Die Schorn­stein­fe­ger-Novel­le vor dem Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richt

Zwei Ver­fas­sungs­be­schwer­de gegen die Über­gangs­be­stim­mun­gen des neu­en Schorn­stein­fe­ger­rechts blieb jetzt in Karls­ru­he ohne Erfolg, das Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richt nahm die Ver­fas­sungs­be­schwer­den nicht zur Ent­schei­dung an.

Die Schorn­stein­fe­ger-Novel­le vor dem Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richt

Die gesetz­li­che Neu­re­ge­lung

Durch das Gesetz zur Neu­re­ge­lung des Schorn­stein­fe­ger­we­sens vom 26. Novem­ber 2008 1 wird das Berufs­recht der Schorn­stein­fe­ger grund­le­gend geän­dert und das bis­he­ri­ge Kehr- und Über­prü­fungs­mo­no­pol der Bezirks­schorn­stein­fe­ger­meis­ter erheb­lich redu­ziert. Anlass für die Reform war ein Ver­trags­ver­let­zungs­ver­fah­ren, das die Euro­päi­sche Kom­mis­si­on gegen die Bun­des­re­pu­blik Deutsch­land ein­ge­lei­tet und in dem sie ins­be­son­de­re Ver­stö­ße gegen die Nie­der­las­sungs- und die Dienst­leis­tungs­frei­heit durch die Aus­ge­stal­tung die­ses Kehr- und Über­prü­fungs­mo­no­pols bean­stan­det hat­te. Arti­kel 1 des Geset­zes ent­hält das neu geschaf­fe­ne Schorn­stein­fe­ger-Hand­werks­ge­setz, das an die Stel­le des bis­he­ri­gen Geset­zes über das Schorn­stein­fe­ger­we­sen (Schorn­stein­fe­ger­ge­setz – SchfG) tre­ten soll. Wäh­rend eines Über­gangs­zeit­raums bis Ende 2012 gel­ten Vor­schrif­ten des neu­en Schorn­stein­fe­ger-Hand­werks­ge­set­zes und sol­che des durch Arti­kel 2 des Reform­ge­set­zes geän­der­ten Schorn­stein­fe­ger­ge­set­zes neben­ein­an­der. Mit Ablauf des Jah­res 2012 tritt das Schorn­stein­fe­ger­ge­setz außer Kraft und das Schorn­stein­fe­ger-Hand­werks­ge­setz voll­stän­dig in Kraft.

Vor der Reform sah das Schorn­stein­fe­ger­ge­setz in der Fas­sung der Bekannt­ma­chung vom 10. August 1998 2, zuletzt geän­dert durch Art. 147 der Ver­ord­nung vom 31. Okto­ber 2006 )(BGBl I S. 2407; im Fol­gen­den: SchfG a.F.)), vor, dass die in § 1 SchfG a.F. vor­ge­schrie­be­nen Rei­ni­gungs- und Über­prü­fungs­ar­bei­ten nur von Bezirks­schorn­stein­fe­ger­meis­tern oder deren Gesel­len aus­ge­führt wer­den durf­ten (§ 2 Abs. 2 SchfG a.F.). Für jeden von der zustän­di­gen Ver­wal­tungs­be­hör­de ein­ge­rich­te­ten Kehr­be­zirk war nur ein Bezirks­schorn­stein­fe­ger­meis­ter zu bestel­len (§ 2 Abs. 1 SchfG a.F.). Die Kehr­be­zir­ke waren unter ande­rem so ein­zu­tei­len, dass die Ein­nah­men aus den regel­mä­ßig wie­der­keh­ren­den Ent­gel­ten für die Auf­ga­ben des Bezirks­schorn­stein­fe­ger­meis­ters die­sem ein ange­mes­se­nes Ein­kom­men sichern soll­ten (§ 22 Abs. 1 Nr. 3 SchfG a.F.). Eine auf Gewinn gerich­te­te Tätig­keit außer­halb sei­nes Berufs war ihm weit­ge­hend unter­sagt; die Aus­füh­rung von Neben­ar­bei­ten, die zum Schorn­stein­fe­ger­hand­werk gehö­ren, war ihm nur inner­halb des eige­nen Kehr­be­zirks und nur inso­weit gestat­tet, als dadurch nicht die ord­nungs­ge­mä­ße Ver­wal­tung des Kehr­be­zirks und die Erfül­lung der ihm über­tra­ge­nen Auf­ga­ben gefähr­det wur­den (§ 14 SchfG a.F.).

Nach der Neu­re­ge­lung dür­fen die ver­pflich­te­ten Eigen­tü­mer von Immo­bi­li­en für die meis­ten vor­ge­schrie­be­nen Schorn­stein­fe­ger­ar­bei­ten selbst aus­wäh­len, wel­chen Schorn­stein­fe­ger sie beauf­tra­gen. Nach § 2 Abs. 1 SchfHwG dür­fen näher beschrie­be­ne Schorn­stein­fe­ger­ar­bei­ten durch Betrie­be erfol­gen, die mit dem Schorn­stein­fe­ger­hand­werk in die Hand­werks­rol­le ein­ge­tra­gen sind oder die Vor­aus­set­zun­gen der ein­schlä­gi­gen EU/E­WR-Ver­ord­nung erfül­len. Das Insti­tut der Kehr­be­zir­ke wird zwar bei­be­hal­ten (§ 7 SchfHwG); die­se wer­den künf­tig aber aus­ge­schrie­ben und jeweils nur noch befris­tet auf sie­ben Jah­re an einen „bevoll­mäch­tig­ten Bezirks­schorn­stein­fe­ger“ ver­ge­ben, dem wesent­lich weni­ger Auf­ga­ben vor­be­hal­ten sind als den bis­he­ri­gen Bezirks­schorn­stein­fe­ger­meis­tern. Als Aus­gleich für den Weg­fall zahl­rei­cher Auf­ga­ben der bis­he­ri­gen Bezirks­schorn­stein­fe­ger­meis­ter dür­fen die bevoll­mäch­tig­ten Bezirks­schorn­stein­fe­ger zusätz­lich zu den über­tra­ge­nen Auf­ga­ben auch die übri­gen Schorn­stein­fe­ger­ar­bei­ten im Wett­be­werb aus­füh­ren und sind dabei nicht mehr an Bezir­ke gebun­den.

