Ein Pfän­dungs­schutz­kon­to als Rechts­an­walt­san­der­kon­to

Nach der in § 14 Abs. 2 Nr. 7 BRAO zum Aus­druck kom­men­den Wer­tung des Gesetz­ge­bers ist mit dem Ver­mö­gens­ver­fall grund­sätz­lich eine Gefähr­dung der Inter­es­sen der Recht­su­chen­den ver­bun­den. Auch wenn die­se Rege­lung nicht im Sin­ne eines Auto­ma­tis­mus zu ver­ste­hen ist, die Gefähr­dung daher nicht zwangs­läu­fig und aus­nahms­los schon aus dem Vor­lie­gen eines Ver­mö­gens­ver­falls folgt, kann die Gefähr­dung im nach der gesetz­li­chen Wer­tung vor­ran­gi­gen Inter­es­se der Recht­su­chen­den nur in sel­te­nen Aus­nah­me­fäl­len ver­neint wer­den 1. Hier­für trägt der Rechts­an­walt die Fest­stel­lungs­last 2.

Ein Pfän­dungs­schutz­kon­to als Rechts­an­walt­san­der­kon­to

Die Annah­me einer sol­chen Son­der­si­tua­ti­on setzt jedoch zumin­dest vor­aus, dass der Rechts­an­walt sei­ne anwalt­li­che Tätig­keit nur noch für eine Rechts­an­walts­so­zie­tät aus­übt und mit die­ser recht­lich abge­si­cher­te Maß­nah­men ver­ab­re­det hat, die eine Gefähr­dung der Man­dan­ten effek­tiv ver­hin­dern 3.

Der Hin­weis des Rechts­an­walts, er füh­re ein Rechts­an­walt­san­der­kon­to, wel­ches vor Pfän­dun­gen geschützt sei, ist dem­ge­gen­über unge­eig­net, die von Geset­zes wegen ver­mu­te­te Gefähr­dung der Inter­es­sen der Recht­su­chen­den aus­zu­schlie­ßen. Die Ein­rich­tung eines Ander­kon­tos schließt weder aus, dass Fremd­geld in den Gewahr­sam des Klä­gers gelangt noch dass Gläu­bi­ger dar­auf Zugriff neh­men kön­nen. Im Übri­gen sind Selbst­be­schrän­kun­gen bzw. Siche­rungs­maß­nah­men eines Ein­zel­an­walts nicht kon­trol­lier­bar und kön­nen jeder­zeit – ohne dass die Rechts­an­walts­kam­mer dies auch nur erfah­ren wür­de – auf­ge­ge­ben wer­den; eine Redu­zie­rung der Gefähr­dung auf ein noch hin­nehm­ba­res Maß ist so nicht mög­lich 4.

  1. stän­di­ge BGH-Recht­spre­chung, vgl. nur BGH, Beschlüs­se vom 31.05.2010 – AnwZ (B) 54/​09; vom 22.06.2011 – AnwZ (Brfg) 12/​11; vom 11.06.2012 – AnwZ (Brfg) 20/​12; und vom 21.02.2013 – AnwZ (Brfg) 68/​12[]
  2. vgl. nur BGH, Beschlüs­se vom 08.02.2010 – AnwZ (B) 67/​08, BRAKMitt.2010, 129 Rn. 11; vom 11.06.2012, aaO und vom 05.09.2012 – AnwZ (Brfg) 26/​12, NJW-RR 2013, 175 Rn. 5[]
  3. vgl. nur BGH, Beschlüs­se vom 18.10.2004 – AnwZ (B) 43/​03, NJW 2005, 511; vom 22.06.2011, aaO und vom 24.10.2012 – AnwZ (Brfg) 43/​12, juris Rn. 9[]
  4. vgl. auch BGH, Beschlüs­se vom 31.05.2010, aaO Rn. 8; vom 15.03.2012 – AnwZ (Brfg) 55/​11; vom 16.05.2012 – AnwZ (Brfg) 13/​12; und vom 19.11.2012 – AnwZ (Brfg) 56/​12[]
  5. BGH, Urtei­le vom 13.11.2012 – XI ZR 500/​11 und XI ZR 145/​12[]