Ent­zug einer Schlacht­zu­las­sung

Ein­zel­fall eines (erheb­li­chen) Ver­sto­ßes gegen die von einem Schlacht­hof­be­trieb ein­zu­hal­ten­den lebens­mit­tel­hy­gie­ne­recht­li­chen Vor­schrif­ten.

Ent­zug einer Schlacht­zu­las­sung

Für die Beur­tei­lung der Recht­mä­ßi­gig­keit des Ent­zu­ges der Schlacht­zu­las­sung ist regel­mä­ßig die Sach- und Rechts­la­ge im Zeit­punkt der (letz­ten) Behör­den­ent­schei­dung maß­geb­lich. Etwas ande­res kann allen­falls dann gel­ten, wenn im Zeit­punkt der gericht­li­chen Ent­schei­dung zwei­fels­frei fest­steht, dass die recht­li­chen Vor­aus­set­zun­gen für eine erneu­te Schlacht­zu­las­sung vor­lie­gen.

Gemäß Art. 31 Abs. 2 lit. e) der Ver­ord­nung (EG) Nr. 882/​2004 des Euro­päi­schen Par­la­ments und des Rates vom 29.04.2004 über amt­li­che Kon­trol­len zur Über­prü­fung der Ein­hal­tung des Lebens­mit­tel- und Fut­ter­mit­tel­rechts sowie der Bestim­mun­gen über Tier­ge­sund­heit und Tier­schutz (VO Nr. 882/​2004) über­prüft die zustän­di­ge Behör­de im Rah­men der amt­li­chen Kon­trol­len die Zulas­sung von Betrie­ben, die – wie hier – dem Anwen­dungs­be­reich der Ver­ord­nung unter­fal­len. Stellt sie ernst­haf­te Män­gel fest und ist der Lebens­mit­tel­un­ter­neh­mer nicht in der Lage, hin­sicht­lich der künf­ti­gen Erzeu­gung ange­mes­se­ne Garan­ti­en zu bie­ten, so lei­tet die zustän­di­ge Behör­de ent­spre­chen­de Ver­fah­ren ein, um dem Betrieb die Zulas­sung zu ent­zie­hen. Damit kor­re­spon­die­rend bestimmt Art. 54 Abs. 1 VO Nr. 882/​2004, dass die Behör­de bei Fest­stel­lung eines Ver­sto­ßes gegen die ein­schlä­gi­gen lebens­mit­tel­recht­li­chen Vor­schrif­ten die erfor­der­li­chen Maß­nah­men trifft, um sicher­zu­stel­len, dass der Unter­neh­mer Abhil­fe schafft; zu die­sen Maß­nah­men gehört gemäß Art. 54 Abs. 2 lit. f) VO 882/​2004 u.a. der Ent­zug der Zulas­sung des Betrie­bes. Von die­ser Ermäch­ti­gung hat der Antrags­geg­ner als zustän­di­ge Kon­troll­be­hör­de hier aller Vor­aus­sicht nach zu Recht Gebrauch gemacht.

Nach Art. 3 der Ver­ord­nung (EG) Nr. 852/​2004 des Euro­päi­schen Par­la­ments und des Rates vom 29.04.2004 über Lebens­mit­tel­hy­gie­ne (VO Nr. 852/​2004), die nach ihrem Art. 1 all­ge­mei­ne Lebens­mit­tel­hy­gie­ne­vor­schrif­ten für Lebens­mit­tel­un­ter­neh­mer ent­hält, stel­len die Lebens­mit­tel­un­ter­neh­mer sicher, dass auf allen ihrer Kon­trol­le unter­ste­hen­den Produktions‑, Ver­ar­bei­tungs- und Ver­triebs­stu­fen von Lebens­mit­teln die ein­schlä­gi­gen Hygie­ne­vor­schrif­ten die­ser Ver­ord­nung erfüllt sind. Dabei haben sie, soweit sie auf Produktions‑, Ver­ar­bei­tungs- und Ver­triebs­stu­fen von Lebens­mit­teln außer­halb der Pri­mär­pro­duk­ti­on tätig sind, gemäß Art. 4 Abs. 2 VO Nr. 852/​2004 die all­ge­mei­nen Hygie­ne­vor­schrif­ten gemäß Anhang II zu die­ser Ver­ord­nung sowie etwai­ge spe­zi­el­le Anfor­de­run­gen der Ver­ord­nung (EG) Nr. 853/​2004 des Euro­päi­schen Par­la­ments und des Rates vom 29.04.2004 mit spe­zi­fi­schen Hygie­ne­vor­schrif­ten für Lebens­mit­tel tie­ri­schen Ursprungs (VO Nr. 853/​2004) zu erfül­len. Die in Anhang II der VO Nr. 852/​2004 ent­hal­te­nen all­ge­mei­nen Hygie­ne­vor­schrif­ten regeln im Ein­zel­nen die Anfor­de­run­gen u.a. an Betriebs­stät­ten, in denen mit Lebens­mit­teln umge­gan­gen wird (Kap. I), an Räu­me, in denen Lebens­mit­tel zu­bereitet, behan­delt oder ver­ar­bei­tet wer­den (Kap. II), an Gegen­stän­de, Arma­tu­ren und Aus­rüstungen, mit denen Lebens­mit­tel in Berüh­rung kom­men (Kap. V) sowie an die Was­ser­ver­sor­gung (Kap. VII), die Per­so­nal­hy­gie­ne (Kap. VIII) und die Lebens­mit­tel selbst (Kap. IX). Gemäß Art. 3 Abs. 1 VO Nr. 853/​2004 sind im vor­lie­gen­den Fall dar­über hin­aus die ein­schlä­gi­gen Vor­schrif­ten des Anhangs III zu die­ser Ver­ord­nung zu beach­ten, der in Abschnitt I spe­zi­fi­sche Hygie­ne­vor­schrif­ten für Schlacht­hö­fe (Kap. II) und die Schlacht­hy­gie­ne (Kap. IV) ent­hält.

Ver­wal­tungs­ge­richt Osna­brück, Beschluss vom 24. Novem­ber 2011 – 6 B 61/​11