Docosahexaensäure in der Säuglingsnahrung

Die Hersteller dürfen zukünftig für ungesättigte Fettsäure in ihrer Babynahrung werben und auf vorgeblich positive Effekte der ungesättigten Fettsäure Docosahexaensäure (“DHA”) in Babynahrung hinweisen.

Docosahexaensäure in der Säuglingsnahrung

Wenige Dinge liegen Eltern mehr am Herzen als die Gesundheit ihrer Kinder. Viele Hersteller nutzen diesen Wunsch und werben mit der gesundheitsfördernden Wirkung der Zutaten ihrer Baby- und Kindernahrung. Und so wollen Hersteller von Säuglingsnahrung damit werben, dass Docosahexaensäure, eine ungesättigte Fettsäure, zur Entwicklung der Sehstärke von Kleinkindern beitrage. Der Ausschuss für Lebensmittelsicherheit des Europäischen Parlaments hatte das abgelehnt, das Plenum des Europäischen Parlaments in Straßburg nun aber die Werbung für diesen weiteren Inhaltsstoff doch genehmigt.

Gestritten wurde über folgenden Slogan: “Die Aufnahme von Docosahexaensäure (DHA) trägt zur normalen Entwicklung der Sehkraft bei Säuglingen bis zum Alter von 12 Monaten bei.” Künftig ist also auch diese Werbung für einen Inhaltstoff erlaubt.

Docosahexaensäure ist eine ungesättigte Omega-3-Fettsäure. Sie kommt in menschlicher Muttermilch, aber auch in Seelachs und Heringen vor. Studien sollen belegt haben, dass DHA die Entwicklung von Sehkraft und Hirntätigkeit fördert. Babynahrungshersteller hatten die Säure daher vielen Produkte beigemischt und wollten gezielt darauf hinweisen.

Bei einer ersten Abstimmung im Ausschuss für Lebensmittelsicherheit am 15. März setzen sich die Gegner des Werbeslogans noch knapp durch. Bei der finalen Abstimmung im Plenum einige Wochen später scheiterte ihr Antrag aber ebenso knapp: Nur 328 Abgeordnete stimmten für das Verbot, 368 Stimmen wären notwendig gewesen. Die Babynahrungshersteller dürfen den beantragten Slogan damit in Zukunft verwenden.

Die Europäische Behörde für Lebensmittelsicherheit hatte dies bereits vor einiger Zeit bewilligt. Zwar sah sie keine Beweise für die Wirkung der Säure auf Kleinkinder (1-3 Jahre), für Babys von 6 bis 12 Monaten sei ein positiver Effekt aber nicht auszuschließen. Die EU-Kommission schlug daraufhin vor, den Slogan zur Liste genehmigter Gesundheitsangaben auf Produktetiketten hinzuzufügen. Die EU-Abgeordneten im Ausschuss für Lebensmittelsicherheit hingegen meldeten Bedenken. Es gebe keinen wissenschaftlichen Konsens zur Wirkung mit DHA angereicherter Nahrung auf Säuglinge, betonten die sozialdemokratischen Abgeordneten Glenis Willmott aus Großbritannien, Daciana Sarbu aus Rumänien, Nessa Childers aus Irland und Karin Kadenbach aus Österreich in ihrer Resolution für den Ausschuss.

Mehr Forschung zu den positiven und negativen Effekten von Docosahexaensäure sei notwendig. Auch seien im Labor hergestellte Substanzen nicht mit den natürlichen Inhaltsstoffen der Muttermilch identisch.

Kurz gefasst:

  1. Von den Herstellern vorgelegte Gutachten “belegen” einen positiven Effekt auf Babys und Kleinkinder.
  2. Die Europäische Behörde für Lebensmittelsicherheit sieht keinen positiven Effekt für Kleinkinder, kann einen solchen für Babys aber weder belegen noch  ausschließen.
  3. EU-Kommission und Europäisches Parlament genehmigen die Werbung mit dieser unbewiesenen Wirkung eines synthetischen Inhaltsstoffs bei Babynahrung.

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