Die unvoll­stän­di­ge Wider­rufs­be­leh­rung

Bei einem Haus­tür­ge­schäft wird durch eine Wider­rufs­be­leh­rung, die nur auf die aus der Erklä­rung des Wider­rufs fol­gen­den Pflich­ten des Ver­brau­chers hin­weist, nicht jedoch dar­auf, wie sich die Erklä­rung des Wider­rufs auf sei­ne (etwai­gen) Rech­te aus­wirkt, die Frist zur Erklä­rung des Wider­rufs nicht in Gang gesetzt.

Die unvoll­stän­di­ge Wider­rufs­be­leh­rung

Die erteil­te Wider­rufs­be­leh­rung ent­spricht in einem sol­chen Fall nicht den gesetz­li­chen Anfor­de­run­gen (hier: §§ 312, 355 BGB). Der Schutz des Ver­brau­chers erfor­dert nach der stän­di­gen Recht­spre­chung des Bun­des­ge­richts­hofs eine mög­lichst umfas­sen­de, unmiss­ver­ständ­li­che und aus dem Ver­ständ­nis der Ver­brau­cher ein­deu­ti­ge Beleh­rung 1. Die Wider­rufs­be­leh­rung hat dem Ver­brau­cher die ihm durch den Wider­ruf eröff­ne­ten wesent­li­chen Rech­te und Pflich­ten bewusst zu machen; in ihr sind die tat­säch­li­chen mate­ri­el­len Rechts­fol­gen der Erklä­rung des Wider­rufs abzu­bil­den 2.

Die­sen Anfor­de­run­gen genügt im hier ent­schie­de­nen Fall die erteil­te Beleh­rung nicht, ohne dass der Bun­des­ge­richts­hof an die­ser Stel­le ent­schei­den müss­te, wie die Wider­rufs­be­leh­rung im Fal­le des Wider­rufs einer Betei­li­gung an einer Anla­ge­ge­sell­schaft im Ein­zel­nen for­mu­liert wer­den muss 3. Die Beleh­rung ent­spricht schon des­halb nicht den gesetz­li­chen Anfor­de­run­gen, weil sie ledig­lich auf aus dem Wider­ruf fol­gen­de Pflich­ten der Beklag­ten hin­weist, nicht jedoch dar­auf, wie sich der Wider­ruf auf (etwai­ge) Rech­te der Beklag­ten im Hin­blick auf von ihr bereits an die Klä­ge­rin geleis­te­te Zah­lun­gen aus­wirkt. Ein sol­cher Hin­weis war unent­behr­lich, weil der Ver­trags­part­ner nach den ver­trag­li­chen Fäl­lig­keits­be­stim­mun­gen Zah­lun­gen bereits vor Ablauf der Wider­rufs­frist leis­ten muss­te.

Bun­des­ge­richts­hof, Urteil vom 22. Mai 2012 – II ZR 1/​11

  1. sie­he nur BGH, Urteil vom 04.07.2002 – I ZR 55/​00, ZIP 2002, 1730, 1731; Urteil vom 12.04.2007 – VII ZR 122/​06, BGHZ 172, 58 Rn. 13; Urteil vom 10.03.2009 – XI ZR 33/​08, BGHZ 180, 183 Rn. 14; sie­he nun­mehr § 360 Abs. 1 BGB[]
  2. vgl. BGH, Urteil vom 12.04.2007 – VII ZR 122/​06, BGHZ 172, 58 Rn. 11, 13 ff.; Urteil vom 02.02.2011 – VIII ZR 103/​10, ZIP 2011, 572 Rn. 17[]
  3. Pro­ble­me inso­weit auf­zei­gend Pode­wils, MDR 2010, 117 ff.; Gug­gen­ber­ger, ZGS 2011, 397 ff.[]