Die wirt­schaft­li­che Schief­la­ge eines Unter­neh­mens

Nach dem „Unter­gang“ der Dro­ge­rie­ket­te Schle­cker im Jahr 2012 kommt der frü­he­re Inha­ber nicht aus den Schlag­zei­len her­aus: Gegen ihn wird Ankla­ge erho­ben, weil er u.a. Ver­mö­gens­wer­te bei­sei­te geschafft haben soll. Nach Mit­tei­lung der Staats­an­walt­schaft ist gegen sechs Per­so­nen vor dem Land­ge­richt Stutt­gart Ankla­ge erho­ben wor­den [1].

Die wirt­schaft­li­che Schief­la­ge eines Unter­neh­mens

Neben dem frü­he­ren Unter­neh­mens­in­ha­ber sind sei­ne Ehe­frau, sei­ne zwei Kin­der und zwei Wirt­schafts­prü­fer betrof­fen. Dabei wird der Ehe­frau und den Kin­dern zur Last gelegt, dem Haupt­an­ge­schul­dig­ten in meh­re­ren Fäl­len dabei gehol­fen haben, dem Unter­neh­men Ver­mö­gens­wer­te zu ent­zie­hen. Außer­dem sol­len die Kin­der als fak­ti­sche Geschäfts­füh­rer eines Logis­tik­un­ter­neh­mens die­ses um meh­re­re Mil­lio­nen Euro geschä­digt haben, indem sie sich die­sen Betrag als angeb­li­chen Gewinn aus­schüt­ten lie­ßen, obwohl das Unter­neh­men – wie sie wuss­ten – nur Ver­lus­te erwirt­schaf­tet hat­te und bereits über­schul­det war. Den Wirt­schafts­prü­fern wird vor­ge­wor­fen, im Rah­men ihrer Prü­fung die fal­sche Bilan­zie­rung durch den Haupt­an­ge­schul­dig­ten zwar erkannt, aber trotz­dem attes­tiert zu haben, dass ihre Prü­fung zu kei­nen Ein­wen­dun­gen geführt habe und die Jah­res­ab­schlüs­se den gesetz­li­chen Vor­ga­ben ent­sprä­chen.

Die wirtschaftliche Schieflage eines UnternehmensIm Gegen­satz zum Fall Schle­cker muss nicht jede Insol­venz zum ulti­ma­ti­ven Unter­gang eines Unter­neh­mens füh­ren. Ein Bei­spiel für eine erfolg­rei­che Sanie­rung ist die Hein Geri­cke Euro­pe GmbH. Die Fir­ma han­delt mit Motor­rad­be­klei­dung und Motor­rad­zu­be­hör und hat Anfang Okto­ber des ver­gan­ge­nen Jah­res die Eröff­nung des Schutz­schirm­ver­fah­rens nach der Insol­venz­ord­nung bean­tragt. Damit muss­te inner­halb der nächs­ten 3 Mona­te ein Insol­venz­plan erstellt wer­den, der durch Ver­schlan­kung und Umstruk­tu­rie­rung ein wirt­schaft­li­ches Über­le­ben mög­lich machen könn­te. Nach­dem der Insol­venz­plan von den Gläu­bi­gern ange­nom­men wor­den ist, wur­de das Insol­venz­ver­fah­ren über das Ver­mö­gen der Gesell­schaft am 24. Febru­ar 2016 vom Amts­ge­richt Düs­sel­dorf auf­ge­ho­ben.

Eigen­ver­wal­tung

Auch wenn bei Hein Geri­cke der Insol­venz­plan in Eigen­ver­wal­tung erstellt wor­den ist, heißt das nicht, dass man sich in die­ser Lage kei­ner kom­pe­ten­te Unter­stüt­zung bedie­nen darf. Befin­det sich ein Unter­neh­men in wirt­schaft­li­cher Schief­la­ge und kann ganz oder teil­wei­se sei­nen Zah­lungs­ver­pflich­tun­gen nicht mehr nach­kom­men, müs­sen die Ver­ant­wort­li­chen han­deln. Doch ein Unter­neh­mer kennt sich in den sel­tens­ten Fäl­len mit den Vor­schrif­ten eines Insol­venz­ver­fah­rens aus. Zwar ist es seit der Reform der Insol­venz­ord­nung im Jah­re 2012 mög­lich, das Insol­venz­ver­fah­ren in Eigen­ver­wal­tung zu orga­ni­sie­ren, aber dazu bedarf es eines geeig­ne­ten Unter­neh­mers, dem das Gericht einen Sach­wal­ter zur Sei­te stellt, zur Über­wa­chung und Unter­stüt­zung. Dabei ist es dem Unter­neh­mer über­las­sen, einen ihm pas­send erschei­nen­den Sach­wal­ter aus­zu­su­chen, der dann vom Gericht bestellt wird.

Schutz­schirm­ver­fah­ren

Zur Vor­be­rei­tung der Eigen­ver­wal­tung kann von dem Insol­venz­ge­richt bis zur Eröff­nung ein Schutz­schirm­ver­fah­ren nach § 270 b InsO zur Ver­fü­gung gestellt wer­den. Um in den Genuss die­ses Ver­fah­rens zu gelan­gen, darf ledig­lich eine dro­hen­de Zah­lungs­un­fä­hig­keit des sanie­rungs­fä­hi­gen Unter­neh­mens vor­lie­gen, die dar­über hin­aus von einem Exper­ten beschei­nigt wor­den ist.

Insol­venz­plan

Lie­gen die­se Vor­aus­set­zun­gen vor, kann mit einem durch­dach­ten Insol­venz­plan sowohl das Unter­neh­men saniert, als auch Ver­trä­ge umge­stal­tet und Gesell­schafts­struk­tu­ren geän­dert wer­den. Seit der Reform der Insol­venz­ord­nung ist auch ein Rechts­form­wech­sel im Bereich der Mög­lich­kei­ten. Stim­men die Gläu­bi­ger dann einem gut aus­ge­ar­bei­te­ten Insol­venz­plan zu, steht einer Sanie­rung nichts mehr im Wege.

  1. StA Stutt­gart, Mit­tei­lung vom 22.04.2016[]