Das Gesetz zur Neu­re­ge­lung des Schorn­stein­we­ger­we­sens sieht zahl­rei­che Über­gangs­re­ge­lun­gen vor, die die wirt­schaft­li­chen Fol­gen abmil­dern sol­len, die sich für die bis­he­ri­gen Bezirks­schorn­stein­fe­ger­meis­ter aus der Markt­öff­nung erge­ben. Wer bis zum 31. Dezem­ber 2012 zum Bezirks­schorn­stein­fe­ger­meis­ter bestellt wor­den ist, wird mit Ablauf die­ses Tages von Geset­zes wegen zum bevoll­mäch­tig­ten Bezirks­schorn­stein­fe­ger für sei­nen bis­he­ri­gen Bezirk; ist die Bestel­lung vor Inkraft­tre­ten des Geset­zes erfolgt, ist sie bis zum 31. Dezem­ber 2014 befris­tet; ist sie nach Inkraft­tre­ten des Geset­zes, aber vor dem 31. Dezem­ber 2009 erfolgt, ist sie auf sie­ben Jah­re befris­tet (§ 48 SchfHwG). § 2 Abs. 2 SchfHwG sieht vor, dass die in § 2 Abs. 1 SchfHwG genann­ten Schorn­stein­fe­ger­ar­bei­ten bis zum 31. Dezem­ber 2012 nur von dem zustän­di­gen Bezirks­schorn­stein­fe­ger­meis­ter oder nach Maß­ga­be des § 13 Abs. 3 SchfG von Staats­an­ge­hö­ri­gen eines ande­ren Mit­glied­staa­tes der Euro­päi­schen Uni­on oder eines Ver­trags­staa­tes des Abkom­mens über den Euro­päi­schen Wirt­schafts­raum oder der Schweiz durch­ge­führt wer­den dür­fen. Wäh­rend inlän­di­schen Schorn­stein­fe­gern, die nicht Bezirks­schorn­stein­fe­ger­meis­ter sind, die­ser Markt noch bis Ende 2012 ver­schlos­sen bleibt, ist es den Bezirks­schorn­stein­fe­ger­meis­tern umge­kehrt wegen des Weg­falls des Neben­tä­tig­keits­ver­bots schon jetzt nicht mehr ver­wehrt, Tätig­kei­ten anzu­bie­ten, die nicht zu den klas­si­schen Auf­ga­ben des Schorn­stein­fe­ger­hand­werks gehö­ren. Ein teil­wei­ses Neben­tä­tig­keits­ver­bot ergibt sich aller­dings für die Dau­er der Über­gangs­zeit aus § 12 Abs. 2 SchfG. Danach dür­fen Bezirks­schorn­stein­fe­ger­meis­ter an Anla­gen in ihrem Bezirk, an denen sie Tätig­kei­ten aus­füh­ren, die nach der Kehr- und Über­prü­fungs­ord­nung oder der Ver­ord­nung über klei­ne und mitt­le­re Feue­rungs­an­la­gen vor­ge­schrie­ben sind, kei­ne gewerb­li­chen War­tungs­ar­bei­ten aus­füh­ren, wenn die­se einen Ein­fluss auf das Über­prü­fungs- oder Über­wa­chungs­er­geb­nis haben kön­nen. Außer­dem schreibt § 19 Abs. 5 Satz 1 SchfHwG vor, dass bevoll­mäch­tig­te Bezirks­schorn­stein­fe­ger und Bezirks­schorn­stein­fe­ger­meis­ter die in das Kehr­buch ein­zu­tra­gen­den Daten nur nut­zen dür­fen, soweit dies zur Erfül­lung der Auf­ga­ben nach dem Schorn­stein­fe­ger-Hand­werks­ge­setz erfor­der­lich ist.

Kei­ne Benach­tei­li­gung gegen­über Schorn­stein­fe­gern als ande­ren EU-Staa­ten

Soweit die Beschwer­de­füh­rer einen Ver­stoß gegen Art. 3 Abs. 1 GG gel­tend machen, der sich aus der Ungleich­be­hand­lung gegen­über EU-Aus­län­dern erge­ben soll, hielt das Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richt die Ver­fas­sungs­be­schwer­de man­gels einer hin­rei­chend sub­stan­ti­ier­ten Begrün­dung für unzu­läs­sig. Die Beschwer­de­füh­rer set­zen sich, so das Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richt, nicht mit dem offen zuta­ge lie­gen­den Grund der Ungleich­be­hand­lung aus­ein­an­der, näm­lich der durch Euro­pa­recht ein­ge­schränk­ten Gestal­tungs­frei­heit des natio­na­len Gesetz­ge­bers 3. Die gesetz­li­che Dif­fe­ren­zie­rung war näm­lich erkenn­bar von dem Ziel getra­gen, die für not­wen­dig gehal­te­ne Über­gangs­re­ge­lung so weit zu fas­sen, wie dies ange­sichts der euro­pa­recht­li­chen Vor­ga­ben mög­lich erschien 4.

