Gebraucht­wa­gen­ga­ran­tie – und die Inspek­ti­ons­pflicht in der Mar­ken­werk­statt

In einer for­mu­lar­mä­ßi­gen Ver­ein­ba­rung über eine Gebraucht­wa­gen­ga­ran­tie, die der Fahrzeugkäufer/​Garantienehmer gegen Ent­gelt erwirbt, ist eine Klau­sel, nach der Garan­tie­an­sprü­che davon abhän­gen, dass der Garan­ti­eneh­mer die nach den Her­stel­ler­an­ga­ben vor­ge­schrie­be­nen oder emp­foh­le­nen Wartungs‑, Inspek­ti­ons- und Pfle­ge­ar­bei­ten beim Verkäufer/​Garantiegeber oder in einer vom Her­stel­ler aner­kann­ten Ver­trags­werk­statt durch­füh­ren lässt, wegen unan­ge­mes­se­ner Benach­tei­li­gung des Garan­ti­eneh­mers unwirk­sam, wenn sie Garan­tie­an­sprü­che unab­hän­gig davon aus­schließt, ob eine Ver­let­zung der War­tungs­ob­lie­gen­heit für den ein­ge­tre­te­nen Scha­den ursäch­lich gewor­den ist 1. Für die Fra­ge der Ent­gelt­lich­keit der Garan­tie macht es kei­nen Unter­schied, ob für die Garan­tie ein geson­der­tes Ent­gelt aus­ge­wie­sen wird oder ob der Käufer/​Garantienehmer für das Fahr­zeug und die Garan­tie einen Gesamt­kauf­preis zu zah­len hat 2.

Gebraucht­wa­gen­ga­ran­tie – und die Inspek­ti­ons­pflicht in der Mar­ken­werk­statt

Eine sol­che Bestim­mung in den Garan­tie­be­din­gun­gen steht einem Anspruch des Käu­fers gegen­über dem Ver­käu­fer aus der Gebraucht­wa­gen-Garan­tie nicht ent­ge­gen, weil es sich hier­bei um eine der Inhalts­kon­trol­le nach §§ 307 ff. BGB unter­lie­gen­de Bestim­mung in All­ge­mei­nen Geschäfts­be­din­gun­gen han­delt, die wegen unan­ge­mes­se­ner Benach­tei­li­gung des Käu­fers als Ver­trags­part­ner des Ver­wen­ders gemäß § 307 Abs. 1 Satz 1 BGB unwirk­sam ist.

Die in den Garan­tie­be­din­gun­gen gere­gel­te Anspruchs­vor­aus­set­zung, nach der Vor­aus­set­zung für jeg­li­che Garan­tie­an­sprü­che ist, dass der Käufer/​Garantienehmer an dem Kraft­fahr­zeug die vom Her­stel­ler vor­ge­schrie­be­nen oder emp­foh­le­nen War­tungs, Inspek­ti­ons- und Pfle­ge­ar­bei­ten beim Verkäufer/​Garantiegeber oder in einer vom Her­stel­ler aner­kann­ten Ver­trags­werk­statt durch­füh­ren lässt, ist nicht gemäß § 307 Abs. 3 Satz 1 BGB einer AGB-recht­li­chen Inhalts­kon­trol­le ent­zo­gen.

Zwar unter­lie­gen der Inhalts­kon­trol­le sol­che Abre­den nicht, die Art und Umfang der ver­trag­li­chen Haupt­leis­tung und den dafür zu zah­len­den Preis unmit­tel­bar regeln. Die­se Frei­stel­lung gilt jedoch nur für den unmit­tel­ba­ren Leis­tungs­ge­gen­stand. Dage­gen wer­den Rege­lun­gen, die die Leis­tungs­pflicht des Ver­wen­ders ein­schrän­ken, von der Frei­stel­lung nicht erfasst, so dass All­ge­mei­ne Geschäfts­be­din­gun­gen der Inhalts­kon­trol­le unter­wor­fen sind, wenn sie anord­nen, dass der Ver­wen­der unter bestimm­ten Vor­aus­set­zun­gen die ver­spro­che­ne Leis­tung nur modi­fi­ziert oder über­haupt nicht zu erbrin­gen hat. Für die der Über­prü­fung ent­zo­ge­ne Leis­tungs­be­schrei­bung bleibt des­halb nur der enge Bereich der Leis­tungs­be­zeich­nun­gen, ohne deren Vor­lie­gen man­gels Bestimmt­heit oder Bestimm­bar­keit des wesent­li­chen Ver­trags­in­hal­tes ein wirk­sa­mer Ver­trag nicht mehr ange­nom­men wer­den kann 3.

