Die feh­ler­haf­te Befund­er­he­bung des Zahn­arz­tes

Einem Zahn­arzt ist ein gro­ber Behand­lungs­feh­ler unter­lau­fen, wenn er es unter­las­sen hat, bei einer Pati­en­tin den Zustand der schmer­zen­den Zäh­ne kli­nisch zu befun­den. Allein mit einem Rönt­gen­bild erhält man kein Gesamt­bild über den Zustand der Zäh­ne.

Die feh­ler­haf­te Befund­er­he­bung des Zahn­arz­tes

Mit die­ser Begrün­dung hat das Ober­lan­des­ge­richt Hamm in dem hier vor­lie­gen­den Fall einer Pati­en­tin Scha­dens­er­satz und Schmer­zens­geld für die um zwei Mona­te ver­län­ger­te Lei­dens­zeit der Klä­ge­rin und den Ver­lust von Zäh­nen zuge­spro­chen. Die heu­te 64jährige Klä­ge­rin aus Wicke­de befand sich seit lan­gen Jah­ren in der zahn­ärzt­li­chen Behand­lung des Beklag­ten aus Wicke­de. Anfang Dezem­ber 2008 such­te sie den Beklag­ten mit Zahn­be­schwer­den im Ober­kie­fer­front­be­reich auf. Der Beklag­te ver­an­lass­te eine Rönt­gen­auf­nah­me. Wei­te­re Unter­su­chun­gen der schmer­zen­den Zäh­ne fan­den aus­weis­lich der Kran­ken­un­ter­la­gen nicht statt. Eine bei den Zäh­nen vor­lie­gen­de Zahn­mark­ent­zün­dung wur­de erst im Febru­ar 2009 zahn­ärzt­lich ver­sorgt. Zwei Zäh­ne im Ober­kie­fer der Pati­en­tin konn­ten in der Fol­ge­zeit nicht erhal­ten wer­den, sie erhiel­ten Wur­zel­fül­lun­gen. Unter Hin­weis auf die nach ihrer Ansicht unzu­rei­chen­de zahn­ärzt­li­che Ver­sor­gung hat die Klä­ge­rin vom Beklag­ten Scha­dens­er­satz ver­langt. Das sich auf den Ober­kie­fer bezie­hen­de Scha­dens­er­satz­ver­lan­gen der Klä­ge­rin hat­te bereits in ers­ter Instanz vor dem Land­ge­richt Arns­berg Erfolg.

Nun hat das Ober­lan­des­ge­richt Hamm in sei­ner Urteils­be­grün­dung aus­ge­führt, dass dem Beklag­ten Anfang Dezem­ber 2008 ein gro­ber Behand­lungs­feh­ler unter­lau­fen sei, weil er es unter­las­sen habe, den Zustand der schmer­zen­den Zäh­ne kli­nisch zu befun­den. Allein mit einem Rönt­gen­bild erhal­te man kein Gesamt­bild über den Zustand der Zäh­ne. Doku­men­ta­ti­ons­pflich­ti­ge Ergeb­nis­se einer Vita­li­täts­prü­fung und eines Per­kus­si­ons­be­fun­des habe der Beklag­te in den Kran­ken­un­ter­la­gen nicht fest­ge­hal­ten, so dass für das Ober­lan­des­ge­richt nicht fest­stell­bar sei, dass der Beklag­te die­se Unter­su­chun­gen vor­ge­nom­men habe. Allein aus dem Rönt­gen­bild habe der Beklag­te kei­ne aus­rei­chen­den Schlüs­se zie­hen kön­nen, weil ein Rönt­gen­bild erst dann Auf­fäl­lig­kei­ten dar­stel­le, wenn eine Ent­zün­dung bereits den Kno­chen ange­grif­fen habe.

Auf­grund des gro­ben Behand­lungs­feh­lers tra­ge der Zahn­arzt die Beweis­last dafür, dass sich der wei­te­re Krank­heits­ver­lauf auch bei rich­ti­ger Befun­dung und sodann erfolg­ter Behand­lung nicht posi­tiv geän­dert hät­te. Die­sen Nach­weis kön­ne der Beklag­te nicht füh­ren. Des­we­gen haf­te er für die um zwei Mona­te ver­län­ger­te Lei­dens­zeit der Klä­ge­rin und den Ver­lust von Zäh­nen, die eine Neu­ver­sor­gung im Ober­kie­fer erfor­der­lich gemacht habe. Daher hat das Ober­lan­des­ge­richt die Ver­ur­tei­lung des Beklag­ten zur Zah­lung eines Schmer­zens­gel­des in Höhe von 3.500 Euro bestä­tigt.

Ober­lan­des­ge­richt Hamm, Urteil vom 8. Novem­ber 2013 – 26 U 51/​13