Beden­ken hin­sicht­lich der Gesetz­ge­bungs­zu­stän­dig­keit des Bun­des

Nach Auf­fas­sung des Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richts bestehen aller­dings Zwei­fel, ob das Schorn­stein­fe­ger-Hand­werks­ge­setz auf der Grund­la­ge des Art. 74 Abs. 1 Nr. 11 GG in Ver­bin­dung mit Art. 72 Abs. 2 GG als Bun­des­ge­setz erge­hen konn­te. Denn der Schorn­stein­fe­ger übt ein Gewer­be aus, das in der Regel loka­le oder regio­na­le Arbeits­be­rei­che bil­det, so dass – anders als bei Beru­fen, wel­che lan­des­über­schrei­ten­de Auf­ga­ben in bun­des­wei­ten Infra­struk­tu­ren wahr­neh­men – nicht die Her­stel­lung gleich­wer­ti­ger Lebens­ver­hält­nis­se oder die Wah­rung der Rechts- oder Wirt­schafts­ein­heit erfor­der­lich ist und somit Rege­lun­gen von jedem Land getrof­fen wer­den kön­nen. Auch die Not­wen­dig­keit einer Umset­zung euro­päi­schen Rechts allein ver­langt kei­ne Rege­lung durch den Bund; die Län­der kön­nen jeweils eigen­stän­dig einer Ver­pflich­tung zur Her­stel­lung eines glei­chen Min­dest­ni­veaus in den Rege­lun­gen nach­kom­men. Die Ver­fas­sungs­be­schwer­de gibt indes­sen trotz die­ser Beden­ken kei­nen Anlass zur Prü­fung der Zustän­dig­keits­fra­ge, weil die Beschwer­de­füh­rer ihre Ver­fas­sungs­be­schwer­de inso­weit nicht begrün­det haben. Es hät­te zwar neben der Behaup­tung eines Ver­sto­ßes gegen Art. 12 Abs. 1 GG kei­ner aus­drück­li­chen Rüge hin­sicht­lich der Gesetz­ge­bungs­kom­pe­tenz aus Art. 74 Abs. 1 Nr. 11 in Ver­bin­dung mit Art. 72 Abs. 2 GG bedurft, weil sie unter dem Aspekt der for­mel­len Ver­fas­sungs­mä­ßig­keit eines staat­li­chen Ein­griffs­akts ohne­dies vom Gericht geprüft wer­den kann; die Beschwer­de­füh­rer haben aber kei­ner­lei Tat­sa­chen zur Begrün­dung der Ver­fas­sungs­be­schwer­de nach § 23 Abs. 1 Satz 2, § 92 BVerfGG vor­ge­tra­gen, die eine abschlie­ßen­de Beur­tei­lung erlau­ben, ob eine Rege­lung durch den Bund erfor­der­lich im Sin­ne des Art. 72 Abs. 2 GG gewe­sen ist.

Kein Ver­stoß gegen die Berufs­frei­heit

Die Vor­schrift stellt für die Beschwer­de­füh­rer eine Berufs­aus­übungs­re­ge­lung dar. Zwar han­del­te es sich bei dem gene­rel­len Kehr- und Über­prü­fungs­mo­no­pol nach bis­he­ri­gem Recht um eine objek­ti­ve Berufs­wahl­be­schrän­kung. Mit dem Gesetz zur Neu­re­ge­lung des Schorn­stein­fe­ger­we­sens, des­sen Bestand­teil § 2 Abs. 2 SchfHwG ist, wird die­ses Mono­pol indes­sen abge­schafft. Aus die­sem Rege­lungs­zu­sam­men­hang darf die Vor­schrift nicht her­aus­ge­ris­sen und iso­liert betrach­tet wer­den. Zwar kann die Zuord­nung bestimm­ter Tätig­kei­ten zum Berufs­bild eines zulas­sungs­be­schränk­ten Berufs das Recht der Berufs­wahl betref­fen 5. In Abkehr vom bis­he­ri­gen Kehr- und Über­prü­fungs­mo­no­pol ord­net § 2 SchfHwG die frag­li­chen Tätig­kei­ten aber gera­de nicht mehr dau­er­haft aus­schließ­lich den Bezirks­schorn­stein­fe­gern zu, son­dern öff­net sie in Absatz 1 Satz 2 für alle Betrie­be, die mit dem Schorn­stein­fe­ger­hand­werk in die Hand­werks­rol­le ein­ge­tra­gen sind. Auch wenn die­se Markt­öff­nung durch Absatz 2 zeit­lich hin­aus­ge­scho­ben wird, zeich­net sich die Vor­schrift doch dadurch aus, dass es sich um eine zeit­lich begrenz­te Über­gangs­re­ge­lung han­delt, die die Libe­ra­li­sie­rung näher aus­ge­stal­tet und den Beschwer­de­füh­rern ledig­lich für einen über­schau­ba­ren Zeit­raum ver­wehrt, ihr Tätig­keits­feld zu erwei­tern 6.

Rege­lun­gen der Berufs­aus­übung sind zuläs­sig, wenn sie durch hin­rei­chen­de Grün­de des Gemein­wohls gerecht­fer­tigt wer­den, das gewähl­te Mit­tel zur Errei­chung des ver­folg­ten Zwecks geeig­net und auch erfor­der­lich ist und wenn bei einer Gesamt­ab­wä­gung zwi­schen der Schwe­re des Ein­griffs und dem Gewicht der ihn recht­fer­ti­gen­den Grün­de die Gren­ze des Zumut­ba­ren noch gewahrt ist 7. Dies ist vor­lie­gend nach Auf­fas­sung der Ver­fas­sungs­rich­ter der Fall:

Die Rege­lung des § 2 Abs. 2 SchfHwG dient hin­rei­chen­den Grün­den des Gemein­wohls. Inso­weit kommt es nicht ent­schei­dend dar­auf an, ob eine Über­gangs­re­ge­lung zuguns­ten der bis­he­ri­gen Bezirks­schorn­stein­fe­ger­meis­ter ver­fas­sungs­recht­lich gebo­ten war. Unab­hän­gig von einer etwai­gen Ver­pflich­tung des Gesetz­ge­bers beruht die Über­gangs­re­ge­lung jeden­falls auf ver­nünf­ti­gen Erwä­gun­gen des Gemein­wohls. Das Grund­ge­setz lässt dem Gesetz­ge­ber im Zusam­men­hang mit Berufs­aus­übungs­re­ge­lun­gen ein erheb­li­ches Maß an Frei­heit 8 und räumt ihm bei der Fest­le­gung der zu ver­fol­gen­den arbeits- und sozi­al­po­li­ti­schen Zie­le einen eben­so wei­ten Gestal­tungs­spiel­raum ein wie bei der Bestim­mung wirt­schafts­po­li­ti­scher Zie­le; der Gesetz­ge­ber darf dabei Gesichts­punk­te der Zweck­mä­ßig­keit in den Vor­der­grund stel­len 9.

