Erfolgs­ho­no­rar – und der wett­be­werbs­recht­li­che Unter­las­sungs­an­spruch

Bei dem Ver­bot der Ver­ein­ba­rung eines Erfolgs­ho­no­rars nach § 49b Abs. 2 Satz 1 BRAO han­delt es sich um eine Markt­ver­hal­tens­re­ge­lung im Sin­ne von § 4 Nr. 11 UWG aF und § 3a UWG.

Erfolgs­ho­no­rar – und der wett­be­werbs­recht­li­che Unter­las­sungs­an­spruch

Eine Norm regelt das Markt­ver­hal­ten im Inter­es­se der Mit­be­wer­ber, Ver­brau­cher oder sons­ti­gen Markt­teil­neh­mer, wenn sie einen Wett­be­werbs­be­zug in der Form auf­weist, dass sie die wett­be­werb­li­chen Belan­ge der als Anbie­ter oder Nach­fra­ger von Waren oder Dienst­leis­tun­gen in Betracht kom­men­den Per­so­nen schützt. Eine Vor­schrift, die dem Schutz von Rech­ten, Rechts­gü­tern oder sons­ti­gen Inter­es­sen von Markt­teil­neh­mern dient, ist eine Markt­ver­hal­tens­re­ge­lung, wenn das geschütz­te Inter­es­se gera­de durch die Markt­teil­nah­me, also durch den Abschluss von Aus­tausch­ver­trä­gen und den nach­fol­gen­den Ver­brauch oder Gebrauch der erwor­be­nen Ware oder in Anspruch genom­me­nen Dienst­leis­tung berührt wird. Nicht erfor­der­lich ist eine spe­zi­fisch wett­be­werbs­be­zo­ge­ne Schutz­funk­ti­on in dem Sin­ne, dass die Rege­lung die Markt­teil­neh­mer spe­zi­ell vor dem Risi­ko einer unlau­te­ren Beein­flus­sung ihres Markt­ver­hal­tens schützt. Die Vor­schrift muss jedoch zumin­dest auch den Schutz der wett­be­werb­li­chen Inter­es­sen der Markt­teil­neh­mer bezwe­cken; ledig­lich reflex­ar­ti­ge Aus­wir­kun­gen zu deren Guns­ten genü­gen daher nicht 1.

Nach die­sen Grund­sät­zen ist das Ver­bot der Ver­ein­ba­rung eines Erfolgs­ho­no­rars gemäß § 49b Abs. 2 BRAO eine Markt­ver­hal­tens­re­ge­lung.

Ver­ein­ba­run­gen, durch die eine Ver­gü­tung oder ihre Höhe vom Aus­gang der Sache oder vom Erfolg der anwalt­li­chen Tätig­keit abhän­gig gemacht wird oder nach denen der Rechts­an­walt einen Teil des erstrit­te­nen Betra­ges als Hono­rar erhält (Erfolgs­ho­no­rar), sind unzu­läs­sig, soweit das Rechts­an­walts­ver­gü­tungs­ge­setz nichts ande­res bestimmt (§ 49b Abs. 2 Satz 1 BRAO). § 49b Abs. 2 Satz 1 BRAO wird durch § 4a RVG ergänzt. Nach § 4a Abs. 1 Satz 1 RVG darf ein Erfolgs­ho­no­rar nur für den Ein­zel­fall und nur dann ver­ein­bart wer­den, wenn der Auf­trag­ge­ber auf­grund sei­ner wirt­schaft­li­chen Ver­hält­nis­se bei ver­stän­di­ger Betrach­tung ohne die Ver­ein­ba­rung eines Erfolgs­ho­no­rars von der Rechts­ver­fol­gung abge­hal­ten wür­de. Nach § 4 Abs. 1 Satz 1 RDGEG gilt das Rechts­an­walts­ver­gü­tungs­ge­setz für die Ver­gü­tung der Ren­ten­be­ra­te­rin­nen und Ren­ten­be­ra­ter (regis­trier­te Per­so­nen nach § 10 Abs. 1 Satz 1 Nr. 2 RDG) sowie der regis­trier­ten Erlaub­nis­in­ha­ber mit Aus­nah­me der Fracht­prü­fe­rin­nen und Fracht­prü­fer ent­spre­chend. Nach § 4 Abs. 2 Satz 2 Halb­satz 1 RDGEG ist die Ver­ein­ba­rung eines Erfolgs­ho­no­rars (§ 49b Abs. 2 Satz 1 BRAO) unzu­läs­sig.

Die Fra­ge, ob es sich bei § 49b Abs. 2 BRAO um eine Markt­ver­hal­tens­re­ge­lung han­delt, ist umstrit­ten:

  • Nach einer Ansicht bezweckt die Vor­schrift ledig­lich den Schutz der Unab­hän­gig­keit des Rechts­an­walts und kann des­halb nicht als Markt­ver­hal­tens­re­ge­lung ange­se­hen wer­den 2.
  • Nach ande­rer Ansicht liegt dage­gen eine Markt­ver­hal­tens­re­ge­lung vor 3, weil die Vor­schrift auch den Schutz der Recht­su­chen­den vor einer Über­vor­tei­lung durch über­höh­te Ver­gü­tungs­sät­ze zum Ziel hat 4.

Die zuletzt genann­te Ansicht trifft zu. Das Ver­bot anwalt­li­cher Erfolgs­ho­no­ra­re dient meh­re­ren Zie­len. Neben das Ziel des Schut­zes der anwalt­li­chen Unab­hän­gig­keit tre­ten wei­te­re ver­fas­sungs­recht­lich aner­kann­te Gemein­wohl­zie­le, dar­un­ter der Man­dan­ten­schutz als beson­de­re Aus­prä­gung des Ver­brau­cher­schut­zes 5. Die Rege­lung in § 49b Abs. 2 BRAO ist des­halb als Markt­ver­hal­tens­re­ge­lung anzu­se­hen.

Bun­des­ge­richts­hof, Urteil vom 6. Juni 2019 – I ZR 67/​18

  1. BGH, Urteil vom 27.04.2017 – I ZR 215/​15, GRUR 2017, 819 Rn.20 = WRP 2017, 941 Auf­zeich­nungs­pflicht, mwN
  2. MünchKomm-.UWG/Schaffert, 2. Aufl., § 4 Nr. 11 Rn. 92; Ohly in Ohly/​Sosnitza, UWG, 7. Aufl., § 3a Rn. 38
  3. Köh­ler in Köhler/​Bornkamm/​Feddersen, UWG, 37. Aufl., § 3a Rn.01.114; JurisPK.UWG/Link, 4. Aufl., § 3a Rn. 232
  4. Großkomm.UWG/Metz­ger aaO § 4 Nr. 11 Rn. 54
  5. BVerfGE 117, 163, 182 ff. 88 bis 92]