Die für den Steu­er­be­ra­ter vor­teil­haf­te Steu­ers­par­an­la­ge sei­nes Man­dan­ten

Der steu­er­li­che Bera­ter han­delt sei­nem Man­dan­ten gegen­über pflicht­wid­rig, wenn er die­sen zu einem Ver­trags­schluss mit einem Drit­ten ver­an­lasst, ohne zu offen­ba­ren, dass für ihn wirt­schaft­li­che Vor­tei­le mit einem sol­chen Ver­trags­schluss ver­bun­den sind. Beweis­pflich­tig für den Ursa­chen­zu­sam­men­hang zwi­schen Pflicht­ver­let­zung und Scha­den ist der Man­dant, dem die Beweis­erleich­te­rung im Sin­ne des Anscheins­be­wei­ses zugu­te kom­men kann.

Die für den Steu­er­be­ra­ter vor­teil­haf­te Steu­ers­par­an­la­ge sei­nes Man­dan­ten

Tätigt der über die wirt­schaft­li­che Betei­li­gung sei­nes Bera­ters an dem eine steu­er­spa­ren­de Anla­ge ver­mit­teln­den Unter­neh­men nicht auf­ge­klär­te Man­dant meh­re­re Anla­gen, ist der Scha­den unter Ein­be­zie­hung aller Anla­gen zu berech­nen 1.

Ver­trags­pflich­ten des Steu­er­be­ra­ters[↑]

Dies gilt auch dann, wenn der Man­dant ver­trag­li­che Ansprü­che allein auf einen mit den Steu­er­be­ra­tern abge­schlos­se­nen Steu­er­be­ra­tungs­ver­trag stüt­zen kann, da ein zu ent­spre­chen­der Bera­tung und Auf­klä­rung ver­pflich­ten­der Anla­ge­be­ra­tungs­ver­trag oder ein Aus­kunfts­ver­trag im Rah­men eines Anla­ge­ver­mitt­lungs­ver­tra­ges zwi­schen Man­dan­ten und Steu­er­be­ra­tern nicht zustan­de gekom­men ist. Die Steu­er­be­ra­ter haben dabei nach der Wer­tung des Bun­des­ge­richts­hofs die ihnen oblie­gen­de Pflicht ver­letzt, bei dem Ver­weis des Man­dan­ten an die Anla­ge­ge­sell­schaft auf ihre wirt­schaft­li­che Betei­li­gung hin­zu­wei­sen:

Die Ver­trags­pflich­ten eines Steu­er­be­ra­ters beschrän­ken sich in der Regel auf das Steu­er­recht (§§ 1 bis 3, 33 StBerG; vgl. BGH, Urteil vom 07.03.2013 – IX ZR 64/​12, NZG 2013, 675 Rn. 14 f). Inhalt und Umfang der Pflich­ten des Steu­er­be­ra­ters rich­ten sich nach dem im Ein­zel­fall zwi­schen ihm und dem Man­dan­ten geschlos­se­nen Ver­trag. Der Steu­er­be­ra­ter hat grund­sätz­lich von der Beleh­rungs­be­dürf­tig­keit sei­nes Auf­trag­ge­bers in steu­er­li­chen Din­gen aus­zu­ge­hen. Er schul­det die­sem, wenn es um die Betei­li­gung an einer steu­er­spa­ren­den Ver­mö­gens­an­la­ge geht, grund­sätz­lich eine umfas­sen­de Auf­klä­rung über die Arten und Mög­lich­kei­ten der zu erzie­len­den Ver­lust­zu­wei­sun­gen und über deren Vor­tei­le, Nach­tei­le und Risi­ken in steu­er­li­cher Hin­sicht. Dage­gen trifft ihn eine Ver­pflich­tung, wirt­schaft­lich zu bera­ten, nur, wenn er einen wei­ter­ge­hen­den, auch die Anla­ge­be­ra­tung ein­schlie­ßen­den Auf­trag erhal­ten hat oder von sich aus eine bestimm­te Betei­li­gung emp­fiehlt. Erst dann darf der Man­dant dar­auf ver­trau­en, der Steu­er­be­ra­ter habe die für ihn wesent­li­chen wirt­schaft­li­chen Umstän­de berück­sich­tigt und einen auf sei­ne aktu­el­le finan­zi­el­le Situa­ti­on zuge­schnit­te­nen Rat erteilt 2.

