Die Ver­stei­ge­rung der 5 G‑Mobilfunkfrequenzen

Die Ent­schei­dun­gen der Bun­des­netz­agen­tur über die Ver­ga­be von Fre­quen­zen für das „5 G“-Netz im Wege der Ver­stei­ge­rung waren recht­mä­ßig.

Die Ver­stei­ge­rung der 5 G‑Mobilfunkfrequenzen

Die Ent­schei­dun­gen der Bun­des­netz­agen­tur über die Ver­ga­be der für den Aus­bau von „5 G“-Infrastrukturen beson­ders geeig­ne­ten Fre­quen­zen bei 2 GHz und 3,6 GHz im Wege der Ver­stei­ge­rung waren recht­mä­ßig. Das Bun­des­ver­wal­tungs­ge­richt hat die Kla­ge einer Mobil­funk­netz­be­trei­be­rin gegen den Beschluss der Prä­si­den­ten­kam­mer der Regu­lie­rungs­be­hör­de vom 14. Mai 2018, der die­se Ent­schei­dun­gen für die genann­ten Fre­quen­zen umfasst, jetzt abge­wie­sen.

Sol­len knap­pe Fre­quen­zen im Wege eines Ver­ga­be­ver­fah­rens ver­ge­ben wer­den, muss die Bun­des­netz­agen­tur auf der Grund­la­ge von § 55 Abs. 10 sowie § 61 Abs. 1 bis 5 des Tele­kom­mu­ni­ka­ti­ons­ge­set­zes (TKG) durch ihre hier­für zustän­di­ge Prä­si­den­ten­kam­mer vier Ent­schei­dun­gen tref­fen:

  1. Die Anord­nung eines Ver­ga­be­ver­fah­rens (Ent­schei­dung I),
  2. die Aus­wahl des Ver­stei­ge­rungs­ver­fah­rens oder des Aus­schrei­bungs­ver­fah­rens als Ver­fah­rens­art (Ent­schei­dung II),
  3. die Aus­ge­stal­tung der Ver­ga­be­be­din­gun­gen (Ent­schei­dung III) sowie
  4. die Aus­ge­stal­tung der Ver­stei­ge­rungs- bzw. Aus­schrei­bungs­re­geln (Ent­schei­dung IV).

Der hier streit­ge­gen­ständ­li­che Beschluss der Bun­des­netz­agen­tur vom 14. Mai 2018 ent­hält die Ent­schei­dun­gen I und II für das 2 GHz-Band und das 3,6 GHz-Band.

Die Knapp­heit von Fre­quen­zen, die nach § 55 Abs. 10 TKG Vor­aus­set­zung für die Anord­nung eines Ver­ga­be­ver­fah­rens ist, kann sich dar­aus erge­ben, dass die Bun­des­netz­agen­tur auf der Grund­la­ge eines von ihr fest­ge­stell­ten Bedarfs an bestimm­ten Fre­quen­zen einen zukünf­ti­gen Über­hang von Zutei­lungs­an­trä­gen pro­gnos­ti­ziert. Die Knapp­heits­fest­stel­lung setzt regel­mä­ßig eine regu­la­to­ri­sche Ent­schei­dung dar­über vor­aus, wel­che Fre­quen­zen zu gege­be­ner Zeit für einen näher kon­kre­ti­sier­ten Nut­zungs­zweck bereit­ge­stellt wer­den. Die­se Bereit­stel­lungs­ent­schei­dung kann sich auf § 55 Abs. 5 Satz 2 TKG stüt­zen und hängt des­halb von der Ver­ein­bar­keit der Nut­zung mit den Rege­lungs­zie­len des § 2 Abs. 2 TKG ab. Der Bun­des­netz­agen­tur steht dabei ein Beur­tei­lungs­spiel­raum zu, der durch eine Abwä­gung aus­zu­fül­len ist.

Als Vor­fra­ge ihrer Ver­ga­be­an­ord­nung hat die Prä­si­den­ten­kam­mer ent­schie­den, dass die Fre­quen­zen des 2 GHz-Ban­des und aus dem 3,6 GHz-Band die Fre­quen­zen im Bereich von 3400 bis 3700 MHz für den draht­lo­sen Netz­zu­gang im Wege bun­des­wei­ter Zutei­lun­gen bereit­ge­stellt wer­den. Dem­ge­gen­über hat die Prä­si­den­ten­kam­mer den Bereich von 3700 bis 3800 MHz regio­na­len und loka­len Zutei­lun­gen vor­be­hal­ten. Die Bereit­stel­lungs­ent­schei­dung ist nicht des­halb als abwä­gungs­feh­ler­haft zu bean­stan­den, weil sie im Bereich von 2 GHz neben den bereits Ende 2020 frei­wer­den­den Fre­quen­zen auch die­je­ni­gen Fre­quen­zen ein­be­zieht, die noch bis Ende 2025 mit Nut­zungs­rech­ten – unter ande­rem sol­chen der Klä­ge­rin – belegt sind. Auch die Auf­tei­lung des 3,6 GHz-Ban­des lei­det nicht an einem Abwä­gungs­feh­ler. Die Anord­nung des Ver­ga­be­ver­fah­rens für die für bun­des­wei­te Zutei­lun­gen bereit­ge­stell­ten Fre­quen­zen ist recht­mä­ßig, weil inso­weit nach der von der Bun­des­netz­agen­tur durch­ge­führ­ten Bedarfs­ab­fra­ge und der auf deren Grund­la­ge ange­stell­ten Pro­gno­se eine Fre­quenz­knapp­heit besteht.

Die Wahl des Ver­stei­ge­rungs­ver­fah­ren als Ver­ga­be­ver­fah­ren ist nach dem Urteil des Bun­des­ver­wal­tungs­ge­richts gleich­falls nicht zu bean­stan­den. Das Ver­stei­ge­rungs­ver­fah­ren ist das gesetz­lich vor­ge­se­he­ne Regel­ver­fah­ren für die Ver­ga­be knap­per Fre­quen­zen.

Nicht zum Streit­stoff des von dem Bun­des­ver­wal­tungs­ge­richt ent­schie­de­nen Ver­fah­rens gehör­ten die Ent­schei­dun­gen über die Aus­ge­stal­tung der Ver­ga­be­be­din­gun­gen und der Ver­stei­ge­rungs­re­geln (Ent­schei­dun­gen III und IV). Die­se hat die Prä­si­den­ten­kam­mer der Bun­des­netz­agen­tur mit Beschluss vom 18. Novem­ber 2018 getrof­fen. Die hier­ge­gen gerich­te­ten Kla­gen sind noch nicht rechts­kräf­tig ent­schie­den.

Bun­des­ver­wal­tungs­ge­richt, Urteil vom 24. Juni 2020 – 6 C 3.19