Die Lori­ot-Bio­gra­phie und die nicht geneh­mig­ten Lori­ot-Zita­te

Haben die Erben einer Ver­wen­dung von Zita­ten in einer Bio­gra­phie nicht zuge­stimmt, und ist die Über­nah­me der Zita­te nicht durch das Zitat­recht gemäß § 51 UrhG oder unter dem Gesichts­punkt der Kunst­frei­heit gemäß Arti­kel 5 Abs. 3 GG gerecht­fer­tigt, liegt eine Urhe­ber­rechts­ver­let­zung vor, und es besteht ein Unter­las­sungs­an­spruch. Die Urhe­be­rechts­fä­hig­keit der Zita­te muss dage­gen ver­neint wer­den, wenn die Äuße­run­gen die blo­ße Schil­de­rung von Gescheh­nis­sen dar­stel­len.

Die Lori­ot-Bio­gra­phie und die nicht geneh­mig­ten Lori­ot-Zita­te

Mit die­ser Begrün­dung hat das Land­ge­richt Braun­schweig die Kla­ge einer Toch­ter und Erbin des im August 2011 ver­stor­be­nen Vic­co von Bülow („Lori­ot”) zum Teil statt­ge­ge­ben. Die Toch­ter hat gegen eine Ver­lags­grup­pe geklagt, in dem Anfang Sep­tem­ber 2011 das Buch „Lori­ot. Bio­gra­phie” erschie­nen war. Die­se Bio­gra­phie ent­hält Zita­te von Lori­ot über sein Leben und Wir­ken aus den unter­schied­lichs­ten Quel­len (z. B. aus Inter­views und ver­schie­de­nen Wer­ken von Lori­ot). Nach Auf­fas­sung der Klä­ge­rin sei die Über­nah­me der Zita­te in die Bio­gra­phie nicht zuläs­sig gewe­sen, weil die Erben der Ver­wen­dung der Zita­te nicht zuge­stimmt hät­ten. Sämt­li­che Zita­te von Lori­ot sei­en urhe­ber­rechts­fä­hig wegen der aus­rei­chen­den indi­vi­du­el­len Prä­gung und des hin­ter­grün­di­gen Humors. Außer­dem sei­en die Zita­te auch nicht von dem Zitat­recht gemäß § 51 Urhe­ber­rechts­ge­setz gedeckt.

Die beklag­te Ver­lags­grup­pe stellt in Abre­de, dass die Klä­ge­rin Inha­be­rin der gel­tend gemach­ten Rech­te sei. Da Lori­ot zu Leb­zei­ten die aus­schließ­li­chen Nut­zungs­rech­te an sei­nen Wer­ken einem Ver­lag über­tra­gen habe, sei nur die­ser kla­ge­be­fugt. Auch inhalt­lich sei die Kla­ge unbe­grün­det. Vie­le der über­nom­me­nen Zita­te sei­en wegen feh­len­der Schöp­fungs­hö­he nicht urhe­ber­rechts­fä­hig, da sich die­se auf die Schil­de­rung tat­säch­li­cher Lebens­er­eig­nis­se beschrän­ken wür­den. Und im Übri­gen sei die Ver­wen­dung der Zita­te im Hin­blick auf das Zitat­recht gemäß § 51 Urhe­ber­rechts­ge­setz bzw. aus dem Aspekt der Kunst­frei­heit gerecht­fer­tigt. Es sei dabei ins­be­son­de­re zu berück­sich­ti­gen, dass es sich um eine Bio­gra­fie über einen Künst­ler han­delt, bei der es dar­um geht, sein krea­ti­ves Schaf­fen – auch durch Auf­nah­me von Zita­ten – auf­zu­zei­gen.

Nach Auf­fas­sung des Land­ge­richts Braun­schweig lie­ge eine Urhe­ber­rechts­ver­let­zung durch die Über­nah­me von 35 der ins­ge­samt 68 bean­stan­de­ten Zita­te vor und inso­weit bestehe ein Unter­las­sungs­an­spruch. Die­se Zita­te sei­en schutz­fä­hig gemäß § 2 Urhe­ber­rechts­ge­setz. Die Über­nah­me der Zita­te sei auch nicht durch das Zitat­recht gemäß § 51 Urhe­ber­rechts­ge­setz oder unter dem Gesichts­punkt der Kunst­frei­heit gemäß Arti­kel 5 Abs. 3 Grund­ge­setz gerecht­fer­tigt.

Für wei­te­re von der Klä­ger­sei­te bean­stan­de­te 33 Zita­te ist die Kla­ge abge­wie­sen wor­den. Die Urhe­ber­rechts­fä­hig­keit die­ser Zita­te ist vom Land­ge­richt Braun­schweig z.B. ver­neint wor­den, weil die Äuße­run­gen die blo­ße Schil­de­rung von Gescheh­nis­sen dar­stel­len wür­den. Für ande­re Zita­te ver­weist das Land­ge­richt dar­auf, dass deren Über­nah­me durch das Zitat­recht gedeckt sei, weil eine eigen­stän­di­ge inhalt­li­che Aus­ein­an­der­set­zung des Autors mit dem Zitat statt­fin­de. Im Übri­gen sei im Rah­men der Erstel­lung einer Bio­gra­phie über den Künst­ler Lori­ot die Über­nah­me eini­ger Zita­te auch durch den Grund­satz der Kunst­frei­heit gerecht­fer­tigt.

Land­ge­richt Braun­schweig, Urteil vom 16. Janu­ar 2013 – 9 O 1144/​12