Ein Steu­er­be­ra­ter kann und muss gege­be­nen­falls, etwa bei nicht hin­rei­chen­der eige­ner Sach­kun­de dem Man­dan­ten emp­feh­len, sich für eine über die rei­ne Steu­er­be­ra­tung hin­aus­ge­hen­de Bera­tung an einen hier­zu geeig­ne­ten Drit­ten zu wen­den; sei­ne Pflicht beschränkt sich dann auf die rei­ne Steu­er­be­ra­tung 3.

Der steu­er­li­che Bera­ter han­delt sei­nem Man­dan­ten gegen­über pflicht­wid­rig, wenn er die­sen zu einem Ver­trags­schluss mit einem Drit­ten ver­an­lasst, ohne zu offen­ba­ren, dass für ihn wirt­schaft­li­che Vor­tei­le mit einem sol­chen Ver­trags­schluss ver­bun­den sind. Dies folgt aus den jeden Steu­er­be­ra­ter tref­fen­den Auf­klä­rungs­und Bera­tungs­pflich­ten und ist vom Bun­des­ge­richts­hof im Zusam­men­hang mit an den Steu­er­be­ra­ter gezahl­ten Pro­vi­sio­nen bereits ent­schie­den 4.

Der um Rat ersuch­te steu­er­li­che Bera­ter ist zu einer umfas­sen­den und mög­lichst erschöp­fen­den Beleh­rung sei­nes Auf­trag­ge­bers ver­pflich­tet. Er hat mit dem Man­dan­ten auch Fra­gen der Steu­er­op­ti­mie­rung und der steu­er­güns­tigs­ten Geld­an­la­ge zu erör­tern. Der Man­dant hat einen Anspruch dar­auf, dass sein Bera­ter dies­be­züg­li­che Fra­gen mit völ­li­ger Objek­ti­vi­tät beant­wor­tet, sich also aus­schließ­lich vom Inter­es­se des Man­dan­ten lei­ten und sich nicht durch unsach­li­che Gesichts­punk­te, ins­be­son­de­re nicht durch zu erwar­ten­de per­sön­li­che Ver­mö­gens­vor­tei­le, beein­flus­sen lässt 5. Der Man­dant darf auf­grund die­ses Ver­trags­ver­hält­nis­ses eine ver­trau­ens­vol­le, allein durch eine Wahr­neh­mung sei­ner Inter­es­sen bestimm­te Zusam­men­ar­beit mit dem Steu­er­be­ra­ter erwar­ten. Der Steu­er­be­ra­ter han­delt mit dem nur all­ge­mei­nen Hin­weis auf belie­bi­ge Anla­ge­mög­lich­kei­ten wenn nicht wei­te­res hin­zu­tritt nicht pflicht­wid­rig. Der Gefahr, einen Man­dan­ten auf­grund eines eige­nen wirt­schaft­li­chen Vor­teils nicht mehr unvor­ein­ge­nom­men zu bera­ten und die­sem nicht die für eine eigen­ver­ant­wort­li­che Ent­schei­dung erfor­der­li­chen Grund­la­gen zu ver­mit­teln, kann der Steu­er­be­ra­ter nur dadurch ent­ge­hen, dass er dem Man­dan­ten, dem er einen bestimm­ten Ver­trags­part­ner emp­fiehlt, sei­nen eige­nen wirt­schaft­li­chen Vor­teil etwa ein erteil­tes Pro­vi­si­ons­ver­spre­chen offen­bart 6. Unter­lässt er dies, han­delt er pflicht­wid­rig.

