Ent­gel­te für die Errich­tung von Mobil­funk­net­zen

Nur von den Eigen­tü­mern der Infra­struk­tu­ren, die die Erbrin­gung von Mobil­funk­diens­ten ermög­li­chen, kann ein Ent­gelt für die Errich­tung die­ser Struk­tu­ren auf öffent­li­chem Eigen­tum erho­ben wer­den. Daher unter­lie­gen Betrei­ber, die die­se Infra­struk­tu­ren ledig­lich nut­zen, die­sem Ent­gelt nicht.

Ent­gel­te für die Errich­tung von Mobil­funk­net­zen

Die Richt­li­nie über die Geneh­mi­gung elek­tro­ni­scher Kom­mu­ni­ka­ti­ons­net­ze und ‑diens­te (Geneh­mi­gungs­richt­li­nie) [1] erlaubt den Mit­glied­staa­ten, ein Ent­gelt u. a. für die Instal­la­ti­on der für die Erbrin­gung von Tele­kom­mu­ni­ka­ti­ons­diens­ten erfor­der­li­chen Ein­rich­tun­gen auf, über oder unter öffent­li­chem oder pri­va­tem Grund­be­sitz zu erhe­ben.

Meh­re­re spa­ni­sche Gemein­den erho­ben von Mobil­funk­un­ter­neh­men Ent­gel­te für die Errich­tung der für die Erbrin­gung von Mobil­funk­diens­ten erfor­der­li­chen Infra­struk­tu­ren auf kom­mu­na­lem Eigen­tum. Die Ent­gel­te wur­den von den Unter­neh­men unab­hän­gig davon erho­ben, ob sie Eigen­tü­mer die­ser Ein­rich­tun­gen waren.

Voda­fone Espa­ña und Fran­ce Telecom Espa­ña, Anbie­ter von Mobil­funk­diens­ten in Spa­ni­en, machen vor den spa­ni­schen Gerich­ten gel­tend, dass die Erhe­bung von Ent­gel­ten bei Betrei­bern, die ledig­lich Nut­zer und nicht Eigen­tü­mer des elek­tro­ni­schen Tele­kom­mu­ni­ka­ti­ons­net­zes sind, mit der Geneh­mi­gungs­richt­li­nie unver­ein­bar sei. Das Tri­bu­nal Supre­mo (spa­ni­scher Obers­ter Gerichts­hof) fragt dar­auf­hin in einem Vor­ab­ent­schei­dungs­er­su­chen den Gerichts­hof der Euro­päi­schen Uni­on, ob die Geneh­mi­gungs­richt­li­nie den Mit­glied­staa­ten erlaubt, die frag­li­chen Ent­gel­te von den Nut­zern des Tele­kom­mu­ni­ka­ti­ons­net­zes zu erhe­ben.

In sei­nem jetzt ver­kün­de­ten Urteil stellt der Euro­päi­sche Gerichts­hof vor­ab fest, dass die Mit­glied­staa­ten im Rah­men der Geneh­mi­gungs­richt­li­nie kei­ne ande­ren Abga­ben oder Ent­gel­te für die Bereit­stel­lung elek­tro­ni­scher Kom­mu­ni­ka­ti­ons­net­ze und ‑diens­te als die in der Richt­li­nie vor­ge­se­he­nen erhe­ben dür­fen. In die­sem Kon­text sind die Mit­glied­staa­ten ins­be­son­de­re befugt, Ent­gel­te für die Rech­te für die Instal­la­ti­on von Ein­rich­tun­gen auf, über oder unter öffent­li­chem oder pri­va­tem Grund­be­sitz zu erhe­ben.

Der Gerichts­hof der Euro­päi­schen Uni­on erläu­tert in die­sem Zusam­men­hang, dass die Geneh­mi­gungs­richt­li­nie weder den Begriff der Instal­la­ti­on von Ein­rich­tun­gen auf, über oder unter öffent­li­chem oder pri­va­tem Grund­be­sitz noch den Begriff des Schuld­ners des Ent­gelts für die Rech­te für die­se Instal­la­ti­on defi­niert. Er weist jedoch dar­auf hin, dass nach der Rah­men­richt­li­nie für elek­tro­ni­sche Kom­mu­ni­ka­ti­ons­net­ze und ‑diens­te [2] die Rech­te für die Instal­la­ti­on von Ein­rich­tun­gen – d. h. phy­si­schen Infra­struk­tu­ren – auf, über oder unter öffent­li­chem oder pri­va­tem Grund­be­sitz einem Unter­neh­men erteilt wer­den, das für die Bereit­stel­lung öffent­li­cher Kom­mu­ni­ka­ti­ons­net­ze zuge­las­sen und daher berech­tigt ist, die not­wen­di­gen Ein­rich­tun­gen zu instal­lie­ren.

Folg­lich kann das Ent­gelt für die Rech­te für die Instal­la­ti­on von Ein­rich­tun­gen nur vom Inha­ber die­ser Rech­te erho­ben wer­den, d. h. vom Eigen­tü­mer der auf, über oder unter dem betref­fen­den öffent­li­chen oder pri­va­ten Grund­be­sitz errich­te­ten Infra­struk­tu­ren.

Der Gerichts­hof der Euro­päi­schen Uni­on ant­wor­tet des­halb, dass das Uni­ons­recht den Mit­glied­staa­ten nicht erlaubt, das Ent­gelt von Betrei­bern zu erhe­ben, die die Infra­struk­tu­ren, ohne ihre Eigen­tü­mer zu sein, für die Erbrin­gung von Mobil­funk­diens­ten nut­zen.

Außer­dem stellt der Gerichts­hof der Euro­päi­schen Uni­on fest, dass die Bestim­mung des Art. 13 Geneh­mi­gungs­richt­li­nie, die sich auf die Erhe­bung des Ent­gelts bezieht, wegen ihrer unbe­ding­ten und genau­en For­mu­lie­rung vom Ein­zel­nen vor den natio­na­len Gerich­ten unmit­tel­bar gel­tend gemacht wer­den kann, um der Anwen­dung einer mit die­ser Bestim­mung unver­ein­ba­ren Ent­schei­dung einer Behör­de ent­ge­gen­zu­tre­ten.

Gerichts­hof der Euro­päi­schen Uni­on, Urteil vom 12. Juli 2012 – C‑55/​11, C‑57/​11 und C‑58/​11 [Voda­fone Espa­ña SA /​Ayun­ta­mi­en­to de San­ta Ama­lia und Ayun­ta­mi­en­to de Tude­la] und [Fran­ce Telecom Espa­ña SA /​Ayun­ta­mi­en­to de Tor­re­ma­yor]

  1. Richt­li­nie 2002/​20/​EG des Euro­päi­schen Par­la­ments und des Rates vom 7. März 2002 über die Geneh­mi­gung elek­tro­ni­scher Kom­mu­ni­ka­ti­ons­net­ze und ‑diens­te, ABl.EU L 108, S. 21[]
  2. Richt­li­nie 2002/​21/​EG des Euro­päi­schen Par­la­ments und des Rates vom 7. März 2002 über einen gemein­sa­men
    Rechts­rah­men für elek­tro­ni­sche Kom­mu­ni­ka­ti­ons­net­ze und ‑diens­te, ABl.EU L 108, S. 33[]