Die "Spit­zel­af­fä­re" und das Per­sön­lich­keits­recht des Zeit­schrif­ten­ver­lags

Das Land­ge­richt Ham­burg hat einem Ham­bur­ger Ver­lags­un­ter­neh­men eine bestimm­te Bericht­erstat­tung ver­bo­ten, in der der Ein­druck erweckt wur­de, eine in einem ande­ren Ver­lag erschei­nen­de Illus­trier­te habe von angeb­lich unlau­te­ren Recher­che­me­tho­den der von ihr beauf­trag­ten Bild­agen­tur gewusst.

Die "Spit­zel­af­fä­re" und das Per­sön­lich­keits­recht des Zeit­schrif­ten­ver­lags

Vor der Pres­se­kam­mer des Ham­bur­ger Land­ge­richts strit­ten die Ver­le­ge­rin­nen zwei­er Zeit­schrif­ten mit­ein­an­der. In der Aus­ga­be der Zeit­schrift "Stern" vom 25. Febru­ar 2010 ver­öf­fent­lich­te die Beklag­te einen Arti­kel, der sich mit „ver­bo­te­nen Recher­che­me­tho­den“ einer Ber­li­ner Agen­tur befass­te, die angeb­lich drei Poli­ti­ker aus­ge­späht habe. Die Ankün­di­gung des Arti­kels im Inhalts­ver­zeich­nis lau­te­te: „Spit­zel­af­fä­re Das Pri­vat­le­ben pro­mi­nen­ter Poli­ti­ker wur­de sys­te­ma­tisch aus­spio­niert. Wer steckt dahin­ter? Die Illus­trier­te B.“ In einer Über­schrift des Arti­kels hieß es: „Das Pri­vat­le­ben von Ber­li­ner Spit­zen­po­li­ti­kern wur­de mona­te­lang sys­te­ma­tisch aus­ge­forscht. Pro­mi­nen­te Opfer waren […]. Die Auf­trä­ge kamen von der Illus­trier­ten B. Insi­der packen aus.“

Hin­ter­grund des Arti­kels war, dass die von der Klä­ge­rin her­aus­ge­ge­be­ne Zeit­schrift Bun­te, nach­dem sie von angeb­li­chen Lie­bes­be­zie­hun­gen bestimm­ter Poli­ti­ker erfah­ren hat­te, eine Ber­li­ner Agen­tur damit beauf­trag­te, Foto­gra­fi­en der betref­fen­den Per­so­nen zu lie­fern. Die Foto­gra­fi­en soll­ten die ver­meint­li­chen Bezie­hun­gen doku­men­tie­ren. Die Par­tei­en strei­ten aller­dings dar­über, ob die Klä­ge­rin die in dem Arti­kel näher dar­ge­stell­ten „ver­bo­te­nen Recher­che­me­tho­den“ in Auf­trag gege­ben bzw. gekannt hat.

Die Klä­ge­rin behaup­tet, über die kon­kre­ten Recher­che­me­tho­den der beauf­trag­ten Agen­tur nicht infor­miert gewe­sen zu sein. Durch die Bericht­erstat­tung der Beklag­ten wer­de der unzu­tref­fen­de Ein­druck erweckt, sie – die Klä­ge­rin – habe die Agen­tur in dem Wis­sen ein­ge­schal­tet, dass die genann­ten Poli­ti­ker mit den im Arti­kel geschil­der­ten „geheim­dienst­li­chen“ oder gar kri­mi­nel­len Metho­den über­wacht oder aus­spio­niert wür­den oder wer­den soll­ten. Die Beklag­te hält dem ent­ge­gen, dem Leser wer­de in dem Arti­kel nur mit­ge­teilt, dass die Agen­tur im Wesent­li­chen Auf­trags­ar­beit für die Klä­ge­rin erle­digt habe. Dage­gen wer­de dem Leser nicht sug­ge­riert, dass die Klä­ge­rin auch die Art und Wei­se der Durch­füh­rung der Auf­trags­ar­beit fest­ge­legt habe. Tat­säch­lich habe die Klä­ge­rin aller­dings über die Recher­che­ak­ti­vi­tä­ten der Agen­tur genau Bescheid gewusst bzw. sei es ihr völ­lig gleich­gül­tig gewe­sen, auf wel­che Wei­se foto­gra­fi­sche Bewei­se bzw. Infor­ma­tio­nen über das Lie­bes­le­ben der Poli­ti­ker beschafft wür­den.

Die Pres­se­kam­mer des Land­ge­richts hat der Unter­las­sungs­kla­ge mit der Begrün­dung statt­ge­ge­ben, die Klä­ge­rin wer­de durch die kon­kre­te Bericht­erstat­tung der Beklag­ten rechts­wid­rig in ihrem all­ge­mei­nen Unter­neh­mer­per­sön­lich­keits­recht ver­letzt. Ein durch­schnitt­li­cher Leser habe die ange­grif­fe­nen Text­pas­sa­gen zwin­gend so ver­ste­hen müs­sen, dass die Klä­ge­rin gewusst habe, dass die im Arti­kel beschrie­be­nen Recher­che­me­tho­den ange­wen­det wur­den oder ange­wen­det wer­den soll­ten. Das Gericht habe pro­zes­su­al davon aus­zu­ge­hen, dass es sich hier um eine unwah­re Tat­sa­chen­be­haup­tung han­de­le, denn der Beklag­ten sei es nicht gelun­gen, das Gegen­teil zu bewei­sen. Die­sen Beweis hät­te die Beklag­te jedoch füh­ren müs­sen. Wer eine Behaup­tung auf­stel­le, die geeig­net ist, einen ande­ren her­ab­zu­wür­di­gen, müs­se deren Rich­tig­keit bewei­sen. Die von der Kam­mer gehör­ten Zeu­gen hät­ten die Behaup­tung der Beklag­ten nicht bestä­tigt.

Land­ge­richt Ham­burg, Urteil vom 30. Mai 2011 – 324 O 246/​10.