Dem­zu­fol­ge war es in dem hier vom Bun­des­ge­richts­hof ent­schie­de­nen Streit­fall für die Steu­er­be­ra­ter pflicht­wid­rig, den Man­dan­ten zwecks Zeich­nung von Kapi­tal­an­la­gen an die A. zu ver­wei­sen, ohne zugleich die eige­ne wirt­schaft­li­che Betei­li­gung zu offen­ba­ren. Zwar ziel­te die Emp­feh­lung, sich an die A. zu wen­den, nicht unmit­tel­bar auf den Abschluss der Kapi­tal­an­la­gen, deren Rück­ab­wick­lung der Man­dant begehrt. Nahe­ge­legt wur­de dem Klä­ger aber der Abschluss eines Bera­tungs­o­der Aus­kunfts­ver­tra­ges mit einem Bera­ter oder Ver­mitt­ler, an deren Gewin­nen die Steu­er­be­ra­ter durch die gesell­schaft­li­che Betei­li­gung teil­ha­ben konn­ten. Die so begrün­de­te Gefahr einer nicht mehr unvor­ein­ge­nom­me­nen Bera­tung des Man­dan­ten durch sei­ne Steu­er­be­ra­ter ist zudem unab­hän­gig davon, ob die A. auf der Basis einer Hono­rar­be­ra­tung tätig wur­de und so allein aus der Bera­tung Gewin­ne erzie­len konn­te oder ob sie als Anla­ge­be­ra­ter oder ver­mitt­ler Ein­künf­te aus unter Umstän­den auf­klä­rungs­be­dürf­ti­gen Zah­lun­gen der Fond­se­mit­ten­ten nach Zeich­nung ent­spre­chen­der Anla­gen durch den Klä­ger erziel­te. Dass die A. ganz ohne finan­zi­el­le Eigen­in­ter­es­sen han­del­te, ist weder vor­ge­tra­gen noch ersicht­lich. Die Aus­sicht auf eine Gewinn­be­tei­li­gung ist geeig­net, die Bera­tung dahin­ge­hend zu beein­flus­sen, aus Grün­den der Steu­er­op­ti­mie­rung bestimm­te Fonds zu zeich­nen. Ohne Kennt­nis der wirt­schaft­li­chen Ver­flech­tun­gen war der Man­dant nicht in der Lage, eigen­ver­ant­wort­lich sei­ne Rech­te und Inter­es­sen zu wah­ren, was eine pflicht­ge­mä­ße Steu­er­be­ra­tung indes ver­langt hät­te 7.

Kau­sa­li­tät für die Anla­ge­ent­schei­dung[↑]

Durch­grei­fen­den recht­li­chen Beden­ken hat­te der Bun­des­ge­richts­hof jedoch bei der Fra­ge, ob und war­um eine Kau­sa­li­tät zwi­schen der jewei­li­gen Pflicht­ver­let­zung und einem in der Zeich­nung der Kapi­tal­an­la­gen zu sehen­den Scha­den zu beja­hen sei:

Wie sich ein Man­dant bei ver­trags­ge­rech­ter Bera­tung ver­hal­ten hät­te, zählt zur haf­tungs­aus­fül­len­den Kau­sa­li­tät, die der Man­dant nach § 287 ZPO zu bewei­sen hat. Nach der stän­di­gen Recht­spre­chung des Bun­des­ge­richts­hofs bestim­men sich in Fäl­len der Rechts­und Steu­er­be­ra­ter­haf­tung Beweis­erleich­te­run­gen für den Ursa­chen­zu­sam­men­hang zwi­schen Pflicht­ver­let­zung und Scha­den zu Guns­ten des Man­dan­ten nach den Grund­sät­zen des Anscheins­be­wei­ses. Vor­aus­ge­setzt ist ein Sach­ver­halt, der nach der Lebens­er­fah­rung auf Grund objek­tiv deut­lich für eine bestimm­te Reak­ti­on spre­chen­der Umstän­de einer typi­sie­ren­den Betrach­tungs­wei­se zugäng­lich ist. Dies ist anzu­neh­men, wenn bei zutref­fen­der recht­li­cher Bera­tung vom Stand­punkt eines ver­nünf­ti­gen Betrach­ters aus allein eine Ent­schei­dung nahe­ge­le­gen hät­te 8. Die auf ande­rem Gebiet und auch zur Anla­ge­be­ra­tung ergan­ge­ne Recht­spre­chung, wonach zu Las­ten des Anla­ge­be­ra­ters eine zur Beweis­last­um­kehr füh­ren­de wider­leg­ba­re tat­säch­li­che Ver­mu­tung bestehe, dass der Scha­den bei pflicht­ge­mä­ßer Auf­klä­rung nicht ein­ge­tre­ten wäre, fin­det wie der Bun­des­ge­richts­hof wie­der­holt ent­schie­den hat für die Rechts­und Steu­er­be­ra­ter­haf­tung kei­ne Anwen­dung; sie kann in die­sem Bereich nicht mit dem beson­de­ren Schutz­zweck der Auf­klä­rungs­pflicht gerecht­fer­tigt wer­den und führt nicht zu einer ange­mes­se­nen Risi­ko­ver­tei­lung zwi­schen recht­li­chem Bera­ter und Man­dan­ten 9.

Hier­an wird für Fäl­le der vor­lie­gen­den Art fest­ge­hal­ten. Dem Steu­er­be­ra­ter wird nicht die Ver­let­zung einer aus einer Anla­ge­be­ra­tung oder einer Anla­ge­ver­mitt­lung resul­tie­ren­den Pflicht zur Last gelegt, son­dern einer spe­zi­ell aus dem Man­dat und den Auf­ga­ben des Steu­er­be­ra­ters abzu­lei­ten­den Auf­klä­rungs­pflicht.

Es hät­te daher dem Klä­ger oble­gen, dar­zu­tun und gege­be­nen­falls zu bewei­sen, wie er sich bei pflicht­ge­mä­ßer Auf­klä­rung über die mit der A. bestehen­den wirt­schaft­li­chen Ver­flech­tun­gen ver­hal­ten hät­te. Hier­bei kann sich der Man­dant auf Beweis­erleich­te­run­gen im Sin­ne eines Anscheins­be­wei­ses nicht beru­fen.

Die Beweis­erleich­te­rung für den Ursa­chen­zu­sam­men­hang zwi­schen Pflicht­ver­let­zung und Scha­den nach den Grund­sät­zen des Anscheins­be­wei­ses gilt nicht gene­rell. Sie setzt viel­mehr einen Tat­be­stand vor­aus, bei dem der Ursa­chen­zu­sam­men­hang zwi­schen der Pflicht­ver­let­zung des Bera­ters und einem bestimm­ten Ver­hal­ten sei­nes Man­dan­ten typi­scher­wei­se gege­ben ist, beruht also auf den Umstän­den, die nach der Lebens­er­fah­rung eine bestimm­te tat­säch­li­che Ver­mu­tung recht­fer­ti­gen 10. Um dies beur­tei­len zu kön­nen, müs­sen bestehen­de Hand­lungs­al­ter­na­ti­ven mit­ein­an­der ver­gli­chen wer­den, die nach pflicht­ge­mä­ßer Bera­tung zur Ver­fü­gung gestan­den hät­ten 11. Vor­aus­set­zung für das Ein­grei­fen der Beweis­erleich­te­rung sind tat­säch­li­che Fest­stel­lun­gen, die im Fall sach­ge­rech­ter Auf­klä­rung durch den Bera­ter aus der Sicht eines ver­nünf­tig urtei­len­den Man­dan­ten ein­deu­tig eine bestimm­te tat­säch­li­che Reak­ti­on nahe­ge­legt hät­ten 12.

