Die Län­der­no­tar­kas­se und die Absen­kung der Notar­ver­sor­gung

§ 7 Abs. 1 der Ver­sor­gungs­sat­zung der Län­der­no­tar­kas­se in der Fas­sung der Bekannt­ma­chung vom 23. März 2007 beruht auf einer kom­pe­tenz­ge­mäß erlas­se­nen und auch im Übri­gen ver­fas­sungs­kon­for­men Ermäch­ti­gungs­grund­la­ge.

Die Län­der­no­tar­kas­se und die Absen­kung der Notar­ver­sor­gung

Die bis zum 31. Dezem­ber 2003 gel­ten­de Fas­sung der Ver­sor­gungs­sat­zung sah für Nota­re ein Ruhe­ge­halt in Anleh­nung an die Ver­sor­gungs­be­zü­ge der Besol­dungs­grup­pe R 1 vor. Wegen des erheb­li­chen Rück­gangs des Abga­ben­auf­kom­mens beschloss die Län­der­no­tar­kas­se am 26. Sep­tem­ber 2003, das Ruhe­ge­halt zum Jah­res­be­ginn 2004 auf das Niveau der Besol­dungs­grup­pe A 13 zu sen­ken. Zu Recht, wie jetzt das Bun­des­ver­wal­tungs­ge­richt befand:

Nach § 113 Abs. 3 Nr. 2 Satz 1 BNo­tO gehö­ren zu den Auf­ga­ben der Län­der­no­tar­kas­se unter ande­rem die Ver­sor­gung der aus­ge­schie­de­nen Nota­re im Alter und bei Amts­un­fä­hig­keit, die Ver­sor­gung der Nota­ras­ses­so­ren bei Dienst­un­fä­hig­keit sowie die Ver­sor­gung ihrer Hin­ter­blie­be­nen. Satz 3 der Vor­schrift bestimmt, dass die Höhe der Ver­sor­gung sich unab­hän­gig von der Höhe der geleis­te­ten Abga­ben nach der ruhe­ge­halts­fä­hi­gen Dienst­zeit ein­schließ­lich An- und Zurech­nungs­zei­ten bemisst. Absatz 19 ermäch­tigt die Antrags­geg­ne­rin unter ande­rem zur nähe­ren sat­zungs­recht­li­chen Rege­lung der Ver­sor­gung. Die­se Ermäch­ti­gungs­grund­la­ge ist von der kon­kur­rie­ren­den Gesetz­ge­bungs­kom­pe­tenz des Bun­des nach Art. 74 Abs. 1 Nr. 1 i.V.m. Art. 72 Abs. 2 GG 1 gedeckt.

Die kon­kur­rie­ren­de Gesetz­ge­bungs­kom­pe­tenz für das Nota­ri­at gemäß Art. 74 Abs. 1 Nr. 1 GG umfasst neben dem Berufs­recht der Nota­re auch die übri­gen auf die­sen Berufs­stand bezo­ge­nen Rege­lun­gen ein­schließ­lich des Notar­ver­sor­gungs­rechts 2. Bei Ver­kün­dung des Geset­zes am 19. Juni 2006 lagen die mate­ri­ell­recht­li­chen Vor­aus­set­zun­gen für die Aus­übung der kon­kur­rie­ren­den Gesetz­ge­bungs­kom­pe­tenz gemäß Art. 72 Abs. 2 GG a.F. vor. Wie das ange­grif­fe­ne Urteil zutref­fend aus­führt, durf­te der Gesetz­ge­ber sei­ner­zeit davon aus­ge­hen, eine bun­des­recht­li­che Neu­re­ge­lung der Errich­tung der Antrags­geg­ne­rin und ihrer Sat­zungs­ge­walt sei zur Wah­rung der Rechts­ein­heit im gesamt­staat­li­chen Inter­es­se erfor­der­lich 3. Im Bereich der nota­ri­el­len Selbst­ver­wal­tung ein­schließ­lich der Notar­ver­sor­gung droh­te eine Rechts­zer­split­te­rung mit pro­ble­ma­ti­schen Fol­gen, die im Inter­es­se des Bun­des und der Län­der nicht hin­ge­nom­men wer­den konn­te 4. Mit Aus­lau­fen der Über­gangs­frist zur Anwen­dung der als ver­fas­sungs­wid­rig erkann­ten §§ 113, 113a BNo­tO a.F. droh­te die Rechts­grund­la­ge für die sat­zungs­ge­mä­ße Tätig­keit der Baye­ri­schen Notar­kas­se und der Antrags­geg­ne­rin zu ent­fal­len. Dann hät­ten in einem erheb­li­chen Teil des Bun­des­ge­biets, näm­lich in Bay­ern, einem Teil­ge­biet von Rhein­land-Pfalz und den neu­en Bun­des­län­dern, kei­ne Abga­ben zur Finan­zie­rung der lau­fen­den Leis­tun­gen zur Ein­kom­mens­er­gän­zung und der Notar­ver­sor­gung mehr erho­ben wer­den kön­nen. Auch die Rechts­grund­la­ge für die wei­te­re Erbrin­gung die­ser exis­tenz­si­chern­den Leis­tun­gen wäre weg­ge­fal­len. Wäh­rend im übri­gen Bun­des­ge­biet die Notar­kam­mern und deren Ver­sor­gungs­ein­rich­tun­gen auf der Grund­la­ge der §§ 65 ff. BNo­tO hät­ten tätig wer­den kön­nen, wäre die Auf­ga­ben­er­fül­lung im Bereich der Notar­kas­sen unmög­lich gewor­den. Die­se Rechts­zer­split­te­rung konn­te im Inter­es­se des Bun­des und der Län­der nicht hin­ge­nom­men wer­den, weil sie das bun­des­wei­te Funk­tio­nie­ren des Nota­ri­ats als Organ der vor­sor­gen­den Rechts­pfle­ge beein­träch­tigt hät­te. Die Neu­fas­sung des § 113 BNo­tO durch Gesetz vom 15. Juli 2006 5 ver­hin­der­te die Rechts­zer­split­te­rung, indem sie eine neue gesetz­li­che Grund­la­ge für die Auf­ga­ben­er­fül­lung der Notar­kas­sen schuf.

