Die kos­ten­lo­se Zweit­bril­le

Die Wer­bung für eine Bril­le mit dem her­vor­ge­ho­be­nen Hin­weis auf die kos­ten­lo­se Abga­be einer Zweit­bril­le kann gegen das Heil­mit­tel­wer­be­recht ver­sto­ßen.

Die kos­ten­lo­se Zweit­bril­le

In dem jetzt vom Bun­des­ge­richts­hof ent­schie­de­nen Fall betreibt die Beklag­te ein Optiker­un­ter­neh­men mit zahl­rei­chen Filia­len. Sie ver­teil­te im Herbst 2010 einen Wer­be­fly­er, in dem sie eine Bril­le mit Pre­mi­um-Ein­stär­ken­glä­sern zum Preis von 239 € und mit Pre­mi­um-Gleit­sicht­glä­sern zum Preis von 499 € anbot. Die Beklag­te kün­dig­te in der Wer­bung zudem an, dass der Kun­de zusätz­lich eine kos­ten­lo­se Zweit­bril­le im Wert von 89 € erhält. Die Klä­ge­rin, die Zen­tra­le zur Bekämp­fung unlau­te­ren Wett­be­werbs, hat dar­in einen Ver­stoß gegen das heil­mit­tel­recht­li­che Ver­bot von Wer­be­ga­ben gese­hen und die Beklag­te auf Unter­las­sung in Anspruch genom­men.

Das erst­in­stanz­lich hier­mit befass­te Land­ge­richt Stutt­gart hat die Beklag­te antrags­ge­mäß ver­ur­teilt 1. Die hier­ge­gen gerich­te­te Beru­fung der Beklag­ten ist vor dem Ober­lan­des­ge­richt Stutt­gart eben­falls erfolg­los geblie­ben 2. Das Ober­lan­des­ge­richt Stutt­gart hat hier­bei ange­nom­men, das Ange­bot einer kos­ten­lo­sen Zweit­bril­le stel­le eine nach dem Heil­mit­tel­wer­be­recht unzu­läs­si­ge Ankün­di­gung einer Zuwen­dung dar. Nach dem Gesamt­bild der ange­grif­fe­nen Wer­bung bie­te die Beklag­te nicht ein aus zwei Bril­len bestehen­des Waren­pa­ket an, son­dern schen­ke dem Kun­den beim Kauf einer Bril­le mit Pre­mi­um­glä­sern eine Zweit­bril­le.

Der Bun­des­ge­richts­hof hat die Revi­si­on der Beklag­ten im Wesent­li­chen nun eben­falls zurück­ge­wie­sen. Er hat ange­nom­men, dass die ange­grif­fe­ne Wer­bung der Beklag­ten gegen das Ver­bot von Zuwen­dun­gen in § 7 Abs. 1 S. 1 HWG ver­stößt. Der Ver­brau­cher fasst die Wer­bung als Ange­bot einer Bril­le zum ange­ge­be­nen Preis zuzüg­lich eines Geschenks in Form einer Zweit­bril­le auf, weil der Umstand, dass die Zweit­bril­le kos­ten­los dazu­ge­ge­ben wird, blick­fang­mä­ßig her­vor­ge­ho­ben in der Wer­bung dar­ge­stellt wird. Es besteht die Gefahr, dass sich Ver­brau­cher zum Kauf der ange­bo­te­nen Seh­hil­fe allein wegen des Geschenks einer Zweit­bril­le ent­schlie­ßen und ihre Ent­schei­dung für den Erwerb der von der Beklag­ten ange­bo­te­nen Seh­hil­fe nicht aus­schließ­lich an ihren gesund­heit­li­chen Belan­gen aus­rich­ten.

Bun­des­ge­richts­hof, Urteil vom 6. Novem­ber 2014 – I ZR 26/​14

  1. LG Stutt­gart, Urteil vom 19.04.2012 – 35 O 11/​11 KfH[]
  2. OLG Stutt­gart, Urteil vom 17.01.2013 – 2 U 92/​12, WRP 2013, 648[]