Die Über­gangs­re­ge­lung des § 2 Abs. 2 SchfHwG dient aus­weis­lich der Geset­zes­be­grün­dung dem Ver­trau­ens­schutz und der Wah­rung der Ver­hält­nis­mä­ßig­keit 10. Als Aus­gleich für den Weg­fall der bis­he­ri­gen Ein­kom­mens­si­cher­heit durch die Libe­ra­li­sie­rung eines Teils der ihnen bis­her vor­be­hal­te­nen Tätig­kei­ten sol­len die Bezirks­schorn­stein­fe­ger­meis­ter nicht sofort dem vol­len Wett­be­werb aus­ge­setzt wer­den und Gele­gen­heit erhal­ten, sich für ande­re, ihnen durch den Weg­fall des Neben­tä­tig­keits­ver­bots nun­mehr offen ste­hen­de Tätig­kei­ten zu qua­li­fi­zie­ren 11. Der Schutz vor Wett­be­werb kann zwar für sich genom­men kei­nen Gemein­wohl­be­lang dar­stel­len 12. Zu den Gemein­wohl­be­lan­gen zählt aber der Erhalt einer leis­tungs­fä­hi­gen Berufs­grup­pe der Bezirks­schorn­stein­fe­ger­meis­ter und künf­tig der bevoll­mäch­tig­ten Bezirks­schorn­stein­fe­ger. Die­ser Belang ist dazu bestimmt, unmit­tel­bar den über­ge­ord­ne­ten Zie­len der Reform zu die­nen, näm­lich der Erhal­tung der Betriebs- und Brand­si­cher­heit, dem Umwelt­schutz, der Ener­gie­ein­spa­rung und dem Kli­ma­schutz (vgl. BTDrucks 16/​9237, S. 20 und 23; vgl. auch BVerw­GE 6, 72 <76>). Zugleich ver­folgt der Gesetz­ge­ber das wirt­schafts­po­li­ti­sche Anlie­gen, einen von ihm selbst durch das frü­he­re Neben­tä­tig­keits­ver­bot ver­ur­sach­ten Wett­be­werbs­nach­teil der Bezirks­schorn­stein­fe­ger­meis­ter auf dem zukünf­tig libe­ra­li­sier­ten Markt aus­zu­glei­chen, näm­lich deren man­geln­de Qua­li­fi­ka­ti­on und Erfah­rung in Bezug auf Neben­tä­tig­kei­ten 11. Auch das in der Geset­zes­be­grün­dung ange­ge­be­ne Ziel einer geord­ne­ten Umset­zung des Sys­tem­wech­sels 11 stellt einen ver­nünf­ti­gen Gemein­wohl­be­lang dar.

Ob die vor­ge­se­he­ne Über­gangs­frist von mehr als vier Jah­ren zur Durch­füh­rung die­ses Sys­tem­wech­sels erfor­der­lich ist, kann dahin­ste­hen. Vie­les spricht dafür, dass der Erlass von Rechts­ver­ord­nun­gen, der Auf­bau neu­er Struk­tu­ren für das Aus­schrei­bungs- und Ver­ga­be­ver­fah­ren in den Bun­des­län­dern sowie die Infor­ma­ti­on der Eigen­tü­mer über die Neu­re­ge­lung kaum einen sol­chen lan­gen Zeit­raum in Anspruch neh­men dürf­ten.

Die Rege­lung ist jedoch zur Errei­chung der übri­gen vom Gesetz­ge­ber ange­streb­ten Gemein­wohl­zie­le geeig­net und erfor­der­lich. Der Erfor­der­lich­keit steht nicht ent­ge­gen, dass die Rege­lung – anders als es der ursprüng­li­che Gesetz­ent­wurf der Bun­des­re­gie­rung vor­sah 13 – nicht nur sol­che Bezirks­schorn­stein­fe­ger­meis­ter schützt, die bei Inkraft­tre­ten des Geset­zes bereits bestellt waren, son­dern unter­schieds­los auch sol­che, die erst danach neu bestellt wer­den. Der Gesetz­ge­ber hat sich davon lei­ten las­sen, dass eine sol­che Dif­fe­ren­zie­rung nach dem Zeit­punkt der Bestel­lung wegen der damit ver­bun­de­nen Unein­heit­lich­keit für die betrof­fe­nen Ver­brau­cher Nach­tei­le mit sich gebracht hät­te 14. Dies ist von Ver­fas­sungs wegen nicht zu bean­stan­den, zumal dem Gesetz­ge­ber bei der Beur­tei­lung der Eig­nung und Erfor­der­lich­keit des gewähl­ten Mit­tels ein Beur­tei­lungs­spiel­raum zusteht, der vom Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richt nur in begrenz­tem Umfang über­prüft wer­den kann 15.

Die Über­gangs­re­ge­lung des § 2 Abs. 2 SchfHwG erweist sich auch als ver­hält­nis­mä­ßig im enge­ren Sin­ne. Bei der Gesamt­ab­wä­gung zwi­schen der Schwe­re des Ein­griffs und dem Gewicht und der Dring­lich­keit der ihn recht­fer­ti­gen­den Grün­de ist die Gren­ze der Zumut­bar­keit für die Adres­sa­ten des Ver­bots gewahrt. Durch die Vor­be­halts­re­ge­lung bleibt den Beschwer­de­füh­rern und ande­ren Hand­wer­kern zwar bis zum Ende des Jah­res 2012 (wei­ter­hin) eine Rei­he von Tätig­kei­ten vor­ent­hal­ten. Die wirt­schaft­li­chen Aus­wir­kun­gen der Rege­lung wer­den dadurch ver­stärkt, dass den Beschwer­de­füh­rern gleich­zei­tig durch den weit­ge­hen­den Weg­fall des Neben­tä­tig­keits­ver­bots aus § 14 SchfG a.F. zusätz­li­che Kon­kur­renz erwächst. Die­se asym­me­tri­sche Markt­öff­nung ver­schafft ihnen jeden­falls wäh­rend der Dau­er der Über­gangs­zeit einen Wett­be­werbs­nach­teil, der auch danach noch fort­wir­ken kann.

