Die Geneh­mi­gungs­pla­nung des Archi­tek­ten

Ein Archi­tekt, der sich zur Erstel­lung einer Geneh­mi­gungs­pla­nung ver­pflich­tet, schul­det als Werkerfolg grund­sätz­lich eine dau­er­haft geneh­mi­gungs­fä­hi­ge Pla­nung. Etwas ande­res gilt dann, wenn der Auf­trag­ge­ber das Risi­ko der Geneh­mi­gungs­fä­hig­keit der Pla­nung auf­grund ver­trag­li­cher Ver­ein­ba­rung über­nimmt.

Die Geneh­mi­gungs­pla­nung des Archi­tek­ten

Es kön­nen bau­ord­nungs­recht­li­che Beden­ken von sol­chem Gewicht gegen die Zuläs­sig­keit eines Bau­vor­ha­bens bestehen, dass der Bau­herr ihret­we­gen nicht ohne wei­te­res auf die Recht­mä­ßig­keit der erteil­ten Bau­ge­neh­mi­gung ver­trau­en darf1.

Sind dem Auf­trag­ge­ber Umstän­de bekannt, auf­grund derer sich die Feh­ler­haf­tig­keit der Geneh­mi­gungs­pla­nung des Archi­tek­ten auf­drängt, und macht er von der erteil­ten Bau­ge­neh­mi­gung den­noch Gebrauch, ver­stößt er regel­mä­ßig gegen die im eige­nen Inter­es­se bestehen­de Oblie­gen­heit, sich selbst vor Schä­den zu bewah­ren (§ 254 Abs. 1 BGB).

Es ent­spricht der stän­di­gen Recht­spre­chung des Bun­des­ge­richts­hofs, dass ein Archi­tekt, der sich zur Erstel­lung einer Geneh­mi­gungs­pla­nung ver­pflich­tet, als Werkerfolg grund­sätz­lich eine dau­er­haft geneh­mi­gungs­fä­hi­ge Pla­nung schul­det2. Etwas ande­res gilt dann, wenn der Auf­trag­ge­ber das Risi­ko der Geneh­mi­gungs­fä­hig­keit der Pla­nung auf­grund ver­trag­li­cher Ver­ein­ba­rung über­nimmt. Die Par­tei­en eines Archi­tek­ten­ver­tra­ges kön­nen im Rah­men der Pri­vat­au­to­no­mie ver­ein­ba­ren, dass und in wel­chem Umfang der Auf­trag­ge­ber rechts­ge­schäft­lich das Risi­ko über­nimmt, dass die vom Archi­tek­ten zu erstel­len­de Pla­nung nicht geneh­mi­gungs­fä­hig ist3. Da ein Archi­tek­ten­ver­trag einem dyna­mi­schen Anpas­sungs­pro­zess unter­liegt, kann eine der­ar­ti­ge ver­trag­li­che Risi­ko­über­nah­me durch den Auf­trag­ge­ber auch nach Ver­trags­schluss im Rah­men der Abstim­mung über das geplan­te Bau­vor­ha­ben erfol­gen. Vor­aus­set­zung für die ver­trag­li­che Risi­ko­über­nah­me durch den Auf­trag­ge­ber ist, dass die­ser Bedeu­tung und Trag­wei­te des Risi­kos erkannt hat, dass die Geneh­mi­gung nicht erteilt oder wider­ru­fen wird. Das kann – sofern es nicht bereits offen­kun­dig ist – in der Regel nur ange­nom­men wer­den, wenn der Archi­tekt den Auf­trag­ge­ber umfas­send über das bestehen­de recht­li­che und wirt­schaft­li­che Risi­ko auf­ge­klärt und belehrt hat und der Auf­trag­ge­ber sich sodann auf einen der­ar­ti­gen Risi­ko­aus­schluss rechts­ge­schäft­lich ein­lässt4.