Ihrer Erfor­der­lich­keit zur Wah­rung der Rechts­ein­heit steht weder ent­ge­gen, dass kei­ne bun­des­wei­te und bun­des­ein­heit­li­che Rege­lung getrof­fen wur­de, noch, dass grund­sätz­lich statt­des­sen eine lan­des­ge­setz­li­che oder staats­ver­trag­li­che Rege­lung denk­bar gewe­sen wäre. Kom­pe­tenz­recht­li­che Beden­ken las­sen sich auch nicht dar­aus her­lei­ten, dass § 113 BNo­tO sich nicht auf eine Ermäch­ti­gung zur lan­des­recht­li­chen Rege­lung beschränkt, son­dern selbst die Anknüp­fung der Notar­ver­sor­gung an die Dau­er der Dienst­zeit bestimmt.

Die Annah­me, Art. 72 Abs. 2 GG a.F. erlau­be nur eine bun­des­wei­te und bun­des­ein­heit­li­che Rege­lung, trifft nicht zu. Die Wah­rung der Rechts­ein­heit ver­langt nur die Besei­ti­gung der Rechts­zer­split­te­rung; dies setzt nicht zwangs­läu­fig eine im gesam­ten Bun­des­ge­biet in Kraft tre­ten­de ein­heit­li­che Durch­nor­mie­rung des betref­fen­den Rege­lungs­be­reichs vor­aus. Soweit die Rechts­zer­split­te­rung sich – wie hier – aus dem Weg­fall von Rege­lun­gen in einem Teil­be­reich des Bun­des­ge­biets ergibt, genügt eine par­ti­el­le bun­des­recht­li­che Rege­lung, die Rechts­ein­heit wie­der her­zu­stel­len. Art. 72 Abs. 2 GG ver­langt auch nicht, dass die bun­des­ge­setz­li­che Rege­lung den Rechts­zu­stand wei­ter ver­ein­heit­licht als zuvor. Da das Grund­ge­setz den Län­dern im Anwen­dungs­be­reich des Art. 74 GG Raum für dif­fe­ren­zie­ren­de Rege­lun­gen lässt, muss auch ein Bun­des­ge­setz nach Art. 72 Abs. 2 GG die Rechts­viel­falt nicht völ­lig auf­he­ben. Viel­mehr genügt es, wenn der Rege­lung eine bun­des­ein­heit­li­che Rege­lungs­kon­zep­ti­on zugrun­de liegt, die ein­heit­li­che bun­des­weit gel­ten­de Rege­lun­gen mit regio­nal dif­fe­ren­zie­ren­der Aus­ge­stal­tung ver­bin­den kann 6. Zur bedenk­li­chen, nach Art. 72 Abs. 2 GG a.F. zu behe­ben­den Rechts­zer­split­te­rung wird eine sol­che Rechts­viel­falt erst, wenn die regio­nal dif­fe­ren­zie­ren­de Aus­ge­stal­tung zu pro­ble­ma­ti­schen Fol­gen führt, etwa zu erheb­li­chen Rechts­un­si­cher­hei­ten und dar­in begrün­de­ten unzu­mut­ba­ren Behin­de­run­gen für den län­der­über­grei­fen­den Rechts­ver­kehr 7. Dies trifft zwar auf den Weg­fall der nota­ri­el­len Ver­sor­gung in einem Teil­be­reich des Bun­des­ge­biets zu. Die regio­nal unter­schied­li­che Aus­ge­stal­tung der Notar­ver­sor­gung nach Maß­ga­be der his­to­risch gewach­se­nen regio­na­len Beson­der­hei­ten wirft jedoch kei­ne ver­gleich­ba­ren Pro­ble­me auf.

Für den Bereich der alten Bun­des­län­der ergibt sich schon aus dem sys­te­ma­ti­schen Zusam­men­hang des Art. 74 Abs. 1 Nr. 1 mit Art. 138 GG, dass die bun­des­recht­li­che Rege­lung und die Wah­rung der regio­na­len Beson­der­hei­ten der Nota­ri­ats­ver­fas­sun­gen ein­an­der nicht aus­schlie­ßen, da Art. 138 GG die süd­deut­sche Nota­ri­ats­ver­fas­sung aus­drück­lich aner­kennt und schützt 8. Dem trägt die Bun­des­no­tar­ord­nung Rech­nung. Sie nor­miert ledig­lich die für die Rechts­pfle­ge erfor­der­li­chen Berufs­re­ge­lun­gen weit­ge­hend ein­heit­lich. Im Übri­gen ermög­licht sie eine regio­nal dif­fe­ren­zier­te berufs­stän­di­sche Selbst­ver­wal­tung. Dabei nimmt sie in § 113 BNo­tO die Beson­der­hei­ten der süd­deut­schen Nota­ri­ats­ver­fas­sung auf.