Die Regeln des Anscheins­be­wei­ses kön­nen vor­lie­gend nicht zum Tra­gen kom­men. Ange­sichts der aus steu­er­li­cher Sicht zutref­fen­den Emp­feh­lung, es sei für den Klä­ger vor­teil­haft, geschlos­se­ne Fonds zu zeich­nen und sich hier­zu an die A. zu wen­den, ist nicht mit Wahr­schein­lich­keit eine bestimm­te Ent­schlie­ßung des Man­dan­ten bei zutref­fen­der Unter­rich­tung zu erwar­ten. Viel­mehr hät­ten sich dem Klä­ger im Fal­le pflicht­ge­mä­ßer Auf­klä­rung meh­re­re Hand­lungs­al­ter­na­ti­ven auf­ge­tan. Unter Auf­de­ckung der Betei­li­gung hät­te der Man­dant dies unter­las­sen oder die Gesell­schaft gera­de wegen deren Ver­bin­dung zu den Steu­er­be­ra­ter auf­su­chen kön­nen. Kom­men unter den Umstän­den des jewei­li­gen Ein­zel­falls meh­re­re objek­tiv gleich ver­nünf­ti­ge Ver­hal­tens­wei­sen in Betracht, hat der Man­dant grund­sätz­lich den Weg zu bezeich­nen, für den er sich ent­schie­den hät­te.

Ver­jäh­rung in Alt­fäl­len[↑]

Nach Art. 229 § 12 Abs. 1 Satz 1 Nr. 13 EGBGB ist auf die durch das Gesetz zur Anpas­sung von Ver­jäh­rungs­vor­schrif­ten an das Gesetz zur Moder­ni­sie­rung des Schuld­rechts vom 09.12 2004 13 geän­der­ten Vor­schrif­ten des Steu­er­be­ra­tungs­ge­set­zes Art. 229 § 6 EGBGB ent­spre­chend anzu­wen­den. Danach rich­tet sich der Beginn der Ver­jäh­rung nur für den Zeit­raum vor dem 15.12 2004 nach § 68 StBerG aF.

Maß­ge­bend ist der Zeit­punkt der Scha­dens­ent­ste­hung 14.

Hat eine ein­zi­ge, in sich abge­schlos­se­ne Ver­let­zungs­hand­lung meh­re­re Scha­dens­fol­gen aus­ge­löst, so kann aller­dings die Ver­jäh­rungs­frist nach dem Grund­satz der Scha­dens­ein­heit auch für nach­träg­lich auf­tre­ten­de, zunächst also nur dro­hen­de, aber nicht unvor­her­seh­ba­re Fol­gen begin­nen, sobald irgend­ein (Teil)Schaden schon ent­stan­den ist 15.

Haben sich hin­ge­gen meh­re­re selb­stän­di­ge Hand­lun­gen des Schä­di­gers aus­ge­wirkt, so beginnt die Ver­jäh­rungs­frist regel­mä­ßig mit den jeweils dadurch ver­ur­sach­ten Schä­den geson­dert zu lau­fen, mögen auch wei­te­re gleich­ar­ti­ge Hand­lun­gen mit glei­chem Erfolg nach­fol­gen 16.

