Die straf­be­wehr­te Unter­las­sungs­er­klä­rung einer GmbH und ihres Geschäfts­füh­rers

In der Regel fällt bei Unter­las­sungs­er­klä­run­gen mit Ver­trags­stra­fever­spre­chen durch eine Gesell­schaft und ihr Organ bei einem Ver­stoß, wel­cher der Gesell­schaft nach § 31 BGB zuzu­rech­nen ist, nur eine Ver­trags­stra­fe an, für die Gesell­schaft und Organ als Gesamt­schuld­ner haf­ten [1].

Die straf­be­wehr­te Unter­las­sungs­er­klä­rung einer GmbH und ihres Geschäfts­füh­rers

Rich­tig ist zwar, dass die Ver­pflich­tun­gen meh­re­rer Schuld­ner, die auf Unter­las­sung und im Fal­le einer Zuwi­der­hand­lung auf eine Ver­trags­stra­fe haf­ten, grund­sätz­lich neben­ein­an­der ste­hen [2]. Das gilt jedoch nicht für die Ver­pflich­tung der Gesell­schaft und ihres Organs, die vor­lie­gend in Rede steht.

Der Bun­des­ge­richts­hof hat ent­schie­den, dass bei schuld­haf­ten Zuwi­der­hand­lun­gen gegen ein gericht­li­ches Unter­las­sungs­ge­bot (§ 890 ZPO), das sowohl gegen eine juris­ti­sche Per­son als auch gegen deren Organ ver­hängt wor­den ist, ein Ord­nungs­geld nur gegen die juris­ti­sche Per­son fest­zu­set­zen ist [3]. Das schuld­haf­te Han­deln des Organs, das der juris­ti­schen Per­son gemäß § 31 BGB zuzu­rech­nen ist, begrün­det deren Ver­stoß, gibt aber kei­nen Anlass, dane­ben zusätz­lich Ord­nungs­mit­tel gegen das eben­falls zu den Titel­schuld­nern gehö­ren­de Organ fest­zu­set­zen [4]. Mit dem Sinn und Zweck der Ord­nungs­mit­tel, die neben der Funk­ti­on als zivil­recht­li­che Beu­ge­maß­nah­me zur Ver­hin­de­rung künf­ti­ger Zuwi­der­hand­lun­gen auch einen repres­si­ven stra­f­ähn­li­chen Sank­ti­ons­cha­rak­ter haben, ist schwer­lich ver­ein­bar, auf­grund der von einer natür­li­chen Per­son began­ge­nen Zuwi­der­hand­lung ein und das­sel­be Ord­nungs­mit­tel gegen meh­re­re Per­so­nen fest­zu­set­zen [5]. Die Ein­be­zie­hung des Organs in den Voll­stre­ckungs­ti­tel wird dadurch nicht über­flüs­sig, son­dern erlangt ihre eigent­li­che Bedeu­tung erst, wenn das Han­deln des Organs der juris­ti­schen Per­son nicht mehr nach § 31 BGB zure­chen­bar ist [6].

Die­se Erwä­gun­gen gel­ten für Ver­trags­stra­fen aus Unter­las­sungs­ver­trä­gen ent­spre­chend. Straf­be­wehr­te ver­trag­li­che Unter­las­sungs­er­klä­run­gen haben den Zweck, einen gericht­li­chen Unter­las­sungs­ti­tel zu erset­zen. Es ent­spricht daher regel­mä­ßig weder dem Inter­es­se der Schuld­ner noch dem des Gläu­bi­gers einer sol­chen Ver­ein­ba­rung, dass der neben der juris­ti­schen Per­son im Wege des Schuld­bei­tritts zur Unter­las­sung ver­pflich­te­te Geschäfts­füh­rer dadurch schlech­ter gestellt wird als im Fall eines gericht­li­chen Urteils [7]. In der Regel ist daher davon aus­zu­ge­hen, dass bei Unter­las­sungs­er­klä­run­gen mit Ver­trags­stra­fever­spre­chen durch Gesell­schaft und Organ bei einem Ver­stoß, wel­cher der Gesell­schaft nach § 31 BGB zuzu­rech­nen ist, nur eine Ver­trags­stra­fe anfällt [8].

Aller­dings fehlt bei einem Unter­las­sungs­ver­trag die Andro­hung einer an dem Organ zu voll­zie­hen­den Ersatz­ord­nungs­haft. Des­halb führt die ent­spre­chen­de Anwen­dung der für gericht­li­che Unter­las­sungs­ti­tel ent­wi­ckel­ten Grund­sät­ze auf Unter­las­sungs­ver­trä­ge dazu, kei­ne nur sub­si­diä­re, son­dern eine gesamt­schuld­ne­ri­sche Mit­haf­tung des Organs anzu­neh­men [9]. Der Unter­las­sungs­ver­trag lässt sich dage­gen nicht dahin aus­le­gen, dass sich bei jedem der juris­ti­schen Per­son als Unter­neh­mens­trä­ger zure­chen­ba­ren Ver­stoß eines ihrer Orga­ne die Ver­trags­stra­fe ver­dop­pelt [10].

Bun­des­ge­richts­hof, Urteil vom 8. Mai 2014 – I ZR 210/​12

  1. Fort­füh­rung von BGH, Beschluss vom 12.01.2012 – I ZB 43/​11, GRUR 2012, 541 Rn. 6[]
  2. vgl. BGH, Urteil vom 17.07.2008 – I ZR 168/​05, GRUR 2009, 181 Rn. 42 = WRP 2009, 182 Kin­der­wär­me­kis­sen[]
  3. BGH, Beschluss vom 12.01.2012 – I ZB 43/​11, GRUR 2012, 541 Rn. 6[]
  4. BGH, GRUR 2012, 541 Rn. 7[]
  5. BGH, GRUR 2012, 541 Rn. 8[]
  6. BGH, GRUR 2012, 541 Rn. 9[]
  7. BGH, Urteil vom 25.01.2001 – I ZR 323/​98, BGHZ 146, 318, 325 Trai­nings­ver­trag; Urteil vom 18.05.2006 – I ZR 32/​03, GRUR 2006, 878 Rn. 21 = WRP 2006, 1139 Ver­trags­stra­fever­ein­ba­rung[]
  8. OLG Köln, WRP 2013, 195, 196; Köh­ler in GroßKomm.UWG, 1. Aufl., Vorb. § 13 B Rn. 118; Jes­ta­edt, WRP 2013, 542, 543[]
  9. Köh­ler in Groß-Komm.UWG aaO Vorb. § 13 B Rn. 118 und Jes­ta­edt, WRP 2013, 542, 543[]
  10. OLG Köln, WRP 2013, 195, 196[]