Die Post­wurf­sen­dun­gen der NPD-Frak­ti­on

Es besteht für die Deut­sche Post AG kein Kon­tra­hie­rungs­zwang für Post­wurf­sen­dun­gen der NPD-Frak­ti­on im Säch­si­schen Land­tag.

Die Post­wurf­sen­dun­gen der NPD-Frak­ti­on

Mit die­ser Begrün­dung hat jetzt das Ober­lan­des­ge­richt Dres­den die Beru­fung der NPD-Frak­ti­on im Säch­si­schen Land­tag zurück­ge­wie­sen, mit der die NPD-Frak­ti­on ihr schon erst­in­stanz­lich vor dem Land­ge­richt Leip­zig erfolg­lo­ses Kla­ge­ziel wei­ter­ver­folg­te, von der Deut­sche Post AG die Zustim­mung zum Abschluss eines Rah­men­ver­tra­ges über die Beför­de­rung der Publi­ka­ti­on »Klar­text« an alle Haus­hal­te mit der Tages­post zu erlan­gen.

Die NPD-Frak­ti­on im Säch­si­schen Land­tag, die Schwie­rig­kei­ten gel­tend macht, ihre Publi­ka­ti­on zu ver­tei­len, meint, die Deut­sche Post AG sei gesetz­lich ver­pflich­tet, mit ihr einen ent­spre­chen­den Rah­men­ver­trag abzu­schlie­ßen. Ein Kon­tra­hie­rungs­zwang erge­be sich für die markt­be­herr­schen­de Beklag­te sowohl aus der Post-Uni­ver­sal­dienst­leis­tungs­ver­ord­nung und dem Post­ge­setz als auch dem Gleich­be­hand­lungs­ge­bot.

Das erst­in­stanz­lich hier­mit befass­te Land­ge­richt Leip­zig hat die Kla­ge abge­wie­sen. Nach Ansicht des Land­ge­richts hat die NPD-Frak­ti­on kei­nen Anspruch gegen die Deut­sche Post AG auf Abschluss eines Rah­men­ver­tra­ges. Bei der Beför­de­rung der Publi­ka­ti­on »Klar­text« der NPD-Frak­ti­on han­de­le es sich um eine Mas­sen­druck­sa­che, die nicht an bestimm­te Per­so­nen, son­dern an alle Hau­hal­te gerich­tet sei. Damit lie­ge eine Post­wurf­sen­dung aber kei­ne Post­dienst­leis­tung, zu deren Erbrin­gung die Deut­sche Post ver­pflich­tet sein könn­te, vor. Die NPD-Frak­ti­on kön­ne sich vor­lie­gend auch nicht auf den all­ge­mei­nen Gleich­be­hand­lungs­grund­satz aus Arti­kel 3 GG stüt­zen.

Das Ober­lan­des­ge­richt Dres­den hat eine Ver­pflich­tung der Deut­schen Post AG auf Abschluss eines sol­chen Rah­men­ver­tra­ges, der die Ver­tei­lung einer Publi­ka­ti­on der NPD-Frak­ti­on im Säch­si­schen Land­tag zum Gegen­stand hat, abge­lehnt. Ein gesetz­lich gere­gel­ter Abschluss­zwang sei nicht gege­ben, weil es sich bei der Publi­ka­ti­on nicht um eine Zei­tung oder Zeit­schrift im Sin­ne der Post-Uni­ver­sal­dienst­leis­tungs­ver­ord­nung hand­le; ins­be­son­de­re fehlt es nach dem Urteil des Ober­lan­des­ge­richts auch an einer – dort vor­aus­ge­setz­ten – pres­se­üb­li­chen Bericht­erstat­tung.

Ein auf Treu und Glau­ben gestütz­ter Abschluss­zwang kom­me eben­falls nicht in Betracht, weil die Post-Uni­ver­sal­dienst­leis­tungs­ver­ord­nung inso­weit eine abschlie­ßen­de Reg­lung dar­stel­le.

Die NPD-Frak­ti­on kann sich nach Ansicht des Ober­lan­des­ge­richts Dres­den auch nicht auf das Nicht­dis­kri­mi­nie­rungs­ver­bot nach § 2 der Post­dienst­leis­tungs­ver­ord­nung beru­fen, da es aus den genann­ten Grün­den auch an einer Post­dienst­leis­tung im Sin­ne die­ser Ver­ord­nung feh­le.

Auch auf den Gleich­heits­grund­satz aus Art. 3 GG kann sich die NPD-Frak­ti­on eben­falls nicht beru­fen, weil die Deut­sche Post AG sich mehr­heit­lich in pri­va­tem Besitz befin­det.

Ober­lan­des­ge­richt Dres­den, Urteil vom 26. Mai 2011 – 8 U 0147/​11