Düs­sel­dor­fer (Bart-)Haarspaltereien

Das Land­ge­richt Düs­sel­dorf hat der Wil­kin­son Sword GmbH im Eil­ver­fah­ren unter­sagt, in Deutsch­land wei­ter­hin Rasier­klin­gen­ein­hei­ten für Nass­ra­sie­rer zu ver­trei­ben, die auf den Nass­ra­sie­rer „Gil­let­te Mach 3“ von Gil­let­te pas­sen.

Düs­sel­dor­fer (Bart-)Haarspaltereien

Die US-ame­ri­ka­ni­sche Gesell­schaft Gil­let­te ist Inha­be­rin des Patents EP 1 695 800 B1 für eine „aus­wech­sel­ba­re Rasier­klin­gen­ein­heit mit einer Klin­gen­ein­heit und mit einer Ein­hei­ten­ver­bin­dungs­struk­tur“. Gil­let­te ver­treibt in Deutsch­land den Nass­ra­sie­rer „Gil­let­te Mach 3“ mit aus­tausch­ba­rer Klin­gen­ein­heit, der die­sem Patent gemäß aus­ge­stal­tet ist. Das Patent steht in Kraft mit Prio­ri­tät vom 19.02.1997. Die­ses Patent war schon im Jah­re 2013 ein­mal Gegen­stand eines Rechts­streits. Damals hat­te das Bun­des­pa­tent­ge­richt dar­auf hin­ge­wie­sen, dass das Patent rechts­be­stän­dig sei; letzt­lich hat­ten die Par­tei­en sich geei­nigt.

Gil­let­te hat in dem jetzt zu ent­schei­den­den einst­wei­li­gen Ver­fü­gungs­ver­fah­ren bean­tragt, der Solin­ger Unter­neh­mens­grup­pe Wil­kin­son Sword in Deutsch­land zu ver­bie­ten, ihr Patent zu ver­let­zen: sie sol­len kei­ne aus­wech­sel­ba­ren Rasier­klin­gen­ein­hei­ten mehr ver­kau­fen dür­fen, die auf den „Gil­let­te Mach 3“Nassrasierer pas­sen. Wirt­schaft­li­cher Hin­ter­grund ist, dass die von Wil­kin­son Sword belie­fer­ten fünf Dro­ge­rie­märk­te die unter Eigen­mar­ken ver­trie­be­nen Rasier­klin­gen­ein­hei­ten ca. 30 % güns­ti­ger ver­kauft haben als die Rasier­klin­gen­ein­heit von Gil­let­te.

Das Land­ge­richt Düs­sel­dorf hat Gil­let­te Recht gege­ben und im einst­wei­li­gen Ver­fü­gungs­ver­fah­ren ent­schie­den, dass Wil­kin­son Sword es zu unter­las­sen haben, eine aus­wech­sel­ba­re Rasier­klin­gen­ein­heit zu ver­trei­ben, die das Patent von Gil­let­te ver­letzt und auf den Nass­ra­sie­rer „Gil­let­te Mach 3“ passt. Ent­schei­dend bei dem Patent EP 1 695 800 B1 sei die Ver­bin­dung zwi­schen Rasier­klin­gen­ein­heit und Hand­stück, der Aus­schnitt, der sog. cuta­way por­ti­on, der das Zusam­men­füh­ren von Hand­stück und Klin­gen­ein­heit ver­bes­se­re. Genau die­ses Merk­mal mache die von Wil­kin­son Sword und den Dro­ge­rie­märk­ten in Deutsch­land bil­li­ger ver­kauf­te Klin­gen­ein­heit nach.

Der Bestand des Gil­let­te-Patents sei im vor­lie­gen­den einst­wei­li­gen Ver­let­zungs­ver­fah­ren aus­rei­chend gesi­chert, auch wenn Wil­kin­son Sword am 28.06.2017 beim Bun­des­pa­tent­ge­richt in Mün­chen eine Nich­tig­keits­kla­ge ein­ge­reicht habe. Denn das Bun­des­pa­tent­ge­richt habe schon 2013 in einem ande­ren Ver­fah­ren auf die Rechts­be­stän­dig­keit des Patents hin­ge­wie­sen. Der Aus­gang eines Haupt­sa­che-Ver­let­zungs­ver­fah­rens müs­se nicht mehr abge­war­tet wer­den, weil das Patent am 18.02.2018 erlischt und Wil­kin­son die Ver­let­zungs­hand­lun­gen ja bewusst erst kurz vor Ablauf des Patents begon­nen habe. Schließ­lich hat das Land­ge­richt Düs­sel­dorf auch bei Ver­gleich des Patents mit ande­ren 1997 bekann­ten tech­ni­schen Lösun­gen für Rasier­klin­gen­ein­hei­ten kei­ne Zwei­fel am Rechts­be­stand des Gil­let­te-Patents. Viel­mehr sei die Gil­let­te­L­ö­sung im Ver­gleich zum Stand der Tech­nik erfin­de­risch gewe­sen.

Land­ge­richt Düs­sel­dorf, Urteil vom 18. Juli 2017 – 4a O 66/​17