1 InVe­KoSV an und ergänzt das Inte­grier­te Sys­tem um die Ver­pflich­tung, OGS-Geneh­mi­gun­gen unter Bei­fü­gung "geeig­ne­ter Nach­wei­se" inner­halb der Antrags­frist zu bean­tra­gen.

Die­ses Nach­wei­s­er­for­der­nis bezieht sich sei­nem Wort­laut nach all­ge­mein auf OGS-Geneh­mi­gun­gen nach Art. 60 Abs. 3 und 4 VO (EG) Nr. 1782/​2003. Damit sind zunächst die Umstän­de in den Blick genom­men, die nach den dort genann­ten Tat­be­stands­vor­aus­set­zun­gen für die Bestim­mung der zu ertei­len­den Geneh­mi­gun­gen maß­geb­lich sind. Für die indi­vi­du­el­le Ober­gren­ze der Geneh­mi­gun­gen kommt es dar­auf an, wel­che Flä­che der Betriebs­in­ha­ber im Jahr 2003 und gege­be­nen­falls, abhän­gig von der Aus­schöp­fung der regio­na­len Ober­gren­ze, 2004 und/​oder 2005 für die Pro­duk­ti­on von OGS genutzt hat oder nutzt. Dar­über hin­aus ist nach dem Wort­laut des § 14 Abs. 1 InVe­KoSV zwar auch denk­bar, die Nach­weis­pflicht auf den Umstand der vor­weg­ge­nom­me­nen Erb­fol­ge und damit die Vor­aus­set­zun­gen von Art. 33 Abs. 1 Buchst. b VO (EG) Nr. 1782/​2003 zu erstre­cken. Dem ste­hen jedoch Sinn und Zweck der Vor­schrift ent­ge­gen, die sich ins­be­son­de­re aus der Sys­te­ma­tik des Uni­ons­rechts erschlie­ßen.

Die in Art. 33 Abs. 1 Buchst. b VO (EG) Nr. 1782/​2003 vor­ge­se­he­ne Anspruchs­be­rech­ti­gung des Betriebs­in­ha­bers, dem ein Betrieb im Wege der vor­weg­ge­nom­me­nen Erb­fol­ge über­tra­gen wur­de, ist eben­so wie die Rechts­nach­fol­ge nach Art. 33 Abs. 2 und 3 VO (EG) Nr. 1782/​2003 nach dem in Deutsch­land für die Durch­füh­rung der Betriebs­prä­mi­en­re­ge­lung gel­ten­den Kom­bi­na­ti­ons­mo­dell (§ 2 ff. BetrPräm­DurchfG) nicht nur im Rah­men von OGS-Geneh­mi­gun­gen, son­dern bereits für die Zuwei­sung von Zah­lungs­an­sprü­chen erheb­lich, nament­lich für deren gege­be­nen­falls durch den betriebs­in­di­vi­du­el­len Betrag mit­be­stimm­ten Wert. In die­sem Kon­text haben aber weder das Uni­ons­recht noch der natio­na­le Gesetz­ge­ber eine Nach­weis­pflicht sta­tu­iert. Es wäre ein logi­scher Bruch, zwar für OGS-Geneh­mi­gun­gen frist­ge­bun­de­ne Nach­wei­se der vor­weg­ge­nom­me­nen Erb­fol­ge zu ver­lan­gen, nicht aber in Bezug auf die betriebs­in­di­vi­du­el­len Beträ­ge für die Bestim­mung der Zah­lungs­an­sprü­che. Dem ent­spricht auch die inhalt­li­che Beschrän­kung der Rege­lung von Art. 60 Abs. 5 VO (EG) Nr. 1782/​2003, die auf den Nach­weis des OGS-Anbaus zielt und deren Aus­fül­lung § 14 Abs. 1 InVe­KoSV ersicht­lich dient. Ent­spre­chend erfasst der Anwen­dungs­be­reich der Vor­schrift nicht Nach­wei­se, die sich auf den Betriebs­über­gang im Wege der vor­weg­ge­nom­me­nen Erb­fol­ge bezie­hen 14.

