Die künst­lich geschaf­fe­nen Salz­grot­te

Wer­be­aus­sa­gen, nach denen der Auf­ent­halt in einem künst­lich mit Salz aus­ge­klei­de­ten Raum mit einer Lin­de­rung von kör­per­li­chen Beschwer­den ver­bun­den ist, sind irre­füh­rend und zu unter­las­sen.

Die künst­lich geschaf­fe­nen Salz­grot­te

In dem beim Ober­lan­des­ge­richt Hamm rechts­hän­gi­gen Fall unter­hält die Beklag­te im Kreis Sie­gen-Witt­gen­stein als „Salz­grot­te“ und „Salz­Kraft-Werk“ bezeich­ne­te, künst­lich mit Salz aus­ge­stat­te­te Räum­lich­kei­ten. Sie bie­tet Ver­brau­chern den Auf­ent­halt in den Räu­men an und hat ihr Ange­bot im Inter­net u.a. mit fol­gen­den Aus­sa­gen bewor­ben:

Die Sit­zun­gen im Salz­Kraft-Werk hel­fen bei Atem­wegs­be­schwer­den, Haut­pro­ble­men, Herz-Kreis­lauf-Beschwer­den und Stress."

Über­zeu­gen Sie sich von der Heil­kraft des Sal­zes! Die Auf­ent­hal­te in der Salz­grot­te wir­ken lin­dernd und för­dernd bei:

All­er­gi­en, Atem­wegs­er­kran­kung (z.B. Nase, Hals, Bron­chi­al-Asth­ma, chro­ni­sche Ent­zün­dung der Bron­chi­en und Lun­ge), Kopf­schmer­zen, Migrä­ne, Haut­er­kran­kun­gen (z.B. Akne, Schup­pen­flech­te, Aus­schlag, Ent­zün­dun­gen), Herz-Gefäß-Erkran­kun­gen (z.B. Kreis­lauf­pro­ble­me, Blut­hoch­druck, Cho­le­ste­rin), Rheu­ma, Stö­run­gen des Ner­ven­sys­tems, Stress, Erschöp­fungs­zu­stän­de, Immun­sys­tem­schwä­che, Schild­drü­sen­un­ter­funk­ti­on, Jod­man­gel, psy­cho­so­ma­ti­sche Erkran­kun­gen."

Salz­kraft-Heil­kur …Bei leich­ten gesund­heit­li­chen Sym­pto­men.…

SalzKraft-Intensivkur…Zur Behand­lung von star­ken gesund­heit­li­chen Pro­ble­men.…

Salz­Kraft-All­er­gie- und Erkäl­tungs­kur …Damit Sie schnell wie­der durch­at­men kön­nen. Mine­ral­stof­fe stär­ken Ihr Immun­sys­tem und Ihre Abwehr­kräf­te."

Der die Inter­es­sen von Wett­be­wer­bern ver­tre­ten­de, kla­gen­de Ver­band hat­te die Unter­las­sung der nach sei­ner Ansicht irre­füh­ren­den und daher wett­be­werbs­wid­ri­gen Wer­be­aus­sa­gen ver­langt.

Nach Auf­fas­sung des Ober­lan­des­ge­richts Hamm zu Recht. Die bean­stan­de­ten Aus­sa­gen, die einen Gesund­heits­be­zug hät­ten, sei­en eine irre­füh­ren­de Wer­bung im Sin­ne von § 3 Abs. 1 Nr. 1 des Heil­mit­tel­wer­be­ge­set­zes (HWG). Eine nach die­ser Vor­schrift unzu­läs­si­ge Wer­bung lie­ge ins­be­son­de­re dann vor, wenn Ver­fah­ren oder Behand­lun­gen the­ra­peu­ti­sche Wir­kun­gen bei­gelegt wür­den, die sie nicht hät­ten. Auf dem Gebiet des Gesund­heits­we­sens tra­ge der Wer­ben­de die Ver­ant­wor­tung für die objek­ti­ve Rich­tig­keit sei­ner Anga­be. Für die vom kla­gen­den Ver­band bestrit­te­ne Rich­tig­keit ihrer Aus­sa­gen habe die Beklag­te kei­ne aus­rei­chen­den wis­sen­schaft­li­chen Nach­wei­se erbracht. Durch die Aus­sa­gen habe sie den Besu­chern in gesund­heit­li­cher Hin­sicht vor­teil­haf­te Wir­kun­gen ver­spro­chen, die wis­sen­schaft­lich nicht belegt sei­en.

Ober­lan­des­ge­richt Hamm, Beschluss vom 4. Okto­ber 2012 – I‑4 U 124/​12