Durch­ge­stri­che­ne Prei­se

"Der Bun­des­ge­richts­hof unter­sagt Wer­bung mit durch­ge­stri­che­nen Prei­sen" tön­te es am Frei­tag durch den Pres­se­wald. Stimmt so lei­der nicht ganz, denn das Urteil des Bun­des­ge­richts­hofs betraf nur die beson­de­re Fall­kon­stel­la­ti­on bei Eröff­nungs­an­ge­bo­ten:

Durch­ge­stri­che­ne Prei­se

Eine Wer­bung mit her­vor­ge­ho­be­nen Ein­füh­rungs­prei­sen, denen höhe­re durch­ge­stri­che­ne Prei­se gegen­über­ge­stellt wer­den, ist nur zuläs­sig, wenn sich aus der Wer­bung ergibt, wie lan­ge die Ein­füh­rungs­prei­se gel­ten und ab wann die durch­ge­stri­che­nen höhe­ren Prei­sen ver­langt wer­den.

In dem hier vom Bun­des­ge­richts­hof ent­schie­de­nen Fall warb der Beklag­te, der im Tep­pich­han­del tätig ist und im Jah­re 2007 eine Nie­der­las­sung in Frie­sen­heim bei Frei­burg betrieb, in einem der Badi­schen Zei­tung bei­gefüg­ten Pro­spekt für sei­ne Tep­pich­kol­lek­ti­on "Ori­gi­nal Kan­chipur" mit Ein­füh­rungs­prei­sen, denen er deut­lich höhe­re durch­ge­stri­che­ne Prei­se gegen­über­stell­te. Im Text des Pro­spekts wies er dar­auf hin, dass die Kol­lek­ti­on eine Welt­neu­heit sei, zu deren Markt­ein­füh­rung er als Her­stel­ler hohe Rabat­te geben kön­ne.

Die Klä­ge­rin, ein Frei­bur­ger Wett­be­wer­ber, sah in die­ser Wer­bung eine Irre­füh­rung und einen Ver­stoß gegen das wett­be­werbs­recht­li­che Trans­pa­renz­ge­bot. Ihre Kla­ge hat­te sowohl vor dem erst­in­stanz­lich hier­mit befass­ten Land­ge­richt Frei­burg1 wie auch in der Beru­fungs­in­stanz vor dem Ober­lan­des­ge­richt Karls­ru­he2Erfolg. Und auch der Bun­des­ge­richts­hof sah dies nun genau­so und wies die dage­gen ein­ge­leg­te Revi­si­on des Beklag­ten zurück.

Der Bun­des­ge­richts­hof hat die Ansicht des Beru­fungs­ge­richts bestä­tigt, dass die Bedin­gun­gen für die Inan­spruch­nah­me die­ser Ver­kaufs­för­de­rungs­maß­nah­me in der Wer­be­an­zei­ge nicht – wie in § 4 Nr. 4 UWG gefor­dert – klar und ein­deu­tig ange­ge­ben waren. Außer­dem ver­sto­ße die Wer­bung gegen das Irre­füh­rungs­ver­bot. Wer mit einem höhe­ren durch­ge­stri­che­nen Prei­se wer­be, müs­se deut­lich machen, wor­auf sich die­ser Preis bezie­he. Han­de­le es sich um den regu­lä­ren Preis, den der Händ­ler nach Abschluss der Ein­füh­rungs­wer­bung ver­lan­ge, müs­se er ange­ben, ab wann er die­sen regu­lä­ren Preis in Rech­nung stel­len wer­de. Anders als beim Räu­mungs­ver­kauf, bei dem der Kauf­mann nach der Recht­spre­chung – nicht – zu einer zeit­li­chen Begren­zung genö­tigt ist, muss damit ein Ein­füh­rungs­an­ge­bot, das mit durch­ge­stri­che­nen höhe­ren Prei­sen wirbt, eine zeit­li­che Begren­zung auf­wei­sen.

Bun­des­ge­richts­hof, Urteil vom 17. März 2011 – I ZR 81/​09 – Ori­gi­nal Kan­chipur

  1. LG Frei­burg, Urteil vom 07.03.2008 – 12 O 153/​07 []
  2. OLG Karls­ru­he, Urteil vom 14.05.2009 – 4 U 49/​08 []