Die Aner­ken­nung der nach deren Vor­bild gestal­te­ten Nota­ri­ats­ver­fas­sung im Bereich der neu­en Bun­des­län­der ergibt sich aus Anla­ge II Kap. 3 Sach­ge­biet A Abschn. III des Ver­tra­ges zwi­schen der Bun­des­re­pu­blik Deutsch­land und der Deut­schen Demo­kra­ti­schen Repu­blik über die Her­stel­lung der Ein­heit Deutsch­lands (Eini­gungs­ver­trag) vom 31. August 1990 9, der die Fort­gel­tung der Ver­ord­nung über die Tätig­keit von Nota­ren in eige­ner Pra­xis (VONot) vom 20. Juni 1990 10 als par­ti­el­les Bun­des­recht anord­net 11. Dies ermög­licht auch die Erset­zung durch eine Neu­re­ge­lung, die sich – wie hier – im Wesent­li­chen im Rah­men der bis­he­ri­gen Rege­lungs­kon­zep­ti­on hält( (vgl. BVerfG, Beschluss vom 13.07.2004, a.a.O., S. 215 zur Über­füh­rung der par­ti­ku­la­ren Rege­lung in § 113a BNo­tO a.F.; vgl. Urteil vom 09.06.2004 – 1 BvR 636/​02, BVerfGE 111, 10, 29 ff. zu den Gren­zen der bun­des­recht­li­chen Ände­rung einer nach Art. 125a Abs. 2 Satz 1 GG fort­gel­ten­den Rege­lung)).

Die blo­ße Mög­lich­keit, die erfor­der­li­che ver­fas­sungs­kon­for­me Rechts­grund­la­ge für die wei­te­re Tätig­keit der Notar­kas­sen durch par­al­le­le Lan­des­ge­set­ze oder einen Staats­ver­trag zu schaf­fen, lässt die Rege­lungs­be­fug­nis des Bun­des nicht ent­fal­len 12. Da drei der fünf betrof­fe­nen neu­en Bun­des­län­der im Früh­jahr 2006 eine bun­des­ge­setz­li­che Rege­lung vor­schlu­gen 13, konn­te der Bun­des­ge­setz­ge­ber nicht mit dem recht­zei­ti­gen, ein­ver­nehm­li­chen Erlass einer rechts­si­che­ren und dau­er­haf­ten Rege­lung durch die Län­der rech­nen.

Dass er die Bemes­sung der Notar­ver­sor­gung nicht der Sat­zung der Notar­kas­se über­las­sen, son­dern in § 113 Abs. 3 Nr. 2 BNo­tO selbst gere­gelt hat, ist kom­pe­tenz­recht­lich nicht zu bean­stan­den. Die Vor­schrif­ten über die kon­kur­rie­ren­de Gesetz­ge­bungs­kom­pe­tenz nach Art. 74 Abs. 1 Nr. 1 GG i.V.m. Art. 72 Abs. 2 GG a.F. begren­zen nicht die Dich­te einer zuläs­si­gen bun­des­recht­li­chen Rege­lung. Inso­weit darf und muss der Gesetz­ge­ber viel­mehr die Anfor­de­run­gen des Par­la­ments­vor­be­halts beach­ten. Die detail­lier­te Nor­mie­rung der Notar­ver­sor­gung in § 113 Abs. 3 Nr. 2 BNo­tO war erfor­der­lich, um eine hin­rei­chend kon­kre­te Ermäch­ti­gungs­grund­la­ge für die grund­rechts­re­le­van­te Bemes­sung der Ver­sor­gung im Zustän­dig­keits­be­reich der Antrags­geg­ne­rin zu schaf­fen.

Deren Errich­tung als rechts­fä­hi­ge Anstalt des Frei­staa­tes Sach­sen 14 ist auch mit Art. 84 Abs. 1 GG a.F. ver­ein­bar, weil § 113 BNo­tO als Zustim­mungs­ge­setz erlas­sen wur­de 15. Über das Erfor­der­nis eines Zustim­mungs­ge­set­zes hin­aus stellt Art. 84 Abs. 1 GG a.F. kei­ne wei­te­ren Anfor­de­run­gen. Ins­be­son­de­re ver­langt er kei­ne Erfor­der­lich­keits­prü­fung wie Art. 72 Abs. 2 GG a.F. und kei­ne bun­des­ein­heit­li­che oder bun­des­weit gel­ten­de Rege­lung. Die gegen­tei­li­ge Auf­fas­sung fin­det weder im sys­te­ma­ti­schen Zusam­men­hang noch im Sinn und Zweck des Art. 84 Abs. 1 GG a.F. eine Stüt­ze. Erst im Zuge der Föde­ra­lis­mus­re­form I wur­den in Art. 84 GG inso­weit dif­fe­ren­zie­ren­de Rege­lun­gen getrof­fen.

Das aus Art. 83 GG abzu­lei­ten­de Ver­bot der Misch­ver­wal­tung ist eben­falls nicht ver­letzt. Die nach Art. 84 Abs. 1 GG a.F. legi­ti­mier­te Errich­tung der Antrags­geg­ne­rin durch § 113 BNo­tO durch­bricht nicht die föde­ra­le Ver­tei­lung der Ver­wal­tungs­kom­pe­ten­zen. Sie begrün­det auch kei­ne ver­fas­sungs­recht­lich pro­ble­ma­ti­schen Mit­be­stim­mungs- oder Mit­ent­schei­dungs­be­fug­nis­se im Ver­hält­nis der betrof­fe­nen Län­der unter­ein­an­der. Die Rechts­auf­sicht über die Antrags­geg­ne­rin obliegt nach § 113 Abs. 1 Satz 5 BNo­tO allein dem Säch­si­schen Staats­mi­nis­te­ri­um der Jus­tiz. Dass die­ses sie nach Satz 6 der Vor­schrift nach nähe­rer Ver­ein­ba­rung der betei­lig­ten Jus­tiz­ver­wal­tun­gen aus­zu­üben hat, sichert den übri­gen Jus­tiz­mi­nis­te­ri­en ein Mit­spra­che­recht nur im Rah­men einer ver­fas­sungs­recht­lich zuläs­si­gen Ver­ein­ba­rung zwi­schen meh­re­ren Bun­des­län­dern, ohne die allei­ni­ge Zustän­dig­keit und Ver­ant­wor­tung der Antrags­geg­ne­rin für die Auf­ga­ben­wahr­neh­mung in Fra­ge zu stel­len.