Eben­so wenig muss­te der Hof­über­neh­mer wei­te­re Nach­wei­se für die im Jahr 2003 mit OGS-Anbau aus­ge­wie­se­nen Flä­chen vor­le­gen, obwohl § 14 InVe­KoSV vor­sieht, dass OGS-Geneh­mi­gun­gen unter Bei­fü­gung ent­spre­chen­der Nach­wei­se zu bean­tra­gen sind.

Mit § 14 Abs. 1 InVe­KoSV hat der natio­na­le Ver­ord­nungs­ge­ber die Vor­ga­ben des Art. 60 Abs. 5 VO (EG) Nr. 1782/​2003 auf­ge­grif­fen und eine recht­li­che Grund­la­ge für die Ver­pflich­tung geschaf­fen, dem Antrag inner­halb der Antrags­frist Nach­wei­se zum OGS-Anbau bei­zu­fü­gen. Art. 60 Abs. 5 VO (EG) Nr. 1782/​2003 ver­pflich­tet die Mit­glied­staa­ten, für die Bestim­mung der indi­vi­du­el­len Ober­gren­ze von OGS-Geneh­mi­gun­gen auf die bei den zustän­di­gen Behör­den vor­han­de­nen Daten des Betriebs­in­ha­bers zurück­zu­grei­fen. Soweit sol­che Daten feh­len, sind sons­ti­ge Anga­ben des Betriebs­in­ha­bers zu berück­sich­ti­gen, die von den Behör­den als hin­rei­chen­de Bele­ge ange­se­hen wer­den. Das so vor­ge­zeich­ne­te aber auch begrenz­te Ver­lan­gen, Nach­wei­se zu erbrin­gen, ent­spricht inso­weit einem tat­säch­li­chen Bedürf­nis, als die in den alten Gesamt­flä­chen- und Nut­zungs­nach­wei­sen benutz­ten Codes nur teil­wei­se hin­rei­chend kla­re Infor­ma­tio­nen ent­hal­ten. Eine Nach­weis­pflicht ist dar­über hin­aus ins­be­son­de­re auch dort berech­tigt, wo tat­säch­lich zum OGS-Anbau genutz­te Flä­chen in den Gesamt­flä­chen- und Nut­zungs­nach­wei­sen nicht ange­ge­ben wur­den. In sei­nem Aus­gangs­punkt ähnelt die Rege­lung des Art. 60 Abs. 5 VO (EG) Nr. 1782/​2003 jedoch der Vor­schrift zur Bestim­mung von Dau­er­grün­land. Als sol­ches wur­den die Flä­chen berück­sich­tigt, die 2003 als Dau­er­grün­land gekenn­zeich­net wor­den waren, auch wenn die­se Kenn­zeich­nung damals – eben­so wie die OGS-Kenn­zeich­nung – nicht wei­ter prä­mi­en­re­le­vant war (Art. 32 Abs. 4 Buchst. a VO, EG Nr. 795/​2004). Die­sem Norm­kon­zept ent­spre­chend for­mu­liert das Bun­des­mi­nis­te­ri­um für Ernäh­rung, Land­wirt­schaft und Ver­brau­cher­schutz in sei­ner Bro­schü­re "Mei­len­stei­ne der Agrar­po­li­tik", dass Flä­chen, die "im Flä­chen­ver­zeich­nis der Prä­mi­en­an­trä­ge ent­spre­chend dekla­riert wur­den", "grund­sätz­lich aner­kannt" wer­den.

Die danach gebo­te­ne, uni­ons­recht­li­chen Vor­ga­ben fol­gen­de ein­schrän­ken­de Aus­le­gung der Reich­wei­te der Ver­pflich­tung des § 14 Abs. 1 InVe­KoSV wird auch durch die Ver­wal­tungs­pra­xis der Beklag­ten bestä­tigt. Denn sie for­dert im Fal­le des – nor­ma­len – Betriebs­in­ha­bers, der gemäß Art. 33 Abs. 1 Buchst. a VO (EG) Nr. 1782/​2003 die Betriebs­prä­mi­en­re­ge­lung in Anspruch neh­men kann, unter Nr. II.6 des For­mu­lars nicht die Vor­la­ge von Nach­wei­sen, son­dern spricht dort von der Bean­tra­gung von OGS-Geneh­mi­gun­gen "im Umfang der nach­ge­wie­se­nen Anbau­flä­chen", die "mit OGS als Haupt­kul­tur bestellt waren". Nach den Erläu­te­run­gen und Aus­füll­hin­wei­sen bestand kei­ne Ver­pflich­tung zur Vor­la­ge von Nach­wei­sen, wenn der OGS-Anbau in den Flä­chen­nach­wei­sen 2003 doku­men­tiert wor­den war.