Auf der Grund­la­ge, dass die Klä­ger dem Beklag­ten ver­bind­lich vor­ge­ge­ben hät­ten, das Bau­werk im Bau­wich auf der Grund­la­ge zu pla­nen, dass eine wei­te­re Zustim­mung des Nach­barn nicht not­wen­dig ist, käme aller­dings nach die­sen Grund­sät­zen eine Haf­tungs­be­frei­ung in Betracht5. Trotz Man­gel­haf­tig­keit der Archi­tek­ten­leis­tung tritt eine Haf­tungs­be­frei­ung des Archi­tek­ten ein, wenn ihm eine bin­den­de Vor­ga­be des Auf­trag­ge­bers für die Pla­nung gemacht wor­den ist, er sei­ner Beden­ken­hin­weis­pflicht ord­nungs­ge­mäß nach­ge­kom­men ist und aus dem Ver­hal­ten des Auf­trag­ge­bers der Schluss gezo­gen wer­den durf­te, die­ser wol­le die Fort­füh­rung der aus Sicht des Archi­tek­ten bedenk­li­chen Leis­tung. Eine Haf­tungs­be­frei­ung des Archi­tek­ten kann im Fal­le einer bin­den­den Pla­nungs­vor­ga­be auch dann ein­tre­ten, wenn er sei­ne Beden­ken­hin­weis­pflich­ten zwar ver­letzt hat, jedoch gleich­zei­tig fest­steht, dass der Auf­trag­ge­ber trotz der an sich not­wen­di­gen Hin­wei­se auf Durch­füh­rung der bedenk­li­chen Leis­tung bestan­den hät­te6. Ein sol­cher Fall kann etwa dann ange­nom­men wer­den, wenn der Auf­trag­ge­ber nicht auf­klä­rungs­be­dürf­tig war, weil er sich der Pro­ble­ma­tik bewusst war und auch die Trag­wei­te der­sel­ben voll erkannt hat bzw. erken­nen muss­te7. Beweis­be­las­tet für die ord­nungs­ge­mä­ße Erfül­lung der Beden­ken­hin­weis­pflicht bzw. für die Ent­behr­lich­keit einer Auf­klä­rung des Auf­trag­ge­bers ist – schon nach all­ge­mei­nen Grund­sät­zen – der Archi­tekt8.

Bun­des­ge­richts­hof, Urteil vom 10. Febru­ar 2011 – VII ZR 8/​10

  1. im Anschluss an BGH, Urteil vom 12.06.1975 – III ZR 34/​73, NJW 1975, 1968, 1969 []
  2. vgl. BGH, Urtei­le vom 26.09.2002 – VII ZR 290/​01, BauR 2002, 1872 = NZBau 2003, 38 = ZfBR 2003, 31; vom 21.12.2000 – VII ZR 17/​99, BauR 2001, 785, 787 = NZBau 2001, 261, 262 = ZfBR 2001, 310, 311; und vom 25.03.1999 – VII ZR 397/​97, BauR 1999, 1195 = ZfBR 1999, 315 m.w.N.). Die ver­trag­lich geschul­de­te Leis­tung des Archi­tek­ten ist des­we­gen in der Regel nicht erbracht, wenn die ange­streb­te Bau­ge­neh­mi­gung durch die Behör­de zunächst erteilt, jedoch spä­ter wegen erfolg­rei­chen Dritt­wi­der­spruchs auf­ge­ho­ben wird ((vgl. BGH, Urteil vom 25.02.1999 – VII ZR 190/​97, BauR 1999, 934, 935 = ZfBR 1999, 202 []
  3. BGH, Urtei­le vom 26.09.2002 – VII ZR 290/​01, aaO; und vom 25.03.1999 – VII ZR 397/​97, aaO []
  4. vgl. BGH, Urteil vom 09.05.1996 – VII ZR 181/​93, BauR 1996, 732, 734 = ZfBR 1996, 264, 265 []
  5. vgl. BGH, Urteil vom 08.11.2007 – VII ZR 183/​05, BGHZ 174, 110, 119 ff.; Locher/​Koeble/​Frik, HOAI, 10. Aufl., § 33 Rn. 109 []
  6. vgl. BGH, Urteil vom 10.07.1975 – VII ZR 243/​73, BauR 1975, 420, 421 []
  7. dazu Kniff­ka in: Kniffka/​Koeble, Kom­pen­di­um des Bau­rechts, 3. Aufl., 6. Teil, Rn. 48 []
  8. vgl. BGH, Urteil vom 08.11.2007 – VII ZR 183/​05, BGHZ 174, 110 Rn. 26; Urteil vom 04.06.1973 – VII ZR 112/​71, BauR 1973, 313, 315 []