Zutref­fend ist auch die mate­ri­el­le Ver­fas­sungs­mä­ßig­keit des § 113 Abs. 3 Nr. 2, Abs. 19 BNo­tO zu beja­hen. Er ver­stößt weder gegen Art. 20 Abs. 1 und 3 GG noch gegen grund­recht­li­che Gewähr­leis­tun­gen.

Die Vor­schrif­ten über die Bil­dung des zum Sat­zungs­er­lass befug­ten Ver­wal­tungs­rats der Antrags­geg­ne­rin und die Sat­zungs­er­mäch­ti­gung selbst genü­gen den in der Recht­spre­chung des Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richts kon­kre­ti­sier­ten Anfor­de­run­gen des Demo­kra­tie­ge­bots und des Rechts­staats­prin­zips 16. Die detail­lier­ten orga­ni­sa­to­ri­schen und ver­fah­rens­recht­li­chen Rege­lun­gen in § 113 Abs. 9 bis 13 BNo­tO wah­ren den Par­la­ments­vor­be­halt und gewähr­leis­ten eine ange­mes­se­ne Betei­li­gung der betrof­fe­nen Nota­re an der Wil­lens­bil­dung der Antrags­geg­ne­rin. Dazu genügt die vor­ge­se­he­ne pro­por­tio­na­le Ver­tre­tung der Nota­ria­te der ein­zel­nen Nota­ri­ats- oder Ober­lan­des­ge­richts­be­zir­ke im jewei­li­gen Ver­wal­tungs­rat. Der Gesetz­ge­ber durf­te bei der Antrags­geg­ne­rin einen ande­ren Ein­woh­ner­zah­len­schlüs­sel zugrun­de legen als bei der Baye­ri­schen Notar­kas­se. Die Abwei­chung ist sach­lich gerecht­fer­tigt im Hin­blick auf die Gesamt­ein­woh­ner­zahl des jewei­li­gen Zustän­dig­keits­be­reichs und das Bestre­ben, die Mit­glie­der­zahl des Ver­wal­tungs­rats im Inter­es­se effek­ti­ver Arbeit zu begren­zen. Der Ein­wand, die säch­si­schen Nota­re sei­en gegen­über den Nota­ren aus den ande­ren neu­en Bun­des­län­dern unter­re­prä­sen­tiert, trifft nicht zu. Der Grund­satz pro­por­tio­na­ler Reprä­sen­ta­ti­on schließt maß­stabs­be­ding­te Ver­zer­run­gen bei der Abbil­dung der Mehr­heits­ver­hält­nis­se nicht aus. Der Gesetz­ge­ber war auch nicht ver­pflich­tet, die Mit­glie­der­zahl zu erhö­hen, um die Mehr­heits­ver­hält­nis­se genau­er abzu­bil­den. Die rela­ti­ve Mehr­heit der säch­si­schen Nota­re schlägt sich bereits in der Zutei­lung von drei statt zwei Sit­zen nie­der.

§ 113 Abs. 3 Nr. 2 BNo­tO ist mit Art. 12 Abs. 1 GG ver­ein­bar. Aller­dings greift die Ver­pflich­tung zur Bemes­sung der Ver­sor­gung nach der Dau­er der ruhe­ge­halts­fä­hi­gen Dienst­zeit wegen ihrer objek­tiv-berufs­re­geln­den Ten­denz in die Berufs­frei­heit ein. Sie moti­viert dazu, die Berufs­aus­übung bis zum Errei­chen der maxi­mal ruhe­ge­halts­fä­hi­gen Dienst­zeit fort­zu­set­zen, und för­dert die Bereit­schaft zur Über­nah­me auch ertrags­schwa­cher Stel­len. Der Ein­griff ist jedoch ver­fas­sungs­recht­lich gerecht­fer­tigt, weil er von ver­nünf­ti­gen Erwä­gun­gen des Gemein­wohls getra­gen wird und ver­hält­nis­mä­ßig ist. Er dient dem legi­ti­men Zweck, eine unab­hän­gi­ge vor­sor­gen­de Rechts­pfle­ge auf ange­mes­se­nem, glei­chem Qua­li­täts­ni­veau auch in struk­tur­schwa­chen Gebie­ten zu gewähr­leis­ten. Dazu sichert § 113 Abs. 3 Nr. 2 BNo­tO eine Ver­sor­gung unab­hän­gig von der Ein­träg­lich­keit der zuge­wie­se­nen Amts­stel­le. Die­se Rege­lung ist auch erfor­der­lich, das ver­folg­te Ziel zu errei­chen. Eine an der Höhe geleis­te­ter Abga­ben ori­en­tier­te Ver­sor­gung oder eine Kom­bi­na­ti­on mini­ma­ler Grund­si­che­rung und abga­ben­ab­hän­gi­ger Zusatz­ver­sor­gung wären dazu nicht eben­so geeig­net. Wie das ange­grif­fe­ne Urteil zutref­fend aus­führt, kann der ein­zel­ne Notar das eige­ne Ein­kom­men wegen der Zuwei­sung der Amts­sit­ze, der Beschrän­kung der Amts­tä­tig­keit und der Abhän­gig­keit der Gebüh­ren vom Gegen­stands­wert nur begrenzt beein­flus­sen. Jede Dif­fe­ren­zie­rung der Ver­sor­gung nach abga­ben­pflich­ti­gen Gebüh­ren­ein­nah­men wür­de des­halb Nota­re auf ertrags­schwa­chen Stel­len benach­tei­li­gen und die Gewähr­leis­tung einer qua­li­ta­tiv gleich­wer­ti­gen unab­hän­gi­gen und vor­sor­gen­den Rechts­pfle­ge im bun­des­wei­ten Gel­tungs­be­reich des Geset­zes beein­träch­ti­gen. Die mit der Ver­sor­gungs­re­ge­lung ein­her­ge­hen­den Nach­tei­le für Nota­re mit hohen abga­ben­pflich­ti­gen Gebüh­ren­ein­nah­men sind auch nicht unzu­mut­bar. Trotz der Abga­ben­be­las­tung blei­ben die­sen Nota­ren genü­gend Über­schüs­se, um dar­aus eige­ne Zusatz­ver­sor­gun­gen zu finan­zie­ren.