Die­se Beein­träch­ti­gun­gen sind aber im Gesamt­zu­sam­men­hang der Reform zu sehen. Ab 2013 wird den Beschwer­de­füh­rern der ihnen bis­lang ver­schlos­se­ne Markt der in § 2 Abs. 1 Satz 1 SchfHwG genann­ten Tätig­kei­ten offen­ste­hen. Die­se sind der Sache nach bereits seit Jahr­zehn­ten den Bezirks­schorn­stein­fe­ger­meis­tern vor­be­hal­ten. Schon zu Beginn der neue­ren Gewer­be­ge­setz­ge­bung bestand im Schorn­stein­fe­ger­we­sen kei­ne vol­le Gewer­be­frei­heit. Zunächst war die Ein­rich­tung von Kehr­be­zir­ken lan­des­recht­lich gere­gelt, bis das Gesetz zur Ände­rung der Gewer­be­ord­nung vom 13. April 1935 16 vor­schrieb, dass im gan­zen Reichs­ge­biet Kehr­be­zir­ke für Schorn­stein­fe­ger ein­ge­rich­tet wer­den muss­ten. Gleich­zei­tig wur­de der Kehr­zwang durch ein Kehr­mo­no­pol für den Bezirks­schorn­stein­fe­ger­meis­ter ergänzt 17. Das Schorn­stein­fe­ger­ge­setz vom 15. Sep­tem­ber 1969 18 hielt nach inten­si­ver Dis­kus­si­on wäh­rend des Gesetz­ge­bungs­ver­fah­rens am Sys­tem fes­ter Kehr­be­zir­ke, für die jeweils ein Bezirks­schorn­stein­fe­ger­meis­ter ver­ant­wort­lich ist, fest, weil dies am wir­kungs­volls­ten und ein­fachs­ten die vom Staat im Inter­es­se der Feu­er­si­cher­heit und des Gesund­heits­schut­zes durch­zu­füh­ren­den Kon­trol­len ermög­li­che; die Öff­nung des Schorn­stein­fe­ger­we­sens für den Wett­be­werb erschien dem­ge­gen­über als nicht prak­ti­ka­bel 19. Trotz ein­zel­ner kri­ti­scher Äuße­run­gen im juris­ti­schen Schrift­tum 20 wur­de die Recht­fer­ti­gung des Kehr­mo­no­pols aus Grün­den der Feu­er­si­cher­heit über­wie­gend nicht in Zwei­fel gezo­gen 21.

Die Vor­be­halts­re­ge­lung in § 2 Abs. 2 SchfHwG steht des­halb in untrenn­ba­rem Zusam­men­hang mit einem mit­tel­fris­ti­gen Zuge­winn an Frei­heit für die Beschwer­de­füh­rer. Die mit der vom Gesetz­ge­ber gewähl­ten stu­fen­wei­sen Libe­ra­li­sie­rung ver­bun­de­nen Ein­schrän­kun­gen ste­hen vor die­sem Hin­ter­grund nicht außer Ver­hält­nis zu den vom Gesetz­ge­ber ver­folg­ten legi­ti­men Zie­len. Dabei ist auch zu berück­sich­ti­gen, dass dem Gesetz­ge­ber bei der Neu­re­ge­lung eines kom­ple­xen Sach­ver­halts ein zeit­li­cher Anpas­sungs­spiel­raum gebührt und dass es ihm grund­sätz­lich mög­lich sein muss, eine kom­ple­xe Reform in meh­re­ren Stu­fen zu ver­wirk­li­chen 22.

Bei der Abwä­gung der wider­strei­ten­den Inter­es­sen ist zu berück­sich­ti­gen, dass den Beschwer­de­füh­rern eine gegen­über dem bis­he­ri­gen Zustand neue Belas­tung ledig­lich dadurch ent­steht, dass ihnen in ihrem bis­he­ri­gen Tätig­keits­feld durch die weit­ge­hend vom Neben­tä­tig­keits­ver­bot befrei­ten Bezirks­schorn­stein­fe­ger neue Kon­kur­renz erwächst. Art. 12 Abs. 1 GG schützt nicht vor der Zulas­sung von Kon­kur­ren­ten 23. Aller­dings gewinnt das Ver­bot des § 2 Abs. 2 SchfHwG durch die gleich­zei­ti­ge Strei­chung des Neben­tä­tig­keits­ver­bots aus § 14 SchfG a.F. zusätz­li­che wirt­schaft­li­che Bedeu­tung für die Beschwer­de­füh­rer. Ande­rer­seits ist aber zu berück­sich­ti­gen, dass die Beschwer­de­füh­rer schon bis­her auf einem Markt tätig sind, der ihnen ein Aus­kom­men bie­ten kann. Dem­ge­gen­über wer­den die Bezirks­schorn­stein­fe­ger­meis­ter nach der ver­fas­sungs­recht­lich nicht zu bean­stan­den­den Ein­schät­zung des Gesetz­ge­bers wegen der Neu­ge­stal­tung des für sie maß­geb­li­chen Rege­lungs­re­gimes künf­tig dar­auf ange­wie­sen sein, den Weg­fall von ihnen bis­lang vor­be­hal­te­nen Tätig­kei­ten durch die Erschlie­ßung neu­er Märk­te zu kom­pen­sie­ren. Der Umfang, in dem die bis­he­ri­gen Bezirks­schorn­stein­fe­ger­meis­ter wäh­rend der Über­gangs­zeit einer Neben­tä­tig­keit nach­ge­hen kön­nen, ist in gewis­ser Wei­se durch den Umfang ihrer gesetz­lich zuge­wie­se­nen Auf­ga­ben begrenzt. Die­se blei­ben ihnen – mit der Aus­nah­me für EU-Aus­län­der – wei­ter­hin vor­be­hal­ten. Da die Kehr­be­zir­ke so ein­ge­teilt wor­den sind, dass sie die Arbeits­kraft des Bezirks­schorn­stein­fe­ger­meis­ters vor­aus­sicht­lich im vol­len Umfang für die Erfül­lung sei­ner Pflich­ten in Anspruch neh­men, sind sei­ne Kapa­zi­tä­ten für Neben­tä­tig­kei­ten dadurch von vorn­her­ein beschränkt 24. Der von den Beschwer­de­füh­rern geäu­ßer­ten Befürch­tung, Bezirks­schorn­stein­fe­ger­meis­ter genös­sen durch die Ver­knüp­fung von Kon­troll­auf­ga­ben und erwerbs­wirt­schaft­li­chen Tätig­kei­ten einen Wett­be­werbs­vor­teil, hat der Gesetz­ge­ber durch § 12 Abs. 2 SchfG ent­ge­gen­ge­wirkt. Die­se Rege­lung wur­de eigens geschaf­fen, um – so die Begrün­dung des Aus­schus­ses für Wirt­schaft und Tech­no­lo­gie – „dem Sanitär‑, Hei­zung-, Kli­ma­hand­werk ent­ge­gen­zu­kom­men“, das für den Fall einer voll­stän­di­gen Auf­he­bung des Neben­tä­tig­keits­ver­bots Wett­be­werbs­ver­zer­run­gen befürch­tet hat­te. Eben­falls mit Blick auf Beden­ken des Sani­tär- , Heizung‑, Kli­ma­hand­werks wur­de § 19 Abs. 5 in das Schorn­stein­fe­ger­hand­werks­ge­setz auf­ge­nom­men, der einen Daten­miss­brauch von Bezirks­schorn­stein­fe­ger­meis­tern zu Wett­be­werbs­zwe­cken ver­hin­dern soll 25.

