Die nächs­te Taschen­buch­auf­la­ge

Das Recht des Ver­le­gers, Fol­ge­auf­la­gen eines Wer­kes zu ver­an­stal­ten, kann sich auch ohne aus­drück­li­che Erwäh­nung aus dem Gesamt­in­halt des Ver­lags­ver­tra­ges erge­ben.

Die nächs­te Taschen­buch­auf­la­ge

Ein Ver­le­ger, der das Recht hat, eine neue Auf­la­ge zu ver­an­stal­ten, ist nicht ver­pflich­tet, von die­sem Rech­te Gebrauch zu machen, § 17 VerlG. Zur Aus­übung des Rech­tes kann ihm der Ver­fas­ser eine ange­mes­se­ne Frist bestim­men. Nach dem Ablau­fe der Frist ist der Ver­fas­ser berech­tigt, von dem Ver­tra­ge zurück­zu­tre­ten, wenn nicht die Ver­an­stal­tung recht­zei­tig erfolgt ist, § 17 Satz 3 VerlG. Die­se Bestim­mung des § 17 Satz 3 VerlG ist auch auf Über­set­zungs­ver­trä­ge anwend­bar.

Der Ver­le­ger kann der ihn tref­fen­den Last, eine Neu­auf­la­ge zu ver­an­stal­ten, auch dadurch nach­kom­men, dass er eine Taschen­buch- oder eine Son­der­aus­ga­be her­aus­gibt. Dem steht es gleich, wenn er die Taschen­buch- oder Son­der­aus­ga­be nicht im eige­nen, son­dern in einem ande­ren Ver­lag ver­an­lasst.

Das dem Ver­le­ger ein­ge­räum­te aus­schließ­li­che Recht zur Ver­viel­fäl­ti­gung und Ver­brei­tung der Über­set­zun­gen ist nach sämt­li­chen im hier ent­schie­de­nen Fall in Rede ste­hen­den Ver­trä­gen nicht auf Hard­co­ver-Aus­ga­ben beschränkt, son­dern umfasst alle Aus­ga­ben des Wer­kes und damit auch Taschen­buch- und Son­der­aus­ga­ben. Die einer Hard­co­ver-Aus­ga­be nach­fol­gen­de Taschen­buch- oder Son­der­aus­ga­be stellt sich gegen­über dem Ver­fas­ser regel­mä­ßig – und so auch hier – als neue Auf­la­ge dar [1]. Dem steht nicht ent­ge­gen, dass Taschen­buch- und Hard­co­ver-Aus­ga­ben auf­grund ihrer unter­schied­li­chen äuße­ren Gestal­tungs­merk­ma­le selb­stän­di­ge Nut­zungs­ar­ten bil­den [2], an denen des­halb selb­stän­di­ge Nut­zungs­rech­te ein­ge­räumt wer­den kön­nen. Hät­te der Ver­le­ger nach der Hard­co­ver-Aus­ga­be eine Taschen­buch­aus­ga­be im eige­nen Ver­lag ver­an­stal­tet, hät­te er damit sein Recht zur Ver­an­stal­tung einer Neu­auf­la­ge aus­ge­übt; der Autor (bzw. hier Über­set­zer) wäre in die­sem Fall nicht zum Rück­tritt berech­tigt.

Der Ver­le­ger übt sein Recht zur Ver­an­stal­tung einer Neu­auf­la­ge im Sin­ne des § 17 VerlG aber nicht nur dann aus, wenn er eine neue Auf­la­ge im eige­nen Ver­lag ver­an­stal­tet, son­dern auch dann, wenn er eine neue Auf­la­ge in einem ande­ren Ver­lag ver­an­stal­ten lässt, dem er die dafür erfor­der­li­chen Nut­zungs­rech­te ein­räumt [3]. Im ent­schie­de­nen Fall hat der Ver­le­ger sein Recht zur Ver­an­stal­tung einer Neu­auf­la­ge der Über­set­zun­gen daher dadurch aus­ge­übt, dass er Lizenz­aus­ga­ben sämt­li­cher Über­set­zun­gen beim Deut­schen Taschen­buch­ver­lag (als Taschen­buch) und eine wei­te­re Lizenz­aus­ga­be der Über­set­zung von „If the River was Whis­key“ bei Ama­zon (als Hard­co­ver-Son­der­aus­ga­be) ver­an­lasst hat.