Die gesetz­li­che Rege­lung steht auch mit Art. 14 Abs. 1 GG in Ein­klang. Ein sub­jek­ti­ves Recht auf Ver­sor­gungs­leis­tun­gen nach dem Ver­si­che­rungs­prin­zip hat der Antrag­stel­ler nach der für den Senat bin­den­den Aus­le­gung des irre­vi­si­blen Lan­des­rechts nicht erwor­ben. Der Grund­satz des Ver­trau­ens­schut­zes, der rück­wir­ken­de Ein­grif­fe in ver­mö­gens­wer­te Rech­te nur in den Gren­zen des Rück­wir­kungs­ver­bots zulässt 17, wird nicht durch die gesetz­li­che Rege­lung der Ver­sor­gung nach der Dau­er der Dienst­zeit ver­letzt. Eine ech­te Rück­wir­kung liegt nicht vor, da § 113 Abs. 3 Nr. 2 BNo­tO eine sat­zungs­recht­li­che Aus­ge­stal­tung der Ver­sor­gung nach dem Ver­si­che­rungs­prin­zip nur für die Zeit nach sei­nem Inkraft­tre­ten aus­schließt. Soweit er tat­be­stand­lich an das Ent­rich­ten von Abga­ben in zurück­lie­gen­den Zeit­räu­men anknüpft, ist die­se unech­te Rück­wir­kung gerecht­fer­tigt, weil sich ein Ver­trau­en auf eine Ver­sor­gung nach dem Ver­si­che­rungs­prin­zip ange­sichts der Kon­ti­nui­tät vom Ver­si­che­rungs­prin­zip abwei­chen­der sat­zungs­recht­li­cher Rege­lun­gen nicht bil­den konn­te. Unab­hän­gig von ihrer Ver­fas­sungs­mä­ßig­keit konn­ten weder Ver­sor­gungs­an­wart­schaf­ten noch das Ver­trau­en auf deren Begrün­dung in grö­ße­rem als dem posi­tiv­recht­lich fest­ge­leg­ten Umfang ent­ste­hen.

Der all­ge­mei­ne Gleich­heits­satz nach Art. 3 Abs. 1 GG wird durch § 113 Abs. 3 Nr. 2 BNo­tO eben­falls nicht ver­letzt. Er ver­pflich­tet den Gesetz­ge­ber, wesent­lich Glei­ches gleich und wesent­lich Unglei­ches ungleich, also sei­ner Eigen­art ent­spre­chend ver­schie­den zu behan­deln. Dabei darf der Gesetz­ge­ber im Rah­men sei­ner Gestal­tungs­frei­heit die­je­ni­gen Sach­ver­hal­te aus­wäh­len, die er als ver­gleich­bar anse­hen und an die er die­sel­be Rechts­fol­ge knüp­fen will. Er muss sei­ne Aus­wahl aber bezo­gen auf die Eigen­art des kon­kre­ten Sach­ge­biets sach­ge­recht tref­fen. Eine Gleich­be­hand­lung ver­schie­de­ner Sach­ver­hal­te ver­letzt des­halb Art. 3 Abs. 1 GG, wenn sie nach der Eigen­art des betrof­fe­nen Rege­lungs­ge­gen­stan­des nicht durch einen ver­nünf­ti­gen, ein­leuch­ten­den Grund gerecht­fer­tigt wer­den kann 18. Beein­träch­tigt die Gleich- oder Ungleich­be­hand­lung – wie hier – die Aus­übung grund­recht­lich geschütz­ter Frei­hei­ten, erstreckt die ver­fas­sungs­recht­li­che Prü­fung sich dar­über hin­aus auf die Ver­hält­nis­mä­ßig­keit der getrof­fe­nen Rege­lung.

Die mit der Bemes­sung des Ruhe­ge­halts nach der Dau­er der Dienst­zeit vor­ge­ge­be­ne ver­sor­gungs­recht­li­che Gleich­be­hand­lung von Nota­ren, die Abga­ben in unter­schied­li­cher Höhe ent­rich­tet haben, ist sach­lich gerecht­fer­tigt durch den legi­ti­men Zweck, eine qua­li­ta­tiv gleich­wer­ti­ge unab­hän­gi­ge vor­sor­gen­de Rechts­pfle­ge auch in struk­tur­schwa­chen Gebie­ten zu sichern. Für die Geeig­net­heit und Erfor­der­lich­keit der Maß­nah­me sowie für ihre Ver­hält­nis­mä­ßig­keit im enge­ren Sin­ne wird auf die Aus­füh­run­gen zur Ein­schrän­kung der Berufs­frei­heit ver­wie­sen. Aus den­sel­ben Grün­den ist auch die ver­sor­gungs­recht­li­che Gleich­be­hand­lung unter­schied­lich leis­tungs­star­ker Nota­re gerecht­fer­tigt. Soweit der Antrag­stel­ler auf Haf­tungs­ri­si­ken aus der Zeit der akti­ven Berufs­tä­tig­keit ver­weist, sind die­se aus den mit die­ser Tätig­keit erziel­ten Ein­nah­men zu ver­si­chern; neue Haf­tungs­ri­si­ken wer­den im Ruhe­stand nicht begrün­det.

