E‑Bacchus und der Toka­jer-Wein

Das Gericht der Euro­päi­schen Uni­on hat die Kla­ge Ungarns gegen die Ein­tra­gung der Bezeich­nung „Vin­oh­r­ad­ní­cka oblas Tokaj“ für die Slo­wa­kei in der Daten­bank E‑Bacchus abge­wie­sen. Die­se Ein­tra­gung kann nach Ansicht des Euro­päi­schen Gerichts nicht in Fra­ge gestellt wer­den, denn sie wird auto­ma­tisch auf der Grund­la­ge des Schut­zes vor­ge­nom­men, in des­sen Genuss die­se Bezeich­nung in der Uni­on bereits vor der Errich­tung der Daten­bank kam.

E‑Bacchus und der Toka­jer-Wein

Die Wein­bau­re­gi­on Tokaj erstreckt sich auf Ungarn und die Slo­wa­kei. Die Kom­mis­si­on trug auf Antrag der Slo­wa­kei die geschütz­te Ursprungs­be­zeich­nung „Vin­oh­r­ad­ní­cka oblas Tokaj“ in die Lis­ten für die in bestimm­ten Anbau­ge­bie­ten her­ge­stell­ten Qua­li­täts­wei­ne (Qua­li­täts­wei­ne b. A.) ein, die sie am 17. Febru­ar 2006 und am 10. Mai 2007 im Amts­blatt der Euro­päi­schen Uni­on ver­öf­fent­lich­te.
Am 31. Juli 2009, einen Tag vor der Ein­füh­rung des elek­tro­ni­schen Regis­ters von geschütz­ten Ursprungs­be­zeich­nun­gen und geschütz­ten geo­gra­fi­schen Anga­ben für Wei­ne (Daten­bank E‑Bacchus), wur­de eine neue Lis­te der Qua­li­täts­wei­ne b. A. ver­öf­fent­licht. Sie schloss eine von der Slo­wa­kei bean­trag­te Ände­rung der in den vor­he­ri­gen Lis­ten ver­öf­fent­lich­ten geschütz­ten Ursprungs­be­zeich­nung ein. In die­ser neu­en Lis­te wur­de daher die geschütz­te Ursprungs­be­zeich­nung „Tokajská/​Tokajské/​Tokajsky vin­oh­r­ad­ní­cka oblast’“ ein­ge­tra­gen. Die Daten­bank E‑Bacchus hat die Ver­öf­fent­li­chung der Lis­ten der Qua­li­täts­wei­ne b. A. ersetzt. Auf der Grund­la­ge der neu­en Lis­te wur­de die geschütz­te Ursprungs­be­zeich­nung „Tokajská/​Tokajské/​Tokajsky vin­oh­r­ad­ní­cka oblast’“ für den in der Slo­wa­kei befind­li­chen Teil der Wein­bau­re­gi­on Tokaj in die Daten­bank E‑Bacchus auf­ge­nom­men.

Am 30. Novem­ber 2009 rich­te­te die Slo­wa­kei ein Schrei­ben an die Kom­mis­si­on, mit dem sie die­se ersuch­te, in der Daten­bank E‑Bacchus die geschütz­te Ursprungs­be­zeich­nung „Tokajská/​Tokajské/​Tokajsky vin­oh­r­ad­ní­cka oblast’“ durch die geschütz­te Ursprungs­be­zeich­nung „Vin­oh­r­ad­ní­cka oblas Tokaj“ zu erset­zen. Sie führ­te dazu aus, die Bezeich­nung „Tokajská/​Tokajské/​Tokajsky vin­oh­r­ad­ní­cka oblast’“ sei durch ein Ver­se­hen in die Lis­te der Qua­li­täts­wei­ne b. A. auf­ge­nom­men wor­den; tat­säch­lich wer­de in ihren natio­na­len Rechts­vor­schrif­ten die Bezeich­nung „Vin­oh­r­ad­ní­cka oblas Tokaj“ ver­wen­det, auf deren Grund­la­ge die Ein­tra­gung in die Lis­te vor­ge­nom­men wer­den soll­te.
Nach­dem sich die Kom­mis­si­on ver­ge­wis­sert hat­te, dass in den frag­li­chen slo­wa­ki­schen Rechts­vor­schrif­ten am Tag der Ein­füh­rung der Daten­bank E‑Bacchus in der Tat die Bezeich­nung „Vin­oh­r­ad­ní­cka oblas Tokaj“ zu fin­den war, änder­te sie ent­spre­chend dem Antrag der Slo­wa­kei die in die­ser Daten­bank ent­hal­te­nen Infor­ma­tio­nen.

Ungarn trat die­ser Ände­rung jedoch unter Bezug­nah­me auf die am 30. Juni 2009 erlas­se­nen (und am 1. Sep­tem­ber 2009 in Kraft getre­te­nen) neu­en slo­wa­ki­schen Rechts­vor­schrif­ten über Wei­ne ent­ge­gen, in denen sich der Aus­druck „Toka­js­ká vin­oh­r­ad­ní­cka oblas“ fin­de. Ungarn erhob daher beim Gericht Kla­ge mit dem Antrag, die von der Kom­mis­si­on in der Daten­bank E‑Bacchus für die Slo­wa­kei vor­ge­nom­me­ne Ein­tra­gung der geschütz­ten Ursprungs­be­zeich­nung „Vin­oh­r­ad­ní­cka oblas? Tokaj“ für nich­tig zu erklä­ren.

