Die Höhe der ein­ge­speis­ten Strom­men­ge mit­tels einer Bio­gas­an­la­ge

Es liegt eine wesent­li­che Ände­rung einer geneh­mi­gungs­be­dürf­ti­gen Anla­ge i.S.v. § 16 Abs. 1 Blm­SchG vor, wenn die mit­tels eines von einer Bio­gas­an­la­ge gespeis­ten, ent­fernt von der Anla­ge auf­ge­stell­ten Satel­li­ten-Block­heiz­kraft­wer­kes erzeug­te Strom­men­ge, zusam­men mit der durch das Block­heiz­kraft­werk am Stand­ort der Bio­gas­an­la­ge erzeug­ten Strom­men­ge grö­ßer ist, als mit der geneh­mig­ten elek­tri­schen Leis­tung der Bio­gas­an­la­ge pro­du­zier­bar.

Die Höhe der ein­ge­speis­ten Strom­men­ge mit­tels einer Bio­gas­an­la­ge

So hat das Ober­lan­des­ge­richt Olden­burg über die Rechts­be­schwer­de eines Land­wirts ent­schie­den, dem vor­ge­wor­fen wor­den war, mit sei­ner Bio­gas­an­la­ge mehr als die geneh­mig­te Men­ge Strom pro­du­ziert und in das Strom­netz ein­ge­speist zu haben. Vom Amts­ge­richt Mep­pen 1 ist der Land­wirt dazu ver­ur­teilt wor­den, 403.000,- Euro Strom­ver­gü­tung zurück­zah­len. Die­ses Urteil hat vor dem Ober­lan­des­ge­richt Olden­burg nicht stand­ge­hal­ten und ist zur erneu­ten Ver­hand­lung an das Amts­ge­richt Mep­pen zurück­ver­wie­sen wor­den.

Der Land­wirt betrieb seit 2005 eine Bio­gas­an­la­ge. Mit dem Ertrag durf­te er über ein ange­schlos­se­nes Heiz­kraft­werk bis zu 4,08 Mio kW/​h Strom erzeu­gen und in das Strom­netz ein­spei­sen. Tat­säch­lich speis­te er im Jahr 2009 3,9 Mio kW/​h Strom ein. Dar­über hin­aus hat­te eine mit dem Land­wirt ver­bun­de­ne Gesell­schaft in eini­ger Ent­fer­nung ein wei­te­res Heiz­kraft­werk errich­tet. Die­ses belie­fer­te der Land­wirt mit Gas aus der Bio­gas­an­la­ge. Das zwei­te Heiz­kraft­werk pro­du­zier­te dar­aus wei­te­re 1,86 Mio kW/​h Strom und speis­te sie in das Strom­netz ein. Der Land­kreis ver­trat die Auf­fas­sung, der von bei­den Kraft­wer­ken pro­du­zier­te Strom dür­fe die geneh­mig­te Men­ge von 4,08 Mio kW/​h nicht über­schrei­ten. Tat­säch­lich habe der Land­wirt mit bei­den Anla­gen rund 5,76 Mio kW/​h und damit rund 1,69 Mio kW/​h zu viel erzeugt. Statt eines Buß­gel­des ord­ne­te der Land­kreis den Ver­fall zuguns­ten der öffent­li­chen Hand an: Die zu viel erlang­te Ein­spei­sungs­ver­gü­tung von 403.000,- Euro müs­se der Land­wirt zurück­zah­len. Der Land­wirt leg­te gegen den ent­spre­chen­den Buß­geld­be­scheid Ein­spruch ein. Das Amts­ge­richt Mep­pen 1 gab dem Land­kreis Recht und ver­ur­teil­te den Land­wirt zur Rück­zah­lung von 403.000,- Euro: Die Strom­pro­duk­ti­on bei­der Kraft­wer­ke sei zusam­men­zu­rech­nen. Schließ­lich habe die Beschrän­kung der ein­speis­ba­ren Strom­men­ge das Ziel, den Außen­be­reich auch vor zu gro­ßen Bio­gas­an­la­gen und deren Immis­sio­nen zu schüt­zen, was durch die Nut­zung eines zwei­ten Kraft­wer­kes umgan­gen wer­de. Der Land­wirt hat Rechts­be­schwer­de ein­ge­legt.

Nach Auf­fas­sung des Ober­lan­des­ge­richts Olden­burg sei es zwar rich­tig, dass die Erträ­ge der bei­den Kraft­wer­ke zusam­men den geneh­mig­ten Strom­ertrag nicht über­schrei­ten dürf­ten. Das Amts­ge­richt müs­se jedoch noch prü­fen, ob der Land­kreis Ems­land, wie es der Land­wirt behaup­tet, mit­ge­teilt hat­te, eine Geneh­mi­gung des zwei­ten Kraft­wer­kes sei nicht erfor­der­lich. In einem sol­chen Fall kön­ne dem Land­wirt mög­li­cher­wei­se kein Vor­wurf gemacht wer­den. Jeden­falls dürf­te eine sol­che Aus­kunft bei der Fra­ge eine Rol­le spie­len, wie hoch der vom Land­wirt zurück­zu­zah­len­de Betrag zu bemes­sen sei.

Dar­über sei die Ein­spei­sungs­ver­gü­tung für den Strom aus dem zwei­ten Kraft­werk nicht dem Land­wirt, son­dern der Gesell­schaft, die die­ses Kraft­werk betrei­be, zuge­flos­sen. Die Rück­zah­lungs­ver­pflich­tung kön­ne daher nicht höher sein als der Betrag, den der Land­wirt für das gelie­fer­te Bio­gas von die­ser Gesell­schaft erhal­ten habe.

Ober­lan­des­ge­richt Olden­burg, Beschluss vom 9. April 2013 – 2 SsBs 59/​13

  1. AG Mep­pen, vom 04.12.2012 – 7 OWi 1100 Js 43108/​12 (338/​12) [][]