Frei­stel­lungs­ver­pflich­tun­gen des Lie­fe­ran­ten

Die von einem Lie­fe­ran­ten über­nom­me­ne Ver­pflich­tung, sei­nen wegen einer angeb­li­chen Schutz­rechts­ver­let­zung abge­mahn­ten Abneh­mer von jeg­li­chen Ansprü­chen des abmah­nen­den Drit­ten frei­zu­stel­len, schließt typi­scher­wei­se auch die Pflicht zur Abwehr der von dem Drit­ten erho­be­nen Ansprü­che ein 1.

Frei­stel­lungs­ver­pflich­tun­gen des Lie­fe­ran­ten

Es ent­spricht einer gefes­tig­ten Recht­spre­chung des Bun­des­ge­richts­hofs, dass zum Wesen einer auf gesetz­li­cher oder ver­trag­li­cher Grund­la­ge bestehen­den Frei­stel­lungs­pflicht nicht nur die Befrie­di­gung begrün­de­ter Ansprü­che gehört, die Drit­te gegen den Frei­zu­stel­len­den erhe­ben. Viel­mehr gehört zu einer Frei­stel­lungs­pflicht nach der hier­bei bestehen­den Inter­es­sen­la­ge grund­sätz­lich auch die Pflicht zur Abwehr unbe­grün­de­ter Ansprü­che Drit­ter 2. Denn mit der Über­nah­me einer Frei­stel­lungs­pflicht soll der Frei­zu­stel­len­de typi­scher­wei­se jeg­li­chen Risi­kos einer Inan­spruch­nah­me durch Drit­te ent­ho­ben wer­den und ins­be­son­de­re nicht der Gefahr aus­ge­setzt sein, wegen einer begrün­de­ten For­de­rung Drit­ter mit einer Kla­ge über­zo­gen zu wer­den oder in Fehl­ein­schät­zung der Sach- und Rechts­la­ge eine unbe­grün­de­te For­de­rung zu erfül­len und sich dies als eige­nes Fehl­ver­hal­ten ent­ge­gen­hal­ten las­sen zu müs­sen 3. Das gilt in glei­cher Wei­se auch für Frei­stel­lungs­er­klä­run­gen in Bezug auf Schutz­rech­te Drit­ter, die im Rah­men bestehen­der Lie­fer­be­zie­hun­gen von Lie­fe­ran­ten für zuge­lie­fer­te Tei­le ein­schrän­kungs­los abge­ge­ben wer­den und dadurch in der Regel zugleich des­sen gemäß § 435 BGB bestehen­de Rechts­män­gel­haf­tung zu einer ver­schul­dens­un­ab­hän­gi­gen Ein­stands­pflicht erwei­tern 4.

Die Anspruchs­ab­wehr stellt eine typi­scher­wei­se in der Frei­stel­lungs­ver­pflich­tung mit ent­hal­te­ne Pflicht dar, so dass es ihrer geson­der­ten Erwäh­nung nur dann bedarf, wenn die Par­tei­en eine sol­che Pflicht aus­nahms­wei­se als nicht bestehend hät­ten anse­hen wol­len.

Bun­des­ge­richts­hof, Urteil vom 15. Dezem­ber 2010 – VIII ZR 86/​09

  1. Fort­füh­rung von BGHZ 152, 246, 255, BGH, NJW 1970, 1594; WM 1983, 387; WM 2002[]
  2. BGH, Urteil vom 24.06.1970 – VIII ZR 268/​67, NJW 1970, 1594; BGH, Urtei­le vom 19.01.1983 – IVa ZR 116/​81, WM 1983, 387; vom 19.04.2002 – V ZR 3/​01, WM 2002, 1358; vom 24.10.2002 – IX ZR 355/​00, BGHZ 152, 246, 255[]
  3. BGH, Urteil vom 24.06.1970 – VIII ZR 268/​67, aaO; BGH, Urteil vom 19.04.2002 – V ZR 3/​01, aaO[]
  4. vgl. Wel­len­ho­fer-Klein, BB 1999, 1121, 1124; fer­ner Stau­din­ger/­Ma­tu-sche-Beck­mann, BGB, Neu­be­ar­bei­tung 2004, § 435 Rn. 40 mwN[]