In sei­nem Urteil stellt das Gericht der Euro­päi­schen Uni­on zunächst fest, dass die Bezeich­nun­gen für Wei­ne, die bereits vor der Ein­füh­rung der Daten­bank E‑Bacchus auf­grund der gel­ten­den Rechts­vor­schrif­ten der Uni­on geschützt waren, auto­ma­tisch auf­grund der seit Ein­füh­rung die­ser Daten­bank gel­ten­den Rechts­vor­schrif­ten geschützt sind. Daher hat ihre Ein­füh­rung den Cha­rak­ter des Schut­zes die­ser Bezeich­nun­gen von Wei­nen nicht geän­dert, so dass die­ser Schutz nicht von ihrer Auf­nah­me in die Daten­bank abhing. Die Auf­nah­me ist näm­lich ledig­lich eine Fol­ge des auto­ma­ti­schen Über­gangs eines bereits bestehen­den Schut­zes von einem Rege­lungs­rah­men auf einen ande­ren und kei­ne Vor­aus­set­zung die­ses Schut­zes.

Wei­ter führt das Gericht der Euro­päi­schen Uni­on aus, dass der Schutz, den das Uni­ons­recht den Bezeich­nun­gen von Wei­nen auf­grund der vor der Ein­füh­rung der Daten­bank E‑Bacchus gel­ten­den Rechts­vor­schrif­ten der Uni­on gewähr­te, auf den durch die Rechts­vor­schrif­ten der Mit­glied­staa­ten fest­ge­leg­ten Bezeich­nun­gen der Wei­ne beruh­te. Die­ser Schutz ergab sich somit weder aus einem auto­no­men Gemein­schafts­ver­fah­ren noch aus einem Vor­gang, an des­sen Ende die von den Mit­glied­staa­ten aner­kann­ten geo­gra­fi­schen Anga­ben in einem zwin­gen­den Rechts­akt der Gemein­schaft gebün­delt wor­den wären. Das Gericht stellt hier­zu fest, dass die am 1. August 2009 – dem Tag der Ein­füh­rung der Daten­bank E‑Bacchus – gel­ten­den slo­wa­ki­schen Rechts­vor­schrif­ten, auf denen der gemein­schaft­li­che Schutz der Bezeich­nun­gen von Wei­nen hin­sicht­lich des in der Slo­wa­kei befind­li­chen Teils der Wein­bau­re­gi­on Tokaj beruh­te, ledig­lich die Bezeich­nung „Vin­oh­r­ad­ní­cka oblas? Tokaj“ ent­hielt, so dass nur sie an die­sem Tag in der Uni­on zu schüt­zen war.

Das Gericht der Euro­päi­schen Uni­on legt in die­sem Zusam­men­hang dar, dass die fälsch­li­che Ver­öf­fent­li­chung der geschütz­ten Ursprungs­be­zeich­nung „Tokajská/​Tokajské/​Tokajsky vin­oh­r­ad­ní­cka oblast’“ im Amts­blatt nichts dar­an änder­te, dass nach den allein maß­ge­ben­den slo­wa­ki­schen Rechts­vor­schrif­ten die Bezeich­nung „Vin­oh­r­ad­ní­cka oblas? Tokaj“ am 1. August 2009 geschützt war. Auch der Umstand, dass die neu­en, am 30. Juni 2009 erlas­se­nen slo­wa­ki­schen Rechts­vor­schrif­ten über Wei­ne den Begriff „Toka­js­ká vin­oh­r­ad­ní­cka oblas?“ ent­hiel­ten, ver­mag nicht in Fra­ge zu stel­len, dass die Bezeich­nung „Vin­oh­r­ad­ní­cka oblas? Tokaj“ am 1. August 2009 geschützt war, denn die neu­en Rechts­vor­schrif­ten sind erst am 1. Sep­tem­ber 2009 in Kraft getre­ten.

Unter die­sen Umstän­den hat das Gericht der Euro­päi­schen Uni­on im Hin­blick dar­auf, dass die Bezeich­nung „Vin­oh­r­ad­ní­cka oblas? Tokaj“ bereits vor ihrer Auf­nah­me in die Daten­bank E‑Bacchus durch das Uni­ons­recht geschützt war, ent­schie­den, dass ihre Auf­nah­me in die­se Daten­bank kei­ne Rechts­wir­kun­gen zu ent­fal­ten ver­mag. Da das Gericht der Euro­päi­schen Uni­on auf der Grund­la­ge des Ver­trags allein die Recht­mä­ßig­keit von Hand­lun­gen der Uni­ons­or­ga­ne mit Rechts­wir­kung gegen­über Drit­ten über­wacht, weist es die von Ungarn erho­be­ne Kla­ge als unzu­läs­sig ab.

Gericht der Euro­päi­schen Uni­on, Urteil vom 8. Novem­ber 2012 – T‑194/​10 [Ungarn /​Kom­mis­si­on]