Zudem wer­den die wirt­schaft­li­chen Aus­wir­kun­gen der Markt­öff­nung schon dadurch begrenzt, dass die Zahl der Betrie­be des Sanitär‑, Hei­zung- und Kli­ma­hand­werks um ein Viel­fa­ches höher ist als die der Schorn­stein­fe­ger­be­trie­be 26. Schließ­lich ist zu berück­sich­ti­gen, dass die Bun­des­re­gie­rung auf­grund von Beden­ken des Bun­des­rats gegen die Über­gangs­re­ge­lung wegen mög­li­cher Wett­be­werbs­ver­zer­run­gen aus­drück­lich ihre Bereit­schaft erklärt hat, wäh­rend der Über­gangs­zeit die Aus­wir­kun­gen des Geset­zes auf ande­re Hand­wer­ke zu über­prü­fen 27.

Befris­tung der bis­he­ri­gen Betel­lung zu Bezirks­schorn­stein­fe­ger­meis­tern

Ein Ein­griff in die Berufs­frei­heit der Beschwer­de­füh­rer liegt dar­in, dass die­se auf­grund der in § 48 Satz 2 SchfHwG aus­ge­spro­che­nen Befris­tung ihrer Bestel­lun­gen ab dem 1. Janu­ar 2015 die Tätig­kei­ten, die dann den bevoll­mäch­tig­ten Bezirks­schorn­stein­fe­gern vor­be­hal­ten sind, nicht mehr aus­üben dür­fen, falls sie nicht nach erfolg­rei­cher Teil­nah­me an einer Aus­schrei­bung wie­der bestellt wer­den. Dage­gen liegt kein Ein­griff in die Berufs­frei­heit vor, soweit Tätig­kei­ten, die bis­her den Bezirks­schorn­stein­fe­ger­meis­tern vor­be­hal­ten waren, in den Wett­be­werb ent­las­sen wer­den, der auch den Beschwer­de­füh­rern offen steht. Denn dage­gen, dass den Beschwer­de­füh­rern durch die Neu­re­ge­lung in ihrem bis­he­ri­gen Berufs­feld Kon­kur­renz erwächst, gewährt Art. 12 Abs. 1 GG, der auf eine mög­lichst unre­gle­men­tier­te beruf­li­che Betä­ti­gung abzielt, kei­nen Schutz, eben­so wenig, wie es nach der frei­heit­li­chen Ord­nung des Grund­ge­set­zes ein sub­jek­ti­ves ver­fas­sungs­kräf­ti­ges Recht auf Erhal­tung des Geschäfts­um­fangs und die Siche­rung wei­te­rer Erwerbs­mög­lich­kei­ten gibt 28.

Der Ein­griff stellt für die Beschwer­de­füh­rer eine objek­ti­ve Berufs­zu­gangs­re­ge­lung dar. Sol­che sind in der Regel nur zur Abwehr nach­weis­ba­rer oder höchst­wahr­schein­li­cher Gefah­ren für ein über­ra­gend wich­ti­ges Gemein­schafts­gut zuläs­sig 29. Die­se Vor­aus­set­zun­gen sind vor­lie­gend erfüllt.

Auch die Beschwer­de­füh­rer zie­hen nicht in Zwei­fel, dass das Fort­be­stehen eines – wenn­gleich in sei­nem Umfang redu­zier­ten – Kata­logs von Tätig­kei­ten, die einem für den jewei­li­gen Bezirk bestell­ten Bezirks­schorn­stein­fe­ger vor­be­hal­ten sind, aus Grün­den der Betriebs- und Brand­si­cher­heit, des Umwelt- und Kli­ma­schut­zes sowie der Ener­gie­ein­spa­rung gerecht­fer­tigt ist 30. Da Wett­be­werb not­wen­di­ge Fol­ge der Berufs­frei­heit ist 31 und Kon­kur­renz­schutz des­halb selbst als Neben­wir­kung einer Berufs­re­ge­lung so weit wie mög­lich ver­mie­den wer­den muss 32, kann das Ziel der Markt­öff­nung auch objek­ti­ve Berufs­zu­gangs­re­ge­lun­gen recht­fer­ti­gen, die ihrer­seits objek­ti­ve Berufs­zu­gangs­hin­der­nis­se für eine Viel­zahl ande­rer Prä­ten­den­ten abmil­dern.

Der Ver­lust der Bestel­lung zum Bezirks­schorn­stein­fe­ger nach Maß­ga­be der Über­gangs­re­ge­lung des § 48 Satz 2 SchfHwG zuguns­ten der­je­ni­gen, die die zulas­sungs­be­schränk­te Tätig­keit bis­lang in erlaub­ter Wei­se aus­ge­übt haben, genügt vor die­sem Hin­ter­grund nicht nur dem Grund­satz der Ver­hält­nis­mä­ßig­keit, son­dern auch dem Gebot des Ver­trau­ens­schut­zes 33.

Die nähe­re Aus­ge­stal­tung einer Über­gangs­re­ge­lung ist dem Gesetz­ge­ber über­las­sen 34. Für die Über­lei­tung bestehen­der Rechts­la­gen, Berech­ti­gun­gen und Rechts­ver­hält­nis­se bleibt dem Gesetz­ge­ber ein brei­ter Gestal­tungs­spiel­raum. Zwi­schen der sofor­ti­gen über­gangs­lo­sen Inkraft­set­zung des neu­en Rechts und dem unge­schmä­ler­ten Fort­be­stand begrün­de­ter sub­jek­ti­ver Rechts­po­si­tio­nen sind viel­fa­che Abstu­fun­gen denk­bar. Der Nach­prü­fung durch das Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richt unter­liegt nur, ob der Gesetz­ge­ber bei einer Gesamt­ab­wä­gung zwi­schen der Schwe­re des Ein­griffs und dem Gewicht und der Dring­lich­keit der ihn recht­fer­ti­gen­den Grün­de unter Berück­sich­ti­gung aller Umstän­de die Gren­ze der Zumut­bar­keit über­schrit­ten hat 35. Erfor­der­lich ist eine Abwä­gung der Ein­zel­in­ter­es­sen der Betrof­fe­nen mit der Bedeu­tung des gesetz­ge­be­ri­schen Anlie­gens 36.