Von die­sen zum Kern­be­reich pri­vat­au­to­no­mer Ver­trags­ge­stal­tung gehö­ren­den und des­halb nicht der Inhalts­kon­trol­le unter­lie­gen­den Abre­den sind die kon­troll­fä­hi­gen Neben­ab­re­den zu unter­schei­den, also Abre­den, die zwar mit­tel­ba­re Aus­wir­kun­gen auf Preis und Leis­tung haben, an deren Stel­le aber, wenn eine wirk­sa­me ver­trag­li­che Rege­lung fehlt, dis­po­si­ti­ves Geset­zes­recht tre­ten kann. Anders als die unmit­tel­ba­ren Leis­tungs­ab­re­den bestim­men sie nicht das Ob und den Umfang der zu erbrin­gen­den Leis­tun­gen, son­dern tre­ten als ergän­zen­de Rege­lun­gen, die ledig­lich die Art und Wei­se der Leis­tungs­er­brin­gung und/​oder etwai­ge Leis­tungs­mo­di­fi­ka­tio­nen zum Inhalt haben, "neben" eine bereits bestehen­de Leis­tungs­haupt­ab­re­de 4.

Um eine sol­che die Leis­tungs­ab­re­de ledig­lich ergän­zen­de und damit der Inhalts­kon­trol­le unter­lie­gen­de Rege­lung han­delt es sich bei einer War­tungs­klau­sel wie der vor­lie­gen­den Bestim­mung in § 4 Buchst. a der Garan­tie­be­din­gun­gen jeden­falls dann, wenn die Garan­tie nur gegen Zah­lung eines dafür zu ent­rich­ten­den Ent­gelts zu erlan­gen war 5.

Der Umstand, dass die Rech­nung kei­ne Auf­schlüs­se­lung des Gesamt­prei­ses nach den Kauf­preis­an­tei­len für das Fahr­zeug und die Garan­tie ent­hält, nötigt nicht zu einer ande­ren Beur­tei­lung. Ent­gelt­lich­keit liegt nicht nur dann vor, wenn das Ein­zel­ent­gelt für die Garan­tie geson­dert aus­ge­wie­sen wird, son­dern auch dann, wenn nach der Rech­nung ein Gesamt­ent­gelt für Fahr­zeug und Garan­tie gezahlt wur­de. Von der Gestal­tung der Rech­nung in die­ser Hin­sicht hängt die Fra­ge der recht­li­chen Ein­ord­nung nicht ab.

Auch ergibt sich auch aus dem Urteil des Bun­des­ge­richts­hofs vom 6. Juli 2011 6 nicht, dass Ent­gelt­lich­keit der Garan­tie nur vor­lä­ge, wenn die Par­tei­en das Ent­gelt für die Garan­tie – getrennt vom Kauf­preis für den Gebraucht­wa­gen – geson­dert ver­ein­ba­ren und aus­wei­sen. Für die Fra­ge, ob es sich bei einer War­tungs­klau­sel um eine der Inhalts­kon­trol­le unter­lie­gen­de Geschäfts­be­din­gung han­delt, kommt es nach die­ser Ent­schei­dung dar­auf an, ob die Garan­tie nur gegen Zah­lung eines "dafür" zu ent­rich­ten­den Ent­gelts zu erlan­gen war 7. Nur in die­sem Sin­ne ist in der Ent­schei­dung an ande­rer Stel­le von einem "zusätz­li­chen" bzw. "geson­der­ten" Ent­gelt für die Garan­tie die Rede 8. Uner­heb­lich ist dage­gen, wie hoch das Ent­gelt für das Fahr­zeug einer­seits und die Garan­tie ande­rer­seits ist, wenn die Aus­le­gung des Kauf­ver­tra­ges – wie hier – ergibt, dass sich der Gesamt­kauf­preis auf bei­des bezieht. Denn die Kon­troll­fä­hig­keit der War­tungs­klau­sel hängt nur von der Ent­gelt­lich­keit der Garan­tie, nicht von der Höhe des auf die Garan­tie ent­fal­len­den Ent­gelts ab.

Die Rege­lung in den Garan­tie­be­din­gun­gen hält der Inhalts­kon­trol­le nicht stand. Wie der Bun­des­ge­richts­hof bereits ent­schie­den hat, ist eine Klau­sel in einem vom Garan­tie­ge­ber for­mu­lar­mä­ßig ver­wen­de­ten Gebraucht­wa­gen-Garan­tie­ver­trag wegen unan­ge­mes­se­ner Benach­tei­li­gung des Kun­den unwirk­sam (§ 307 Abs. 1 Satz 1 BGB), wenn sie die Leis­tungs­pflicht des Garan­tie­ge­bers für den Fall, dass der Garan­ti­eneh­mer die vom Fahr­zeug­her­stel­ler vor­ge­schrie­be­nen oder emp­foh­le­nen War­tungs, Inspek­ti­ons- und Pfle­ge­ar­bei­ten nicht durch­füh­ren lässt, unab­hän­gig davon aus­schließt, ob die Säum­nis des Garan­ti­eneh­mers mit sei­ner War­tungs­ob­lie­gen­heit für den ein­ge­tre­te­nen Scha­den ursäch­lich gewor­den ist 9. Das trifft auch auf die hier vor­lie­gen­de Bestim­mung in den Garan­tie­be­din­gun­gen zu.

