Die vom Sozi­al­ge­richt ange­for­der­ten Befund­be­rich­te – und die ärzt­li­chen Berufspflichten

Gibt ein Arzt gericht­li­che gefor­der­te Befund­be­rich­te über eige­ne Pati­en­ten nicht ab, ver­stößt er damit nicht gegen sei­ne Berufspflichten.

Die vom Sozi­al­ge­richt ange­for­der­ten Befund­be­rich­te – und die ärzt­li­chen Berufspflichten

Die­ser Ent­schei­dung des Berufs­ge­richts für Heil­be­ru­fe bei dem Ver­wal­tungs­ge­richt Ber­lin­lag der Fall eines Ber­li­ner Arz­tes zugrun­de, dem die Ärz­te­kam­mer Ber­lin u.a. vor­ge­wor­fen hat­te, in meh­re­ren Fäl­len seit 2016 vom Sozi­al­ge­richt Ber­lin im Rah­men sozi­al­ge­richt­li­cher Ver­fah­ren ange­for­der­te Befund­be­rich­te über sei­ne Pati­en­ten nicht über­sandt zu haben. Die Ein­lei­tungs­be­hör­de sah hier­in ein pflicht­wid­ri­ges Ver­hal­ten und woll­te errei­chen, dass das Gericht gegen­über dem beschul­dig­ten Arzt eine Geld­bu­ße ver­hängt. Dies lehn­te das Berufs­ge­richt für Heil­be­ru­fe ab:

Zwar sehe die Berufs­ord­nung der Ärz­te­kam­mer Ber­lin vor, dass Gut­ach­ten und Zeug­nis­se, zu deren Aus­stel­lung Ärz­te ver­pflich­tet sei­en oder die aus­zu­stel­len sie über­nom­men hät­ten, inner­halb einer ange­mes­se­nen Frist abzu­ge­ben sei­en. Die­se Pflicht habe der Beschul­dig­te aber nicht verletzt.

Die Rege­lung set­ze näm­lich eine Rechts­pflicht oder eine (ver­trag­li­che) Über­nah­me vor­aus, Gut­ach­ten oder Zeug­nis­se aus­zu­stel­len, die hier bezo­gen auf die genann­ten Befund­be­rich­te nicht bestan­den habe.

Auf das sozi­al­ge­richt­li­che Ver­fah­ren sei­en die Vor­schrif­ten der Zivil­pro­zess­ord­nung über die Beweis­auf­nah­me ent­spre­chend anzu­wen­den. Damit kom­me dem Arzt, soweit er Aus­kunft über eige­ne Pati­en­ten geben sol­le, im gericht­li­chen Ver­fah­ren (nur) die Rol­le eines Zeu­gen zu. Für den Fall, dass ein Zeu­ge eine schrift­lich gestell­te Beweis­fra­ge nicht beant­wor­te, kön­ne das (Sozial-)Gericht ledig­lich die Ladung sei­ner Per­son zum Ter­min anord­nen. Allein die­se Pflicht sei zwangs­wei­se durchsetzbar.

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Unbe­rührt hier­von blei­be aller­dings die ärzt­li­che Schwei­ge­pflicht, von der der Arzt aus­drück­lich ent­bun­den sein müsse. 

Ver­wal­tungs­ge­richt Ber­lin, Urteil vom 4. Juni 2021 – VG 90 K 2.19 T

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