Ein Pro­dukt­kof­fer als Wer­be­ge­schenk

Die Wert­gren­ze für Wer­be­ge­schen­ke, die der Bun­des­ge­richts­hof für Zuwen­dun­gen an den Ver­brau­cher defi­niert hat, gilt auch für Ange­hö­ri­ge der Fach­krei­se wie Ärz­te und Apo­the­ker.

Ein Pro­dukt­kof­fer als Wer­be­ge­schenk

Mit die­ser Begrün­dung hat das Ober­lan­des­ge­richt Stutt­gart in dem hier vor­lie­gen­den Fall einer Unter­las­sungs­kla­ge statt­ge­ge­ben, mit der sich ein Kon­kur­rent gegen das Ver­schen­ken eines Pro­dukt­kof­fers gewehrt hat. Gleich­zei­tig ist das erst­in­stanz­li­che Urteil des Land­ge­richts Stutt­gart 1 bestä­tigt wor­den. Ein phar­ma­zeu­ti­sches Unter­neh­men hat­te zu Wer­be­zwe­cken Pro­dukt­kof­fer mit sechs ver­schie­de­nen Arz­nei­mit­teln gegen Erkäl­tungs­be­schwer­den bun­des­weit an Apo­the­ker ver­schenkt. Die Medi­ka­men­te hat­ten einen (unra­bat­tier­ten) Ein­kaufs­preis von 27,47 Euro. Damit war ein Kon­kur­rent nicht ein­ver­stan­den und klag­te.

In sei­ner Ent­schei­dung hat das Ober­lan­des­ge­richt Stutt­gart aus­ge­führt, dass es nach § 7 des Heil­mit­tel­wer­be­ge­set­zes unzu­läs­sig sei, "Zuwen­dun­gen und sons­ti­ge Wer­be­ga­ben (Waren oder Leis­tun­gen)" zu gewäh­ren. Von der kos­ten­lo­sen Abga­be des Arz­nei­mit­tel­kof­fers gehe die abs­trak­te Gefahr einer unsach­li­chen Beein­flus­sung aus.

Aus­nahms­wei­se zuläs­sig sei nach der gesetz­li­chen Bestim­mung zwar die Zuwen­dung von gering­wer­ti­gen Klei­nig­kei­ten. Der Wert des Arz­nei­mit­tel­kof­fers habe aller­dings die Gering­wer­tig­keits­gren­ze über­schrit­ten. Für Zuwen­dun­gen an den Ver­brau­cher habe der Bun­des­ge­richts­hof eine Wert­gren­ze von 1,00 Euro defi­niert 2. Die­se Wert­gren­ze gilt nach Auf­fas­sung des Ober­lan­des­ge­richts Stutt­gart auch für Ange­hö­ri­ge der Fach­krei­se wie Ärz­te und Apo­the­ker. Bei einer kos­ten­lo­sen Leis­tung sei oft zu erwar­ten, dass sich der Emp­fän­ger in irgend­ei­ner Wei­se erkennt­lich zei­gen wer­de. Dies kön­ne dazu füh­ren, dass der umwor­be­ne Apo­the­ker einem Kun­den die Pro­duk­te der Beklag­ten emp­feh­le. Hier­in bestehe eine unsach­li­che Beein­flus­sung, die durch das Gesetz ver­hin­dert wer­den sol­le.

Ober­lan­des­ge­richt Stutt­gart, Urteil vom 22. Febru­ar 2018 – 2 U 39/​17

  1. LG Stutt­gart, Urteil vom 09.02.2017 – 11 O 138/​16[]
  2. BGH, Urteil vom 08.05.2013 – I ZR 98/​12[]