Die Tele­kom und das Fest­netz

Das Bun­des­ver­wal­tungs­ge­richt in Leip­zig hat ges­tern eine Regu­lie­rungs­ver­fü­gung der Bun­des­netz­agen­tur weit­ge­hend bestä­tigt, in der die­se Behör­de der Deut­schen Tele­kom AG Ver­pflich­tun­gen in Bezug auf Anschlüs­se und Ver­bin­dun­gen im Fest­netz­be­reich auf­er­legt hat.

Die Tele­kom und das Fest­netz

Die Bun­des­netz­agen­tur hat in der ange­foch­te­nen Ver­fü­gung fest­ge­stellt, dass die Deut­sche Tele­kom auf dem Markt für den Zugang zum öffent­li­chen Tele­fon­netz an fes­ten Stand­or­ten und auf dem Markt für Inlands­ge­sprä­che, die über das Fest­netz geführt wer­den, noch immer über beträcht­li­che Markt­macht ver­fügt. Des­halb hat sie das Unter­neh­men u.a. ver­pflich­tet, sei­nen Teil­neh­mern den Zugang zu ande­ren Tele­fon­dienst­an­bie­tern im Wege der Betrei­ber­aus­wahl durch Wäh­len einer bestimm­ten Vor­wahl­num­mer (bzw. der Betrei­ber­vor­auswahl durch fes­tes Pro­gram­mie­ren der Vor­wahl­num­mer) zu ermög­li­chen. Außer­dem hat sie Anord­nun­gen getrof­fen, die eine wirk­sa­me Kon­trol­le der Anschluss- und Ver­bin­dungs­ent­gel­te sicher­stel­len sol­len.

Die Deut­sche Tele­kom, die zusam­men mit zwei Toch­ter­un­ter­neh­men Klä­ge­rin des vor­lie­gen­den Rechts­streits ist, wehr­te sich gegen die­se Regu­lie­rungs­ver­fü­gung. Jeden­falls woll­te sie sog. Sys­tem­lö­sun­gen, die sie mit ein­zel­nen Kun­den indi­vi­du­ell aus­han­delt, von der Regu­lie­rung aus­ge­nom­men wis­sen. Schon das VG Köln wies die Kla­ge im Wesent­li­chen ab. Auch die Revi­si­on des kla­gen­den Unter­neh­mens blieb weit­ge­hend ohne Erfolg.

Die Bun­des­netz­agen­tur ist rechts­feh­ler­frei zu der Ein­schät­zung gelangt, dass die Deut­sche Tele­kom die Märk­te für Fest­netz­an­schlüs­se und für Inlands­ge­sprä­che beherrscht. Das dar­aus fol­gen­de Bedürf­nis nach Regu­lie­rung die­ser Märk­te besteht im Grund­satz unab­hän­gig davon, ob die Deut­sche Tele­kom die betref­fen­den Leis­tun­gen stan­dard­mä­ßig anbie­tet oder im Ein­zel­fall indi­vi­du­ell aus­han­delt. Zu Recht wur­de dem kla­gen­den Unter­neh­men die Ver­pflich­tung zur Betrei­ber­aus­wahl auf­er­legt. Auf­grund die­ser Aus­wahl­mög­lich­keit, die den Tele­fon­kun­den schon vor Erlass der nun umstrit­te­nen Regu­lie­rungs­ver­fü­gung eröff­net wor­den war, hat sich im Bereich der Tele­fon­ver­bin­dun­gen ein gewis­ses Maß an Wett­be­werb ent­wi­ckeln kön­nen, das beim Weg­fall die­ser Opti­on gefähr­det wäre. Auch die behörd­li­che Kon­trol­le der Anschluss- und Ver­bin­dungs­ent­gel­te ist im Inter­es­se der Tele­fon­kun­den erfor­der­lich, wie die Bun­des­netz­agen­tur plau­si­bel machen konn­te.

Bun­des­ver­wal­tungs­ge­richt, Urteil vom 29. Okto­ber 2008 – 6 C 38.07