Die Kla­ge­be­fug­nis des Wett­be­werbs­ver­ban­des

§ 8 Abs. 3 Nr. 2 UWG regelt nicht nur die sach­lich­recht­li­che Anspruchs­be­rech­ti­gung, son­dern auch die pro­zes­sua­le Kla­ge­be­fug­nis.

Die Kla­ge­be­fug­nis des Wett­be­werbs­ver­ban­des

Die Kla­ge­be­fug­nis des Wett­be­werbs­ver­ban­des muss als Sachur­teils­vor­aus­set­zung nicht nur im Zeit­punkt der bean­stan­de­ten Wett­be­werbs­hand­lung bestan­den haben, son­dern auch im gericht­li­chen Ver­fah­ren noch fort­be­stehen. Dabei ist grund­sätz­lich zu ver­lan­gen, dass die Tat­sa­chen, aus denen sich die Kla­ge­be­fug­nis ergibt, spä­tes­tens im Zeit­punkt der letz­ten münd­li­chen Ver­hand­lung in der Tat­sa­chen­in­stanz vor­ge­le­gen haben 1.

Der in § 8 Abs. 3 Nr. 2 UWG genann­te Begriff der Waren oder Dienst­leis­tun­gen glei­cher oder ver­wand­ter Art ist weit aus­zu­le­gen. Er erfasst sol­che Waren oder Dienst­leis­tun­gen, die sich ihrer Art nach so glei­chen oder nahe­ste­hen, dass mit einer gewis­sen Wahr­schein­lich­keit davon aus­zu­ge­hen ist, dass der Absatz des einen Unter­neh­mers durch wett­be­werbs­wid­ri­ges Han­deln des ande­ren Unter­neh­mers beein­träch­tigt wer­den kann 2.

Einem Wett­be­werbs­ver­band gehört eine im Sin­ne des § 8 Abs. 3 Nr. 2 UWG erheb­li­che Anzahl von Unter­neh­mern an, wenn die­se Mit­glie­der als Unter­neh­mer, bezo­gen auf den maß­geb­li­chen Markt, in der Wei­se reprä­sen­ta­tiv sind, dass ein miss­bräuch­li­ches Vor­ge­hen des Ver­bands aus­ge­schlos­sen wer­den kann. Dies kann auch schon bei einer gerin­gen Zahl auf dem betref­fen­den Markt täti­ger Mit­glie­der anzu­neh­men sein; dar­auf, ob die­se Ver­bands­mit­glie­der nach ihrer Zahl und ihrem wirt­schaft­li­chem Gewicht im Ver­hält­nis zu allen ande­ren auf dem Markt täti­gen Unter­neh­mern reprä­sen­ta­tiv sind, kommt es nicht an 3.

Bun­des­ge­richts­hof, Urteil vom 7. Mai 2015 – I ZR 158/​14

  1. BGH, Urteil vom 16.11.2006 – I ZR 218/​03, GRUR 2007, 610 Rn. 14 = WRP 2007, 778 Sam­mel­mit­glied­schaft V; Urteil vom 01.03.2007 – I ZR 51/​04, GRUR 2007, 809 Rn. 12 = WRP 2007, 1088 Kran­ken­haus­wer­bung[]
  2. BGH, Ver­säum­nis­ur­teil vom 16.03.2006 – I ZR 103/​03, GRUR 2006, 778 Rn.19 = WRP 2006, 1023 – Sam­mel­mit­glied­schaft IV; BGH, GRUR 2007, 610 Rn. 17 – Sam­mel­mit­glied­schaft V; GRUR 2007, 809 Rn. 14 – Kran­ken­haus­wer­bung[]
  3. BGH, GRUR 2007, 610 Rn. 18 – Sam­mel­mit­glied­schaft V; GRUR 2007, 809 Rn. 15 Kran­ken­haus­wer­bung[]