Fir­men­mä­ßi­ger Gebrauch einer Mar­ke

Ein rein fir­men­mä­ßi­ger Gebrauch eines Zei­chens ist kei­ne rechts­ver­let­zen­de Benut­zung im Sin­ne von § 14 Abs. 2 Nr. 2 Mar­kenG.

Fir­men­mä­ßi­ger Gebrauch einer Mar­ke

Ist dem Kla­ge­vor­brin­gen zu ent­neh­men, dass der Klä­ger das auf ein Mar­ken­recht gestütz­te Kla­ge­be­geh­ren ent­ge­gen der Fas­sung des Kla­ge­an­trags nicht auf einen rein fir­men­mä­ßi­gen Gebrauch des ange­grif­fe­nen Zei­chens beschrän­ken, son­dern sich (auch) gegen eine Ver­wen­dung des ange­grif­fe­nen Zei­chens für Waren oder Dienst­leis­tun­gen wen­den will, muss das Gericht nach § 139 Abs. 1 Satz 2 ZPO auf einen sach­dien­li­chen Antrag hin­wir­ken.

Ein rein fir­men­mä­ßi­ger Gebrauch eines Kenn­zei­chens ist kei­ne rechts­ver­let­zen­de Benut­zung im Sin­ne von § 14 Abs. 2 Nr. 2 Mar­kenG. Nach der Recht­spre­chung des Gerichts­hofs der Euro­päi­schen Uni­on und des Bun­des­ge­richts­hofs wird eine Mar­ke nicht im Sin­ne von Art. 5 Abs. 1 Mar­ken­RL "für Waren oder Dienst­leis­tun­gen" benutzt, wenn das ange­grif­fe­ne Zei­chen aus­schließ­lich als Unter­neh­mens­be­zeich­nung ver­wen­det wird 1. Dage­gen ist die Benut­zung eines Unter­neh­mens­kenn­zei­chens zugleich eine mar­ken­mä­ßi­ge Benut­zung, wenn die Funk­ti­on der Kla­ge­mar­ke beein­träch­tigt wird oder beein­träch­tigt wer­den kann. Das ist der Fall, wenn durch die Ver­wen­dung des Unter­neh­mens­kenn­zei­chens – etwa durch die Anbrin­gung auf den Waren oder durch die Ver­wen­dung in der Wer­bung für die Waren oder Dienst­leis­tun­gen bei­spiels­wei­se in Kata­lo­gen oder im Rah­men eines Inter­net­auf­tritts – der Ver­kehr zu der Annah­me ver­an­lasst wird, dass eine Ver­bin­dung zwi­schen dem ange­grif­fe­nen Unter­neh­mens­kenn­zei­chen und den Waren oder Dienst­leis­tun­gen besteht, die der Drit­te ver­treibt 2. Eine in die­sem Sinn zugleich mar­ken­mä­ßi­ge Benut­zung der ange­grif­fe­nen Unter­neh­mens­be­zeich­nung der Beklag­ten wird vom Kla­ge­an­trag aber nicht umfasst.

Gegen­tei­li­ges kann auch nicht Güns­ti­ges dar­aus abge­lei­tet wer­den, dass nach Art. 5 Abs. 5 Mar­ken­RL die in einem Mit­glied­staat gel­ten­den Bestim­mun­gen über den Schutz von Mar­ken gegen­über der nicht mar­ken­mä­ßi­gen Ver­wen­dung eines Zei­chens unbe­rührt blei­ben. Die­ser außer­halb des har­mo­ni­sier­ten Bereichs lie­gen­de Schutz von Mar­ken durch Bestim­mun­gen der Mit­glied­staa­ten kommt – wie in Art. 5 Abs. 5 Mar­ken­RL her­vor­ge­ho­ben – nur im Fall einer Aus­nut­zung oder Beein­träch­ti­gung der Unter­schei­dungs­kraft oder der Wert­schät­zung der Mar­ke in Betracht. Dafür ist im Streit­fall nichts fest­ge­stellt. Daher kann offen­blei­ben, ob ein sol­cher ver­stärk­ter Schutz auf­grund mar­ken­recht­li­cher Bestim­mun­gen nicht ohne­hin nur im Bereich des Schut­zes bekann­ter Mar­ken ange­nom­men wer­den kann 3.

Bun­des­ge­richts­hof, Urteil vom 12. Mai 2011 – I ZR 20/​10

  1. vgl. EuGH, Urteil vom 21.11.2002 – C23/​01, Slg.2002, I10913 = GRUR 2003, 143 Rn. 27 ff. – Robeco/​Robelco; Urteil vom 16.11.2004 C245/​02, Slg.2004, I10989 = GRUR 2005, 153 Rn. 64 – Anheu­ser­Busch I; Urteil vom 11.09.2007 – C17/​06, Slg.2007, I7041 = GRUR 2007, 971 Rn. 21 – Céli­ne; BGH, Urteil vom 13.09.2007 – I ZR 33/​05, GRUR 2008, 254 Rn. 22 = WRP 2008, 236 – THE HOME STORE[]
  2. vgl. EuGH, GRUR 2007, 971 Rn. 16 und 23 Céli­ne; BGH, Urteil vom 18.12.2008 – I ZR 200/​06, GRUR 2009, 772 Rn. 48 = WRP 2009, 971 – Augs­bur­ger Pup­pen­kis­te; Urteil vom 14.05.2009 I ZR 231/​06, GRUR 2009, 1055 Rn. 59 = WRP 2009, 1533 – airdsl[]
  3. vgl. Knaak in Fest­schrift v. Müh­len­dahl, 2005, S. 83, 92 f.; Büscher in Fest­schrift Ull­mann, 2006, S. 129, 151; Fezer in Fest­schrift Ull­mann, S. 187, 201, 203 f.[]