Der bei­trags­recht­li­che Äqui­va­lenz­grund­satz, der ein gro­bes Miss­ver­hält­nis von Abga­ben und Leis­tun­gen ver­bie­tet, steht der Bemes­sung der Ver­sor­gung nach der Dau­er der Dienst­zeit nicht ent­ge­gen. Im Bereich der berufs­stän­di­schen Ver­sor­gungs­ein­rich­tun­gen darf der Gesetz­ge­ber die Äqui­va­lenz von Bei­trags- und Ver­sor­gungs­leis­tun­gen durch den Grund­satz soli­da­ri­scher sozia­ler Siche­rung modi­fi­zie­ren. Die­ser lässt sich aus dem Sozi­al­staats­ge­bot nach Art. 20 Abs. 1 GG her­lei­ten, das nach Art. 28 Abs. 1 Satz 1 GG auch die ver­fas­sungs­recht­li­che Ord­nung in den Län­dern prägt. Der Soli­da­ri­täts­grund­satz recht­fer­tigt es, leis­tungs­star­ke Mit­glie­der des Berufs­stan­des zur Finan­zie­rung der Ver­sor­gungs­leis­tun­gen leis­tungs­schwä­che­rer Mit­glie­der her­an­zu­zie­hen 19. Die Ver­hält­nis­mä­ßig­keit der damit ein­her­ge­hen­den Ungleich­be­hand­lung der leis­tungs­star­ken Nota­re wur­de oben bereits dar­ge­legt. Auch aus der vom Antrag­stel­ler zitier­ten Recht­spre­chung zum Hono­rar­ver­tei­lungs­maß­stab für Ärz­te mit beson­de­rer Pra­xis­struk­tur 20 ergibt sich kei­ne Ver­pflich­tung zur Wah­rung einer strik­ten Äqui­va­lenz. Weder die bei­den Berufs­grup­pen noch die kas­sen­ärzt­li­che Ver­gü­tung und die Notar­ver­sor­gung sind ver­gleich­bar.

Eine ver­fas­sungs­wid­ri­ge Dis­kri­mi­nie­rung gegen­über Nota­ren in ande­ren Bun­des­län­dern, deren Ver­sor­gung abga­ben­ab­hän­gig gere­gelt ist, liegt eben­falls nicht vor. Selbst wenn der Bun­des­ge­setz­ge­ber bei der par­ti­el­len Rege­lung die Rechts­la­ge im gesam­ten Bun­des­ge­biet in den Blick neh­men muss­te, durf­te er für den Zustän­dig­keits­be­reich der Notar­kas­sen die dort bis­lang gel­ten­den Ver­sor­gungs­grund­sät­ze gesetz­lich regeln. Soweit dar­in eine Ungleich­be­hand­lung gegen­über Nota­ren außer­halb die­ses Zustän­dig­keits­be­reichs liegt, ist sie sach­lich gerecht­fer­tigt durch die Beson­der­heit der his­to­risch gewach­se­nen, ver­fas­sungs­recht­lich aner­kann­ten süd­deut­schen Nota­ri­ats­ver­fas­sung, die in den neu­en Bun­des­län­dern bereits vor Wirk­sam­wer­den des Bei­tritts über­nom­men wur­de. Die for­mellge­setz­li­che Rege­lung der Bemes­sung der Ver­sor­gung nach der Dau­er der Dienst­zeit war geeig­net und erfor­der­lich, die­se regio­na­le, durch Art. 138 GG und Anla­ge II Kap. 3 Sach­ge­biet A Abschn. III Eini­gungs­ver­trag legi­ti­mier­te Aus­prä­gung der nota­ri­el­len Selbst­ver­wal­tung zu bewah­ren.

Die ver­fas­sungs­kon­for­me Ermäch­ti­gung in § 113 Abs. 3 Nr. 2 BNo­tO deckt § 7 Abs. 1 Ver­sor­gungs­sat­zung 2007. Da sie die Höhe der Ver­sor­gungs­leis­tun­gen nicht regelt, ver­bie­tet sie weder deren Ori­en­tie­rung an einer bestimm­ten Besol­dungs­stu­fe noch eine Absen­kung ab einem bestimm­ten Stich­tag.

Einen Ver­stoß der Sat­zungs­be­stim­mung gegen sons­ti­ges revi­si­bles Recht hat das Ober­ver­wal­tungs­ge­richt zutref­fend ver­neint. Die Absen­kung der Ver­sor­gungs­hö­he für Dienst­zei­ten ab dem 1. Janu­ar 2004 ver­letzt weder Art. 14 Abs. 1 GG noch Art. 3 Abs. 1 GG.

Ver­sor­gungs­an­wart­schaf­ten nach § 7 Abs. 1 Satz 3 Ver­sor­gungs­sat­zung 2007 fal­len in den Schutz­be­reich des Art. 14 Abs. 1 GG 21. Die Absen­kung des Ver­sor­gungs­ni­veaus ab dem 1. Janu­ar 2004 ist aber nach Art. 14 Abs. 1 Satz 2 GG als ver­hält­nis­mä­ßi­ge Inhalts- und Schran­ken­be­stim­mung der Eigen­tums­po­si­ti­on gerecht­fer­tigt. Sie ver­stößt auch nicht gegen den Grund­satz des Ver­trau­ens­schut­zes und das rechts­staat­li­che Rück­wir­kungs­ver­bot.

