Gas­preis­er­hö­hun­gen für "Erd­gas Clas­sic"

Gas­preis­er­hö­hun­gen für Kun­den mit Son­der­ver­trag "Erd­gas Clas­sic", wie sie von meh­re­ren Gas­ver­sor­gern ver­wen­det abge­schlos­sen wur­den, sind nach einem Urteil des Kar­tell­se­nats des Ober­la­dens­ge­richts Cel­le ohne Rechts­grund­la­ge und damit unwirk­sam erfolgt.

Gas­preis­er­hö­hun­gen für "Erd­gas Clas­sic"

In dem vom Ober­lan­des­ge­richt Cel­le ent­schie­de­nen Fall hat­ten über 60 Kun­den aus dem öst­li­chen Nie­der­sach­sen gegen zwei nie­der­säch­si­sche Gas­ver­sor­ger auf Fest­stel­lung der Unwirk­sam­keit von Gas­preis­er­hö­hun­gen in den Jah­ren 2004 bis 2008 geklagt. Die Beson­der­heit des Falls lag dabei dar­in, dass die­se kei­nen Grund­ver­sor­gungs­ver­trag, son­dern einen Son­der­ver­trag "Erd­gas Clas­sic" abge­schlos­sen hat­ten.

Aus die­sem Grund fin­den, so hat das Ober­lan­des­ge­richt Cel­le noch­mals klar­ge­stellt, die all­ge­mei­nen Regeln zur Preis­än­de­rung nach der AVB­GasV, der "Ver­ord­nung über die All­ge­mei­nen Bedin­gun­gen für die Gas­ver­sor­gung von Tarif­kun­den" kei­ne unmit­tel­ba­re Anwen­dung.

Die in der Bro­schü­re des Erd­gas Clas­sic-Ver­trags ent­hal­te­ne Klau­sel "bei nach­hal­ti­ger Preis­än­de­rung im Heiz­öl­markt wer­den die Erd­gas­prei­se ent­spre­chend ange­passt" ist zwar als Preis­an­pas­sungs­klau­sel aus­zu­le­gen. Die­se Klau­sel ist nach dem Urteil des Ober­lan­des­ge­richts jedoch unwirk­sam:

Die Klau­sel benach­tei­ligt die Kun­den unzu­mut­bar, weil das Recht zur Preis­er­hö­hung aus­schließ­lich an die Ent­wick­lung im Heiz­öl­markt geknüpft ist, ohne eine Kom­pen­sa­ti­on durch Kos­ten­sen­kun­gen in ande­ren Berei­chen vor­zu­se­hen.

Zudem ent­hält die Klau­sel nur ein Recht des Gas­ver­sor­gers auf Preis­er­hö­hung. Eine Pflicht zur Sen­kung der Kos­ten, wenn die Gas­be­zugs­kos­ten sin­ken, ist dage­gen nicht vor­ge­se­hen. Der Bun­des­ge­richts­hof 1 hat hier­zu bereits ent­schie­den, dass dadurch das ver­trag­li­che Gleich­ge­wicht zwi­schen Gas­ver­sor­ger und Kun­den unzu­mut­bar ver­scho­ben wird.

Eine unan­ge­mes­se­ne Belas­tung der Gas­ver­sor­ger sieht das Ober­lan­des­ge­richt Cel­le nicht, weil die Ver­sor­ger die Ver­trä­ge hät­ten kün­di­gen kön­nen.

Ober­lan­des­ge­richt Cel­le, Urteil vom 19. Mai 2011 – 13 U 6/​10 (Kart)

  1. BGH, Urteil vom 15.07.2009 – VIII ZR 225/​07[]