Die Dok­tor­ar­beit des Kon­kur­ren­ten – und ihre kri­ti­sche Bewer­tung

Nach § 4 Nr. 7 UWG aF han­delt unlau­ter, wer die Kenn­zei­chen, Waren, Dienst­leis­tun­gen, Tätig­kei­ten oder per­sön­li­chen oder geschäft­li­chen Ver­hält­nis­se eines Mit­be­wer­bers her­ab­setzt oder ver­un­glimpft.

Die Dok­tor­ar­beit des Kon­kur­ren­ten – und ihre kri­ti­sche Bewer­tung

Bei einer kri­ti­schen Aus­ein­an­der­set­zung mit der Dok­tor­ar­beit einem im Wett­be­werb ste­hen­den Unter­neh­mers (hier: in einem redak­tio­nel­len Bei­trag eines Online­ma­ga­zins) han­delt sich vor­lie­gend nicht um ver­glei­chen­de Wer­bung im Sin­ne des § 6 Abs. 1 und 2 Nr. 5 UWG, weil es an der für eine ver­glei­chen­de Wer­bung erfor­der­li­chen Bezug­nah­me auf die eige­nen Dienst­leis­tun­gen des Beklag­ten fehlt. Die Vor­aus­set­zun­gen für einen Wer­be­ver­gleich sind grund­sätz­lich noch nicht erfüllt, wenn eine Wer­be­aus­sa­ge so all­ge­mein gehal­ten ist, dass sich den ange­spro­che­nen Ver­kehrs­krei­sen kei­ne Bezug­nah­me auf den Wer­ben­den auf­drängt, son­dern sich ein sol­cher Bezug nur reflex­ar­tig dar­aus ergibt, dass mit jeder Kri­tik an Mit­be­wer­bern in der Regel unaus­ge­spro­chen zum Aus­druck gebracht wird, dass die­se Kri­tik den Wer­ben­den selbst nicht trifft 1.

"Her­ab­set­zung" im Sin­ne des § 4 Nr. 7 UWG aF ist die sach­lich nicht gerecht­fer­tig­te Ver­rin­ge­rung der Wert­schät­zung des Mit­be­wer­bers mit­tels eines abträg­li­chen Wert­ur­teils oder einer abträg­li­chen wah­ren oder unwah­ren Tat­sa­chen­be­haup­tung; "Ver­un­glimp­fung" ist eine gestei­ger­te Form der Her­ab­set­zung, die dar­in besteht, den Mit­be­wer­ber ohne sach­li­che Grund­la­ge ver­ächt­lich zu machen 2. Die Beur­tei­lung der Fra­ge, ob eine Wer­be­aus­sa­ge eines Wett­be­wer­bers einen Mit­be­wer­ber her­ab­setzt, erfor­dert eine Gesamt­wür­di­gung, die die Umstän­de des Ein­zel­falls wie ins­be­son­de­re den Inhalt und die Form der Äuße­rung, ihren Anlass, den Zusam­men­hang, in dem sie erfolgt ist, sowie die Ver­ständ­nis­mög­lich­keit des ange­spro­che­nen Ver­kehrs berück­sich­tigt. Dabei kommt es maß­geb­lich auf die Sicht des durch­schnitt­lich infor­mier­ten und ver­stän­di­gen Adres­sa­ten der Wer­bung an 3. Für die Bewer­tung maß­geb­lich ist daher der Sinn­ge­halt der Äuße­rung, wie sie vom ange­spro­che­nen Ver­kehr ver­stan­den wird.

Bun­des­ge­richts­hof, Urteil vom 17. Dezem­ber 2015 – I ZR 219/​13

  1. BGH, Urteil vom 21.06.2001 – I ZR 69/​99, GRUR 2002, 75, 76 = WRP 2001, 1291 – "SOOOO…BILLIG?"; BGH, GRUR 2012, 74 Rn.19 Coa­ching-News­let­ter mwN[]
  2. vgl. Köh­ler in Köhler/​Bornkamm aaO § 4 Rn.07.12; MünchKomm-.UWG/Jänich, 2. Aufl., § 4 Nr. 7 Rn. 33[]
  3. vgl. BGH, GRUR 2012, 74 Rn. 22 Coa­ching-News­let­ter mwN[]