Ohne dem Man­dan­ten einen neu­er­li­chen Ver­trags­schluss mit der A. nahe­zu­le­gen was sich nach den Umstän­den des Fal­les auch aus einer Emp­feh­lung, bestimm­te Fonds zu zeich­nen, erge­ben kann , trifft den Steu­er­be­ra­ter in spä­te­ren Jah­ren kei­ne Pflicht, auf wirt­schaft­li­che Ver­flech­tun­gen mit der Anla­ge­ver­mitt­le­rin hin­zu­wei­sen. Zwar hat ein Steu­er­be­ra­ter als ver­trag­li­che Neben­pflicht sei­nen Man­dan­ten, von des­sen Beleh­rungs­be­dürf­tig­keit er grund­sätz­lich aus­zu­ge­hen hat, vor Scha­den zu bewah­ren (§ 242 BGB), ins­be­son­de­re auf Fehl­ent­schei­dun­gen, die für ihn offen zuta­ge lie­gen, hin­zu­wei­sen 17. Hier­zu müss­te aber fest­ge­stellt wer­den, für den Steu­er­be­ra­ter sei bezüg­lich der streit­ge­gen­ständ­li­chen Fonds­be­tei­li­gun­gen offen­kun­dig gewor­den, dass der Man­dant eine ihn schä­di­gen­de Kapi­tal­an­la­ge zeich­nen wür­de.

Umfang des zu erset­zen­den Scha­dens[↑]

Besteht eine Scha­dens­er­satz­pflicht des Steu­er­be­ra­ters, ist zu beach­ten, dass ein Man­dant, der infol­ge feh­ler­haf­ter Bera­tung durch den Steu­er­be­ra­ter eine nach­tei­li­ge Ver­mö­gens­dis­po­si­ti­on getrof­fen hat, grund­sätz­lich nur den Scha­den ersetzt ver­lan­gen kann, der ihm durch das Ver­trau­en auf die Rich­tig­keit und Voll­stän­dig­keit der Bera­tung ent­stan­den ist 2.

Der Man­dant ist erst geschä­digt, wenn sich sei­ne Ver­mö­gens­la­ge "unterm Strich" schlech­ter dar­stellt, also ohne die dem Bera­ter anzu­las­ten­de Pflicht­ver­let­zung. Im Bereich der Rechts­und Steu­er­be­ra­ter­haf­tung darf die Dif­fe­renz­be­trach­tung nicht auf ein­zel­ne Rech­nungs­pos­ten beschränkt wer­den; erfor­der­lich ist viel­mehr ein Gesamt­ver­mö­gens­ver­gleich, der alle von dem haf­tungs­be­grün­den­den Ereig­nis betrof­fe­nen finan­zi­el­len Posi­tio­nen umfasst 18.

Hat der Man­dant im Anschluss an eine Emp­feh­lung der Steu­er­be­ra­ter meh­re­re Anla­gen getä­tigt, so waren die­se glei­cher­ma­ßen von der vor­he­ri­gen Auf­klä­rungs­pflicht­ver­let­zung beein­flusst 19.

Sind Vor­tei­le unmit­tel­ba­re Fol­ge aus dem scha­dens­stif­ten­den Ereig­nis, so sind sie ohne dass es eines etwai­gen Vor­teils­aus­gleichs bedürf­te unmit­tel­bar in die Berech­nung des vom Klä­ger dar­zu­le­gen­den und zu bewei­sen­den Scha­dens ein­zu­be­zie­hen 20.

Hat der Man­dant in einem Ver­an­la­gungs­zeit­raum, in dem er steu­er­lich bera­ten wur­de, neben den streit­ge­gen­ständ­li­chen wei­te­re Kapi­tal­an­la­gen über die von den Steu­er­be­ra­tern emp­foh­le­ne Anla­ge­ver­mitt­le­rin gezeich­net, müss­te der Man­dant auf­zei­gen, dass ihm unter Ein­be­zie­hung auch die­ser Kapi­tal­an­la­gen ein Scha­den ent­stan­den ist.