Etwas ande­res gilt hier nicht des­halb, weil es sich um einen Fall der vor­weg­ge­nom­me­nen Erb­fol­ge gemäß Art. 33 Abs. 1 Buchst. b VO (EG) Nr. 1782/​2003 han­delt. Für eine gegen­über den Betriebs­in­ha­bern nach Art. 33 Abs. 1 Buchst. a VO (EG) Nr. 1782/​2003 abwei­chen­de Hand­ha­bung der Fest­stel­lung des OGS-Anbaus fin­det sich im Uni­ons­recht, das eine Über­tra­gung inner­halb der Fami­lie mög­lichst rei­bungs­los gestal­ten will, kei­ne Grund­la­ge und – soweit dafür Raum wäre – auch kein Sach­grund, der eine unter­schied­li­che Behand­lung die­ser Fall­grup­pen recht­fer­ti­gen wür­de. Der OGS-Anbau lässt sich bei einem Betriebs­über­gang glei­cher­ma­ßen nach­voll­zie­hen. Denn der Refe­renz­be­trieb, aus dem sich der Betriebs­prä­mi­en­an­spruch ablei­tet, lässt sich ohne Wei­te­res aus den von der Beklag­ten in der Ver­gan­gen­heit erho­be­nen Daten und Unter­la­gen fest­stel­len, was hier durch die unver­än­dert geblie­be­ne Regis­trier­num­mer des Betriebs beson­ders augen­fäl­lig ist.

An die­sem Ergeb­nis ver­mag die Annah­me nichts zu ändern, der Hof­über­neh­mer habe dem Antrags­for­mu­lar und den Aus­füll­hin­wei­sen ohne Wei­te­res ent­neh­men kön­nen, dass Nach­wei­se zur Betriebs­über­nah­me frist­ge­recht erfor­der­lich gewe­sen sei­en. Abge­se­hen davon, dass dies (nur) für den Vor­druck A zutrifft, auf den in Nr. II. 4.5 des Antrags­for­mu­lars indi­rekt hin­ge­wie­sen wur­de, kön­nen For­mu­lar und Hin­wei­se für sich gese­hen eine Nach­weis­pflicht nicht begrün­den. Soweit das Ober­ver­wal­tungs­ge­richt in sei­ne Beschluss­be­grün­dung ein­be­zieht, der Hof­über­neh­mer habe den Vor­druck A nicht frist­ge­recht vor­ge­legt, gilt nichts ande­res. Zwar schreibt § 5 Abs. 2 InVe­KoSV vor, dass bereit­ge­hal­te­ne For­mu­la­re zu ver­wen­den sind. Die Beklag­te kann sich aber nicht dar­auf beru­fen, dass der Hof­über­neh­mer ein For­mu­lar nicht ver­wandt hat, das sich auf einen nicht zu stel­len­den Antrag bezog und – im Ein­zel­nen mehr oder weni­ger klar – die Vor­la­ge ver­schie­de­ner Nach­wei­se for­der­te, die nach den gesetz­li­chen Rege­lun­gen nicht mit dem Antrag vor­ge­legt wer­den muss­ten. Soweit sich die Beklag­te schließ­lich auf § 11 MOG stützt, über­sieht sie, dass es sich dabei ledig­lich um eine all­ge­mei­ne Beweis­last­re­gel han­delt, die nichts dar­über besagt, wel­che Nach­wei­se inner­halb der Antrags­frist bei­zu­brin­gen sind.

