Dosis­ti­tra­ti­on eines Arz­nei­mit­tels und die Pati­en­ten­freund­lich­keit

Unter dem Begriff der "Dosis­ti­tra­ti­on" wird nur das Auf- oder Abdo­sie­ren eines bestimm­ten Wirk­stoffs bzw. Arz­nei­mit­tels ver­stan­den wird. Nicht unter die­sen Begriff fällt jedoch der Wech­sel von einem Mono­prä­pa­rat auf ein ent­spre­chen­des Kom­bi­na­ti­ons­prä­pa­rat, nach­dem das Mono­prä­pa­rat nicht zu hin­rei­chen­den Ergeb­nis­sen geführt hat.

Dosis­ti­tra­ti­on eines Arz­nei­mit­tels und die Pati­en­ten­freund­lich­keit

Zwar trifft die Anga­be "Eine Dosis­ti­tra­ti­on ist nicht erfor­der­lich" im enge­ren Wort­sinn auch dann zu, wenn für ein Prä­pa­rat kei­ner­lei Dosis­an­pas­sung (= Dosis­ti­tra­ti­on) vor­ge­se­hen ist. Mit die­ser Wer­be­an­ga­be wird jedoch ‑jeden­falls bei erheb­li­chen Tei­len des ange­spro­che­nen Fach­ver­kehrs- auch der fal­sche Ein­druck erweckt, dass eine Dosis­ti­tra­ti­on grund­sätz­lich mög­lich sei.

Der Umstand, dass die­se Mög­lich­keit tat­säch­lich nicht besteht, stellt hin­sicht­lich der Pati­en­ten­freund­lich­keit einen Nach­teil bei der Anwen­dung der bewor­be­nen Prä­pa­ra­te dar. Zum einen kann die feh­len­de Mög­lich­keit einer Dosis­an­pas­sung dazu füh­ren, dass der Pati­ent mehr Wirk­stoff als eigent­lich nötig erhält, weil eine Abdo­sie­rung nicht mög­lich ist. Zum ande­ren muss bei unzu­rei­chen­der Wir­kung der bewor­be­nen Prä­pa­ra­te ein Wech­sel des Arz­nei­mit­tels erfol­gen.

Han­sea­ti­sches Ober­lan­des­ge­richt Ham­burg, Urteil vom 11. Febru­ar 2010 – 3 U 122/​09