Dienst­li­che Beur­tei­lun­gen der Notar­an­wär­ter und die Examens­no­te

Die Eig­nung eines Bewer­bers für das Amt des Notars ist ein­heit­lich zu beur­tei­len. § 6 Abs. 1 Satz 1 BNo­tO legt fest, dass für die Eig­nung neben der Per­sön­lich­keit die Leis­tun­gen des Bewer­bers bestim­mend sind. Die fach­li­che Eig­nung nach § 6 Abs. 1 Satz 1 BNo­tO ist Vor­aus­set­zung für die Ein­be­zie­hung in die Aus­wahl meh­re­rer grund­sätz­lich geeig­ne­ter Bewer­ber 1. Die Eig­nungs­pro­gno­se nach § 6 Abs. 3 Satz 1 BNo­tO betrifft hin­ge­gen die Aus­wahl nach der bes­se­ren Eig­nung aus einem Kreis von im Sin­ne des § 6 Abs. 1 Satz 1 BNo­tO geeig­ne­ten Bewer­bern 2.

Dienst­li­che Beur­tei­lun­gen der Notar­an­wär­ter und die Examens­no­te

§ 6 Abs. 3 Satz 1 BNo­tO greift den Eig­nungs­be­griff in § 6 Abs. 1 Satz 1 BNo­tO auf und macht das Maß, in dem sei­ne Merk­ma­le bei dem ein­zel­nen Bewer­ber aus­ge­prägt sind, mit­hin auch des­sen Leis­tun­gen, zum umfas­sen­den Aus­wahl­kri­te­ri­um. Nach § 6 Abs. 3 Satz 1 BNo­tO rich­tet sich die für das Aus­wahl­ver­fah­ren ent­schei­den­de fach­li­che Eig­nung aus­drück­lich nach den bei der Vor­be­rei­tung auf den Notar­be­ruf gezeig­ten Leis­tun­gen und den Ergeb­nis­sen der zwei­ten juris­ti­schen Staats­prü­fung. Für das Aus­wahl­ver­fah­ren hat der Gesetz­ge­ber die Aus­bil­dungs­leis­tun­gen des Bewer­bers für den juris­ti­schen Beruf als sol­chen, die sich im Ergeb­nis der zwei­ten juris­ti­schen Staats­prü­fung wider­spie­geln, aus­drück­lich abge­setzt gegen­über den Vor­be­rei­tungs­leis­tun­gen des Bewer­bers auf den Notar­be­ruf 3. Die Vor­be­rei­tungs­leis­tun­gen auf den Notar­be­ruf sind Gegen­stand der dienst­li­chen Beur­tei­lung, die gemäß der Rege­lung in § 3 Abs. 3 NotAss­Aus­bV NW über den auf­grund der Vor­be­rei­tung auf das Amt des Notars aktu­el­len Leis­tungs­stand Auf­schluss zu geben hat. In ihr ist die Tätig­keit des Nota­ras­ses­sors wäh­rend des Anwär­ter­diens­tes in den Blick zu neh­men. Die Bewer­tung der Leis­tun­gen der Nota­ras­ses­so­ren wäh­rend des Anwär­ter­diens­tes nach § 3 Abs. 3 Satz 1 NotAss­Aus­bV NW stellt aus­schließ­lich eine Äuße­rung über die Eig­nung des Nota­ras­ses­sors für das Amt des Notars auf der Grund­la­ge von Erkennt­nis­sen aus dem Ver­hal­ten des Nota­ras­ses­sors wäh­rend des Anwär­ter­diens­tes ohne Berück­sich­ti­gung der Ergeb­nis­se der zwei­ten juris­ti­schen Staats­prü­fung dar. Auch wenn die Ergeb­nis­se der zwei­ten juris­ti­schen Staats­prü­fung nicht sel­ten in der wei­te­ren dienst­li­chen Eig­nung fort­wir­ken, weil sie regel­mä­ßig eine gute all­ge­mei­ne juris­ti­sche Befä­hi­gung wider­spie­geln, die für die erfolg­rei­che Wahr­neh­mung der Auf­ga­ben eines Notars zen­tra­le Bedeu­tung hat, lässt mit zuneh­men­der beruf­li­cher Tätig­keit und fort­schrei­ten­dem zeit­li­chen Abstand die Aus­sa­ge­kraft der Staats­ex­amens­er­geb­nis­se für den für die Stel­len­be­set­zung maß­geb­li­chen aktu­el­len Leis­tungs­stand im All­ge­mei­nen nach 4. Ihre Ein­be­zie­hung schon in die dienst­li­che Beur­tei­lung wür­de den Blick auf den zwi­schen­zeit­lich erreich­ten berufs­spe­zi­fi­schen Leis­tungs­stand ver­un­kla­ren. Die Beur­tei­lung allein der dienst­li­chen Leis­tun­gen im Anwär­ter­dienst ist des­halb unver­zicht­ba­re Grund­la­ge für die dif­fe­ren­zie­ren­de ver­glei­chen­de Bewer­tung des aktu­el­len Leis­tungs­stan­des der ein­zel­nen Bewer­ber. Die Gewich­tung des Examens­er­geb­nis­ses im Ver­hält­nis zur dienst­li­chen Beur­tei­lung obliegt danach aus­schließ­lich der die Aus­wahl­ent­schei­dung nach § 6 Abs. 3 Satz 1 BNo­tO tref­fen­den Jus­tiz­ver­wal­tung.

Bun­des­ge­richts­hof, Urteil vom 23. Juli 2012 – NotZ(Brfg) 4/​12

  1. vgl. BGH, Bun­des­ge­richts­hof für Notar­sa­chen, Beschluss vom 13.12.1993 – NotZ 56/​92, BGHZ 124, 327, 331 f.[]
  2. vgl. BGH, Bun­des­ge­richts­hof für Notar­sa­chen, Beschluss vom 13.12.1993 – NotZ 56/​92, BGHZ 124, 327, 330[]
  3. vgl. BGH, Bun­des­ge­richts­hof für Notar­sa­chen, Beschluss vom 13.12.1993 – NotZ 56/​92, BGHZ 124, 327 juris Rn. 23; BVerfGE 110, 304[]
  4. vgl. BGH, Beschluss vom 18.07.2011 – NotZ(Brfg) 1/​11, NJW-RR 2012, 53, Rn. 28; vom 11.08.2009 – NotZ 4/​09, DNotZ 2010, 467 juris Rn. 23 und vom 09.12.2008 – NotZ 25/​07, juris Rn. 24; BVerfGE 110, 304, 333 ff.[]