Die kos­ten­träch­ti­ge Zahn­be­hand­lung – und die Auf­klä­rung über Alter­na­ti­ven

Eine kos­ten­in­ten­si­ve Zahn­be­hand­lung (Implan­tat­be­hand­lung mit Kno­chen­auf­bau durch Eigen­kno­chen­züch­tung) muss nicht bezahlt wer­den, wenn sich der Pati­ent im Fal­le sei­ner ord­nungs­ge­mä­ßen Auf­klä­rung über ande­re Behand­lungs­mög­lich­kei­ten (Kno­chen­auf­bau durch Ver­wen­dung von Kno­chen­er­satz­mit­tel oder Kno­chen­ent­nah­me aus dem Becken­kamm) gegen die kos­ten­in­ten­si­ve Behand­lung aus­ge­spro­chen hät­te.

Die kos­ten­träch­ti­ge Zahn­be­hand­lung – und die Auf­klä­rung über Alter­na­ti­ven

Im Rah­men der erfor­der­li­chen Auf­klä­rung muss der Zahn­arzt ord­nungs­ge­mäß und voll­stän­dig über die in Betracht kom­men­den Alter­na­ti­ven zum Kno­chen­auf­bau im Ober- und Unter­kie­fer auf­klä­ren müs­sen. Dar­an fehlt es jedoch hier. Vor­lie­gend wären theo­re­tisch drei Ver­fah­ren in Betracht gekom­men. Neben der Eigen­kno­chen­züch­tung wäre, so der Sach­ver­stän­di­ge, die Ver­wen­dung von Kno­chen­er­satz­ma­te­ri­al (Col­la­gen) und die Kno­chen­ent­nah­me in Betracht gekom­men. Unstrei­tig hat der Zahn­arzt aller­dings nur auf die Kno­chen­ent­nah­me aus dem Becken­kamm als alter­na­ti­ve Behand­lungs­me­tho­de hin­ge­wie­sen. Dar­über hin­aus hat er die­se Metho­de als unge­eig­net dar­ge­stellt und zur Begrün­dung dar­auf ver­wie­sen, dass die Men­ge des für den Ober- und Unter­kie­fer benö­tig­ten Kno­chen­ma­te­ri­als zu groß sei, um sie durch die Becken­kamm­ope­ra­ti­on gewin­nen zu kön­nen. Dies ist nach Ein­schät­zung des durch den Sach­ver­stän­di­gen bera­ten­den OLG Hamm unzu­tref­fend und irre­füh­rend.

Hät­te der Behand­ler im Rah­men des Auf­klä­rungs­ge­sprächs, das nach sei­ner eige­nen Behand­lungs­do­ku­men­ta­ti­on erfolgt ist, die Pati­en­tin ord­nungs­ge­mäß auf die in Betracht kom­men­den Behand­lungs­mög­lich­kei­ten hin­ge­wie­sen, hät­te sich die­se gegen eine Behand­lung aus­ge­spro­chen. Sämt­li­che in der Rech­nung auf­ge­führ­ten Posi­tio­nen wären daher nicht ange­fal­len, so dass der gel­tend gemach­te Hono­rar­an­spruch ent­fällt.

Ober­lan­des­ge­richt Hamm, Urteil vom 12. August 2014 – 26 U 35/​13