Direk­ter Anschluss­flug

Soweit ein Flug­gast zwei nach­ein­an­der geschal­te­te Flü­ge bucht, sind die Flü­ge ohne Schaf­fung einer Abhän­gig­keit durch das Luft­fahrt­un­ter­neh­men nicht als Ein­heit zu wer­ten, so dass der zwei­te Flug nicht als direk­ter Anschluss­flug des ers­ten Flu­ges ange­se­hen wer­den kann.

Direk­ter Anschluss­flug

Nach Auf­fas­sung des Amts­ge­richts Nür­tin­gen setzt Art. 2 h) der Flug­gast­VO vor­aus, dass von einem "direk­ten Anschluss­flug" nur dann gespro­chen wer­den kann, wenn zwi­schen einem Erst­flug, (hier Palermo/​Mailand) und dem Zweit­flug (hier Mailand/​Stuttgart) ein plan­mä­ßi­ger Zusam­men­hang von vorn­her­ein der­art her­ge­stellt wur­de, dass zwi­schen bei­den Flü­ge bei der Pla­nung der Flü­ge durch das betref­fen­de Luft­fahrt­un­ter­neh­men eine der­ar­ti­ge Abhän­gig­keit her­ge­stellt wird, dass der Zweit­flug als Anschluss­flug auf den Erst­flug zu war­ten hat. Dies ist bei dem von der Klä­ge­rin vor­ge­tra­ge­nen Sach­ver­halt mit Sicher­heit nicht der Fall. Dem Flug Paler­mo nach Mai­land war die Flug­num­mer … zuge­ord­net, plan­mä­ßig durch­ge­führt von Luft­han­sa, der Beklag­ten, dem Flug von Mai­land nach Stutt­gart war die Flug­num­mer … zuge­ord­net, plan­mä­ßig durch­ge­führt von C.

Das Gericht geht davon aus, dass auf dem Flug­ha­fen Mai­land zwi­schen der plan­mä­ßi­gen Ankunft des Flu­ges Paler­mo /​Mailand) und dem Abflug des Flu­ges nach Stutt­gart eine Viel­zahl von wei­te­ren Flug­zeu­gen lan­de­te und die Pas­sa­gie­re der lan­den­den Flug­zeu­ge für den Fall, dass sie von Mai­land wei­ter­rei­sen wol­len, sich unab­hän­gig von ihrem bis­he­ri­gen Flug auf eine Viel­zahl von Wei­ter­flü­gen ver­tei­len. Es han­delt sich somit nicht um einen direk­ten Anschluss­flug bei dem Flug von Mai­land nach Stutt­gart, son­dern um einen Anschluss­flug, wie er bei grö­ße­ren Flug­ha­fen stän­dig in alle Him­mels­rich­tun­gen vor­kommt.

Hät­te die Beklag­te bei dem Ver­kauf der ver­schie­de­nen Tickets an die Klä­ge­rin der Klä­ge­rin eine von der Beklag­ten zu ver­ant­wor­ten­de ein­heit­li­che Pla­nung der ver­schie­de­nen Teil­ab­schnit­te zukom­men las­sen, wür­de das Gericht von einem direk­ten Anschluss­flug aus­ge­hen. Da dies jedoch nicht der Fall ist, sich viel­mehr die Klä­ge­rin aus dem unper­sön­li­chen Inter­net­an­ge­bot der Beklag­ten die ihr geneh­men Teil­flü­ge her­aus­ge­sucht hat, kann von einem direk­ten Anschluss­flug nicht die Rede sein.

Im übri­gen sei an die­ser Stel­le dar­auf hin­ge­wie­sen, dass der Bun­des­ge­richts­hof in sei­ner Ent­schei­dung vom 14. Okto­ber 2010 1 kei­ner­lei Kri­te­ri­en ent­wi­ckelt, wor­in sich ein "direk­ter" Anschluss­flug von einem "ein­fa­chen" Anschluss­flug unter­schei­den soll.

Im Übri­gen ist das Amts­ge­richt Nür­tin­gen der Auf­fas­sung, dass bereits das plan­mä­ßi­ge Aus­ein­an­der­fal­len der aus­füh­ren­den Luft­fahrt­un­ter­neh­men bei der Stre­cke Palermo/​Mailand einer­seits und der Stre­cke Mailand/​Stuttgart ande­rer­seits gegen das Vor­lie­gen eines "direk­ten" Anschluss­flu­ges im Sin­ne von Art. 2 h) der Flug­gast­rech­te­VO spricht.

Hät­te die Klä­ge­rin dem Amts­ge­richt Nür­tin­gen den am Abfer­ti­gungs­schal­ter in Cata­nia bzw. Paler­mo vor­ge­leg­ten Flug­schein vor­ge­legt und wäre dort als Ziel­ort Stutt­gart genannt gewe­sen, hät­te es sich bei Stutt­gart um das End­ziel gehan­delt. Davon hat die Klä­ge­rin jedoch nichts berich­tet.

Amts­ge­richt Nür­tin­gen. Beschlus­vom 29. April 2011 – 11 C 596/​11

  1. BGH, Urteil vom 14.10.2010 – Xa ZR 15/​10[]