Erstat­tung der nicht genutz­ten Auto­bahn­maut

Ein Maut­schuld­ner kann bei der manu­el­len Ein­bu­chung oder der Inter­net­ein­bu­chung nach Ablauf des Gül­tig­keits­zeit­raums des Ein­bu­chungs­be­legs oder des ihm für die maut­pflich­ti­ge Stra­ßen­be­nut­zung ein­ge­räum­ten Zeit­raums inner­halb von zwei Mona­ten die Erstat­tung ent­rich­te­ter Maut ver­lan­gen, wenn die gebuch­te Fahrt nach­weis­lich nicht durch­ge­führt wur­de.

Erstat­tung der nicht genutz­ten Auto­bahn­maut

In dem die­ser Ent­schei­dung des Bun­des­ver­wal­tungs­ge­richt zugrun­de lie­gen­den Ver­fah­ren ver­lang­te der Klä­ger die Erstat­tung von Auto­bahn­maut, die er für eine über das Inter­net irr­tüm­lich gebuch­te und nicht durch­ge­führ­te Fahrt mit sei­nem LKW ent­rich­tet hat­te. Den Erstat­tungs­an­trag lehn­te das Bun­des­amt für Güter­ver­kehr ab, weil dem Klä­ger eine Stor­nie­rung der Fehl­bu­chung inner­halb des für die Auto­bahn­be­nut­zung ein­ge­räum­ten Zeit­raums an einem Zahl­stel­len-Ter­mi­nal an der gebuch­ten Stre­cke mög­lich gewe­sen wäre.

Die Kla­ge blieb sowohl vor dem erst­in­stanz­lich hier­mit befass­ten Ver­wal­tungs­ge­richt Köln 1 wie auch in der Beru­fungs­in­stanz vor dem Ober­ver­wal­tungs­ge­richt für das Land Nord­rhein-West­fa­len in Müns­ter 2 ohne Erfolg. Das Ober­ver­wal­tungs­ge­richt hat jedoch die Revi­si­on zum Bun­des­ver­wal­tungs­ge­richt wegen grund­sätz­li­cher Bedeu­tung der Rechts­sa­che zuge­las­sen. Und das Bun­des­ver­wal­tungs­ge­richt urteil­te nun anders als die bei­den Vor­in­stan­zen im Sin­ne des LKW-Füh­rers und ver­ur­teil­te die beklag­te Bun­des­re­pu­blik Deutsch­land zur Erstat­tung der Maut.

Es sei nicht zu bean­stan­den, ent­schied das Bun­des­ver­wal­tungs­ge­richt, dass die LKW-Maut-Ver­ord­nung zur Ver­hin­de­rung von Miss­bräu­chen (Maut­prel­le­rei) und aus Grün­den der Ver­wal­tungs­prak­ti­ka­bi­li­tät wäh­rend des Gül­tig­keits­zeit­raums der Ein­bu­chung die Maut­schuld­ner für eine Erstat­tung auf ein auto­ma­ti­sier­tes Ver­fah­ren über ein Ter­mi­nal an der gebuch­ten Stre­cke ver­weist. Jedoch wider­spre­che es dem Grund­satz der Ver­hält­nis­mä­ßig­keit, nach Ablauf des Gül­tig­keits­zeit­raums die ent­rich­te­te Maut in Fäl­len nach­weis­lich voll­stän­dig nicht durch­ge­führ­ter Fahr­ten im schrift­li­chen Antrags­ver­fah­ren beim Bun­des­amt für Güter­ver­kehr nur dann zu erstat­ten, wenn dem Maut­schuld­ner eine Stor­nie­rung der Buchung wäh­rend des Gül­tig­keits­zeit­raums an einem Zahl­stel­len-Ter­mi­nal an der gebuch­ten Stre­cke aus tat­säch­li­chen Grün­den nicht mög­lich gewe­sen ist.

Die ent­spre­chen­de Rege­lung der LKW-Maut-Ver­ord­nung ist nach dem Urteils­spruch des Bun­des­ver­wal­tungs­ge­richts unwirk­sam.

Der Zweck die­ser zusätz­li­chen Anfor­de­rung im schrift­li­chen Ver­fah­ren lie­ge dar­in, im Inter­es­se der Ver­wal­tungs­ver­ein­fa­chung die Maut­schuld­ner zu bewe­gen, Stor­nie­run­gen mög­lichst vor Beginn des Gül­tig­keits­zeit­raums oder wäh­rend die­ses Zeit­raums an einem Zahl­stel­len-Ter­mi­nal an der gebuch­ten Stre­cke vor­zu­neh­men. Das Auto­bahn­maut­ge­setz habe aber eine Grund­ent­schei­dung für eine Erstat­tung der Maut bei nicht durch­ge­führ­ter Fahrt getrof­fen. Im Hin­blick dar­auf sei der genann­te Zweck nicht hin­rei­chend gewich­tig, um den Aus­schluss des Erstat­tungs­an­spruchs auch dann zu recht­fer­ti­gen, wenn die gebuch­te Stre­cke über­haupt nicht befah­ren wur­de. Das Gesetz las­se für ein Erstat­tungs­ver­lan­gen eine – gemes­sen an den regel­mä­ßig anfal­len­den Maut­be­trä­gen hohe – Bear­bei­tungs­ge­bühr bis zu 20 € zu. Des­halb kön­ne die bezweck­te Steue­rungs­wir­kung auf ein­fa­che­re und die Betrof­fe­nen weni­ger belas­ten­de Wei­se dadurch erreicht wer­den, dass im schrift­li­chen Erstat­tungs­ver­fah­ren eine deut­lich höhe­re Bear­bei­tungs­ge­bühr als im auto­ma­ti­sier­ten Ver­fah­ren ver­langt wird.

Bun­des­ver­wal­tungs­ge­richt, Urteil vom 15. Juni 2011 – 9 C 5.10

  1. VG Köln, Urteil vom 12.12.2008 – 25 K 3473/​06[]
  2. OVG NRW, Urteil vom 18.12.2009 – 9 A 191/​09[]