Der Wort­laut des § 17 VerlG erlaubt es, auch die im frem­den Ver­lag erschei­nen­de Neu­auf­la­ge als eine vom Ver­le­ger ver­an­stal­te­te Neu­auf­la­ge anzu­se­hen, soweit der Ver­le­ger die­se Neu­auf­la­ge durch die Ver­ga­be der erfor­der­li­chen Rech­te ver­an­lasst hat.

Es gibt auch unter Berück­sich­ti­gung der Inter­es­sen des Ver­fas­sers kei­nen über­zeu­gen­den Grund, hin­sicht­lich sei­ner Berech­ti­gung zum Rück­tritt nach § 17 Satz 3 VerlG danach zu unter­schei­den, ob der Ver­le­ger die Neu­auf­la­ge im eige­nen Ver­lag oder im frem­den Ver­lag ver­an­stal­tet hat. Es wäre daher, wie die Anschluss­re­vi­si­on mit Recht gel­tend macht, sach­lich nicht gerecht­fer­tigt, den selbst­ver­wer­ten­den Ver­le­ger, der einen eige­nen Taschen­buch­ver­lag unter­hält, gegen­über dem lizenz­ge­ben­den Ver­le­ger, der die Diens­te eines frem­den Taschen­buch­ver­la­ges in Anspruch nimmt, im Blick auf § 17 VerlG hin­sicht­lich der Anfor­de­run­gen an die Ver­an­stal­tung einer Neu­auf­la­ge schlech­ter zu stel­len.

Ins­be­son­de­re ist nicht ersicht­lich, dass eine Lizenz­aus­ga­be für den Ver­fas­ser regel­mä­ßig ungüns­ti­ger ist als eine Ver­lags­aus­ga­be. Dies lässt sich auch nicht der „Lud­wig Thoma“-Entscheidung des Bun­des­ge­richs­hofs [4] ent­neh­men. Die­ser Ent­schei­dung lag eine außer­ge­wöhn­li­che Fall­ge­stal­tung zugrun­de. Die dort in Rede ste­hen­de Lizenz­aus­ga­be beruh­te auf dem im Jah­re 1945 ein­ge­führ­ten und im Sep­tem­ber 1949 wie­der auf­ge­ho­be­nen Lizenz­zwang für Ver­lags­un­ter­neh­men und stell­te daher eine „dem ursprüng­li­chen Ver­trag nicht ent­spre­chen­de ver­le­ge­ri­sche Aus­nut­zung der dem kla­gen­den Ver­lag gege­be­nen Wer­ke“ dar [5]. Die in jener Ent­schei­dung für die Nach­tei­le der Lizenz­aus­ga­be ange­führ­ten Grün­de las­sen sich daher nicht ver­all­ge­mei­nern und tref­fen für den Regel­fall – und so auch im Streit­fall – nicht zu. Das gilt sowohl für die Erwä­gung, die Lizenz­aus­ga­be füh­re wegen der Lizenz­ge­büh­ren zu einem höhe­ren Buch­preis, der sich absatz­hem­mend und daher für das Auto­ren­ho­no­rar nach­tei­lig aus­wir­ke, als auch für die Über­le­gung, der Lizenz­ver­lag wer­de in der Regel nur gerin­ge­re Kos­ten für die Wer­bung des ihm nur für eine begrenz­te Zeit anver­trau­ten Wer­kes auf­wen­den als der Ori­gi­nal­ver­le­ger [6].

Bun­des­ge­richts­hof, Urteil vom 3. Febru­ar 2011 – I ZR 134/​08

  1. vgl. Schri­cker aaO § 5 Rn. 5; Nor­de­mann-Schif­fel in Fromm/​Nordemann aaO § 5 VerlG Rn. 2[]
  2. BGH, Urteil vom 12.12. 1991 – I ZR 165/​89, GRUR 1992, 310, 311 f. Taschen­buch-Lizenz[]
  3. vgl. Nor­de­mann-Schif­fel in Fromm/​Nordemann aaO § 17 VerlG Rn. 2[]
  4. BGH, Urteil vom 19.11.1954 – I ZR 241/​52, BGHZ 15, 209[]
  5. BGHZ 15, 209, 214 ff. Lud­wig Tho­ma[]
  6. BGHZ 15, 209, 215 f. Lud­wig Tho­ma[]