Ver­geb­lich wird hier­gegn gel­tend gemacht, dass der vor­lie­gen­de Fall nicht anders behan­delt wer­den dür­fe als eine Her­stel­ler­ga­ran­tie für Neu­fahr­zeu­ge, bei der es der Bun­des­ge­richts­hof nicht bean­stan­det hat, wenn der Her­stel­ler die Leis­tun­gen aus der Garan­tie zum Zwe­cke der Kun­den­bin­dung von der regel­mä­ßi­gen War­tung des Fahr­zeugs in sei­nen Ver­trags­werk­stät­ten abhän­gig macht 10. Die­se Ent­schei­dung ist auf den vor­lie­gen­den Fall schon des­halb nicht über­trag­bar, weil es sich hier nicht um eine Neu­wa­gen-Garan­tie des Her­stel­lers, son­dern um die Gebraucht­wa­gen-Garan­tie eines Drit­ten han­delt. Bei einer sol­chen Garan­tie, an wel­cher der Her­stel­ler nicht betei­ligt ist, spielt des­sen Inter­es­se an einer Bin­dung des Kun­den an sei­ne Ver­trags­werk­stät­ten kei­ne Rol­le; es hat kei­ne Bedeu­tung für die Aus­ge­stal­tung der Garan­tie­be­din­gun­gen sei­tens des Garan­tie­ge­bers und ist daher auch bei der Inhalts­kon­trol­le nicht zu berück­sich­ti­gen.

Davon abge­se­hen hat der Bun­des­ge­richts­hof zur Anschluss­ga­ran­tie beim Neu­wa­gen­kauf ent­schie­den, dass eine War­tungs­klau­sel wie die hier vor­lie­gen­de auch in einer Her­stel­ler­ga­ran­tie wegen unan­ge­mes­se­ner Benach­tei­li­gung des Kun­den unwirk­sam ist, wenn der Fahr­zeug­her­stel­ler dem Käu­fer die Anschluss­ga­ran­tie – anders als in der dem BGH, Urteil vom 12.12.2007 zugrun­de lie­gen­den Fall­ge­stal­tung 11 – nicht "auto­ma­tisch" als zusätz­li­che Leis­tung gewährt, son­dern gegen geson­der­tes Ent­gelt ver­kauft 12. Erst recht hat dies für den vor­lie­gen­den Fall zu gel­ten, in dem der Käu­fer gegen Ent­gelt eine vom Fahr­zeug­händ­ler gewähr­te – bei der Beklag­ten "ver­si­cher­te" – Gebraucht­wa­gen-Garan­tie erwor­ben hat.

Bun­des­ge­richts­hof, Urteil vom 25. Sep­tem­ber 2013 – VIII ZR 206/​12

  1. Fort­füh­rung von BGH, Urteil vom 17.10.2007 – VIII ZR 251/​06, WM 2008, 263; vom 12.12.2007 – VIII ZR 187/​06, WM 2008, 559; vom 06.07.2011 – VIII ZR 293/​10, NJW 2011, 3510[]
  2. Fort­füh­rung von BGH, Urteil vom 06.07.2011 – VIII ZR 293/​10, NJW 2011, 3510[]
  3. st. Rspr.; BGH, Urteil vom 06.07.2011 – VIII ZR 293/​10, NJW 2011, 3510 Rn. 10 mwN[]
  4. BGH, Urteil vom 06.07.2011 – VIII ZR 293/​10, aaO Rn. 16 mwN[]
  5. BGH, Urteil vom 06.07.2011 – VIII ZR 293/​10, aaO Rn. 17 ff. zu einer ent­spre­chen­den Bestim­mung in einer vom Fahr­zeug­her­stel­ler gewähr­ten Anschluss­ga­ran­tie[]
  6. BGH, Urteil vom 06.07.2011 – VIII ZR 293/​10, aaO[]
  7. BGH, aaO Rn. 17[]
  8. BGH, aaO Rn. 9, 22, 26[]
  9. BGH, Urteil vom 17.10.2007 – VIII ZR 251/​06, NJW 2008, 214 Rn. 15.; vgl. auch BGH, Urteil vom 06.07.2011 – VIII ZR 293/​10, aaO Rn. 21 ff.[]
  10. BGH, Urteil vom 12.12.2007 – VIII ZR 187/​06, NJW 2008, 843 Rn. 17 f.[]
  11. BGH, Urteil vom 12.12.2007 – VIII ZR 187/​06, aaO[]
  12. BGH, Urteil vom 06.07.2011 – VIII ZR 293/​10, aaO Rn. 21 ff., 26[]