Die Absen­kung der Ver­sor­gung auf das Niveau der Besol­dungs­grup­pe A 13 dient dem legi­ti­men Ziel der Erhal­tung der Funk­ti­ons- und Leis­tungs­fä­hig­keit des Ver­sor­gungs­sys­tems der Antrags­geg­ne­rin. Nach den nicht mit Ver­fah­rens­rügen ange­grif­fe­nen, für den Senat nach § 137 Abs. 2 VwGO bin­den­den Fest­stel­lun­gen des Ober­ver­wal­tungs­ge­richts ist die Absen­kung ange­sichts des erheb­li­chen Rück­gangs des Abga­ben­auf­kom­mens geeig­net und erfor­der­lich, die Ver­sor­gung lang­fris­tig zu sichern, da deren bis­he­ri­ges Niveau nur mit einer extre­men Erhö­hung des Bei­trags­sat­zes um mehr als 50 % (von 19 % auf 29 % der abga­ben­pflich­ti­gen Gebüh­ren­ein­nah­men) zu finan­zie­ren gewe­sen wäre. Ver­hält­nis­mä­ßig im enge­ren Sin­ne ist die Absen­kung zum 1. Janu­ar 2004, weil sie die sei­ner­zeit schon im Ruhe­stand befind­li­chen Nota­re nicht, und die ver­sor­gungs­na­hen Jahr­gän­ge nur gering­fü­gig betrifft, wäh­rend sie dienst­jün­ge­ren Nota­ren aus­rei­chend Zeit lässt, sich auf die neue Lage ein­zu­stel­len.

§ 7 Abs. 1 Satz 3 Ver­sor­gungs­sat­zung 2007 ver­letzt auch nicht den Grund­satz des Ver­trau­ens­schut­zes. Dabei kann offen blei­ben, ob und inwie­weit nicht nur eine unech­te, son­dern eine ech­te Rück­wir­kung im Sin­ne einer Rück­be­wir­kung von Rechts­fol­gen vor­liegt. Die ver­fas­sungs­recht­li­che Recht­fer­ti­gung der ech­ten wie der unech­ten Rück­wir­kung ergibt sich jeden­falls dar­aus, dass nach der Beschluss­fas­sung der Antrags­geg­ne­rin über die Absen­kung des Ruhe­ge­halts am 26. Sep­tem­ber 2003 kein schutz­wür­di­ges Ver­trau­en der Nota­re auf einen Fort­be­stand der güns­ti­ge­ren Ver­sor­gungs­re­ge­lung über den 1. Janu­ar 2004 hin­aus mehr bestehen konn­te 22. Außer­dem dien­te die – erneu­te – Rege­lung der Absen­kung des Ver­sor­gungs­ni­veaus der Berei­ni­gung einer unkla­ren Rechts­la­ge. Auf die Erwä­gun­gen des Ober­ver­wal­tungs­ge­richts zum Aus­maß der Kür­zun­gen kommt es danach nicht an.

Vor dem all­ge­mei­nen Gleich­heits­satz des Art. 3 Abs. 1 GG ist die sat­zungs­recht­li­che Absen­kung des Ver­sor­gungs­ni­veaus eben­falls gerecht­fer­tigt. Dies gilt hin­sicht­lich der Stich­tags­re­ge­lung zum 1. Janu­ar 2004 eben­so wie hin­sicht­lich der vom Antrags­stel­ler gerüg­ten Ungleich­be­hand­lung von Nota­ren im Ruhe­stand im Ver­hält­nis zu Nota­ras­ses­so­ren und akti­ven Nota­ren.

Die Ungleich­be­hand­lung ruhe­ge­halts­fä­hi­ger Dienst­zei­ten vor und nach dem Stich­tag des 1. Janu­ar 2004 beruht auf der sach­li­chen Erwä­gung, bereits im Ruhe­stand befind­li­che Nota­re nicht durch eine nach­träg­li­che Kür­zung ihres Ruhe­ge­halts zu belas­ten und die Absen­kung des Ver­sor­gungs­ni­veaus für die noch akti­ven Nota­re so aus­zu­ge­stal­ten, dass kurz vor dem Ruhe­stand ste­hen­de gerin­ge­re Nach­tei­le haben als dienst­jün­ge­re, die sich auf die neue Rechts­la­ge noch ein­stel­len kön­nen.