Bun­des­ge­richts­hof, Urteil vom 6. Dezem­ber 2018 – IX ZR 176/​16

  1. im Anschluss an BGH, WM 2018, 2179[]
  2. BGH, Urteil vom 07.05.1991 – IX ZR 188/​90, NJW-RR 1991, 1125, 1126[][]
  3. vgl. BGH, Urteil vom 19.05.2009 – IX ZR 43/​08, WM 2009, 1376 Rn. 12[]
  4. BGH, Urteil vom 23.10.1980 IVa ZR 28/​80, BGHZ 78, 263, 268; vom 19.06.1985 IVa ZR 196/​83, BGHZ 95, 81, 84; vom 20.05.1987 IVa ZR 36/​86, NJW-RR 1987, 1381, 1382; vom 26.09.1990 IVa ZR 147/​89, NJW-RR 1991, 145, 146; Vill in Zugehör/​G. Fischer/​Vill/​D. Fischer/​Rinkler/​Chab, Hand­buch der Anwalts­haf­tung, 4. Aufl., § 2 Rn. 305; Gehr­lein, Anwalts­und Steu­er­be­ra­ter­haf­tung, 4. Aufl., Rn. 97[]
  5. vgl. BGH, Urteil vom 19.06.1985 IVa ZR 196/​83, BGHZ 95, 81, 84; vom 26.09.1990 IVa ZR 147/​89, NJW-RR 1991, 145, 146[]
  6. vgl. BGH, Urteil vom 19.06.1985, aaO; vom 20.05.1987, aaO; Schmalz­Brüg­ge­mann in Henssler/​Gehrlein/​Holzinger, Hand­buch der Bera­ter­haf­tung, Kap. 4 Rn. 30 mwN; Grä­fe in Gräfe/​Lenzen/​Schmeer, Steu­er­be­ra­ter­haf­tung, 6. Aufl., Rn. 112 ff[]
  7. vgl. BGH, Urteil vom 15.11.2007 – IX ZR 34/​04, NJW 2008, 440 Rn. 10; BeckOGKBGB/​Teichmann, 2018, § 675 Rn. 1064 mwN[]
  8. BGH, Urteil vom 30.09.1993 – IX ZR 73/​93, BGHZ 123, 311, 314 ff; vom 30.03.2000 – IX ZR 53/​99, NJW 2000, 2814, 2815; vom 20.03.2008 – IX ZR 104/​05, NJW 2008, 2647 Rn. 12; Beschluss vom 15.05.2014 – IX ZR 267/​12, NJW 2014, 2795 Rn. 2[]
  9. BGH, Urteil vom 30.09.1993, aaO; Beschluss vom 15.05.2014, aaO Rn. 3 f; Gehr­lein, Anwalts­und Steu­er­be­ra­ter­haf­tung, 4. Aufl., Rn. 104[]
  10. BGH, Urteil vom 16.07.2015 – IX ZR 197/​14, NJW 2015, 3447 Rn. 25 ff mwN[]
  11. BGH, aaO[]
  12. BGH, aaO mwN[]
  13. BGBl. I, S. 3214[]
  14. vgl. BGH, Urteil vom 10.12 2015 – IX ZR 56/​15, NZG 2016, 238 Rn. 22[]
  15. vgl. BGH, Urteil vom 23.03.1987 – II ZR 190/​86, BGHZ 100, 228, 231 f mwN; vom 23.04.2015 – IX ZR 176/​12, NJW 2015, 2190 Rn.20[]
  16. BGH, Urteil vom 26.01.1984 – I ZR 195/​81, NJW 1985, 1023, 1024; vom 15.10.1992 – IX ZR 43/​92, NJW 1993, 648, 650[]
  17. BGH, Urteil vom 26.01.1995 – IX ZR 10/​94, BGHZ 128, 358, 362[]
  18. BGH, Urteil vom 20.11.1997 – IX ZR 286/​96, NJW 1998, 982, 983; vom 20.01.2005 – IX ZR 416/​00, WM 2005, 999, 1000; vom 07.02.2008 – IX ZR 149/​04, NJW 2008, 2041, 2042[]
  19. vgl. BGH, Urteil vom 18.10.2018 – III ZR 497/​16, WM 2018, 2179 Rn. 27[]
  20. vgl. Gan­ter, NJW 2012, 801, 806; Schultz in Henssler/​Gehrlein/​Holzinger, aaO, Kap. 5 Rn. 131[]