Aller­dings erweist sich der Beschluss des Ober­ver­wal­tungs­ge­richts inso­weit als rich­tig, als der Hof­über­neh­mer OGS-Geneh­mi­gun­gen auf der Grund­la­ge einer OGS-Anbau­flä­che von 7, 97 ha begehrt und damit unbe­rück­sich­tigt lässt, dass sei­ne Eltern ihre ursprüng­li­che Anga­be mit Antrags­än­de­rung vom 15.05.2003 um 1 ha ver­rin­gert haben. Die­ser Umstand ergibt sich unzwei­fel­haft aus den Akten und wur­de vom Hof­über­neh­mer in der Revi­si­ons­ver­hand­lung ein­ge­räumt. Ent­spre­chend ist durch die Anga­ben im Jahr 2003 nur eine OGS-Anbau­flä­che von 6, 97 ha belegt. In dem danach ver­blei­ben­den Umfang hat das Bun­des­ver­wal­tungs­ge­richt kei­ne Zwei­fel am Vor­lie­gen der mate­ri­ell-recht­li­chen Vor­aus­set­zun­gen der begehr­ten OGS-Geneh­mi­gun­gen; Gegen­tei­li­ges ist auch nicht gel­tend gemacht. Unter Berück­sich­ti­gung des Kür­zungs­ko­ef­fi­zi­en­ten von 0, 8083 folgt hier­aus, dass dem Hof­über­neh­mer OGS-Geneh­mi­gun­gen für eine Flä­che von 5, 63 ha zuzu­spre­chen und mit Zah­lungs­an­sprü­chen für Acker­land zu ver­bin­den sind (Art. 41 Abs. 1 bis 3 VO, EG Nr. 795/​2004).

Bun­des­ver­wal­tungs­ge­richt, Urteil vom 13. Febru­ar 2014 – 3 C 16.2013 -

  1. wie BVerwG, Urteil vom 14.11.2013 – 3 C 29.12[]
  2. BGBI I S. 3194[]
  3. ABI Nr. L 270 S. 1[]
  4. ABI Nr. L 24 S. 15[]
  5. ABI Nr. L 141 S. 1[]
  6. ABI Nr. L 63 S. 17[]
  7. Erwä­gungs­grund 16 VO, EG Nr. 795/​2004[]
  8. Ver­ord­nung (EG) Nr. 796/​2004 der Kom­mis­si­on vom 21.04.2004 mit Durch­füh­rungs­be­stim­mun­gen zur Ein­hal­tung ander­wei­ti­ger Ver­pflich­tun­gen, zur Modu­la­ti­on und zum Inte­grier­ten Ver­wal­tungs- und Kon­troll­sys­tem nach der Ver­ord­nung (EG) Nr. 1782/​2003, ABI.EG Nr. L 141 S. 18, in der Fas­sung der Ver­ord­nung (EG) Nr. 436/​2005 der Kom­mis­si­on vom 17.03.2005, ABI.EG Nr. L 72 S. 4[]
  9. vgl. EuGH, Urtei­le vom 16.05.2002 – C‑63/​00, Schil­ling und Nehring, Slg. 2002, I‑4483 Rn. 34; vom 28.11.2002 – C‑417/​00, Agrar­ge­nos­sen­schaft Pretzsch, Slg. 2002, I‑11053 Rn. 45; und vom 04.10.2007 – C‑375/​05, Geuting, Slg. 2007, I‑7983 Rn. 30 und – im Kon­text eines Aus­kunfts­an­spruchs – Urteil vom 14.09.2000 – C‑369/​98, Fisher, Slg. 2000, I‑6751 Rn. 27[]
  10. vgl. BVerwG, Urteil vom 14.11.2013 – 3 C 29.12 22[]
  11. vgl. Erwä­gungs­grund 10 VO, EG Nr. 795/​2004[]
  12. EuGH, Urtei­le vom 10.03.2009 – C‑345/​06, Hein­rich, Slg. 2009, I‑1659 Rn. 44 f.; vom 21.06.2007 – C‑158/​06, ROM-pro­jec­ten, Slg. 2007, I‑5103 Rn. 25 f.; und vom 17.07.1997 – C‑354/​95, Natio­nal Far­mers' Uni­on u.a., Slg. 1997, I‑4559 Rn. 57 f.[]
  13. vgl. BVerwG, Urteil vom 14.11.2013 – 3 C 29.12 25[]
  14. vgl. BVerwG, Urteil vom 14.11.2013 – 3 C 29.12 28 f.[]