Ange­sichts die­ses Maß­stabs begeg­net die Über­gangs­re­ge­lung in § 48 Satz 2 SchfHwG kei­nen ver­fas­sungs­recht­li­chen Beden­ken. Zuguns­ten der Beschwer­de­füh­rer ist zu berück­sich­ti­gen, dass sie über­wie­gend schon seit lan­ger Zeit, im Ein­zel­fall schon mehr als 20 Jah­re, der Tätig­keit als Bezirks­schorn­stein­fe­ger­meis­ter nach­ge­hen. Zum Zeit­punkt ihrer Berufs­wahl hat­ten sie jeden­falls ganz über­wie­gend kei­nen Anlass, damit zu rech­nen, dass sie ihre Tätig­keit nicht bis zum Errei­chen der gesetz­li­chen Alters­gren­ze wür­den aus­üben kön­nen. Zwar hät­te ihre Bestel­lung gemäß § 11 Abs. 3 SchfG auch dann wider­ru­fen wer­den kön­nen, wenn sich die Kehr­be­zirks­ein­tei­lung geän­dert hät­te. Aller­dings hät­ten sie in einem sol­chen Fall begrün­det dar­auf hof­fen kön­nen, bald dar­auf für einen ande­ren Bezirk neu bestellt zu wer­den 37. Der von ihnen gewähl­te Beruf war dadurch gekenn­zeich­net, dass er dau­er­haft ein erheb­li­ches Maß an wirt­schaft­li­cher Sicher­heit bot.

Gleich­wohl war der Gesetz­ge­ber nicht ver­pflich­tet, die in der Ver­gan­gen­heit erfolg­ten Bestel­lun­gen hin­sicht­lich ihrer Dau­er unan­ge­tas­tet zu las­sen. Eine sol­che Ver­pflich­tung wür­de sei­ne Gestal­tungs­mög­lich­kei­ten über Gebühr ein­schrän­ken. Denn dann könn­te er sein hin­rei­chend legi­ti­mes Ziel, die von der Kom­mis­si­on als euro­pa­rechts­wid­rig gerüg­ten Beschrän­kun­gen des Zugangs zum Beruf des Bezirks­schorn­stein­fe­ger­meis­ters zu lockern und mög­lichst vie­len Prä­ten­den­ten die Chan­ce einer Bestel­lung zu eröff­nen, nur mit erheb­li­cher Ver­zö­ge­rung und erst in Jahr­zehn­ten voll­stän­dig errei­chen.

Die vom Gesetz­ge­ber gewähl­te Über­gangs­zeit von mehr als sechs Jah­ren trägt den Inter­es­sen der Beschwer­de­füh­rer in ver­fas­sungs­recht­lich nicht zu bean­stan­den­der Wei­se Rech­nung. Auf­grund des bereits im Jahr 2001 ein­ge­lei­te­ten Ver­trags­ver­let­zungs­ver­fah­rens und der dadurch aus­ge­lös­ten Dis­kus­si­on um die Euro­pa­rechts­kon­for­mi­tät des deut­schen Kehr- und Über­prü­fungs­mo­no­pols bestand bereits eini­ge Jah­re vor der gesetz­li­chen Neu­re­ge­lung Anlass, nicht unein­ge­schränkt auf den Fort­be­stand des her­ge­brach­ten Sys­tems zu ver­trau­en. Nach Ablauf der Über­gangs­frist des § 48 Satz 2 SchfHwG kön­nen sich die bis­he­ri­gen Bezirks­schorn­stein­fe­ger­meis­ter zudem um eine erneu­te Bestel­lung bewer­ben. Da die Aus­wahl zwi­schen den Bewer­bern nach Eig­nung, Befä­hi­gung und fach­li­cher Leis­tung zu erfol­gen hat (§ 9 Abs. 4 SchfHwG), wer­den „Alt­be­wer­ber“ in vie­len Fäl­len rea­lis­ti­sche Aus­sich­ten haben, bei der Aus­schrei­bung von Bezir­ken berück­sich­tigt zu wer­den 38. Aber auch wenn sie nicht wie­der bestellt wür­den, stün­de ihnen unab­hän­gig davon auch nach dem 31. Dezem­ber 2014 die Mög­lich­keit offen, einen nen­nens­wer­ten Teil der Tätig­kei­ten aus­zu­üben, die ihnen bis­her aus­schließ­lich vor­be­hal­ten waren (vgl. § 2 Abs. 1 SchfHwG). Dass sie dabei dem Wett­be­werb mit ande­ren Anbie­tern aus­ge­setzt sein wer­den, ist vor Art. 12 Abs. 1 GG nicht zu bean­stan­den, son­dern ent­spricht gera­de dem Leit­bild die­ses Grund­rechts.

Hin­zu kommt, dass § 2 Abs. 2 SchfHwG den Beschwer­de­füh­rern für eine Über­gangs­zeit von mehr als vier Jah­ren den nahe­zu aus­schließ­li­chen Zugriff auf die Tätig­kei­ten sichert, die ab 2013 in den Wett­be­werb ent­las­sen wer­den und dann allen Schorn­stein­fe­ger­be­trie­ben offen ste­hen. Außer­dem sind sie seit Inkraft­tre­ten des Geset­zes zur Neu­re­ge­lung des Schorn­stein­fe­ger­we­sens vom bis­he­ri­gen Neben­tä­tig­keits­ver­bot nach § 14 SchfG a.F. befreit, wenn­gleich mit gewis­sen Ein­schrän­kun­gen (vgl. § 12 Abs. 2 SchfG). Das eröff­net ihnen für die Über­gangs­zeit ein grö­ße­res Maß an Frei­heit, als ihnen bis­her zustand. Zugleich ermög­licht es ihnen, sich neue Tätig­keits­fel­der zu erschlie­ßen, die ihnen unab­hän­gig von einer etwai­gen Neu­be­stel­lung offen ste­hen kön­nen.

Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richt, Beschlüs­se vom 4. Febru­ar 2010 – 1 BvR 2514/​09 und 1 BvR 2918/​09

  1. BGBl I S. 2242[]
  2. BGBl I S. 2071[]
  3. vgl. VG Aachen, Beschluss vom 22. Sep­tem­ber 2009 – 3 L 241/​09; vgl. auch Epi­ney, Umge­kehr­te Dis­kri­mi­nie­run­gen, 1995, S. 477 f.; Albers, JZ 2008, S. 708, 713 f.[]
  4. vgl. BT-Drs. 16/​9237, S. 23 und 29[]
  5. vgl. BVerfGE 54, 301, 314; 59, 302, 315 f.[]
  6. zur Ein­ord­nung der blo­ßen Erwei­te­rung der Berufs­tä­tig­keit als Rege­lung der Berufs­aus­übung vgl. auch BVerfGE 48, 376, 388 m.w.N.[]
  7. vgl. BVerfGE 68, 272, 282; 71, 183, 196 f.; 101, 331, 347[]
  8. grund­le­gend BVerfGE 7, 377, 405 f.[]
  9. vgl. BVerfGE 81, 156, 189 m.w.N.[]
  10. vgl. BT-Drs. 16/​9237, S. 29[]
  11. vgl. BT-Drs. 16/​9237, S. 23[][][]
  12. vgl. BVerfGE 97, 12, 31; vgl. auch BVerfGE 7, 377, 408; 11, 168, 188 f.; 94, 372, 395[]
  13. vgl. BT-Drs. 16/​9237, S. 6[]
  14. vgl. BT-Drs. 16/​9794, S. 16; vgl. auch Schira/​Schwarz, Schorn­stein­fe­ger-Hand­werks­ge­set­z/­Schorn­stein­fe­ger­ge­setz, 2009, § 2 SchfHwG Rn. 6[]
  15. vgl. BVerfGE 90, 145, 173[]
  16. RGBl I S. 508[]
  17. vgl. BVerfGE 1, 264, 265 f.[]
  18. BGBl I S. 1634[]
  19. vgl. Schrift­li­cher Bericht des Aus­schus­ses für Wirt­schaft und Mit­tel­stands­fra­gen zu BT-Drs. V/​4282, S. 2[]
  20. vgl. Uber, Frei­heit des Berufs, 1952, S. 179 ff.; Badu­ra, Das Ver­wal­tungs­mo­no­pol, 1963, S. 118[]
  21. vgl. BVerwG, Beschluss vom 18.03.1959 – BVerwG I B 22.59 -, Buch­holz 451.29 Schorn­stein­fe­ger Nr. 5; Musielak/​Schira/​Manke, Schorn­stein­fe­ger­ge­setz, 6. Aufl. 2003, Ein­lei­tung Rn. 2; Schön­lei­ter, in: Landmann/​Rohmer, Gewer­be­ord­nung, Vor­be­mer­kung zum Gesetz über das Schorn­stein­fe­ger­we­sen (Janu­ar 2001); Maron­de, Die Neu­re­ge­lung des deut­schen Schorn­stein­fe­ger­rechts, 2008, S. 5; vgl. auch BVerfGE 1, 264; BVerw­GE 6, 72; BVerw­GE 27, 228[]
  22. vgl. BVerfGE 85, 80, 90[]
  23. vgl. BVerfGE 34, 252, 256; 55, 261, 269[]
  24. vgl. BVerwG, Urteil vom 17.04.1980 – 5 C 14.79, GewArch 1980, S. 341, 342[]
  25. vgl. BT-Drs. 16/​9794, S. 18[]
  26. vgl. Sydow, GewArch 2009, S. 14, 19[]
  27. vgl. BT-Drs. 16/​9237, S. 49[]
  28. vgl. BVerfGE 34, 252, 256[]
  29. vgl. BVerfGE 7, 377, 408; stRspr[]
  30. vgl. BT-Drs. 16/​9237, S. 22). Damit ist aber nicht zugleich der Ein­griff in die Grund­rech­te der Beschwer­de­füh­rer legi­ti­miert. Deren spe­zi­fi­sche Beein­träch­ti­gung, näm­lich der künf­ti­ge Weg­fall ihrer ursprüng­lich unbe­fris­te­ten Bestel­lung und das damit ein­her­ge­hen­de Erfor­der­nis, sich in Kon­kur­renz mit ande­ren Schorn­stein­fe­gern um eine neue Bestel­lung zu bewer­ben, dient nicht den genann­ten Zwe­cken, son­dern der euro­pa­recht­lich moti­vier­ten Markt­öff­nung zum Zwe­cke des Wett­be­werbs. Die Befris­tung der Bestel­lun­gen gemäß § 10 Abs. 1 Satz 1 und § 48 Satz 2 und 3 SchfHwG führt dazu, dass eine grö­ße­re Zahl von Schorn­stein­fe­gern eine Chan­ce auf Zugang zu der begehr­ten Tätig­keit hat als dies nach dem bis­he­ri­gen Recht der Fall war. Damit dient die Befris­tung der Ver­wirk­li­chung der Berufs­frei­heit der bis­lang nicht berück­sich­tig­ten Prä­ten­den­ten. Die­se ver­grö­ßer­te Berufs­aus­übungs­frei­heit für alle Per­so­nen, die künf­tig eine Chan­ce auf Zugang zu der begehr­ten Tätig­keit erhal­ten, stellt einen Gemein­wohl­be­lang dar, der einen Ein­griff in die Berufs­frei­heit der bis­he­ri­gen Mono­po­lin­ha­ber recht­fer­ti­gen kann ((vgl. BVerfG, Beschluss vom 21.08.2002 – 1 BvR 1444/​02, NJW 2002, S. 3460, 3461[]
  31. vgl. BVerfGE 87, 363, 388[]
  32. vgl. BVerfGE 11, 168, 188 f.[]
  33. vgl. dazu BVerfGE 68, 272, 284; 75, 246, 279; 98, 265, 309[]
  34. vgl. BVerfGE 21, 173, 183; 68, 272, 287; 98, 265, 309 f.[]
  35. vgl. BVerfGE 43, 242, 288 f.[]
  36. vgl. BVerfGE 64, 72, 84[]
  37. vgl. § 6 Abs. 2 Satz 2 SchfG a.F.; Musielak/​Schira/​Manke, Schorn­stein­fe­ger­ge­setz, 6. Aufl. 2003, § 11 Rn. 17[]
  38. vgl. dazu Schira/​Schwarz, Schorn­stein­fe­ger-Hand­werks­ge­set­z/­Schorn­stein­fe­ger­ge­setz, 2009, § 9 SchfHwG Rn. 31 f.[]