Fal­ten­un­ter­sprit­zung durch die Kos­me­ti­ke­rin

Eine Kos­me­ti­ke­rin darf kei­ne Fal­ten­un­ter­sprit­zung mit hyaluron­säu­re­hal­ti­gen Mit­teln durch­füh­ren, denn die Fal­ten­un­ter­sprit­zung mit hyaluron­säu­re­hal­ti­gen Mit­teln ist eine erlaub­nis­pflich­ti­ge Aus­übung der Heil­kun­de.

Fal­ten­un­ter­sprit­zung durch die Kos­me­ti­ke­rin

In einem jetzt vom Ober­lan­des­ge­richt Karls­ru­he – Sena­te in Frei­burg – ent­schie­de­nen Fall betreibt die Klä­ge­rin ein Zen­trum für ästhe­ti­sche Medi­zin, in dem Ärz­te u. a. Fal­ten­un­ter­sprit­zun­gen mit Hyaluron­säu­re durch­füh­ren. Die Beklag­te betreibt in räum­li­cher Nähe zur Klä­ge­rin zwei Kos­me­tik­sa­lons, in denen sie eben­falls sol­che Fal­ten­un­ter­sprit­zun­gen durch­führt. Die Klä­ge­rin hat bei dem Land­ge­richt Kon­stanz den Erlass einer einst­wei­li­gen Ver­fü­gung bean­tragt, mit der der Beklag­ten unter­sagt wer­den soll­te, ohne behörd­li­che Erlaub­nis Fal­ten­un­ter­sprit­zun­gen unter Ver­wen­dung von hyaluron­säu­re­hal­ti­gen Prä­pa­ra­ten durch­zu­füh­ren.

Die­ser Antrag hat­te in der ers­ten Instanz vor dem Land­ge­richt Kon­stanz kei­nen Erfolg, wohl aber in der Beru­fungs­in­stanz: Auf die Beru­fung der Klä­ge­rin hat das Ober­lan­des­ge­richt Karls­ru­he der Beklag­ten mit Urteil vom 17.02.2012 unter Andro­hung von Ord­nungs­geld, ersatz­wei­se Ord­nungs­haft unter­sagt, ohne behörd­li­che Erlaub­nis Fal­ten­un­ter­sprit­zun­gen unter Ver­wen­dung von hyaluron­säu­re­hal­ti­gen Prä­pa­ra­ten durch­zu­füh­ren oder sol­ch­ar­ti­ge Behand­lun­gen anzu­bie­ten und zu bewer­ben.

Die Klä­ge­rin habe als Mit­be­wer­be­rin einen Unter­las­sungs­an­spruch nach den Regeln des Geset­zes gegen den unlau­te­ren Wett­be­werb in Ver­bin­dung mit dem Heil­prak­ti­ker­ge­setz, ent­schied das Ober­lan­des­ge­richt Karls­ru­he. Die Par­tei­en stün­den als Anbie­ter von Dienst­leis­tun­gen in einem kon­kre­ten Wett­be­werbs­ver­hält­nis. Das Fal­ten­un­ter­sprit­zen unter Ver­wen­dung von hyaluron­säu­re­hal­ti­gen Prä­pa­ra­ten stel­le eine erlaub­nis­pflich­ti­ge Aus­übung der Heil­kun­de im Sin­ne von § 1 Abs. 1 und 2 Heil­prG dar.

Das Heil­prak­ti­ker­ge­setz ent­hal­te Markt­ver­hal­tens­re­ge­lun­gen im Sin­ne des Geset­zes gegen den unlau­te­ren Wett­be­werb. Mit § 1 Heil­prG wer­de das Ziel ver­folgt, den Ein­zel­nen und die All­ge­mein­heit vor unbe­ru­fe­nen Heil­be­hand­lern zu schüt­zen.

Eine erlaub­nis­pflich­ti­ge Aus­übung der Heil­kun­de sei stets dann gege­ben, wenn die Tätig­keit ärzt­li­che bzw. medi­zi­ni­sche Fach­kennt­nis­se erfor­de­re und die Behand­lung bei gene­ra­li­sie­ren­der und typi­sie­ren­der Betrach­tung gesund­heit­li­che Schä­di­gun­gen ver­ur­sa­chen kön­ne.

Das kos­me­ti­sche Ziel eines Ein­griffs in den Kör­per schlie­ße die Bewer­tung nicht aus, so ein Ein­griff sei der Aus­übung der Heil­kun­de zumin­dest gleich­zu­stel­len.

Die Tätig­keit des Fal­ten­un­ter­sprit­zens mit einer Sprit­ze, die in ein Gerät ein­ge­packt wer­de, so dass dann eine Spit­ze von ca. 1 cm aus die­sem Gerät her­aus­schaue, sowie einer ande­ren Sprit­ze, vor allem für die Augen­par­tie, bei der nur eine Metall­spit­ze von ca. 3 mm aus dem Gerät her­aus­schaue, ber­ge nach Ansicht des Ober­lan­des­ge­richt Karls­ru­he bei gene­ra­li­sie­ren­der und typi­sie­ren­der Betrach­tungs­wei­se eine Gefahr gesund­heit­li­cher Schä­di­gun­gen in einem nicht nur unbe­trächt­li­chem Aus­maß. Das Inji­zie­ren des Füll­ma­te­ri­als in die Haut erfor­de­re neben dem gebo­te­nen not­wen­di­gen all­ge­mei­nen Wis­sen bei der Ver­ab­rei­chung von Injek­tio­nen auch zusätz­li­che Kennt­nis­se über den Auf­bau und die Schich­ten der Haut sowie über den Ver­lauf von Blut­ge­fä­ßen, Ner­ven­bah­nen und Mus­kel­strän­gen. Dabei müs­se sowohl die zu fül­len­de Haut­schicht fach­kun­dig ermit­telt und getrof­fen als auch die Unbe­denk­lich­keit des zu ver­wen­den­den Implan­tats beur­teilt wer­den.

Dass die Beklag­te pri­va­te Schu­lun­gen zur Fal­ten­un­ter­sprit­zung besucht habe und die­se seit dem Jahr 2003 unpro­ble­ma­tisch durch­füh­re, kön­ne bei die­ser Bewer­tung kei­ne Berück­sich­ti­gung fin­den.

Ober­lan­des­ge­richt Karls­ru­he, Urteil vom 17. Febru­ar 2012 – 4 U 197/​11