Die Sat­zungs­re­ge­lung führt auch nicht zu einer Dis­kri­mi­nie­rung von Nota­ren im Ruhe­stand gegen­über akti­ven Nota­ras­ses­so­ren. Letz­te­re stel­len kei­ne nach Art. 3 Abs. 1 GG zu berück­sich­ti­gen­de Ver­gleichs­grup­pe dar, weil sie – anders als die Nota­re – im öffent­li­chen Dienst ste­hen und dienst­recht­lich gere­gel­te Bezü­ge erhal­ten. Recht­fer­ti­gungs­be­dürf­tig ist nur die Ungleich­be­hand­lung zwi­schen den Nota­ren im Ruhe­stand und den akti­ven Nota­ren, deren Ein­kom­mens­er­gän­zung nach wie vor am Niveau der Besol­dungs­grup­pe R 1 aus­ge­rich­tet ist. Der sach­li­che Grund für die­se Ungleich­be­hand­lung liegt dar­in, dass Nota­ren im akti­ven Dienst zur Siche­rung einer flä­chen­de­cken­den unab­hän­gi­gen und qua­li­ta­tiv gleich­wer­ti­gen vor­sor­gen­den Rechts­pfle­ge ein aus­rei­chen­des Min­dest­ge­halt garan­tiert wer­den muss. Es soll der für die­ses Amt erfor­der­li­chen juris­ti­schen Qua­li­fi­ka­ti­on nach § 5 BNo­tO Rech­nung tra­gen und den in § 8 BNo­tO gere­gel­ten weit­ge­hen­den Aus­schluss von Mög­lich­kei­ten zur Auf­bes­se­rung des monat­li­chen Ein­kom­mens durch wei­te­re Erwerbs­tä­tig­keit aus­glei­chen. Nota­re im Ruhe­stand sind ver­gleich­ba­ren Anfor­de­run­gen und Beschrän­kun­gen nicht mehr aus­ge­setzt. Ihr Ruhe­ge­halt dient ledig­lich der Exis­tenz­si­che­rung auf einem Niveau, das ein ange­mes­se­nes Alters­ein­kom­men auch dann gewähr­leis­tet, wenn auf ertrags­schwa­chen Stel­len wäh­rend der Dienst­zeit kei­ne nen­nens­wer­te Zusatz­ver­sor­gung im Alter finan­ziert wer­den konn­te. Auf die­se unter­schied­li­chen Zweck­rich­tun­gen bezo­gen, ist die sat­zungs­recht­li­che Dif­fe­ren­zie­rung auch ver­hält­nis­mä­ßig. Für ihre Zumut­bar­keit gegen­über Nota­ren auf ein­kom­mens­star­ken Stel­len kann auf die Aus­füh­run­gen zur Ver­ein­bar­keit der gesetz­li­chen Ermäch­ti­gung mit dem all­ge­mei­nen Gleich­heits­satz ver­wie­sen wer­den.

Bun­des­ver­wal­tungs­ge­richt, Urteil vom 27. Okto­ber 2010 – 8 CN 2.09

  1. in der hier maß­geb­li­chen Fas­sung des Geset­zes zur Ände­rung des Grund­ge­set­zes vom 26. Juli 2002, BGBl I S. 2863 (GG a.F.) []
  2. vgl. BVerfG, Beschluss vom 13.07.2004 – 1 BvR 1298/​94, 1299/​94 u.a., BVerfGE 111, 191, 193[]
  3. vgl. die amt­li­che Begrün­dung des Gesetz­ent­wurfs vom 26.04.2006, BT-Drs 16/​1340 S. 8[]
  4. vgl. zu die­sen Kri­te­ri­en BVerfG, Urtei­le vom 24.10.2002 – 2 BvF 1/​01, BVerfGE 106, 62, 145 f.; und vom 27.07.2004 – 2 BvF 2/​02, BVerfGE 111, 226, 253 f.[]
  5. BGBl I S. 1531[]
  6. vgl. BVerfG, Urteil vom 27.07.2004 – 2 BvF 2.02, a.a.O., S. 253 f.; und Beschlüs­se vom 08.06.1988 – 2 BvL 9/​85, 3/​86, BVerfGE 78, 249, 270 f.; und vom 21.07.2010 – 1 BvL 8/​07, ZOV 2010, 177, 182[]
  7. BVerfG, Urtei­le vom 24.10.2002, a.a.O., S. 145; und vom 27.07.2004, a.a.O., S. 254[]
  8. Klein, in: Maunz/​Dürig, GG, Art. 138, Stand: Dezem­ber 2007, Rn. 1 f. und 16; Degen­hart, in: Sachs, GG, 5. Aufl. 2009, Art. 138, Rn. 1 und 3; vgl. BVerfG, Beschluss vom 05.05.1964 – 1 BvR 416/​61, 106/​62, BVerfGE 17, 381, 389[]
  9. BGBl II S. 889[]
  10. GBl DDR I S. 475[]
  11. vgl. BVerfG, Beschluss vom 13.07.2004, a.a.O., S. 215[]
  12. vgl. BVerfG, Urteil vom 24.10.2002, a.a.O., S. 150[]
  13. vgl. den Geset­zes­an­trag der Län­der Sach­sen, Sach­sen-Anhalt und Thü­rin­gen vom 24. März 2006, BR-Drs. 217/​06[]
  14. vgl. BGH, Beschluss vom 11.07.2005 – NotZ 13/​05, DNotZ 2006, 75[]
  15. vgl. BT-Drs. 402/​06; BGH, Beschluss vom 11.07.2005, a.a.O. S. 77[]
  16. vgl. BVerfG, Beschluss vom 13.07.2004, a.a.O., S. 216 ff.[]
  17. vgl. BVerfG, Beschluss vom 15.10.1996 – 1 BvL 44/​92, 48/​92, BVerfGE 95, 64, 86 f.[]
  18. vgl. BVerfG, Beschluss vom 17.02.1997 – 1 BvR 1903/​96, NJW 1997, 2444, 2445; und Urteil vom 27.09.2005 – 2 BvR 1387/​02, BVerfGE 114, 258, 297 f.[]
  19. BGH, Beschluss vom 25.04.1994 – NotZ 8/​93, BGHZ 126, 16, 32 f.[]
  20. vgl. BayB­VerfGH, Ent­schei­dung vom 04.07.2001 – Vf. 2‑VII-00, BayVBl 2002, 79 f.[]
  21. vgl. BVerfG, Urteil vom 28.02.1980 – 1 BvL 17/​77, 7/​78, 9/​78 u.a., BVerfGE 53, 257, 289 ff.; BVerwG, Urteil vom 21.09.2005 – 6 C 3.05, Buch­holz 11 Art. 14 GG Nr. 350 S. 20, 24[]
  22. vgl. BVerfG, Beschluss vom 03.12.1997 – 2 BvR 882/​97, BVerfGE 97, 67, 79[]